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Thema: Fehler beim Schuhkauf, Fußbett + nichtorthopädische Zurichtung

  1. #1
    Administrator Avatar von urban
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    Fehler beim Schuhkauf, Fußbett + nichtorthopädische Zurichtung

    Der wohl häufigste Fehler beim Schuherwerb ist wohl der Kauf zu langer Schuhe, weil die fehlende Weite über die Wahl einer größeren Schuhnummer, also eines längeren Schuhs ausgeglichen wird
    statt einen breiteren Schuh, der u.U. weniger elegant aussieht, auszuwählen.
    Womit wir schon wieder bei dem Thema Versandhandel und Einkäufe bei Ebay wären, ganz zu schweigen von den Größenberatungen in den einschlägigen Foren und Blogs,
    und dass die Schuhkäufer in den allermeisten Fällen ihre korrekte Schuhgrößen, denn man kauft ja 2 davon, nicht kennen.

    Schuhgröße meint jetzt hier: alle Schuhmaße und nicht nur die Länge, wie allgemein üblich.
    Sind die Schuhe zu lang, so liegt die breiteste Stelle des Schuhes vor der Ballenlinie des Fußes und die Spitzenzugabe, also das Maß, um das der Schuh über den längsten Zeh hinauskragt, ist zu groß.
    Dies führt zu stark ausgeprägten Gefalten, eigentlich schon Gehwellen, die recht schmerzhaft auf die Zehen drücken können, und das Gehen darin enstpricht nicht dem natürlichen Gang;
    eine recht starke Abnutzung der Schuhspitze ist die Folge gepaart mit einer erhöhten Belastung der Fuß- und Zehengelenke, Sehnen und Muskel.
    In der Regel ist der große Zeh der längste - dies kann aber auch der erste kleine Zeh sein.
    Bei der Bemessung der Spitzenzugabe spielen aber auch die Strümpfe eine nicht unerhebliche Rolle, da z.B. ein dicker Wollstrumpf weit mehr aufträgt, der Fuß und die Zehen brauchen daher mehr Raum,
    sowohl in der Breite als auch in der Länge, als ein recht dünner Strumpf aus Seide oder Filoscozia.
    Die Spitzenzugabe wird aber insbesondere von der Form der Schuhspitze und der Schuhbreite bestimmt: eine runde Spitze erfordert weniger Spitzenzugabe als eine ovale als eine Nadelspitze.
    Das heißt:
    In Abhängigkeit von der Form der Schuhspitze wird der Schuh insgesamt länger, und damit auch die Schuhsohle.
    Man kann also die Spitzenzugabe, also das Maß um das der Schuhinnenraum länger ist als der Fuß nicht pauschal, wie leider oft in Foren üblich, mit 10 - 15 mm angeben, denn das führt zu Fehlkäufen im Versandhandel.
    Vielmehr ist ein Maß von mind. 12-15 mm der absolute Mindestabstand des längsten Zehes zur Schuhspitze (im Innenraum des Schuhs) bei runden bis ovalen Schuhspitzen.

    Ein anderer Punkt, den es bei der Schuhauswahl in diesem Zusammenhang zu betrachten gilt:
    Manche Menschen heben die Füße beim Gehen stark an, andere wiederum weniger.
    Leute, die die Füße, und damit die Schuhe, weniger hoch beim gehen anheben, können entsprechend ihrer Gangart und Motorik keine spitzen Schuhe tragen, da diese insgesamt zu lang sind,
    sondern nur welche mit einer runden oder ovalen Spitze, da sie sonst in einen schlurfenden Gang verfallen würden bei dem der Schuh nicht vom Boden abhebt sondern darüber schleift.
    Neben einer stark erhöhten Belastung der Schuhspitze und der damit verbunden Abnutzung (Abschliff) werden aber auch die Fuß- und Zehengelenke übermäßig belastet.
    Ergo muss bei der Schuhanprobe zuerst einmal der Gang des Kunden und wie stark er dabei die Füße anhebt betrachtet werden.
    Danach richtet sich dann u.a. die Wahl der Schuhform bzw. der maximalen Schuhlänge.
    Da die Füße unter Belastung tagsüber anschwellen, sollte man niemals frühmorgens Schuhe anprobieren und bei der Anprobe in jedem Fall die Strümpfe tragen, die man bevorzugt;
    kommen mehrere in Betracht wie z:b: Merino im Herbst/Winter und Filoscozia im Sommer, dann sind natürlich die etwas dickeren Merinos bei der Anprobe zu tragen.
    Merke:
    Die Spitzenzugabe richtet sich nach der Schuhform, also ob spitz, oval oder rund, in Abhängigkeit der jeweiligen Gangart bzw. Motorik des Trägers bestimmt,
    wird von der Dicke der getragenen Strümpfe, der Fußbreite und dem längsten Zeh, und unter Beachtung des kleinen Zehes, denn auch dieser bracuht ausreichend Platz und darf
    nicht in Richtung großer Zeh gedrückt werden, bestimmt.
    Diese Beurteilung sollte durch einen versierten Schuhkenner erfolgen und keinesfalls in Eigenregie durchgeführt werden, da es Fachwissen und Beochbachtungsgabe erfordert und insbesondere deshalb,
    weil man seine eigenen Füße im Belastungszustand (Verlagerung des Körpergewichtes auf den zu vermessenden Fuß) selbst nicht korrekt vermessen kann.
    Es sei mir hier erneut der Hinweis erlaubt, dass 84 % der Deutschen die falsche Schuhgröße tragen:
    nichts täuscht daher so sehr wie das subjektive Tragegefühl!

    Eine falsch gewählte Schuhlänge, hier eine zu lange, führt beim Gehen unweigerlich zu Problemen, es bildet sich über den Zehen eine Gehfalte aus, die auf selbige drückt, was Schmerzen verursacht und
    das Gehen selbst, der Bewegungsablauf, wird beeinflußt:
    Dies führt zu einer stärkeren Belastung des Fußes (Sehnen, Muskulatur, Knochenbau) und das Gehen über längere Entfernungen ist mühsamer, ggf. kommen leichte Schmerzen oder zumindest
    ein unwohlsames Gefühl auf. Ist der Mensch dabei durch ein Gespräch abgelenkt, dann merkt er es natürlich im Moment nicht so bewußt, später, wenn er z.B. wieder sitzt, aber schon.
    Ebenso dürfen Schuhe nicht zu breit sein, denn auch in diesem Fall bildet sich eine starke Gehfalte aus, die auf die Zehen drückt.
    Sind die Schuhe aber zu eng und auch noch die Spitzenzugabe - sprich der Freiraum vor den Zehen - zu gering bemessen, so führt das zu den bekannten Gelenkschäden an großem
    und an kleinem Zeh (Hallux Valgus) und früher oder später wird eine Operation fällig.
    Die Zehen brauchen diesen Freiraum (Spitzenzugabe) weil der Fuß sich bei Gehen insgesamt leicht nach vorne bewegt, aber die Zehen letztendlich auch Raum benötigen,
    da sie sich bewegen müssen, denn sie leisten die Hauptkraft beim Abstossen des Fußes beim Gehen.
    Daneben ist es die besondere Aufgabe der Zehen Bewegungen des Fußes um die Längsachse auszutarieren und zu steuern.
    Merke:
    Das Erste, worauf man beim Schuhkauf achten muss, ist die Auswahl einer ausreichenden, aber auch nicht so großen Schuhbreite für beide Schuhe
    und damit einhergehend die Auswahl der geeigneten Form der Schuhspitze aufgrund der individuellen Gehmotorik.
    Bei der Aufnahme dieser Fuß- und Gehdaten sind die maximal dicken infrage kommenden Strümpfe zu tragen und
    dies hat erst nach einiger Belastungszeit der Füße zu erfolgen und nicht am frühen Morgen.

    Der nächste kritische Punkt sind die Breite und die Höhe des Schuhes an der anatomischen Ballenlinie:
    Mit Strümpfen darf der Schuh weder zu breit noch zu hoch sein, da sich in beiden Fällen mehr oder weniger starke Gehfalten ausbilden;
    nicht etwa dass ein Schuh keine Gehfalten aufweisen darf, diese sind vielmehr unvermeidbar, wenn diese aber eine ausgeprägte Welle zeigen,
    dann sind die Schuhe zu breit, zu hoch oder einfach auch zu lang.
    Bei der Schuhanprobe ist deshalb auch besonders darauf zu achten, dass die breiteste Stelle des Schuhes in der Flucht bzw. auf gleicher Höhe mit der anatomischen Ballenlinie
    des jeweiligen Fußes liegt, denn Schuhfehlkonstruktionen der diversen Marken sind häufiger als man denkt, denn (zumindest) manchmal geben Schuhdesiger der eleganten
    Form den Vorzug vor einer technisch-anatomisch korrekten Schuhkonstruktion.
    Die korrekte Weite und Höhe wird bei belastetem Fuß (Schuh) durch Abtasten der beiden Schuhseiten, des Spanns, überprüft:
    sowohl großer als auch kleiner Zeh dürfen nicht gedrückt werden.
    Bei dieser Gelegenheit kann auch zugleich getestet werden ob die Schuhe ein- oder beidseitig eine Überstemme zwischen Futter- und Oberleder eingelassen ist.

    Stimmen also Schuhbreite, -höhe, Schuhspitzenform inklusiv der Spitzenzugabe, so ist der vordere Teil des Fußes optimal gebettet.

    Lediglich die Zehen, Groß und Kleinzehenballen drücken sich beim Tragen ganz leicht, um den Bruchteil eines Millimeters in eine relativ weiche Brandsohle ein.
    Bei relativ harten, eichenlohegegerbten und hochverdichteten Brandsohlen ist das dagegen kaum der Fall.
    Bei dünnen und minderwertigen umso mehr - nur bei diesen können sich die Zehen und Ballen stark einprägen und die darunter liegende Ausballung, in der Regel aus Kork, zusammendrücken.
    Dies kommt daher zustande, dass der Abstoß beim Gehen über die Zehenballen und vor allen Dingen über die Zehen selbst geschieht:
    dabei muß das ganze Körpergewicht nach oben gehievt/beschleunigt werden, so dass der dabei entstehende Druck auf die sehr kleine Auflagefläche der Ballen und der Zehen wirkt,
    so dass die Brandsohle darunter eingeprägt wird.
    Man kann dabei wohl kaum von einem Fußbett sprechen!

    Im Bereich des Fußgewölbes erfährt der Fuß bei den allermeisten Schuhen keinerlei Unterstützung - dies ist sehr leicht daran zu erkennen, dass das jeweilige Innenquartier (Seitenteil)
    senkrecht nach unten abfällt.
    Lediglich Blake, Blake Rapid und natürlich handeingestochene Schuhe weisen im Bereich des Fußgewölbes einen eingezogenen Schaft (Oberleder) auf - oder besser: können dieses Merkmal aufweisen.
    Achten Sie bitte beim nächsten Schuhkauf auf dieses Merkmal, denn es zeigt einen wirklich gut gemachten Schuh!
    Das Einkleben von Pelotten, um den Fuß zu stützen, kann nur ein Behelfsmittel sein und sollte nur von fachlich versierten Schuhmachern vorgenommen werden.
    In keinem Fall ist diese Methode mit einem entsprechend den Füßen des Trägers angepassten Schaft vergleichbar, da dieser unter dem allergrößten Teil des Fußgewölbes anliegt
    und dieses weich stützt, was mit einer eingeklebten Einlage so nicht erreicht werden kann.
    Auf der gegenüberliegenden Seite, dem Außenspann des Fußes, sollte die zuvor erwähnte Überstemme, eine Verstärkung, zwischen Ober-und Futterleder eingeklebt sein,
    damit der Außenspann das Leder nicht im Laufe der Tragezeit (auf-) dehnen kann und so einen festen Halt geboten bekommt.
    Man kann die Überstemme vorsichtig mit den Fingerkuppen ertasten - sofern man kein Grobmotoriker ist.

    Den wohl wichtigsten Halt erfährt der Fuß durch die Einbettung der Ferse, die im Stand und beim Auftreten während des Gehens das gesamte Körpergewicht (beim Gehen sogar die kinetische Energie des Körpers,
    also sogar ein paar KPM/KJoule mehr) aufnehmen/auffangen muss.
    Hierbei kommt es auf die anatomisch korrekte Ausformung der Fersenkappe (insgesamt) an:
    sowohl die Fersenbreite als auch die Fersenkurve des Schuhes müssen dem jeweiligen Fuß entsprechen - ist die Fersenkurve gemessen anm Fuß zu stark gewölbt,
    dann scheuert sie und es kommt zur Blasenbildung - ist sie zu flach, dann schlappt der Fuß aus dem Schuh heraus.
    Optimal angepasst ist eine Brandsohle wenn deren Rand im Fersenbereich leicht noch oben zeigt, so dass der Fersenrand des Fußes optimal anliegt.
    Eine Korkausballung hat unter dem Fersenboden der Brandsohle nichts zu suchen, da diese Korkschicht relativ schnell (nach Monaten) komprimiert wird, irgendwann zerbröselt,
    und dem Fuß beim Auftritt kein festes Widerlager bietet.

    Die Bettung des Fußes geschieht also bei einem handwerklich korrekten Aufbau des Schuhes allein durch seine Form, die möglichst dem entprechenden Fuß entsprechen soll
    mit der Einschränkung, dass beim einem erstklassigen Maßschuh - nein, nicht bei einem der 800.- oder 1.200 €uro-Klasse - der Leisten, und damit auch der fertige Schuh
    bereits einige Korrekturfaktoren für den Fuß berücksichtigt.

    In die Schuhe eingeklebte oder eingenähte Pölsterchen und Lederfleckchen - womöglich noch orthopädisch betrachtet falsch angebracht - schaden mehr als sonst etwas.
    Sie zeugen nur davon, dass der Schuh nicht passt.
    Eventuelle Fußschäden durch solche Provisorien zu nicht auszuschließen, sondern im Gegenteil sehr wahrscheinlich.
    Eine anatomisch korrekte, oder auch nur annähernd als solche zu bezeichnende, Bettung des Fußes findet daher nicht statt.

    Über eingeklebte Schaumstoffpolster möchte ich hier nichts weiter schreiben.

    Der einzige Weg wirklich passende Schuhe zu kaufen führt ausschließlich zum versierten Fachberater, sei es ein Schuhverkäufer oder ein Schuhmacher.

    Die Zurichtung von Schuhen, die eigentlich nicht zu Ihren Füßen passen, ist ein törichtes Internetgeschwätz von absoluten Laien,
    die entweder um jeden Preis Schuhe einer bestimmten Marke tragen oder einfach nur ihre Schuhe irgendwo billig kaufen wollen und die dann irgendwie überhaupt tragbar gemacht werden müssen.

    Natürlich kenne auch ich die REALITÄT - Schuhe müssen billig sein und die Fachberatung inkl. Fußvermessung hat gefälligst GRATIS zu erfolgen!
    Ob Sie ein billiges Jacket oder ein preiswertes Hemd tragen, OK - optisch stechen Sie dann vielleicht weniger hervor, aber Kleidung verursacht zumindest keinen bleibenden Schaden,
    schlechte Schuhe dagegen schon!

    UND bedenken Sie bitte: Ihre Füße können Sie nur einmal ruinieren!
    UND gerade deshalb sollten Sie für Schuhe viel mehr Geld ausgeben als für Anzüge, Hosen und Hemden!

  2. #2
    Administrator Avatar von urban
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    Ein kurzer Leitfaden für den Einkauf

    Suchen Sie beim Schuhkauf ein Fachgeschäft auf nachdem Sie schon ein paar Stunden auf den Füßen sind, und tragen Sie bitte die entsprechenden Strümpfe.
    Lassen Sie Ihre Füße vermessen, um festzustellen ob Ihre Füße verschieden groß sind und wie groß ggf. die Differenz in Länge, Breite und Höhe ist.
    Lehnt man Ihr Ersuchen rundum ab, dann ...
    Beträgt die Differenz in der Länge mehr als 4/5 mm, dann sollten Sie sich über Maßschuhe oder einen Anbieter Gedanken machen, der Ihnen als Schuhpaar 2 verschieden große oder "weite" Schuhe anbieten kann.
    ["weit" meint hier: 2 Schuhe, die auf 2 verschiedenen Leisten mit unterschiedlichen Maßen wie Breite, Höhe usw. gemacht wurden.]

    Probieren Sie die vorgeschlagenen Schuhe an indem Sie mittels eines Schuhlöffels/-anziehers behutsam mit dem Fuß hineinschlüpfen und prüfen bitte folgende Punkte:
    (von der Ferse zur Schuhspitze)
    Liegt der Schuh an Ihrer Ferse oder steht er dort ab - wenn er nicht anliegt, dann wählen Sie bitte einen anderen Schuh aus, der besser zu Ihrer Ferse passt - also einen mit einer flacheren oder runderen Kappe.
    Der obere Fersenrand darf keinesfalls drücken!
    Wenn Sie eine flache Fersenkurve haben und der Schuh eine stärkere, dann liegt er wohl an, wird aber später dort scheuern [Blasenbildung].
    Passt der Schuh in der Fersenbreite?
    Ist das innere Quartier/Seitenteil (beim rechten Schuh die linke Seite) höher als das äußere Quartier? [Qualitätsmerkmal für einen möglichst guten Sitz am Fuß]
    Berührt eines der beiden Seitenteile den jeweiligen Knöchel? [Das darf nicht sein, man kann aber durch eine Einlegesohle im Schuh Abhilfe schaffen]

    Sitzt der Schuh soweit, so ziehen Sie ihn bitte wieder aus und schlüpfen (Schuhlöffel) wieder schnell hinein.
    Hören Sie dabei ein Blubb? Also das typische Geräusch, das entsteht wenn der Fuß die Luft aus dem Schuh hinaus drückt?
    Wenn ja, dann ist dies zumindest ein gutes Vorzeichen, dass der Schuh im Ristbereich (Fußrücken bis hin zu den Zehenballen) recht gut sitzt.
    Schnüren Sie den Schuh, aber bitte nicht zu fest:
    Bei einem Oxford sollen die beiden 'Schnürlaschen' ein spitzes V bilden und keinesfalls press aneinander stossen: Schnürreserve
    Bei einem Derby sollte mindestens 1 cm Abstand zwischen den 'Schnürlaschen' sein und diese möglichst parallel zueinander stehen und die Lochungen müssen auf einer Höhe sein [sonst: fehlerhaft gemachte Schuhe].
    Bilden sich nach dem Schnüren auf dem Schuhschaft/dem Oberleder Falten - wenn ja, dann ist er Ihnen zu weit [Ausziehen!].
    Falls nein, dann weiter wie folgt:
    Stellen Sie sich nun bitte aufrecht hin und verlagern Sie Ihr Körpergewicht auf den entsprechenden Fuß.
    Drückt der Schuh? Wo und wie stark? Straff sitzen sollte er schon - ab straffer Sitz oder Drücken obliegt Ihrem persönlichen Gefühl...
    Sagen Sie dies bitte Ihrem Berater.
    Falls der Schuh nicht drückt, lassen Sie bitte den Rist abtasten ob dieser eventuell doch zu weit ist und wenn ja wo.
    Anschließend lassen Sie bitte durch Abtasten/leichtes Drücken überprüfen ob der Schuh in der Breite sitzt und ob sich die breiteste Stelle des Schuhes [diese sehen Sie von oben recht gut]
    in etwa auf der Höhe Ihrer Ballenlinie liegt.
    Lassen Sie den Berater bitte die Lage des kleinen und des großen Zehes abtasten und wie viel Luft dort zw. diesen und dem Leder ist.
    Wenn sich z.B. der kleine Zeh deutlich im Leder abbildet, dann ist der Schuh zu schmal! Dito gilt für den großen.
    Bitten Sie Ihren Berater bitte die Lage der Vorderkappe (diese befindet sich zwischen Futter- und Oberleder) zu ertasten. Diese darf in keinem Fall näher zu Ihnen liegen als Ihre Zehengelenke,
    also nicht über diese hinaus in Richtung Ihres Beines ragen/liegen.
    Passt der Schuh soweit, dann machen Sie ein paar Schritte mit dem Schuh und konzentrieren sich bitte auf diesen Fuß; rollen Sie dabei bewußt ab, also laufen Sie bitte nicht schnell oder hastig.
    Wenden Sie und gehen aufmerksam wieder zurück.
    Drückt die Vorderkappe auch wirklich nicht von oben auf die Zehen?
    Haben sich Gehfalten gebildet [normal] und wo?
    Wie stark sind die Gehfalten - oder kann man schon von Gehwellen sprechen?
    Lassen Sie den Schuh bitte wieder abtasten - um sicher zu gehen können Sie den rechten Fuß nach links gegen die Schuhwand schlagen [Sie bücken sich und benutzen Ihre Hand dabei als Widerlager, also nicht zu fest!]
    So liegt der Fuß links bei rechten Schuh press an der Innenwand (dem Innenfutter) an und so lässt sich leichter ertasten ob er nicht zu breit ist:
    Sie lassen bitte den rechten Spann bzw. den kleinen Zeh ertasten.
    Soweit alles im grünen Bereich?
    Dann gehen Sie danach bitte bewußt ein paar Schritte und hören in sich hinein ob Sie sich mit diesem Schuh am Fuß wohlfühlen.
    Wenn ja, und die Fußdifferenz [-> Vermessen] im Tolleranzbereich liegt, dann wiederholen Sie dieses Vorgehen mit dem zweiten Schuh.

    Punkte:
    • Fersensitz: Fersenkurve, Fersenbreite
    • Seitenteile drücken nicht auf die Knöchel
    • Schnürung mit Schnürreserve
    • keine Faltenbildung nach dem Schnüren
    • Kein Drücken des Schuhes - weder auf dem Rist noch am Außen- und Innenspann
    • Großer und kleiner Zeh werden nicht gedrückt
    • Vorderkappe (Verstärkung zw. Futter- und Oberleder) nicht zu lang und drückt nicht auf die Zehen oder den Vorderfuß
    • Schuh sitzt straff, drückt aber nicht
    • Abtastergebnis: es lassen sich keine Dellen ins Leder hineindrücken bis die Zehen und den Rist, falls ja, dann ist der Schuh zu groß, zu weit, zu hoch...
    • Lassen Sie sich bitte nicht von Schuhfarben, -Marken und -Preisen oder von sonst etwas ablenken....
    • AUCH Sie zahlen Lehrgeld - genau wie ich auch genug davon gezahlt habe bis ich zu verschiedenen Einsichten kam




    Schuhe müssen nicht erst eingelaufen werden - entweder sie sitzen von Anfang an oder sie passen ganz einfach nicht.

    Morgen mache ich die ergänzenden Angaben über die Schuhlänge, die Unterstützung des Fußgewölbes, 3-fach Ledersohlen und Anpassungen oder die ZURICHTUNG - der BLÖDSINN überhaupt!
    Und eine ganz besondere Bitte: Probieren geht über Studieren!
    Nerven Sie niemals das Fachpersonal mit Ihrem in Foren angelesenen Fachwissen - sicher alles richtig verstanden zu haben?
    Auch diese kurze Checkliste liefert nur ein paar Anhaltspunkte, so für's Erste.

    Andererseits: Verlassen Sie bitte umgehend das Fachgeschäft wenn Sie kein Vertrauen in Ihren Berater haben...Gelaber über rahmengenähte Schuhe und Preise sowie Rabatte,
    denn Schuhe kauft man nie über den Preis sondern über den möglichts optimalen Sitz am Fuß!

  3. #3
    Administrator Avatar von urban
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    Ja, das stimmt leider!
    Auf Platz 1 der Hitliste stehen im Internet die Begriffe "rahmengenäht" und "Goodyear Welted" gemeinsam, dann folgen die Leder wie Box Calf und Shell Cordovan,
    aber über allem schwebt der günstige Preis!
    Nur frage ich mich wann endlich die Leute wieder bereit sind für 2 Schuhe so viel Geld auszugeben, dass sie auch wirklich gute Schuhe kaufen und nicht die Standartfabrikschuhe irgendeines bekannten Lables,
    die ja bekanntlich an möglichst viele Füße passen müssen, damit der Umsatz stimmt.
    Es ärgert mich - das gebe ich unumwunden zu - wenn jeder Unbeflissene sich im Netz zum Schuhexperten hochstilisieren kann und dann auch noch gehypt wird obwohl ... na ja - so läuft's im halt im Netz!
    Marken, Brands und Labels garniert mit viel dummen Geschwätz um die altbekannten Themen wie Leistenformen, Weiten, und Captoe Fullbrogue Flatheel Oxford Dessert Boots ...usw. usw.

    Aber all das nützt niemanden wirklich, denn es kommt darauf an, dass die Leser erfahren was wirklich einen guten Schuh ausmacht und dass es diese nicht für 100 oder 200 €uro geben kann!
    Ich werde auch nie verstehen warum Leute tausende von Euro für viele Schuhe ausgeben statt sich für dasselbe Geld 5 oder mehr Paar handgenähte Schuhe zu kaufen,
    nein, keine in Rumänien zusammengenagelten Schuhe oder Maßschuhe für 700 oder 800 € aus Tuka-tuka-Land oder Maßschuhe von bekannten Internetschuhmachern für'n Tausender,
    die Gehwellen werfen, die eher an einen Tsunami als an Maßschuhe denken lassen.

    Wann endlich kommt die Einsicht dass nur das Beste für die eigenen Füße gerade mal gut genug ist? Und wann hört deren Geringschätzung und Malträtieren mit Billigtretern auf?
    Wie viele Leute laufen heutzutage mit kaputten Füßen und zahlreichen dadurch ausgelösten Beschwerden herum statt auf den teuren Anzug, Hemd und Krawatte zu verzichten?


    Ein Haus ohne ein gutes Fundament gerät früher oder später in die Schieflage - ein Auto mit schlechten Reifen taugt nicht.

  4. #4
    Administrator Avatar von urban
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    Die häufigsten Fehler beim Schuhkauf:
    • zu kurze Schuhe: der Raum vor dem längsten Zeh (Spitzenzugabe), in der Regel der große, ist zu kurz
    • zu lange Schuhe: es bilden sich starke Gehfalten aus, die auf den Fuß drücken und Schmerzen beim Gehen verursachen
    • zu hohe Schuhe oberhalb der Ballenlinie, den Zehengelenken, sehr oft zu finden bei "Budapestern",
      auf dem Wiener Leisten gefertigten Schuhen und ähnlichen Schuhformen:
      Es bilden sich ebenfalls starke Gehfalten aus
    • zu breite Schuhe: Diese neigen ebenfalls zu starker Gehfaltenbildung und strapazieren das Schmerzempfinden
    • der Spitzenkappenbesatz, auch Kappe genannt, in Neudeutsch: Cap Toe, ist zu lang bzw. ragt zu weit in Richtung Schnürung/Schnalle
    • Ferse:
    • Die Fersenform des Schuhes, wie z.B. flache Fersenkurve bzw. -bogen, entspricht nicht der Fersenkurve des Fußes
      bei z.B. ausgeprägter, runder Ferse [im Profil = von der Seite betrachtet].
    • Folge: Nur der äußerste Bereich der Ferse liegt hinten an der Fersenkappe an - da der obere Rand der Fersenkappe nicht weit genug nach vorne gebogen ist und die Ferse oben umfasst, schlappt der Fuß aus dem Schuh heraus.
      oder
    • Die Fersenform des Schuhes ist zu stark nach innen/vorne gebogen, der Käufer hat aber eine flache Fersenkurve (-bogen), also keine ausgeprägte Ferse (von der Seite betrachtet ist ihre Rundung flach, sie ragt nicht viel nach hinten über die Achillessehne hinaus)
    • Da die Fersenkappe sich zu stark nach innen/vorne wölbt, drückt sie dem Träger auf das Fersenbein/Archillesehne:
      Blasen, aufgescheuerte Haut und starke Schmerzen sind die Folge
    • der Schuh ist im Fersenbereich zu schmal oder zu breit - der Fuß findet seitlich keinen Halt (der Schuh pendelt um seine Längsachse)
    • Die Seitenteile [Quartiere] sind zu hoch, dann scheuern sie den äußeren Knöchel wund, oder zu niedrig und bieten dem Fuß keinen ausreichenden Halt.
      Anmerkung: Die Quartiere sollten unterschiedlich hoch sein, zum inneren Knöchel also höher, da dieser höher sitzt als der äußere, wo das Außenquartier niedriger sein muss.

    Braucht es dazu Zeichnungen, um es leichter verständlich zu erläutern?

    Wenn die Füße verschieden groß sind, sich also in Länge und Umfang merklich unterscheiden, so wie dies beispielsweise bei Fußballern der Fall ist, dann führt kein Weg an verschieden großen Schuhen vorbei.
    Relativ preiswert via Einzelbestellung bei einem Hersteller zu realisieren, der ein Größen- und Weitensystem anbietet,
    oder als made-to-order-shoe, optimal natürlich als Maßschuhe von einem versierten Maßschuhmacher.

    Wenn jemand eigentlich orthopädische Einlagen benötigt, dann empfiehlt sich eine orthopädische Zurichtung durch einen entsprechend versierten Schuhmachermeister und dessen Beratung vor dem Schuhkauf!
    Eigentlich müßig zu erwähnen, dass diese in der Regel nicht gratis erfolgt.
    1 Paar Schuheinlagen für alle Schuhe ist suboptimal, da sie beim Schuhkauf nicht berücksichtigt wurden.
    Es stellt sich hier auch insbesondere die Frage inwieweit die Fehlstellung(en) durch entsprechende Fußgymnastik
    oder das Barfußgehen wieder korrigiert werden kann und sich das Tragen der Einlagen erübrigt.

    Von Bastelarbeiten an Schuhen, um diese halbwegs passend zu machen wie dies bei Fehlkäufen der Fall ist,
    ist dagegen dringend abzuraten!
    Einerseits wird dadurch teilweise massiv in die Schuhkonstruktion eingegriffen
    wie z.B. die Schwerpunktverlagerung im Fersenbereich und dadurch die Beanspruchung des Schuhes bei solchen
    Kunstgriffen unter Umständen stark erhöht,
    und
    andererseits wirken Einbauten im Schuh wie z.B. Pelotten in verschiedenen Formen auf der Brandsohle auf
    die Fußanatomie und die Fußreflexzonen ein und beeinflußen diese, und nicht in jedem Fall zum Guten!
    Zum Beispiel wird beim Einbau eines (hinteren) Fersenpolsters der Schwerpunkt des Fußes, und damit die Lastabtragung,
    nach vorne in Richtung Schuhspitze verlagert.
    Der Vorderteil des Schaftes, ab der Schnürung in Richtung Schuhspitze, wird beim Gehen stärker belastet,
    der freie Raum vor den Zehen wird entsprechend verkürzt (s. oben), und der Schaft kann sich bei Loafern so stark weiten,
    dass diese untragbar werden.
    Dies trifft insbesondere dann zu wenn die Brandsohle oberhalb des Absatzes (leicht) nach vorne geneigt ist:
    Er wirkt wie eine Rampe oder Rutschbahn: der Fuß rutscht beim Gehen nach vorne und weitet dabei den Schaft.

    Dies sind nur die am häufigsten auftretenden Fehler beim Schuhkauf, aber nicht alle!
    Der meistverbreitete Fehler beim Schuhkauf ist den Schuh "eine Nummer größer oder kleiner" zu kaufen
    damit er passt - leider auch der häufigste Spruch der Schuhverkäufer/-innen!


    Ich kann nur Ratschläge geben.

    P.S.
    Lassen Sie Ihre Füße sachkundig vermessen - oder sind Sie sich bei der Größe wirklich absolut sicher?
    Welche Fersenkurve haben Sie? Schmale Ferse oder eher eine breite?
    Haben Sie denn wirklich so außergewöhnliche Füße wie man Ihnen neulich im Laden weismachen wollte?
    So gut wie kein Hersteller hält sich bei seinen Schuhgrößen an die Norm!
    Bei einem fachkundigen Berater wie einem Maßschuhmacher oder einer erfahrenen Beraterin ist der Schuhkauf
    ein Kinderspiel und muss nicht im Fiasko enden.
    Betreten Sie niemals einen Schuhladen mit dem unverrückbaren Vorsatz ein bestimmtes Modell
    unbedingt kaufen zu wollen, koste es was es wolle!

    Sie können Ihre Füße nur einmal kaputtmachen!

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