Ergebnis 1 bis 4 von 4

Thema: Fehler beim Schuhkauf, Fubett + nichtorthopdische Zurichtung

  1. #1
    Administrator Avatar von urban
    Registriert seit
    26.09.2011
    Beitrge
    10.291

    Fehler beim Schuhkauf, Fubett + nichtorthopdische Zurichtung

    Der wohl hufigste Fehler beim Schuherwerb ist wohl der Kauf zu langer Schuhe, weil die fehlende Weite ber die Wahl einer greren Schuhnummer, also eines lngeren Schuhs ausgeglichen wird
    statt einen breiteren Schuh, der u.U. weniger elegant aussieht, auszuwhlen.
    Womit wir schon wieder bei dem Thema Versandhandel und Einkufe bei Ebay wren, ganz zu schweigen von den Grenberatungen in den einschlgigen Foren und Blogs,
    und dass die Schuhkufer in den allermeisten Fllen ihre korrekte Schuhgren, denn man kauft ja 2 davon, nicht kennen.

    Schuhgre meint jetzt hier: alle Schuhmae und nicht nur die Lnge, wie allgemein blich.
    Sind die Schuhe zu lang, so liegt die breiteste Stelle des Schuhes vor der Ballenlinie des Fues und die Spitzenzugabe, also das Ma, um das der Schuh ber den lngsten Zeh hinauskragt, ist zu gro.
    Dies fhrt zu stark ausgeprgten Gefalten, eigentlich schon Gehwellen, die recht schmerzhaft auf die Zehen drcken knnen, und das Gehen darin enstpricht nicht dem natrlichen Gang;
    eine recht starke Abnutzung der Schuhspitze ist die Folge gepaart mit einer erhhten Belastung der Fu- und Zehengelenke, Sehnen und Muskel.
    In der Regel ist der groe Zeh der lngste - dies kann aber auch der erste kleine Zeh sein.
    Bei der Bemessung der Spitzenzugabe spielen aber auch die Strmpfe eine nicht unerhebliche Rolle, da z.B. ein dicker Wollstrumpf weit mehr auftrgt, der Fu und die Zehen brauchen daher mehr Raum,
    sowohl in der Breite als auch in der Lnge, als ein recht dnner Strumpf aus Seide oder Filoscozia.
    Die Spitzenzugabe wird aber insbesondere von der Form der Schuhspitze und der Schuhbreite bestimmt: eine runde Spitze erfordert weniger Spitzenzugabe als eine ovale als eine Nadelspitze.
    Das heit:
    In Abhngigkeit von der Form der Schuhspitze wird der Schuh insgesamt lnger, und damit auch die Schuhsohle.
    Man kann also die Spitzenzugabe, also das Ma um das der Schuhinnenraum lnger ist als der Fu nicht pauschal, wie leider oft in Foren blich, mit 10 - 15 mm angeben, denn das fhrt zu Fehlkufen im Versandhandel.
    Vielmehr ist ein Ma von mind. 12-15 mm der absolute Mindestabstand des lngsten Zehes zur Schuhspitze (im Innenraum des Schuhs) bei runden bis ovalen Schuhspitzen.

    Ein anderer Punkt, den es bei der Schuhauswahl in diesem Zusammenhang zu betrachten gilt:
    Manche Menschen heben die Fe beim Gehen stark an, andere wiederum weniger.
    Leute, die die Fe, und damit die Schuhe, weniger hoch beim gehen anheben, knnen entsprechend ihrer Gangart und Motorik keine spitzen Schuhe tragen, da diese insgesamt zu lang sind,
    sondern nur welche mit einer runden oder ovalen Spitze, da sie sonst in einen schlurfenden Gang verfallen wrden bei dem der Schuh nicht vom Boden abhebt sondern darber schleift.
    Neben einer stark erhhten Belastung der Schuhspitze und der damit verbunden Abnutzung (Abschliff) werden aber auch die Fu- und Zehengelenke bermig belastet.
    Ergo muss bei der Schuhanprobe zuerst einmal der Gang des Kunden und wie stark er dabei die Fe anhebt betrachtet werden.
    Danach richtet sich dann u.a. die Wahl der Schuhform bzw. der maximalen Schuhlnge.
    Da die Fe unter Belastung tagsber anschwellen, sollte man niemals frhmorgens Schuhe anprobieren und bei der Anprobe in jedem Fall die Strmpfe tragen, die man bevorzugt;
    kommen mehrere in Betracht wie z:b: Merino im Herbst/Winter und Filoscozia im Sommer, dann sind natrlich die etwas dickeren Merinos bei der Anprobe zu tragen.
    Merke:
    Die Spitzenzugabe richtet sich nach der Schuhform, also ob spitz, oval oder rund, in Abhngigkeit der jeweiligen Gangart bzw. Motorik des Trgers bestimmt,
    wird von der Dicke der getragenen Strmpfe, der Fubreite und dem lngsten Zeh, und unter Beachtung des kleinen Zehes, denn auch dieser bracuht ausreichend Platz und darf
    nicht in Richtung groer Zeh gedrckt werden, bestimmt.
    Diese Beurteilung sollte durch einen versierten Schuhkenner erfolgen und keinesfalls in Eigenregie durchgefhrt werden, da es Fachwissen und Beochbachtungsgabe erfordert und insbesondere deshalb,
    weil man seine eigenen Fe im Belastungszustand (Verlagerung des Krpergewichtes auf den zu vermessenden Fu) selbst nicht korrekt vermessen kann.
    Es sei mir hier erneut der Hinweis erlaubt, dass 84 % der Deutschen die falsche Schuhgre tragen:
    nichts tuscht daher so sehr wie das subjektive Tragegefhl!

    Eine falsch gewhlte Schuhlnge, hier eine zu lange, fhrt beim Gehen unweigerlich zu Problemen, es bildet sich ber den Zehen eine Gehfalte aus, die auf selbige drckt, was Schmerzen verursacht und
    das Gehen selbst, der Bewegungsablauf, wird beeinflut:
    Dies fhrt zu einer strkeren Belastung des Fues (Sehnen, Muskulatur, Knochenbau) und das Gehen ber lngere Entfernungen ist mhsamer, ggf. kommen leichte Schmerzen oder zumindest
    ein unwohlsames Gefhl auf. Ist der Mensch dabei durch ein Gesprch abgelenkt, dann merkt er es natrlich im Moment nicht so bewut, spter, wenn er z.B. wieder sitzt, aber schon.
    Ebenso drfen Schuhe nicht zu breit sein, denn auch in diesem Fall bildet sich eine starke Gehfalte aus, die auf die Zehen drckt.
    Sind die Schuhe aber zu eng und auch noch die Spitzenzugabe - sprich der Freiraum vor den Zehen - zu gering bemessen, so fhrt das zu den bekannten Gelenkschden an groem
    und an kleinem Zeh (Hallux Valgus) und frher oder spter wird eine Operation fllig.
    Die Zehen brauchen diesen Freiraum (Spitzenzugabe) weil der Fu sich bei Gehen insgesamt leicht nach vorne bewegt, aber die Zehen letztendlich auch Raum bentigen,
    da sie sich bewegen mssen, denn sie leisten die Hauptkraft beim Abstossen des Fues beim Gehen.
    Daneben ist es die besondere Aufgabe der Zehen Bewegungen des Fues um die Lngsachse auszutarieren und zu steuern.
    Merke:
    Das Erste, worauf man beim Schuhkauf achten muss, ist die Auswahl einer ausreichenden, aber auch nicht so groen Schuhbreite fr beide Schuhe
    und damit einhergehend die Auswahl der geeigneten Form der Schuhspitze aufgrund der individuellen Gehmotorik.
    Bei der Aufnahme dieser Fu- und Gehdaten sind die maximal dicken infrage kommenden Strmpfe zu tragen und
    dies hat erst nach einiger Belastungszeit der Fe zu erfolgen und nicht am frhen Morgen.

    Der nchste kritische Punkt sind die Breite und die Hhe des Schuhes an der anatomischen Ballenlinie:
    Mit Strmpfen darf der Schuh weder zu breit noch zu hoch sein, da sich in beiden Fllen mehr oder weniger starke Gehfalten ausbilden;
    nicht etwa dass ein Schuh keine Gehfalten aufweisen darf, diese sind vielmehr unvermeidbar, wenn diese aber eine ausgeprgte Welle zeigen,
    dann sind die Schuhe zu breit, zu hoch oder einfach auch zu lang.
    Bei der Schuhanprobe ist deshalb auch besonders darauf zu achten, dass die breiteste Stelle des Schuhes in der Flucht bzw. auf gleicher Hhe mit der anatomischen Ballenlinie
    des jeweiligen Fues liegt, denn Schuhfehlkonstruktionen der diversen Marken sind hufiger als man denkt, denn (zumindest) manchmal geben Schuhdesiger der eleganten
    Form den Vorzug vor einer technisch-anatomisch korrekten Schuhkonstruktion.
    Die korrekte Weite und Hhe wird bei belastetem Fu (Schuh) durch Abtasten der beiden Schuhseiten, des Spanns, berprft:
    sowohl groer als auch kleiner Zeh drfen nicht gedrckt werden.
    Bei dieser Gelegenheit kann auch zugleich getestet werden ob die Schuhe ein- oder beidseitig eine berstemme zwischen Futter- und Oberleder eingelassen ist.

    Stimmen also Schuhbreite, -hhe, Schuhspitzenform inklusiv der Spitzenzugabe, so ist der vordere Teil des Fues optimal gebettet.

    Lediglich die Zehen, Gro und Kleinzehenballen drcken sich beim Tragen ganz leicht, um den Bruchteil eines Millimeters in eine relativ weiche Brandsohle ein.
    Bei relativ harten, eichenlohegegerbten und hochverdichteten Brandsohlen ist das dagegen kaum der Fall.
    Bei dnnen und minderwertigen umso mehr - nur bei diesen knnen sich die Zehen und Ballen stark einprgen und die darunter liegende Ausballung, in der Regel aus Kork, zusammendrcken.
    Dies kommt daher zustande, dass der Absto beim Gehen ber die Zehenballen und vor allen Dingen ber die Zehen selbst geschieht:
    dabei mu das ganze Krpergewicht nach oben gehievt/beschleunigt werden, so dass der dabei entstehende Druck auf die sehr kleine Auflageflche der Ballen und der Zehen wirkt,
    so dass die Brandsohle darunter eingeprgt wird.
    Man kann dabei wohl kaum von einem Fubett sprechen!

    Im Bereich des Fugewlbes erfhrt der Fu bei den allermeisten Schuhen keinerlei Untersttzung - dies ist sehr leicht daran zu erkennen, dass das jeweilige Innenquartier (Seitenteil)
    senkrecht nach unten abfllt.
    Lediglich Blake, Blake Rapid und natrlich handeingestochene Schuhe weisen im Bereich des Fugewlbes einen eingezogenen Schaft (Oberleder) auf - oder besser: knnen dieses Merkmal aufweisen.
    Achten Sie bitte beim nchsten Schuhkauf auf dieses Merkmal, denn es zeigt einen wirklich gut gemachten Schuh!
    Das Einkleben von Pelotten, um den Fu zu sttzen, kann nur ein Behelfsmittel sein und sollte nur von fachlich versierten Schuhmachern vorgenommen werden.
    In keinem Fall ist diese Methode mit einem entsprechend den Fen des Trgers angepassten Schaft vergleichbar, da dieser unter dem allergrten Teil des Fugewlbes anliegt
    und dieses weich sttzt, was mit einer eingeklebten Einlage so nicht erreicht werden kann.
    Auf der gegenberliegenden Seite, dem Auenspann des Fues, sollte die zuvor erwhnte berstemme, eine Verstrkung, zwischen Ober-und Futterleder eingeklebt sein,
    damit der Auenspann das Leder nicht im Laufe der Tragezeit (auf-) dehnen kann und so einen festen Halt geboten bekommt.
    Man kann die berstemme vorsichtig mit den Fingerkuppen ertasten - sofern man kein Grobmotoriker ist.

    Den wohl wichtigsten Halt erfhrt der Fu durch die Einbettung der Ferse, die im Stand und beim Auftreten whrend des Gehens das gesamte Krpergewicht (beim Gehen sogar die kinetische Energie des Krpers,
    also sogar ein paar KPM/KJoule mehr) aufnehmen/auffangen muss.
    Hierbei kommt es auf die anatomisch korrekte Ausformung der Fersenkappe (insgesamt) an:
    sowohl die Fersenbreite als auch die Fersenkurve des Schuhes mssen dem jeweiligen Fu entsprechen - ist die Fersenkurve gemessen anm Fu zu stark gewlbt,
    dann scheuert sie und es kommt zur Blasenbildung - ist sie zu flach, dann schlappt der Fu aus dem Schuh heraus.
    Optimal angepasst ist eine Brandsohle wenn deren Rand im Fersenbereich leicht noch oben zeigt, so dass der Fersenrand des Fues optimal anliegt.
    Eine Korkausballung hat unter dem Fersenboden der Brandsohle nichts zu suchen, da diese Korkschicht relativ schnell (nach Monaten) komprimiert wird, irgendwann zerbrselt,
    und dem Fu beim Auftritt kein festes Widerlager bietet.

    Die Bettung des Fues geschieht also bei einem handwerklich korrekten Aufbau des Schuhes allein durch seine Form, die mglichst dem entprechenden Fu entsprechen soll
    mit der Einschrnkung, dass beim einem erstklassigen Maschuh - nein, nicht bei einem der 800.- oder 1.200 uro-Klasse - der Leisten, und damit auch der fertige Schuh
    bereits einige Korrekturfaktoren fr den Fu bercksichtigt.

    In die Schuhe eingeklebte oder eingenhte Plsterchen und Lederfleckchen - womglich noch orthopdisch betrachtet falsch angebracht - schaden mehr als sonst etwas.
    Sie zeugen nur davon, dass der Schuh nicht passt.
    Eventuelle Fuschden durch solche Provisorien zu nicht auszuschlieen, sondern im Gegenteil sehr wahrscheinlich.
    Eine anatomisch korrekte, oder auch nur annhernd als solche zu bezeichnende, Bettung des Fues findet daher nicht statt.

    ber eingeklebte Schaumstoffpolster mchte ich hier nichts weiter schreiben.

    Der einzige Weg wirklich passende Schuhe zu kaufen fhrt ausschlielich zum versierten Fachberater, sei es ein Schuhverkufer oder ein Schuhmacher.

    Die Zurichtung von Schuhen, die eigentlich nicht zu Ihren Fen passen, ist ein trichtes Internetgeschwtz von absoluten Laien,
    die entweder um jeden Preis Schuhe einer bestimmten Marke tragen oder einfach nur ihre Schuhe irgendwo billig kaufen wollen und die dann irgendwie berhaupt tragbar gemacht werden mssen.

    Natrlich kenne auch ich die REALITT - Schuhe mssen billig sein und die Fachberatung inkl. Fuvermessung hat geflligst GRATIS zu erfolgen!
    Ob Sie ein billiges Jacket oder ein preiswertes Hemd tragen, OK - optisch stechen Sie dann vielleicht weniger hervor, aber Kleidung verursacht zumindest keinen bleibenden Schaden,
    schlechte Schuhe dagegen schon!

    UND bedenken Sie bitte: Ihre Fe knnen Sie nur einmal ruinieren!
    UND gerade deshalb sollten Sie fr Schuhe viel mehr Geld ausgeben als fr Anzge, Hosen und Hemden!

  2. #2
    Administrator Avatar von urban
    Registriert seit
    26.09.2011
    Beitrge
    10.291

    Ein kurzer Leitfaden fr den Einkauf

    Suchen Sie beim Schuhkauf ein Fachgeschft auf nachdem Sie schon ein paar Stunden auf den Fen sind, und tragen Sie bitte die entsprechenden Strmpfe.
    Lassen Sie Ihre Fe vermessen, um festzustellen ob Ihre Fe verschieden gro sind und wie gro ggf. die Differenz in Lnge, Breite und Hhe ist.
    Lehnt man Ihr Ersuchen rundum ab, dann ...
    Betrgt die Differenz in der Lnge mehr als 4/5 mm, dann sollten Sie sich ber Maschuhe oder einen Anbieter Gedanken machen, der Ihnen als Schuhpaar 2 verschieden groe oder "weite" Schuhe anbieten kann.
    ["weit" meint hier: 2 Schuhe, die auf 2 verschiedenen Leisten mit unterschiedlichen Maen wie Breite, Hhe usw. gemacht wurden.]

    Probieren Sie die vorgeschlagenen Schuhe an indem Sie mittels eines Schuhlffels/-anziehers behutsam mit dem Fu hineinschlpfen und prfen bitte folgende Punkte:
    (von der Ferse zur Schuhspitze)
    Liegt der Schuh an Ihrer Ferse oder steht er dort ab - wenn er nicht anliegt, dann whlen Sie bitte einen anderen Schuh aus, der besser zu Ihrer Ferse passt - also einen mit einer flacheren oder runderen Kappe.
    Der obere Fersenrand darf keinesfalls drcken!
    Wenn Sie eine flache Fersenkurve haben und der Schuh eine strkere, dann liegt er wohl an, wird aber spter dort scheuern [Blasenbildung].
    Passt der Schuh in der Fersenbreite?
    Ist das innere Quartier/Seitenteil (beim rechten Schuh die linke Seite) hher als das uere Quartier? [Qualittsmerkmal fr einen mglichst guten Sitz am Fu]
    Berhrt eines der beiden Seitenteile den jeweiligen Knchel? [Das darf nicht sein, man kann aber durch eine Einlegesohle im Schuh Abhilfe schaffen]

    Sitzt der Schuh soweit, so ziehen Sie ihn bitte wieder aus und schlpfen (Schuhlffel) wieder schnell hinein.
    Hren Sie dabei ein Blubb? Also das typische Gerusch, das entsteht wenn der Fu die Luft aus dem Schuh hinaus drckt?
    Wenn ja, dann ist dies zumindest ein gutes Vorzeichen, dass der Schuh im Ristbereich (Furcken bis hin zu den Zehenballen) recht gut sitzt.
    Schnren Sie den Schuh, aber bitte nicht zu fest:
    Bei einem Oxford sollen die beiden 'Schnrlaschen' ein spitzes V bilden und keinesfalls press aneinander stossen: Schnrreserve
    Bei einem Derby sollte mindestens 1 cm Abstand zwischen den 'Schnrlaschen' sein und diese mglichst parallel zueinander stehen und die Lochungen mssen auf einer Hhe sein [sonst: fehlerhaft gemachte Schuhe].
    Bilden sich nach dem Schnren auf dem Schuhschaft/dem Oberleder Falten - wenn ja, dann ist er Ihnen zu weit [Ausziehen!].
    Falls nein, dann weiter wie folgt:
    Stellen Sie sich nun bitte aufrecht hin und verlagern Sie Ihr Krpergewicht auf den entsprechenden Fu.
    Drckt der Schuh? Wo und wie stark? Straff sitzen sollte er schon - ab straffer Sitz oder Drcken obliegt Ihrem persnlichen Gefhl...
    Sagen Sie dies bitte Ihrem Berater.
    Falls der Schuh nicht drckt, lassen Sie bitte den Rist abtasten ob dieser eventuell doch zu weit ist und wenn ja wo.
    Anschlieend lassen Sie bitte durch Abtasten/leichtes Drcken berprfen ob der Schuh in der Breite sitzt und ob sich die breiteste Stelle des Schuhes [diese sehen Sie von oben recht gut]
    in etwa auf der Hhe Ihrer Ballenlinie liegt.
    Lassen Sie den Berater bitte die Lage des kleinen und des groen Zehes abtasten und wie viel Luft dort zw. diesen und dem Leder ist.
    Wenn sich z.B. der kleine Zeh deutlich im Leder abbildet, dann ist der Schuh zu schmal! Dito gilt fr den groen.
    Bitten Sie Ihren Berater bitte die Lage der Vorderkappe (diese befindet sich zwischen Futter- und Oberleder) zu ertasten. Diese darf in keinem Fall nher zu Ihnen liegen als Ihre Zehengelenke,
    also nicht ber diese hinaus in Richtung Ihres Beines ragen/liegen.
    Passt der Schuh soweit, dann machen Sie ein paar Schritte mit dem Schuh und konzentrieren sich bitte auf diesen Fu; rollen Sie dabei bewut ab, also laufen Sie bitte nicht schnell oder hastig.
    Wenden Sie und gehen aufmerksam wieder zurck.
    Drckt die Vorderkappe auch wirklich nicht von oben auf die Zehen?
    Haben sich Gehfalten gebildet [normal] und wo?
    Wie stark sind die Gehfalten - oder kann man schon von Gehwellen sprechen?
    Lassen Sie den Schuh bitte wieder abtasten - um sicher zu gehen knnen Sie den rechten Fu nach links gegen die Schuhwand schlagen [Sie bcken sich und benutzen Ihre Hand dabei als Widerlager, also nicht zu fest!]
    So liegt der Fu links bei rechten Schuh press an der Innenwand (dem Innenfutter) an und so lsst sich leichter ertasten ob er nicht zu breit ist:
    Sie lassen bitte den rechten Spann bzw. den kleinen Zeh ertasten.
    Soweit alles im grnen Bereich?
    Dann gehen Sie danach bitte bewut ein paar Schritte und hren in sich hinein ob Sie sich mit diesem Schuh am Fu wohlfhlen.
    Wenn ja, und die Fudifferenz [-> Vermessen] im Tolleranzbereich liegt, dann wiederholen Sie dieses Vorgehen mit dem zweiten Schuh.

    Punkte:
    • Fersensitz: Fersenkurve, Fersenbreite
    • Seitenteile drcken nicht auf die Knchel
    • Schnrung mit Schnrreserve
    • keine Faltenbildung nach dem Schnren
    • Kein Drcken des Schuhes - weder auf dem Rist noch am Auen- und Innenspann
    • Groer und kleiner Zeh werden nicht gedrckt
    • Vorderkappe (Verstrkung zw. Futter- und Oberleder) nicht zu lang und drckt nicht auf die Zehen oder den Vorderfu
    • Schuh sitzt straff, drckt aber nicht
    • Abtastergebnis: es lassen sich keine Dellen ins Leder hineindrcken bis die Zehen und den Rist, falls ja, dann ist der Schuh zu gro, zu weit, zu hoch...
    • Lassen Sie sich bitte nicht von Schuhfarben, -Marken und -Preisen oder von sonst etwas ablenken....
    • AUCH Sie zahlen Lehrgeld - genau wie ich auch genug davon gezahlt habe bis ich zu verschiedenen Einsichten kam




    Schuhe mssen nicht erst eingelaufen werden - entweder sie sitzen von Anfang an oder sie passen ganz einfach nicht.

    Morgen mache ich die ergnzenden Angaben ber die Schuhlnge, die Untersttzung des Fugewlbes, 3-fach Ledersohlen und Anpassungen oder die ZURICHTUNG - der BLDSINN berhaupt!
    Und eine ganz besondere Bitte: Probieren geht ber Studieren!
    Nerven Sie niemals das Fachpersonal mit Ihrem in Foren angelesenen Fachwissen - sicher alles richtig verstanden zu haben?
    Auch diese kurze Checkliste liefert nur ein paar Anhaltspunkte, so fr's Erste.

    Andererseits: Verlassen Sie bitte umgehend das Fachgeschft wenn Sie kein Vertrauen in Ihren Berater haben...Gelaber ber rahmengenhte Schuhe und Preise sowie Rabatte,
    denn Schuhe kauft man nie ber den Preis sondern ber den mglichts optimalen Sitz am Fu!

  3. #3
    Administrator Avatar von urban
    Registriert seit
    26.09.2011
    Beitrge
    10.291
    Ja, das stimmt leider!
    Auf Platz 1 der Hitliste stehen im Internet die Begriffe "rahmengenht" und "Goodyear Welted" gemeinsam, dann folgen die Leder wie Box Calf und Shell Cordovan,
    aber ber allem schwebt der gnstige Preis!
    Nur frage ich mich wann endlich die Leute wieder bereit sind fr 2 Schuhe so viel Geld auszugeben, dass sie auch wirklich gute Schuhe kaufen und nicht die Standartfabrikschuhe irgendeines bekannten Lables,
    die ja bekanntlich an mglichst viele Fe passen mssen, damit der Umsatz stimmt.
    Es rgert mich - das gebe ich unumwunden zu - wenn jeder Unbeflissene sich im Netz zum Schuhexperten hochstilisieren kann und dann auch noch gehypt wird obwohl ... na ja - so luft's im halt im Netz!
    Marken, Brands und Labels garniert mit viel dummen Geschwtz um die altbekannten Themen wie Leistenformen, Weiten, und Captoe Fullbrogue Flatheel Oxford Dessert Boots ...usw. usw.

    Aber all das ntzt niemanden wirklich, denn es kommt darauf an, dass die Leser erfahren was wirklich einen guten Schuh ausmacht und dass es diese nicht fr 100 oder 200 €uro geben kann!
    Ich werde auch nie verstehen warum Leute tausende von Euro fr viele Schuhe ausgeben statt sich fr dasselbe Geld 5 oder mehr Paar handgenhte Schuhe zu kaufen,
    nein, keine in Rumnien zusammengenagelten Schuhe oder Maschuhe fr 700 oder 800 € aus Tuka-tuka-Land oder Maschuhe von bekannten Internetschuhmachern fr'n Tausender,
    die Gehwellen werfen, die eher an einen Tsunami als an Maschuhe denken lassen.

    Wann endlich kommt die Einsicht dass nur das Beste fr die eigenen Fe gerade mal gut genug ist? Und wann hrt deren Geringschtzung und Maltrtieren mit Billigtretern auf?
    Wie viele Leute laufen heutzutage mit kaputten Fen und zahlreichen dadurch ausgelsten Beschwerden herum statt auf den teuren Anzug, Hemd und Krawatte zu verzichten?


    Ein Haus ohne ein gutes Fundament gert frher oder spter in die Schieflage - ein Auto mit schlechten Reifen taugt nicht.

  4. #4
    Administrator Avatar von urban
    Registriert seit
    26.09.2011
    Beitrge
    10.291
    Die hufigsten Fehler beim Schuhkauf:
    • zu kurze Schuhe: der Raum vor dem lngsten Zeh (Spitzenzugabe), in der Regel der groe, ist zu kurz
    • zu lange Schuhe: es bilden sich starke Gehfalten aus, die auf den Fu drcken und Schmerzen beim Gehen verursachen
    • zu hohe Schuhe oberhalb der Ballenlinie, den Zehengelenken, sehr oft zu finden bei "Budapestern",
      auf dem Wiener Leisten gefertigten Schuhen und hnlichen Schuhformen:
      Es bilden sich ebenfalls starke Gehfalten aus
    • zu breite Schuhe: Diese neigen ebenfalls zu starker Gehfaltenbildung und strapazieren das Schmerzempfinden
    • der Spitzenkappenbesatz, auch Kappe genannt, in Neudeutsch: Cap Toe, ist zu lang bzw. ragt zu weit in Richtung Schnrung/Schnalle
    • Ferse:
    • Die Fersenform des Schuhes, wie z.B. flache Fersenkurve bzw. -bogen, entspricht nicht der Fersenkurve des Fues
      bei z.B. ausgeprgter, runder Ferse [im Profil = von der Seite betrachtet].
    • Folge: Nur der uerste Bereich der Ferse liegt hinten an der Fersenkappe an - da der obere Rand der Fersenkappe nicht weit genug nach vorne gebogen ist und die Ferse oben umfasst, schlappt der Fu aus dem Schuh heraus.
      oder
    • Die Fersenform des Schuhes ist zu stark nach innen/vorne gebogen, der Kufer hat aber eine flache Fersenkurve (-bogen), also keine ausgeprgte Ferse (von der Seite betrachtet ist ihre Rundung flach, sie ragt nicht viel nach hinten ber die Achillessehne hinaus)
    • Da die Fersenkappe sich zu stark nach innen/vorne wlbt, drckt sie dem Trger auf das Fersenbein/Archillesehne:
      Blasen, aufgescheuerte Haut und starke Schmerzen sind die Folge
    • der Schuh ist im Fersenbereich zu schmal oder zu breit - der Fu findet seitlich keinen Halt (der Schuh pendelt um seine Lngsachse)
    • Die Seitenteile [Quartiere] sind zu hoch, dann scheuern sie den ueren Knchel wund, oder zu niedrig und bieten dem Fu keinen ausreichenden Halt.
      Anmerkung: Die Quartiere sollten unterschiedlich hoch sein, zum inneren Knchel also hher, da dieser hher sitzt als der uere, wo das Auenquartier niedriger sein muss.

    Braucht es dazu Zeichnungen, um es leichter verstndlich zu erlutern?

    Wenn die Fe verschieden gro sind, sich also in Lnge und Umfang merklich unterscheiden, so wie dies beispielsweise bei Fuballern der Fall ist, dann fhrt kein Weg an verschieden groen Schuhen vorbei.
    Relativ preiswert via Einzelbestellung bei einem Hersteller zu realisieren, der ein Gren- und Weitensystem anbietet,
    oder als made-to-order-shoe, optimal natrlich als Maschuhe von einem versierten Maschuhmacher.

    Wenn jemand eigentlich orthopdische Einlagen bentigt, dann empfiehlt sich eine orthopdische Zurichtung durch einen entsprechend versierten Schuhmachermeister und dessen Beratung vor dem Schuhkauf!
    Eigentlich mig zu erwhnen, dass diese in der Regel nicht gratis erfolgt.
    1 Paar Schuheinlagen fr alle Schuhe ist suboptimal, da sie beim Schuhkauf nicht bercksichtigt wurden.
    Es stellt sich hier auch insbesondere die Frage inwieweit die Fehlstellung(en) durch entsprechende Fugymnastik
    oder das Barfugehen wieder korrigiert werden kann und sich das Tragen der Einlagen erbrigt.

    Von Bastelarbeiten an Schuhen, um diese halbwegs passend zu machen wie dies bei Fehlkufen der Fall ist,
    ist dagegen dringend abzuraten!
    Einerseits wird dadurch teilweise massiv in die Schuhkonstruktion eingegriffen
    wie z.B. die Schwerpunktverlagerung im Fersenbereich und dadurch die Beanspruchung des Schuhes bei solchen
    Kunstgriffen unter Umstnden stark erhht,
    und
    andererseits wirken Einbauten im Schuh wie z.B. Pelotten in verschiedenen Formen auf der Brandsohle auf
    die Fuanatomie und die Fureflexzonen ein und beeinfluen diese, und nicht in jedem Fall zum Guten!
    Zum Beispiel wird beim Einbau eines (hinteren) Fersenpolsters der Schwerpunkt des Fues, und damit die Lastabtragung,
    nach vorne in Richtung Schuhspitze verlagert.
    Der Vorderteil des Schaftes, ab der Schnrung in Richtung Schuhspitze, wird beim Gehen strker belastet,
    der freie Raum vor den Zehen wird entsprechend verkrzt (s. oben), und der Schaft kann sich bei Loafern so stark weiten,
    dass diese untragbar werden.
    Dies trifft insbesondere dann zu wenn die Brandsohle oberhalb des Absatzes (leicht) nach vorne geneigt ist:
    Er wirkt wie eine Rampe oder Rutschbahn: der Fu rutscht beim Gehen nach vorne und weitet dabei den Schaft.

    Dies sind nur die am hufigsten auftretenden Fehler beim Schuhkauf, aber nicht alle!
    Der meistverbreitete Fehler beim Schuhkauf ist den Schuh "eine Nummer grer oder kleiner" zu kaufen
    damit er passt - leider auch der hufigste Spruch der Schuhverkufer/-innen!


    Ich kann nur Ratschlge geben.

    P.S.
    Lassen Sie Ihre Fe sachkundig vermessen - oder sind Sie sich bei der Gre wirklich absolut sicher?
    Welche Fersenkurve haben Sie? Schmale Ferse oder eher eine breite?
    Haben Sie denn wirklich so auergewhnliche Fe wie man Ihnen neulich im Laden weismachen wollte?
    So gut wie kein Hersteller hlt sich bei seinen Schuhgren an die Norm!
    Bei einem fachkundigen Berater wie einem Maschuhmacher oder einer erfahrenen Beraterin ist der Schuhkauf
    ein Kinderspiel und muss nicht im Fiasko enden.
    Betreten Sie niemals einen Schuhladen mit dem unverrckbaren Vorsatz ein bestimmtes Modell
    unbedingt kaufen zu wollen, koste es was es wolle!

    Sie knnen Ihre Fe nur einmal kaputtmachen!

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhnge hochladen: Nein
  • Beitrge bearbeiten: Nein
  •