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Thema: Schuhqualität - welche Marken sind preiswert? Empfehlenswert?

  1. #1
    Administrator Avatar von urban
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    Schuhqualität - welche Marken sind preiswert? Empfehlenswert?

    Damit man beurteilen kann wann ein Schuh preiswert, also seinen Preis wert ist, muss man seinen Preis, aber auch seinen Wert kennen.
    Ersteres ist sehr einfach - die Beurteilung seines Wertes dagegen auf den ersten Blick hin ein Buch mit sieben Siegeln, da die Schuh-Marke keinerlei Aussagekraft hat.

    Schauen wir uns einmal (abstrakte!) Angebote in Ebay an:
    Dort bietet jemand rahmengenähte Schuhe für 49,50 € an: das Foto der Schuhsohle zeigt eindeutig, dass der Schuh durchgenäht und die Verarbeitung grottenschlecht ist.
    Dann gibt es noch zahlreiche Angebote, na sagen wir für 99,50 €, und ein solches Beispiel will ich einmal durchrechnen.

    99,50 € - Preis bei Ebay
    - 9,95 € - Verkaufsprovision Ebay
    - 4,00 € - PayPal-Provision
    85,55 €
    -13,66 € - 19 % MWSt
    71,89 € Ertrag für den Verkäufer

    Dieser Preis deckt alle Kosten des Verkäufers ab und enthält seinen Gewinn - solch ein Schuh kostet dann ab Werk maximal 30.- € oder 35.- €, je nach Frachtkosten.

    Bedenkt man, dass auch der Hersteller seinen Gewinn und seine Verwaltungskosten aus diesem Betrag abdecken muss, dann kann sich jeder ganz leicht ausrechnen wieviel Geld für
    a) den Arbeitslohn
    b) das Material
    übrig bleibt.
    Bis zu einem Ladenpreis, der auch von Onlinehändlern nicht unterboten wird, von ca. 200.- € für ein Paar Schuhe muss also an allen Ecken und Kanten gespart werden.
    Dünnes Oberleder, dünne Brandsohlen, dünne Laufsohlen, Vorder- und Fersenkappen aus Kunststoff , Billigabsätze aus aus Plastik und mit Leder ummantelt oder aus Lederfaser (kurz: Lefa) usw..
    Solche Schuhe wurden in verschiedenen Foren auseinander genommen, und es hat sich so immer wieder bestätigt.

    Erst bei Preisen von 200.- € bis 250.- € kann der Käufer erwarten, dass die Schuhe - sofern rahmengenäht im Goodyear-Welted-Verfahren, konkret: mit Gemband - aus halbwegs akzeptablen Materialien gefertigt wurden.
    Rahmengenähte Schuhe, die als Blake Rapid, also durchgenäht, gefertigt wurden, sind in der Herstellung zw. 5.- € und 10.- € billiger zu produzieren, entsprechend 12.- € bis 25.- € billiger im Angebot.
    Bei Blake Rapid wird der Rahmen mit der Nähmaschine direkt an die Brandsohle angenäht statt ans zuvor auf das an die Brandsohle aufgeklebte Gemband.
    Gutes oder feines Oberleder, hochwertige Brand-, Zwischen- und Laufsohlen sowie Absätze aus Lederschichten (also kein Lefa!) sollte der Käufer aber nicht wirklich erwarten,
    es sei denn er könnte Schuhe als wirkliches Schnäppchen im Herstellerland kaufen - dafür aber müsste er sich mit Schuhen aber wirklich sehr, sehr gut auskennen!
    Und das können selbst viele Schuhhändler noch nicht einmal für sich beanspruchen, leider.

    Erst bei Preisen ab 250.- € kann der Käufer bei GYW-Schuhen mit vernünftig gemachten Schuhen rechnen:
    Kalbleder, in einer befriedigenden bis guten Qualität, je nach Hersteller.
    Vorder- und Fersenkappen aus Lefa, mit Glück schon aus Leder - dito gilt für die Absätze.
    Brand- und Laufsohlen in einer akzeptablen Qualität.
    Bei einem Paar Schuhe für 250.- € schon von feinem Kalbleder zu sprechen zeugt von offensichtlicher Unkenntnis der Materie - immer vorausgesetzt, die Schuhe kommen komplett aus Europa und
    sind "handwerklich" gut gemacht:
    keine Konstruktionsfehler wie falsch liegenden Ballenlinie, zu hohe Seitenteile (Quartiere) oder haben keinen Stand usw.
    Innenquartier ist höher als das Aussenquartier, die Schuhe haben einen sogenannten Stand, kippeln also nicht und haben keinen Katzenbuckel, Ballenlinie liegt tatsächlich im Bereich der Fußballenlinie
    der entsprechenden Fußlänge usw. usw.

    Gutes Leder aus renommierten europäischen Gerbereien in einer ausreichenden Materialstärke (Dicke) wird bei rahmengenähten Schuhen erst zusammen mit Lederkappen, Sohlen usw. erst
    ab Preisen von 300.- € aufwärts angeboten.
    Anmerkung:
    Rendenbach-Laufsohlen und Absätze kosten pro Schuhpaar den Endkunden ca. 30.- € oder 35.- € Aufpreis.

    Alle bisherigen Angaben beziehen sich auf rahmengenähte Schuhe im einfachen Goodyear-Welted-Verfahren mit auf die Brandsohle aufgeklebten Gemband
    und nicht auf das "genuine" GYW-Verfahren, bei dem die Brandsohle waagerecht rundum eingeschnitten wird und die so entstehende Lippe hochgebogen wird,
    um daran den Rahmen anzunähen.
    Dieses Verfahren wird aber nur noch ganz selten angewendet und ist praktisch vom Markt verschwunden, u.a. da das Primestitched-GYW-Verfahren billiger ist.
    Es gibt dafür auch noch andere Gründe - darüber später mehr.

    1. Tabelle für Schuhpreise:
    < 100.- € - indiskutabel
    < 200.- € - Schuhe, die die absoluten Mindestanforderungen erfüllen können, aber nicht müssen!
    < 250.- € - Schuhe, die in der Regel die Mindestanforderungen erfüllen
    ab 300.- € : Schuhe in einer guten, gängigen Qualität, sowohl was die Materialien als auch die Verarbeitung angeht

    Bis jetzt haben wir nur Schuhe betrachtet, die weniger als 500.- € kosten und grundsätzlich (ich kenne wirklich nicht alle europäischen Schuhfabriken und -Marken) als Primestitched Goodyearwelted,
    also mit aufgeklebtem Gemband hergestellt werden.
    Die Preisklasse ab 500.- € (teilweise auch schon darunter):
    Nun wird es richtig interessant, denn nun kommen verstärkt die Schuhmarken ins Spiel und damit auch der Aufpreis, den der Schuhkäufer genau dafür zu bezahlen hat, dass er die Marke überhaupt kennt!
    Einfach:
    Der Schuhhersteller macht viel Werbung für seine Marke, dadurch kennt der Käufer sie überhaupt erst, weil er die großen, bunten Anzeigen in den Modezeitschriften geblättert hat, aber
    genau dafür bezahlt er einen hohen Preis!
    Den Markenaufschlag, oder sollte ich Werbeaufschlag schreiben? Wohlgemerkt - ich bin noch nicht in der Kategorie Luxus angekommen!

    Der Markenaufschlag macht sich auch bereits bei Schuhen unterhalb der 500.- €-Preisklasse bemerkbar - speziell wenn diese Schuhe aus dem Land kommen, dessen Sprache sehr einfach zu lernen ist
    und deren Herkunft als Inbegriff für Gute Schuhe gilt!
    Das ist bei Maßschuhen unbestritten so, dass die Engländer sehr gute machen können, aber dies können auch die Deutschen, Italiener und die Franzosen;
    aber bei Fabrikschuhen, die oft genug mit den gleichen Maschinen fabriziert werden dürfte das Land, in dem diese Maschinen stehen, wohl keine Rolle spielen, oder?
    Zumal speziell die Italiener weit mehr Macharten beherrschen als die Briten, und Budapest sollte als berühmte Schuhstadt nicht in Vergessenheit geraten.

    Nun aber wieder zurück zum eigentlichen Thema.
    Ab 500.- € trennen sich also die Wege:
    Die bekannten Marken fertigen (fast immer) auch die Schuhe bis zu Preisen jenseits der 1.000.- €-Grenze in dem simplen Gemband-Goodyearverfahren.
    Weniger bekannt ist aber, dass speziell in Italien, in dieser Preisklasse weit höherwertige Macharten bei rahmengenähten Schuhen (Tubolare, Norvegese und andere Macharten lasse ich jetzt
    einmal außen vor) angewendet werden.
    In dem Thread Macharten finden Sie die Zeichnung "GYW Verfahren mit Riß in der Brandsohle" - schauen Sie sich bitte dieses Bild genau an:
    Anhang 1789

    Zum Annähen des Lederriemens benötigt der Schuhmacher eine spezielle Maschine, deren schmaler Fuß in die Rißlippe der Brandsohle hineinkragt.
    So kann er den Riemen direkt an die Brandsohle annähen:
    • im Vergleich zu GYW-Gemband gefertigten Schuhen (Primestitched) entfällt das aufgeklebte Gemband als aussteifendes Element und ein Bauteil, das nicht vorhanden ist, kann auch nicht kaputtgehen
    • im Vergleich zum Blake Rapid-Verfahren entfällt die Naht im Innenraum des Schuhes - ansonsten ähneln sich beide Macharten sehr stark
    • im Vergleich zum genuine GYW-Verfahren entfällt die hochgestellte Lippe der Brandsohle als aussteifendes Element, das zudem aufgrund von Austrockung zum Bruch neigt


    Von den Maschinen-Macharten ist dieses Verfahren das hochwertigste, da bei Verwendung entsprechend flexibler Brand-, Zwischen und Laufsohlen der Schuh sehr biegsam ist und sehr leicht abrollt,
    absolut kein Vergleich zu Schuhen mit Zwei- oder Dreifachsohlen aus hochverdichtetem Leder, die sich beim Gehen (Abrollen) so gut wie gar nicht biegen und so wie ein Brett unter dem Fuß wirken.
    Diese spezielle Machart ist leider noch recht selten anzutreffen.
    Einer der Schuhmacher, der Schuhe in dieser Machart anbietet, aber nicht der einzige, ist übrigens Franco Cimadamore aus Montegranaro, IT: http://www.francocimadamore.it/
    Auf seiner Homepage sehen Sie allerdings keins der neuen Schuhmodelle, die er auf der MICAM ausgestellt hat - leider!
    Schuhe einer solch kaum bekannten Marke wie FC sind in Deutschland natürlich (noch) nicht zu bekommen.
    Es liegt aber durchaus im bereich des Möglichen, dass renommierte Schuhhändler, die auch wirklich Ahnung von ihrem Fach haben, Schuhe dieser Machart führen - ich denke dabei an Ladage & Oelke aus Hamburg.

    Selbstverständlich zeigt das Beispiel von Franco, dass bei solchen Schuhen auch hochwertige Leder wie z.B. Kalbleder aus einer kleinen, aber feinen französischen Gerberei verwendet werden, welche das ist, hat er mir
    aber bis heute noch nicht verraten - und auch Shell Cordovan von Horween befindet sich, gegen Aufpreis natürlich, in seinem Angebot.
    Fersen- und Vorderkappe sind garantiert aus Leder und nicht aus Lefa, das Innenfutter (Kalb) ist selbstverständlich vegetabil gegerbt und bei den Schuhsohlen geht Franco auch keinen Kompromiss ein - für die
    Rendenbach-Freaks sind selbstverständlich auch diese auf Lager.
    Nicht, dass ich hier jetzt ein großes Loblied auf einen Ihnen unbekannten Schuhmacher aus Montegranaro schreiben will, aber dies zeigt, dass es durchaus qualitativ wesentlich hochwertigere Alternativen
    zu den Ihnen bekannten Schuhen im Primestitched-GYW-Verfahren gibt.
    Bessere Materialien - sehr gute, aber aufwendige Verarbeitung und vor allen Dingen: wesentlcih komfortabler zu tragen!

    Markenschuhe, gleich wie sie heißen, sind wohl teurer, weil die Werbung dafür viel Geld verschlingt, aber qualitativ - das Design lasse ich jetzt einmal komplett weg - weniger gut.

    Ab ungefähr 850.- € - legen Sie mich bitte nicht auf die Kalkulation eines Händlers fest, da ich nur die Einkaufspreise kenne, gibt es Schuhe, die komplett von Hand genäht wurden:
    der Riemen wird von Hand an die Brandsohle angenäht (Stichwort: Einstichkanal oder auch, seltener, die zuvor beschriebene Rißlippe) und die Sohle wird ebenfalls von hand an den Rahmen gedoppelt.
    Sie erhalten also für 850.- € einen Schuh, der von seiner Anfertigung her komplett einem Maßschuh entspricht - selbstverständlich aus entsprechend wertigen Materialen hergestellt!

    Und nun vergleichen Sie bitte Schuhe in dieser Qualität vom Maß-Schuhmacher-Meister mit gembandgeklebten GYW-Schuhen eines bekannten Brands, gleich welchem, aus der Schuhfabrik!
    Welchen Wert hat welcher Schuh für Sie?


    Das Argument, dass Schuhe der Preisklasse 750.- € bis 1.000.- € nahe an die von Maßschuhen herankommen bzw. Maßschuhe sogar billiger zu bekommen wäre, ist mir wohl bekannt,
    nur gilt es zu prüfen ob diese Schuhe tatsächlich nach den Fußmaßen des Kunden gemacht werden und wenn ja, in welcher Verarbeitungs- und Materialqualität sie angefertigt werden/sind.
    Und vor allen Dingen:
    Wer macht diese "Maßschuhe" tatsächlich? Ich bezweifle sogar stark, dass es überhaupt Maßschuhe im klassischen Sinn sind - nur leider ist dieser Begriff nicht geschützt!
    Speziell im Internet wird viel über solche Maßschuhe geschrieben - die Frage ist: Von wem und warum?

    Aber rechnen Sie doch bitte selbst nach:
    . 800.- €
    - 128.- € - 19 % MWSt
    = 672.- €
    - 250.- € Material (Minimum) und Leisten
    = 422.- €
    ./. 40 Arbeitsstunden (Maßnehmen, Schuhentwurf, Leistenfertigung, Probeschuhe + Anproben, Anfertigung inkl Ausputz usw)
    = 10,55 € Stundenlohn für den Maßschuhmacher.
    Selbst wenn Sie ein paar Werte verändern geht die Rechnung nicht auf, denn die Betriebskosten müssen auch bezahlt werden, und wo bleibt der Gewinn?

    Auf solch einen Blödsinn von Maßschuhen für gleiches, oder sogar noch viel weniger Geld Maßschuhe zu kaufen, gehe ich daher nicht mehr weiter ein,
    denn ich darf wohl bei Ihnen voraussetzen, dass Sie (nach-) rechnen können.
    Das Einzige wozu dieses Geschwätz in manchen Foren und in den betreffenden Ladengeschäften taugt, ist dem Handwerk des Maßschuhmachers massiv zu schaden,
    denn mit solchen Preisen kann keiner überleben, und genau da setzt meine Kritik an.


    500.- € bis 1.200.- € - Machart + Ausführung:
    a) Schuhe von Marken und Brands, Machart: Goodyear Welted + Gemband, Lederqualität: von geht noch bis sehr gut je nach Hersteller, brand-/markentypisches Design
    b1) maschinengenähte Schuhe, GYW mit Rißlippe in der Brandsohle, hochwertige Materialien, Design von gewöhnungsbedürftig bis sehr schön, je nach Schuhmacher
    b2) handgenähte Schuhe (handsewn + handwelted), in etwa Maßschuhqualität und Machart, hochwertige Materialien, Design und Gestaltung nach Wunsch des Kunden

    Leisten und Formen:
    a) Serienleisten des jeweiligen Herstellers in verschiedenen Formen je nach Entwurf des Schuhdesigners, eventuell 2 Weiten bei einem Leistentyp
    b) je nach Schuhmacher Serienleisten in 3 (6) verschiedenen Weiten pro Fuß, Anfertigung von Einzelschuhen für rechten und linken Fuß möglich, Gestaltung, Leder und Farben
    nach Wunsch des Kunden möglich - dies der optimale Fall!
    Oder nur verschiedene Serienleisten je nach Angebot des Schuhmachers.

    Der Käufer muss sich also entscheiden ob er Schuhe einer bekannten Marke/Brands tragen und das Aufgeld dafür bezahlen will
    oder
    ob er sehr gute handgefertigte Schuhe, gefertigt nach eigenem Gusto in einer fast optimal an seine zwei eigenen Füße tragen will, die sehr nahe an optimal gefertigte Maßschuhe heranreichen,
    und die die Billigmaßschuhe dabei um Längen schlagen.

    Welchen Wert der Käufer welchem Schuh zumisst, hängt einzig und allein von seinen persönlichen Präferenzen ab!
    Die Einen stehen auf Marken und Brands und deren typischem Design - die Anderen auf Schuhe mit hohem Tragekonfort und fast perfekter Passform an beiden Füßen zum erschwinglichen Preis.

    Ein Markenmame dagegen an sich sagt überhaupt nichts über die Qualität der Schuhe aus, da jeder Hersteller verschiedene Qualitätslinien anbietet und/oder jederzeit die Ausführung und
    die verwendeten Materialien ändern kann.
    Wer denkt auch z.B. bei Herrenschuhen, die mehr als 1.000.- € kosten daran, dass diese genau wie ein 200.- € -Schuh mit Hilfe eines Klebebandes gefertigt werden?
    Die Machart ist also absolut dieselbe - nur Leder und Design unterscheiden sich!
    Es gibt also grundsätzlich keinerlei Erhöhung des Tragekonforts wenn jemand für dieselbe Machart 800.- € oder 1.000.- € mehr bezahlt, genau so wenig wie beim Aufpreis
    für ausgefallenes und teures Leder!
    Da kann man trefflich über den Begriff "preiswert" streiten, oder? Aber entscheiden tut der Kunde, und alleine das zählt.


    In Newsaboutshoes gab es vor 4 Jahren den Versuch in den jeweiligen Preiskategorien die herausragenden Schuhmarken und -hersteller zusammenzutragen, was aber nicht so ganz gelang.
    Wollen Sie Tipps zu guten und preiswerten Schuhen? Auch für andere Macharten als die "rahmengenähten"?

  2. #2
    Administrator Avatar von urban
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    Hüten Sie sich bitte vor den im Internet ach so oft gehypten Schuhen, denn meistens sind es keine Fachleute oder Kenner, die die Marken pushen.
    Auch kommt es gelegentlich vor, dass Hersteller die Promotion für ihre Schuhe im Netz bezahlen, mal leicht und mal weniger leicht erkennbar.
    Die bekanntesten und berühmtesten Schuhe im Netz müssen nicht zwangsläufig auch die besten sein - bei Weitem nicht!
    Ich selbst fiel auch schon auf solch einen Hype herein... die Schuhe sollen aber wesentlich besser geworden sein.

    Die Welt der Schuhe im Internet ist auch eine andere als die reale Schuhwirtschaft, oft sogar eine vollkommen andere!
    Man braucht sich nur einmal in den verschiedenen Foren und Schuhblogs umzuschauen, um festzustellen, dass dort immer wieder dieselben Marken und Namen auftauchen:
    der Schneeballeffekt, man könnte auch Lawine dazu sagen....

    Die Schuhe, die ich in der Preisklasse ab 500.- € aufwärts empfehlen würde, gibt es in Deutschland leider nicht zu kaufen, zumindest kenne ich keinen Händler, der sie führt.
    Und dann sind sie vom Aussehen her - zumindest behaupten das Leute, die meine eigenen Schuhe kennen - gewöhnungsbedürftig, denn sie haben zum Teil deutlich sichtbare Nähte
    und eine elegante Form (nein, spitz sind sie nicht!).
    Viele Leute stehen halt eben auf die typischen Rundkappen-Schuhe, sobald die Schuhspitze auch nur oval ist wird's kritisch.

    Ich mach mir einmal Gedanken und stelle eine kurze Übersicht meiner persönlichen Favoriten ein - diese sind natürlich (fast) alle von Hand eingestochen und gedoppelt (handsewn & handwelted).
    Rahmengenähte in dieser Machart sind wohl sehr gut und auch sehr schön, aber am allerliebsten trage ich selbst Schuhe der Macharten Norvegese und Stagno (Bentivegna, Cadenon),
    da diese keine Ausballung haben und man nur auf Leder läuft - daher kann ich auch auf harte Sohlen dankend verzichten.

    Wenn Sie selbst gute Schuhe finden wollen, dann betrachten Sie sie bitte von der Seite und von unten:
    nur so sehen sie die Qualität des Schuhmachers.

    Bunte Bildchen - darauf fallen fast alle Schuh-Neulinge herein, aber der schöne Schein - er kann bekanntlich trügen!
    Und alleine der Markenname sagt nichts über die Qualität aus!
    Von heute auf Morgen kann der Hersteller seine Materialien oder der Herstellungsprozess ändern: RTW shoes, Serienschuhe primitiv geklebt mit Gemband, aber mehr als 1.000 €uro teuer!
    Das wollte mir sogar eine Schuhmachermeisterin nicht glauben - aber die Reportage in der POINTURE hat sie dann doch überzeugt, auf den Bildern war das Gemband deutlich zu sehen.

    Und denken Sie immer daran - der Bekanntheitsgrad einer Schuhmarke ist eingepreist!

  3. #3
    Administrator Avatar von urban
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    In den Foren freuen sich die Mitglieder immer wieder wenn sie "preiswerte Schuhe" entdeckt haben, speziell solche, bei denen die Handelsspanne des Einzelhändlers wegfällt.
    Das verstehe wer will, ich will es nicht verstehen.
    Denn der Händler muss die Schuhe einkaufen und für die Kunden in seinem Ladengeschäft vorhalten - seine Beratungsdienstleistung kann er auch nicht für Gotteslohn erbringen,
    oder seit wann arbeiten seine Kunden, die Schuhkäufer, gratis?
    Das Alles kostet Geld und will bezahlt werden. Oder ist das etwa nicht fair?
    Wenn natürlich Forenmitglieder glauben, dass sie sich in Foren das nötige Wissen um die perfekte Passform für ihre beiden Füße aneignen können, oder dies gar haben,
    dann können sie im Versandhandel bedenkenlos einkaufen.
    Auch dieses Forum kann diese Arbeit letzten Endes nicht leisten - es stellt lediglich Knowhow von und über Schuhe zur Verfügung, will aber weder, noch kann es den Gang zu einem
    Fachberater oder Schuhmacher ersetzen.


    Leistendatenbanken lehne ich selbst aus den bekannten Gründen heraus rundum ab, denn sie funktionieren schlicht und einfach nicht, so gut die Idee, die dahinter steckt, auch sein mag!

    Wenn nun aber die Handelsspanne des Händlers angeblich entfällt - wie bitte bezahlt denn der Hersteller als Direktanbieter die Kosten seiner eigenen Läden?
    Kosten diese keine Miete, verursachen keine Personal- und sonstigen Kosten?
    Wie bezahlt er diese?
    Es ist naive Mathematik zu glauben, dass bei einem Versandhändler der Aufschlag für seine Kosten und seinen Gewinn wegfällt, sondern ganz im Gegenteil:
    Gerade bei Schuhen der Preisklasse <100.- € sind seine Kosten in Relation zum Kaufpreis aufgrund der anfallenden Retouren, ausgedrückt in %, sehr hoch.
    Erst bei Verkaufspreisen von 150.- € und mehr erzielt er einen Kostenvorteil im Vergleich zum Einzelhändler,
    ganz zu schweigen von den Leerverkäufen, bei denen der anbietende Versandhändler die Ware nicht auf Lager hat sondern diese erst nach dem Verkauf beim Hersteller bestellt.

    Für den Schuhkäufer spielt dies aber wohl keine Rolle - zumindest interessiert ihn das Alles nicht, den für ihn sollte die Passform der Schuhe an allerersten Stelle stehen, was leider selten der Fall ist,
    da er sich auf den Kauf von Marken und deren Image beschränkt, da er die Qualität eines Schuhes nicht abschließend beurteilen kann, oft noch nicht einmal im Ansatz.
    So schön einfach, bequem und "günstig" der Onlineeinkauf von Schuhen auch sein mag:
    Ist sich der Käufer tatsächlich absolut sicher, dass die gekauften Schuhe auch nur annähernd die (optimale) Form für seine Füße haben - oder ließ er sich nur zum Kauf verleiten?

    Natürlich kann ein Hersteller mit den Namen der Gerbereien werben, nur - bieten diese nur eine einzige Lederqualität in einer einzigen Materialstärke an?
    Baut Mercedes nur ein Automodell, oder gar ganz viele mit vielen Ausstattungsvarianten, vom Standardmodell bis zur AMG-Version?
    Hier setzt wiederum ein Forum an: etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

    Wer nur einmal die Seiten von Gerbereien betrachtet, der wird sehr schnell feststellen wie viele Ledersorten eine einzige Gerberei anbietet,
    ganz zu schweigen von den Bestellungen der Hersteller, die das Leder in einer speziellen Spezifikation ordern können.
    Dasselbe gilt für die Ledersohlen, die Absätze, die Brandsohle, das Innenfutter usw.

    Ein Paar Schuhe, das 150.- € inkl. der Mehrwertsteuer kostet, ist genau so viel wert - oder sind Sie werter Leser davon überzeugt, dass der Hersteller genau Ihnen etwas schenken möchte?
    Ist heute vielleicht Weihnachten oder haben Sie Geburtstag?


    Diese provokante Frage ist insbesondere dann gestattet wenn derselbe Hersteller unter einem anderen Namen, einer anderen Marke, auch eine höherpreisige Kollektion anbietet.

    Es gibt nur eine mir bekannte Ausnahme dieser Regel: bekannte Brands oder Marken, bei denen der Kunde die Werbung mitbezahlt.

    Bei aller Begeisterung für "preiswerte Schuhe" mit einem unschlagbaren "PLV" - wahren Sie bitte eine kritische Distanz, zumal wenn in Foren dafür getrommelt wird:
    dort tummeln sich jede Menge bezahlte Werber und noch mehr Schuhunkundige - ganz zu schweigen von oftmals retuschierten Fotos auf den Seiten der Anbieter!


    Ein DACIA hat für ein Auto ein super Preisleistungsverhältnis (PLV) - warum kauft ihn nicht jeder?

  4. #4
    Administrator Avatar von urban
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    Es fällt mir schwer hier konkret Marken zu nennen, da man mir Befangenheit unterstellen könnte.
    Unter anderem kenne ich viele Firmen, mal gut und mal weniger gut oder sogar den Eigentümer selbst usw.
    Andererseits könnte ich aber auch im Detail begründen warum ich Schuhe dieser Firma empfehlen würde und von jener Marke nur bedingt.
    Allgemein gilt die Regel:
    Je bekannter und je intensiver die Marke beworben wird, umso teurer sind deren Schuhe.
    Von der Werbung in den Foren für z.B. amerikanische Schuhe halt ich schlicht und einfach NULL obwohl ich zahlreiche Schuhpaare jahrelang getragen habe,
    aber die Qualität war damals schlicht und einfach eine andere wie Schuhmacher bestätigen können oder wie man in französischen Foren nachlesen kann.
    Englische Schuhe:
    CHEANEY ist wieder am kommen, andere sind schlicht und einfach recht teuer oder auch preiswerter und dafür weniger gut.
    Zu viele Leute denken, dass gute Schuhe nur aus England kommen können - ein Fehler.
    Englische und italienische Leisten bei Serienschuhen, RTW: Grober Unfug!
    Die Franzosen: Es gibt nur leider ganz wenige, echte französische Hersteller und manchmal stammt sogar ein Teil der Kollektion aus anderen Ländern.
    Spanische Schuhe: Bei Serienschuhen oft sogar besser als Engländer, da dieselbe oder bessere Verarbeitung und oft besseres Leder - in der Regel preiswerter,
    da sie weniger beworben und in Foren weniger gehypt werden.
    Fragen?

  5. #5
    Administrator Avatar von urban
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    Zum Kauf empfehle ich handgenähte Schuhe der im Forum vorgestellten Schuhmacher, denn wer sie einmal getragen hat,
    der will sie nicht mehr missen.
    Zu den Preisen der verschiedenen Schuhmachern will ich hier keine Angaben machen, ganz grob bewegen sie sich zwischen 500 € und 1.000 €.
    Sie sind damit nicht, bei etwas Glück, oder kaum teurer als die maschinengenähten Schuhe aus Shell Cordovan, nur wirklich um einige Klassen besser:
    der kleine Abstand zum echten Maßschuh liegt nur noch im individuellen Leisten.
    Das Leder macht wirklich nicht die Trageeigenschaften eines Schuhes aus, höchstens den Besitzerstolz,
    aber die Machart Handgenäht immer kombiniert mit einer wesentlich besseren Gewölbeunterstützung und vor allen Dingen,
    einem vollkommen anderen, viel leichteren Tragegefühl, macht einen wirklich guten Serienschuh aus.

    Und wenn ich mir so anschaue was alles in DACH unter "Bespoke Shoes" verkauft wird - also ganz ehrlich, da sind die Italiener schon mit den
    empfohlenen handgemachten Serienschuhen weit besser.
    Ich könnte zu dem Thema italienische Maßschuhe auch noch ein paar Worte verlieren... - nur so viel: ein nicht ganz einfaches Thema.

    In der Preisklasse bis, hochgegriffen, 1.000.- € sind gerade nicht die Maßschuhe meine Favoriten, sondern die handgedoppelten Serienschuhe,
    die so fast nur in Italien hergestellt werden.
    Es soll in England noch einen vergleichbaren Hersteller geben, aber das muss ich zuerst noch überprüfen - ich bitte um etwas Geduld.

    Ob Sie nun 2, 3 oder 4 Paar Schuhe kaufen oder denselben Geldbetrag auf einmal ausgeben - da ist kein Unterschied, oder?
    Und wer behauptet, dass Sie sich gleich 3 oder 4 Paar zwecks "Rotation" kaufen müssen - das können Sie sich ehrlich gesagt sparen,
    oder haben Sie aktuell keine Schuhe (mehr) im Schrank stehen?

    Die Schuhmachermeister konkret finden Sie: http://www.bestofbest-mode.com/forum...emachte-Schuhe

  6. #6
    Administrator Avatar von urban
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    Ich werde auf einige Marken, deren Verarbeitung und Materialien im "Schuhkatalog" näher eingehen.

    Nur so viel bereits vorab:
    Viele Hersteller fertigen verschiedene Serien in unterschiedlichen Macharten, dabei werden verschiedene Ledersorten und Sohlen verwendet.
    Zum Beispiel sind die (normalen) Rendenbach-Sohlen nicht für jede Machart gleich gut geeignet, da sie zu hart sind und
    gerade bei mehrsohligen Schuhen die Brand-, Mittel- und Laufsohlen miteinander harmonieren müssen,
    da sonst der Schuh komplett ausgesteift wird und das Gehen darin eigentlich keinen Spaß mehr macht.

    Es gibt andererseits Schuhe, die sehr dünne Sohlen aufweisen, um sie möglichst biegsam zu machen:
    z.B. Sommerschuhe wie der Reverso (= Machart).
    Logisch, dass deren Sohlen recht schnell verschleißen.
    Nur sind sie deshalb schlechter?

    Andererseits gibt es Hersteller, die einmal gut waren aber aufgrund ihres Markterfolges ihre aktuellen Serien nur noch "zusammennageln",
    aber dies tut dem Markterfolg keinen Abbruch, denn sie werden in den verschiedenen Blogs und Foren gehypt:
    "Must Have" - oder vielleicht doch nicht?

    Anhang 2437

  7. #7
    Administrator Avatar von urban
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    Es gibt immer wieder Leute, die ihren Spleen unbedingt preiswert kaufen zu müssen,
    mit amüsanten Thesen begründen:
    Der Verdienst eines Schuhhändler beträgt die Hälfte des Schuhpreises = 5/10tel vom Preis.
    Die Herstellungskosten eines Schuhes betragen gerade mal 1/10tel des UvP, der Verdienst des Herstellers 4/10tel vom Preis.

    In der Praxis sieht die Rechnung natürlich anders aus - machen wir ein Beispiel:

    229,00 € Ladenpreis
    -36,56 € MWSt
    - rd. 10 € Kosten für die Bezahlung via Kreditkarte
    - anteilige Ladenmiete inkl. NK
    - anteilige Personalkosten inkl. VK-Provision
    - Gemeinkosten
    - sonstige Kosten wie z.B. Reisekosten zu Messen usw.
    - Buchhaltung & Steuerberater
    - Werbungkosten, Internetauftritt usw.
    - 95,00 € Einkaufspreis
    - 4,00 € Frachtkosten

    = ..... € rechnen oder schätzen Sie - auf jeden Fall liegt der Verdienst unter 50 %, und dies ist auch noch eine Milchmädchenrechnung,
    die auf der Annahme beruht, dass alle Schuhe zum regulären Preis verkauft werden, was bekanntlich nicht der Fall ist: SALE!

    Beim Schuhproduzenten - bezogen auf die 95.- €, die er in unserem Beispiel für 1 Paar Schuhe erhält - sieht es ähnlich aus.

    Mann kann natürlich jedes Produkt in seine Ausgangsmaterialien und Preise herunterbrechen.
    Bei Schuhen wären dies gerade mal 10.- € für ein Kuhfell .

  8. #8
    Administrator Avatar von urban
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    Wollen Sie hier eventuell Marken-Namen lesen?

    Abgesehen davon, dass ich das schon einmal in NAS versucht hatte und die seltsamsten Ergebnisse dabei herauskamen,
    weil man sich auch dort an den bekannten Marken und deren Image festhielt,
    dürfte es ein ziemlich schwieriges Unterfangen werden.
    Erstens weil für viele Internetuser "der gute Schuh" rahmengenäht, sprich "Goodyear Welted" sein muss, eine Meinung,
    die ich nun mal gar nicht teile, weil sie meinen eigenen Erfahrungen widerspricht,
    und
    zweitens die IU's glauben, dass man bereits ab rund 100.- € gute Schuhe kaufen kann
    und
    drittens bei Preisen, die darüber liegen, immer die Marken in den Vordergrund stellen und gerade nicht die Qualität
    wie Design, Materialien, Ausführung usw..

    Es gibt noch einige weitere Gründe, die mich von solch einem Ranking abhalten - insbesondere ist es mir zu viel Zeitaufwand
    und die Hersteller bzw. Schuhmacher können von einem Tag auf den anderen beispielsweise die Ausführung ändern oder
    ein ganz anderes Leder verwenden.

    Ein Grobraster zur ersten Orientierung könnte ich wohl anlegen, muss aber noch darüber nachdenken inwieweit dies Sinn macht,
    denn viele der Schuhe sind in Deutschland, soweit ich weiß, gar nicht erhältlich, teurer als die übliche Einsteigerklasse und so weiter.

    Dieses Raster würde sich an den Kaufpreisen in Deutschland orientieren, und wenn sie dort noch nicht auf dem Markt sind,
    dann müsste ich sie auf der Basis des Einkaufspreises in etwa schätzen,
    denn ich habe Ressentiments!

  9. #9
    Administrator Avatar von urban
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    Beiträge
    12.701
    Ich drehe den Spieß einfach mal um.:o

    Welche Schuhe: ggf. Markenschuh, Design, Materialqualität, Machart - Ausführung und Service insgesamt,
    erwarten Sie in den folgenden Preisklassen?

    • < 50.- €
    • < 100.- €
    • < 200.- €
    • < 300.- €
    • < 500.- €
    • < 750.- €
    • < 1.000.- €
    • < 1.500.- €
    • < 2.000.- €
    • > 2.000.- €


    Und wie viel Geld sind Sie bereit für eine Reparatur, Halbsohle + Absatzfleck, in der jeweiligen Preisklasse auszugeben?

  10. #10
    Administrator Avatar von urban
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    Keiner, der für sein sauer verdientes Geld beim Schuhkauf etwas erwartet?

    Dann mach ich mal glatt mal einen Schuhhandel auf.;)

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