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Thema: CASHMERE & Strick - Wie unterscheidet man Ramsch von Qualität?

  1. #1
    Administrator Avatar von urban
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    CASHMERE & Strick - Wie unterscheidet man Ramsch von Qualität?

    Ehrlich gesagt drücke ich mich vor diesem Thema schon eine Zeit lang, da mir einerseits eine hochwertige Kamera und andererseits die Fotoobjekte fehlten.
    Nun - in 2 Wochen nach meiner Reise hoffe ich beides zusammen zu haben.


    Aktuell ein paar Bemerkungen vorab:
    Guter Strick setzt ein entsprechend gutes Garn voraus, in der Regel sollte dies [mind.] 2-fädrig (2-ply) sein, da die Verzwirnung von zwei oder 3 Einzelfäden dem Garn eine größere Eigenstabilität verleiht.
    Können Sie bei genauem Hinsehen die Verzwirnung des Garnes bzw. das Garn und seine Kontur genau/scharf erkennen,
    oder hat sieht es eher flauschig aus mit umgebenden, herausragenden Einzelfasern ohne genaue Kontur(en)?
    Letzteres sollte nicht sein, da solches Garn bei relativ wenig Masse bzw. Substanz viel Volumen aufweist,
    um mit relativ wenig Materialeinsatz eine recht große Fläche stricken zu können:
    So täuscht so mancher Stricker "Weichheit und Flauschigkeit" z.B. bei Cashmerestrick vor, um den Kunden Qualität vorzugaukeln.
    Mit flauschigem Garn und locker gestrickt kann man recht große Flächen stricken - nur handelt es sich dabei um minderwertigen
    Strick mit wenig bis keiner Formstabilität:
    Der Pullover oder die Weste verliert nach dem Waschen seine Form: er wird lappig.

    Bitte nicht mit mittels Naturdisteln gekämmtem Garn verwechseln! Dies dient dem Auskämmen von aus dem Garn herausragenden einzelnen Fasern, um so das Pilling zu reduzieren. Dieses Garn hat aber eine klare Kontur, da fast sämtliche
    Kurzfasern mit der Distel entfernt wurden.
    Ob nun ein dickeres Garn oder ein feineres verstrickt wird, hängt vom späteren Verwendungszweck, der angestrebten Optik und von der Art des Strickens, also ob von Hand oder mit Maschinen, ab.
    Dabei muss man unterscheiden ob es sich um ein einzelnes dickes Garn von z.B. NM 3000 oder 4000 handelt
    oder
    ob das Garn aus mehreren dünnen Fäden zu einem mehrfädigen, multi-ply Garn verzwirnt wurde.
    Beide Garne sind "dick" - nur ist das einfädige ist flauschig, wenig bzw. unscharfe Kontur und mit entsprechend geringer
    Eigenstabilität während das Garn aus mehreren Fäden gezwirnt eine klare, scharfe Kontur aufweist und durch die
    höhere Eigenstabilität den Strick in Form hält - gut gestrickt vorausgesetzt.

    Aktuell zeichnet sich einerseits ein Trend zu Feinstrickwaren, also sehr dünnen Strickwaren ab, was die Verwendung entsprechend feiner Garne voraussetzt und andererseits werden Damenstrickjacken als Handstrick mit bis zu 12-fädigen, also sehr dicken Garnen, nur als schmückende Mode getragen - der eigentliche Zweck, das Warmhalten der Besitzerin, ist dabei weniger wichtig.

    Gute Strickwaren werden entweder aus einem Stück gestrickt, was aber äusserst selten ist - hier sei der Hinweis auf John Smedley, UK, und seine Spezialstrickmaschine erlaubt, die Pullover als ein Teil strickt,
    oder die Einzelteile wie Korpus und Arme werden auf Flachstrickmaschinen gestrickt und die Einzelteile wie Korpus und Ärmel
    werden anschließend von Hand zusammengekettelt (Bilder: siehe Herrenstrümpfe).

    Kritische Punkte bei Strick sind die Bündchen und der Kragenansatz - schauen Sie bitte nach ob und wie der Übergang vom Bündchen zum eigentlichen Ärmel gestrickt ist:
    kreuzen sich die 2 Fäden in der ersten Maschenreihe diagonal oder liegen die Fäden parallel zueinander, was nicht sein darf.
    Sind die Maschen der ersten Reihen sehr eng gestrickt, was natürlich von der Garnstärke abhängt - je feiner das Garn und damit die Nadeln (Gaugezahl = Dicke der Stricknadeln) - desto enger sind die Maschen.

    Ärmelansätze:
    Grundsätzlich wie bei den Bündchen - dazu muss ich zwingend Fotos machen.

    Feste Maschen - lockere Maschen:
    Scheuen Sie sich bitte nicht für einen ersten Test das Strickteil mit beiden Händen auseinander zu ziehen und anschließend gehen zu lassen - schauen Sie bitte nach ob sich dieser Teil wieder zusammenzieht
    und ob er sich von seiner Umgebung unterscheidet - am besten am Rückenteil testen:
    Guter Strick muss auch nach Jahren in Form bleiben und darf sich nicht verziehen wie z.B. bei der Wäsche wenn der Pullover sich voll Wasser gezogen hat und schwer wird...

    Die Feinarbeit an diesem Artikel folgt in ungefähr zwei Wochen zusammen mit den Fotos: 1 Bild sagt mehr als 1000 Worte!

  2. #2
    Administrator Avatar von urban
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    Die Fortsetzung folgt morgen am Sonntag mit Fotos von Cashmerestrick verschiedener Firmen... und in einer Woche mit Detailaufnahmen von SPOERRY 1866 Feinstrick (mit etwas Glück!)

    Name:  P1000608.jpg
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    Name:  P1000613.jpg
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    Sehen Sie die Strickfehler an Ärmel bzw. Korpus?

    Name:  Paint Pullover  P1000660.jpg
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  3. #3
    Administrator Avatar von urban
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    Gerade über Cashmere wird im Netz sehr viel Blöd- und Unsinn geschrieben - oder es werden einfach nur die bekanntesten Marken und Brands
    heruntergebetet ohne auch nur im Entferntesten eine Begründung für deren angebliche Spitzenqualität und das exzellente PLV zu liefern.
    Ja es wird noch nicht einmal zwischen den typischen Merkmalen von englischem und dem weitaus feineren italienischen Garn unterschieden.

    Daher meine Frage:
    Ist jemand an detaillierteren Informationen über Marken und Hersteller interessiert?
    Firmen mit viel Erfahrung im Umgang mit Cashmere, entsprechend feiner Qualität, und Firmen, die einfach nur teuer sind,
    weil sie zu echten Luxusbrands gepusht wurden?
    Und auf der Pitti, in den einschlägigen Internetforen oder -blogs, findet man nicht unbedingt die Besten,
    da einer bei dem Anderen einfach nur abschreibt ohne zu wissen was eigentlich genau.

    Ein kleiner Tipp vorab:
    Bei wenigen bekannt und nicht mehr en vogue oder cool/in sind die Firmen der ZEGNA-GROUP wie z.B. Paolo Botta als Garnlieferant,
    und AGNONA als Stricker, die aber eine erstklassige Qualität liefern oder Luigo Colombo aus Borgosesia (VC).

    Und als Tipp für das Mittelpreissegment: Della Ciana Cashmere.

  4. #4
    Administrator Avatar von urban
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    Ich habe die Einleitung leicht überarbeitet - eine Checkliste für den schnellen Qualitätscheck wird folgen.

    Schauen Sie sich bitte das Video von MAC'S Cashmere an:



  5. #5
    Administrator Avatar von urban
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    Wenn Sie ein Angebot über Strick aus 100 % Cashmere sehen, dann schauen Sie bitte zuerst einmal auf den Preis:
    Ein mittelschwerer Pullover wiegt ungefähr 250 Gr., 1 kg gutes Cashmeregarn kostet ab 200.- €/kg,
    also beträgt der reine Garnwert ca. 50.- €.
    Der Pullover sollte also im deutschen Einzelhandel ca. 300.- € und mehr kosten - bedenken Sie bitte,
    dass darin alleine ca. 50.- € MWSt enthalten sind.

    Wenn solch ein Pulli für weniger als 150.- €, oder gar für unter 100.- € angeboten wird, dann muss man den Preis hinterfragen,
    da dann folgende überschlägige Rechnung gilt:

    99,99 € ./. 1,19 = 84,03 € netto
    84,03 € ./. 2,00 = 42,02 € Händler-Einkaufspreis
    42,02 € ./. 2,00 = ~21 € Garnpreis/-wert
    21.- € X (1 kg ./. 0,250 kg) = 84.- €/kg reines Cashmeregarn

    Wo gibt es dies so günstig zu kaufen?

    Es gibt verschiedene Faserqualitäten von Diamont White bis hin zu verschiedenen Brauntönen, von kurzen Fasern bis hin zu langen,
    und natürlich spielt der Anteil der Grannenhaare (Deckhaare) auch eine gravierende Rolle.
    Und neben der Farbe, je mehr Weiß desto hochwertiger weil leichter zu färben, spielt auch der Faserdurchmesser
    neben der Faserlänge eine sehr entscheide Rolle bei der Qualitätseinstufung der Rohfasern.
    Nach der Reinigung des Vlieses wird dieses entgrannt und danach gesponnen - je weniger Grannhaare danach verbleiben,
    desto feiner kann der Faden ausgesponnen werden.
    Die Fäden werden dann (hoffentlich) zu mindestens 2 fädigen oder mehr Garnen verzwirnt - das Garn sollte
    mindestens 2-fädig (2-ply) sein, um eine gute Eigenstabilität, die für das Stricken und die Qualität des fertiges Stricks
    von Bedeutung ist, sein.
    Natürlich gibt es auf dem Weg des Cashmerevlieses von der Ziege über die Spinnerei bis zur Strickerei und dann dem Kunden verschiedene
    Möglichkeiten das Material zu strecken und zu "veredeln" - man kann z.B. farbige Fasern bleichen, um sie besser färben
    zu können, was aber die Haltbarkeit beschränkt oder den Fasern bzw. dem Garn durch chemische Prozesse mehr Fülle,
    also mehr Volumen verleihen (der Flausch):
    Der Pulli wird leichter und flauschiger - man braucht weniger Rohfasern und der Preis sinkt.
    Stricken kann man das flauschige Garn dann mit dicken Nadeln und lockeren Schlingen und erreicht so einen Pullover
    mit niedrigem Gewicht.
    Das Zusammennähen der Ärmel, Vorder- und Rückenteil kann man einfach mit einer Nähmaschine machen oder
    man kettelt sie von Hand.

    Sie bekommen das, was Sie zu zahlen bereit sind wenn man von typischen Brandaufschlägen einmal absieht.
    Und ehe ich's vergesse:
    Cashmeregarn überspringt ganz leicht die 300.- €/kg, und mehr als 400.- €/kg sind nur eine Frage der Spitzenqualität.

    WENN Sie sich guten, qualitativ wertigen Cashmerestrick zulegen wollen, um späteren Enttäuschungen vorzubeugen,
    dann solten Sie auch so konsequent sein einen angemessenen Preis dafür zu zahlen.
    WENN Sie weniger Geld ausgeben möchten, dann bitte Merino oder Royal Baby Alpaca:
    Die beiden halten ebenfalls warm, sind sehr weich und echte Hautschmeichler aber halt eben billiger zu haben,
    da das Garn im Preis günstiger ist.


    Auf 4-ply, 8-ply und höher verzwirnte Garne gehe ich hier nicht ein - Sie können aber gerne Fragen dazu stellen.

    Checkliste für gute Stricksachen:

    • Wo, in welchem Land, wurde der Strick hergestellt? Was sagt das Etikett darüber aus?
    • Welches Material weist das Etikett aus?
    • Ist das Garn näher bezeichnet oder gar die Spinnerei aus der es stammt? Zumindest das Herstellerland?
      In Italien ist 100 % Cashmere drin wenn es draufsteht, in UK vermutlich auch - in jedem Fall aber wenn das Garn
      tatsächlich aus einer renommierten Spinnerei stammt.
    • Stammt der Strick von einem originären Stricker, stammt es aus der Kollektion von einem Brand oder Modeschöpfer oder
      ist es ein Private Label-Produkt (Hausmarke)?
      Wenn Sie diese 4 Punkte nicht anhand des Etiketts klären können, dann fragen Sie bitte nach.
    • Wie fühlt sich das Teil ein? Weich-flauschig, lappig oder mit einer klaren Kontur beim Fallen?
    • Greifen Sie den Pullover mit beiden Händen in halber Höhe zwischen Armansatz und Bund und ziehen ihn etwas auseinander:
      Bemerken Sie einen zunehmenden Widerstand? Nimmt er nach dem Loslassen wieder tadellos seine 'alte' Form an?
    • Was passiert wenn Sie dies 2 -, 3 mal wiederholen? Halten Sie ihn hoch: Hat er immer noch seine 'alte' Kontur?
    • Ist das Garn flauschig oder erkennen Sie den einzelnen Faden?
    • Wie fühlt sich der Strick an? Weich oder flauschig?
    • Ziehen Sie mehrfach die Fingerkuppen Ihrer Hand über den Strick zu sich hin, denn es braucht mehrere Versuche bis
      Sie sich ausreichend auf die Sensorik Ihrer Fingerkuppen konzentriert haben - Sie können auch zwei unterschiedliche Teile nebeneinander legen, um deren Haptik miteinander zu vergleichen.
    • Ziehen Sie mit beiden Händen eine Stelle auseinander und lassen sie wieder los - nimmt der Strick an dieser Stelle wieder seine ursprüngliche Form an?
    • Sie können dies auch gerne 2 oder 3 mal wiederholen.
    • Wie sind die Ärmel verbunden? Erkennen Sie eine Handkettelung (durch die Endschlaufen der beiden Seiten durchgezogener Faden) oder
      sind die Ärmel sonstwie nur miteinander vernäht worden? Wie gut/fein?
    • Greifen Sie am Korpus den unteren Bund und ziehen ihn mehrfach auseinander und lassen ihn wieder los:
    • Nimmt er auch nach 3- oder 4-maligem Ziehen wieder seine ursprüngliche Form an?
    • Dasselbe machen Sie bitte mit dem Rollkragen, falls vorhanden.
    • Betrachten Sie bitte die Ausführung der Ärmelansätze:
      Auch dort machen Sie diesen Zugtest (vgl. Bilder weiter oben in diesem Thread).

    Falls mir noch Punkte einfallen, so werde ich diese Checkliste ergänzen, was sehr wahrscheinlich ist - aber die Arbeit ruft ....

    Das beste Cashmerevlies kommt aus der Inneren Mongolei, einer chinesischen Provinz und aus der Mongolei.
    Die besten Spinnereien sitzen in Italien, gefolgt von Großbritannien.
    Gute Stricker sitzen in Italien, speziell in Umbrien, der Toskana und im Piemont ist die Konzentration höher,
    aber auch in Schottland wie Alex Begg, Johnstons of Elgin, Caerlee, William Lockie und andere.

    You get what you pay for!
    Real bargains are very rare and it's impossible to buy high quality knitwear in any supermarket!


    Sie könnten mir ganz zum Schluß einen großen Gefallen tun, würden Sie?
    Ich habe nichts gegen unterhaltsame Forenbeiträge einzuwenden, absolut nicht,
    aber würden Sie bitte keinen Unsinn über "preiswerten" Cashmerestrick verbreiten und auch Quellen nicht falsch zitieren?
    Vielen, herzlichen Dank!
    Auch im Namen aller guten Cashmerespinnereien, -strickereien & -webereien aus Italien & Schottland!

  6. #6
    Administrator Avatar von urban
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    Auch wenn Sie von Zeit zu Zeit und je nach Gelegenheit Cashmerestrick in einer unschlagbaren Spitzenqualität
    in einem Kaufhaus,
    bei einem Restpostenverkäufer,
    im Supermarkt,
    bei einem Discounter oder in ähnlichen Cashmere-special-stores
    sogar noch weit unter dem eigentlichen Garnwert laut Etikett erhaschen können,
    dann seien Sie glücklich damit und verraten Sie's bitte keinem.

    Es könnte womöglich Trittbrettfahrer auf den Plan rufen, und dann gingen Sie bei Ihrem nächsten Beutezug leer aus.

    Oder es käme Ihnen jemand auf die Schliche und könnte jemand das Geheimis lüften von wegen "Spitzenqualität"
    lt. Expertise eines real bargain hunters.

    PLV exzellent, also spottbillig, und die AAA-Cashmerequalität sogar Schwarz auf Weiß auf dem Etikett!
    In Deutschland auf (fast) jedem Wühltisch?

  7. #7
    Administrator Avatar von urban
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    Die grundsätzlichen Aussagen über Cashmerestricksachen treffen entsprechend auch auf Artikel aus anderer Wolle so zu.
    Da fällt mir gerade noch etwas ein:
    Benutzen Sie bitte bei Feinstrickwaren nicht den Wäschetrockner sondern legen Sie die nassen Teile flach auf Handtücher.
    Wenn Sie den Trockenvorgang beschleunigen wollen, dann legen Sie ein zweites, fuselfreies Handtuch darauf und drücken dies leicht an.
    Und wechseln Sie natürlich das Unterlegehandtuch mehrfach aus...
    Und bitte die Stricksachen nicht auf dem Heizkörper oder ähnlichem trocknen.
    Bei der Auswahl des am besten geeigneten Wollwaschmittels sollten Sie unterscheiden zwischen Wolle/Garnen,
    die Wollfett/Lanolin enthalten und solchen, die keins enthalten wie z.B. Alpaca ohne Wollfett.

    In diesem Herbst sind grob gestrickte Pullover und Westen "en vogue" - gestrickt aus "dicken Garnen":
    Diese kann man recht einfach und entsprechend billig aus dickem, ein- oder zweifädigem (1-ply/2-ply) Wollgarn stricken
    oder
    aus mehrfach verzwirnten Garnen bis hin zu 12-fädigem, die entsprechend weit teurer sind.
    [12-ply: 12 dünne Fäden werden on mehreren Arbeitsschritten zu einem 12-fädigen Garn verzwirnt.]
    Sie sollten auf die Fädigkeit achten - je mehr Fäden, desto mehr Eigenstabilität hat das Garn und damit auch der Strick
    und er hält wesentlich besser seine Form, leiert nicht aus und wird nicht "lappig".
    Eine besondere Rolle spielt speziell bei Schafwolle die Stärke (Dicke) der versponnenen Fasern:
    sie sollten nicht dicker sein als 25 micron, damit der Pulli nicht auf der Haut kratzt (oder diese stark reizt).
    Sie können dies ganz einfach testen:
    Reiben Sie mit dem Strick über Ihren Unterarm (Innenseite) ...

    Das mag sich alles etwas kompliziert lesen, ist es aber grundsätzlich nicht - OK, etwas Erfahrung und Interesse an guten Strickwaren setzt es schon voraus.
    Und jagen Sie bitte nicht dem besten Preis nach...lassen Sie Brands einfach außen vor, es sei denn Sie sind bereit für das Design zu bezahlen.
    Jean Charles de Castelbajac war über viele Jahre für mich eine solche Ausnahme und hat eigentlich nichts von seiner Faszintion eingebüßt:
    http://jc-de-castelbajac.com/index.html

    Und das Allerwichtigste zum Schluss:
    Vertrauen Sie niemals auf die Qualitäts-Statements von Möchtegern-Smartshoppern in Foren und Blogs, denn sie kennen nur 3 Dinge:
    Logos Preise PLV

    Konkrete Antworten zu Qualitätsfragen können sie i.d.R. dagegen nicht liefern...

    Übrigens:
    Strick und Gewirk sind keine Stoffe und Stricker ist ein Beruf, in dem man sogar seinen Meister ablegen kann.
    Schneider benutzen Stoffe, die von Webern gefertigt werden.
    Gemeinsam ist Stoff und Strick bzw. Gewirk nur, dass sie aus Garn gemacht werden - das wiederum spinnt ein weiterer Spezialist.

    Eigenes Wissen & Verständnis sind einfach nicht durch Google und copy & paste zu ersetzen:
    Da gibt's es einen kleinen, aber feinen Unterschied - zumal wenn man Werbetexte von Firmen, die ja bekanntlich nicht sehr objektiv sind,
    als (Fach-?) Beitrag veröffentlicht: man stiftet mehr Verwirrung als eine sinnvolle Orientierung zu geben!

    Es ist gerade nicht Sinn und Zweck dieses Forums Werbetexte als 'eigenes Wissen' zu präsentieren und weiterzuverbreiten,
    sondern Sie als Leser möglichst gut und umfassend zu informieren,
    damit Sie nicht mehr brandhörig bleiben, oder noch besser: es erst gar nicht werden,
    und so aus eigener Betrachtung gute von weniger guter Ware unterscheiden können und
    so auch Artikel von x-beliebigen Herstellern kaufen können von denen Sie vorher noch nie etwas gehört haben.

    Band- & PLV-hörigkeit <=> autarkes, selbstsicheres Einkaufen und Tragen von Kleidung, Schuhen u. Accessoires

  8. #8
    Administrator Avatar von urban
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    4 Webschals in verschiedenen Qualitäten, verschiedene Webarten, alle in 100 % Cashmere und aus UK.

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    Man sieht sehr deutlich, dass beim Schal ganz rechts das Garn stark "aufgeflauscht" wurde, um ihm so viel mehr Volumen zu geben.
    Bei genauem Hinschauen oder entsprechender Vergrößerung sieht man sogar noch vereinzelte Grannenhaare (Deckhaare).

    Erst wenn man Cashmere, in diesem Fall Schals, nebeneinander legt und miteinander vergleichen kann
    ist es möglich die verschiedenen Qualitäten zu beurteilen - auf Fotos im Internet, zig mal von der Aufnahme über den Server
    bis hin zum eigenen nicht kalibrierten Monitor bearbeitet, komprimiert und konvertiert, kann man niemals einen Vergleich anstellen
    geschweige sich ein Urteil darüber erlauben.
    Es sei denn man kennt das fotografierte Teil in natura.

  9. #9
    Administrator Avatar von urban
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    Zu den Unterschieden zwischen Cashmere aus United Kingdom und Italien ist grundsätzlich zu schreiben,
    dass in Schottland, wo der meiste Strick herkommt, dickeres Garn, je nach Preisklasse des Stricks auch mit einem höheren Grannenanteil (Deckhaare) verstrickt wird als in Italien, wo man das Entgrannen weit besser beherrscht.
    Dies gilt aber nicht in jedem Fall!
    Bestes Beispiel für feine Garne sind die Schals und Stolen von Alex Begg.

    Aus den unterschiedlich feinen Garnen resultiert entsprechend auch [in vielen Fällen] ein anderer Qualitätseindruck,
    eine andere Haptik, oder, wenn Sie so wollen, ein anderer Charakter der Stricksachen:
    Cashmerestrick aus Schottland ist - relativ gesehen - etwas derber als der aus Italien - also eine Frage des persönlichen Gustos.
    Ob die Assoziation, dass schottischer Cashmerestrick auch länger hält als der 'feinere' aus Italien:
    Kann sein - muss nicht sein!

    Also im Endeffekt eine Frage des persönlichen Geschmacks ob eher eine 4-ply Strickweste aus Schottland, etwas günstiger,
    oder eine aus feinerem Garn, etwas teurer, aus Italien.

    Betrachtet man dagegen nur die Fülle des Cashmerestricks, dann sollte man genau hinschauen oder besser konkret nachfragen,
    ob nur ein dickes Garn verstrickt wurde - oder - ob es sich um mehrfädiges Garn, wie z.B. das zuvor zitierte 4-ply, 6-ply oder 8-ply
    verwandt wurde und wie stark, ausgedrückt in/mit NM 28, 36, 60 oder feiner, das verzwirnte Garn ist.
    In jedem Fall muss das Garn mindestens 2-ply sein, um dem Strick eine gute Stabilität zu verleihen.
    Also NM 2/28 beispielsweise:
    2-fädiges = 2-ply Garn, bei dem 1 Gramm Faden 28 m lang ist.
    oder NM 2/60:
    2-ply, 1 Gr. ist 60 m lang.
    oder NM 3/80
    3-ply, 1 Gr. 80 m lang also viel feiner als die beiden Beispiele zuvor.

    Achten Sie also bitte darauf, denn das Garn bestimmt den Preis, den Sie zahlen müssen, sehr stark mit!
    Der zweite bestimmende Faktor ist die Verarbeitung: Handketteln, fester Strick mit entsprechender Machenzahl usw..

    Bei dieser Grundsatzbetrachtung zwischen UK & Italy, jeweils eine gute Qualität bezüglich Garn und Ausführung vorausgesetzt.

    Also final eher eine Frage für Cashmerekenner/-liebhaber, die tatsächliche Qualität auch zu schätzen wissen,
    denn für Smartshopper, die ihr "Wissen" im WEB wahllos zusammenklauben und für die alles "preiswert" sein muss,
    weil sie den Strick entweder nur von Bildchen her kennen oder ihre haptischen Erfahrungen am Wühlkorb gemacht haben.


    Übrigens, und man sollte es kaum glauben!
    Strick wird gestrickt und ist gerade deshalb kein Stoff - oder hat da mal wieder jemand nur Good stuff! falsch verstanden?
    ;)

  10. #10
    Administrator Avatar von urban
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    Ich war heute Morgen verführt eine Liste von Stichpunkten zu schreiben, um dem Leser eine Hilfe an die Hand zu geben
    wie er sich leicht orientieren kann, muss mir aber noch ein paar Gedanken darüber machen wie es am einfachsten zu erklären ist.
    Vorab:
    Faserart: Schafwolle, Merinowolle (als Unterart), Angora, Mohair, Alpaca, Babyalpaca, Cashmere, Babycashmere, Guanaco, Vicuña
    Garnart: Streichgarn, Kammgarn
    Fädigkeit: 1-fädig, 2-fädig oder 3-fädig oder mehrfädig (1-ply, 2-ply etc)
    Ausspinnung: wie fein wurde der einzelne Faden ausgesponnen? Also wie lang ist 1 Gramm des einzelnen Fadens? Die NM-Zahl.
    Je besser das Deckhaar, die Grannen, aus dem Vlies entfernt (entgrannt) wurden, desto feiner kann der Faden gesponnen werden;
    die Länge hängt natürlich auch vom Durchmesser der Fasern und von deren Länge ab.
    Veredelung des Garns: Mercerisieren, Gasieren, Antishrinkzurichtung, Krumpfen und ähnliche Verfahren

    Vereinfacht ausgedrückt:
    Je seltener und je schwerer zu gewinnen desto teurer ist das Vlies, man vergleiche Merino aus Zuchtbetrieben mit Guanaco
    und Vicuña von frei lebenden Tieren, die zuerst einmal eingefangen werden müssen.
    Ein Pullover aus 3-ply Babycashmere in NM 3/100 (3-fädig, 1 Gr. Garn ist 100 m lang) ist teurer als einer aus Cashmere in NM 28,
    also einem einfädigen Garn bei dem 1 Gramm Garn 28 m lang ist, also dicker.
    Je teurer das Garn desto teurer der Strick.

    Verarbeitung:
    Pullover usw. werden heute grundsätzlich mit Flachstrickmaschinen gestrickt und die Einzelteile zusammengenäht,
    seltener sind Rundstrickmaschinen.
    Ab 8-Fädigkeit wird grundsätzlich von Hand gestrickt, was natürlich aufgrund der weit höheren Lohnkosten auch den Ladenpreis
    in die Höhe treibt.

    Es geht irgendwann hier weiter..

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