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Thema: Meine anekdotischen Erfahrungen mit MTM-Kleidung in Südostasien im Jahr 2017

  1. #1
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    Meine anekdotischen Erfahrungen mit MTM-Kleidung in Südostasien im Jahr 2017

    Ganz ehrlich lasst es bleiben. Es lohnt sich nicht.
    Es wird kein Geld gespart und die Ergebnisse sind am Anfang meist eher mittelmäßig, nur bei weiteren Versuchen gut.
    Ich würde nur zum Schneider gehen, wenn im Urlaub sofort Ersatz brauche, z.B. wenn etwas vergessen, gestohlen oder kaputtgegangen ist, so war es u.a. bei mir. Dann sollten aber auch keine hohen Erwartungen gestellt werden.
    Gekauft habe ich Hosen und Hemden, insgesamt bei 3 verschiedenen Anbietern:

    1: 3 Hemden und 5 Hosen in Yogyakarta, Indonesien und zwar hier: Exput Bandung Jeans
    Das war eigentlich ein ~8 Mann Garagenbetrieb, der in erster Linie Hosen schneidert. Die Hemden habe ich als Kopie meines mitgebrachten Hemdes von Albino anfertigen lassen, siehe hier: Link.
    Die Leute waren sehr freundlich und konnten kein Englisch, zum Glück hat eine sehr freundliche Hostelmitarbeiterin sich die Mühe und die Zeit genommen, mir dabei zu helfen und zu Übersetzen. Die Preise waren sehr günstig: 25-35€ für ein Hemd, 18€ mit eigenem Stoff, so ca. 30-35€ für eine Hose. Die Leute haben sich große Mühe gegeben und sind auf meine Beanstandungen/Kritik eingegangen und haben sich wirklich Mühe gegeben, mich zufrieden zu stellen. Ich denke ich habe 3 Testhosen bei denen verbraten. Perfekt waren die Ergebnisse nicht, aber hätte ich mir eine Woche mehr Zeit genommen, um konstant die Details zu verbessern wäre ich äußerst zufrieden. Z.B. war der Reißverschluss anfangs nicht gut verdeckt, danach etwas besser. Die Hose war auch eine Kopie der angerissenen Hose aus Deutschland, die ich für eine Beerdigung auf die Schnelle im Karstadt gekauft habe. Eigentlich stellen sie solche Hosen nicht standardmäßig her.
    Es gab eher eine kleine Auswahl an Stoffen, aber die blauen und khaki-farbenen sahen gut aus und waren auch qualitativ ok bzw. mindestens auf deutschem Kaufhaus-Niveau. natürlich hätte ich auch eigene Stoffe mitbringen können, wie beim Hemd. Bei dem Hemd haben sie sich auch Mühe gegeben, die Muster gut zusammenzufügen. Ein paar Knopflöcher waren aber nicht gut und eine perfekte Kopie des Albino-Hemds wars auch nicht - Hemden sind nicht unbedingt deren Stärke, aber das ist auch da eine Frage der Zeit denke ich. Wenn man regelmäßig hingeht und sich die Mühe macht, zusammen zu arbeiten würde das sicherlich was werden. Abgesehen davon schneidern die so gut wie nie Hemden, nur aufgrund des mitgebrachten Hemds von Albino haben sie sich bereit erklärt, eine Kopie anzufertigen.
    Ohne Übersetzerin hätte das alles nie geklappt, weder hätte ich den Laden gefunden, noch meine Wünsche, Fragen, und Korrekturen klarmachen können. Außerdem habe ich das ganze Projekt über eine Woche laufen lassen, und schon das war um Ehrlich zu sein zu wenig.
    Batik habe ich hier gekauft: Hamzah Batik
    Eines der besten Geschäfte und für Touristen tauglich, da man nicht feilschen kann und die gleichen Preise wie die Einheimischen zahlt. Ich denke ich habe ca. 30-40€ für 3m Batik (für das Hemd) gezahlt. Für zwei Batikhosen weniger, aber die habe ich am Ende nie getragen weil die mir zu flamboyant aussahen, bei Damen sieht es weniger pfauenhaft aus. Ich habe ca. 60-90min damit verbracht, mir die verschiedenen Stoffe anzusehen. Die Preise im Geschäft lagen zwischen 6-150€/m in verschiedenen Qualitäten. Bei mir gab es am Ende Baumwolle, die halbwegs waschmaschinenfest ist. Seide und Leinen hätte es auch gegeben. Ansonsten sollte man aufpassen, nicht von Batikhändlern übers Ohr gehauen zu werden, unabhängig vom Land.
    Auch ein Problem mit Batik und den Schneidern vor Ort: Sie können sich nicht wirklich Fehler erlauben, da sie eher wenig Stoff haben, bzw. diese nicht selber führen.
    Ich würde der Erfahrung 4/5 Sterne geben. Gemessen an den Umständen habe ich für gute Preise generell zufriedenstellende Ergebnisse erhalten.


    2.: 3 Hemden in Bangkok: Narin
    Da habe ich Geld verbrannt. Autsch. Ich habe mich von der Werbung im Styleforum blenden lassen.
    Ich verweise auf meinen alten Beitrag zu meinen Erfahrungen:


    Zitat Zitat von Kami Beitrag anzeigen
    Ich kann kaum glauben, dass die billigen Schneider in Süd(ost)asienso populär bei den Touristen sind.
    Das meiste was die abliefern ist totaler Mist, und ordentliche Informationen zu bekommen ist mühselig.

    Es wimmelt nur so vor gefälschten Rezensionen.
    Im grandiosen Stylefoum bleibt am Ende wenig übrig ( in erster Linie Schneider in China und Narin in Bangkok, der in Paris das Schneiderhandwerk gelernt hat. Angenehmer Mensch, aber er nimmt nur die Maße und schneidert nicht selber.
    "You get what you pay for"
    Für ordentliche Hemden zahlt man dort auch mindestens 100€, eher 130€. Mit ein paar Extras wie unfused collar etc. Ich hatte jedoch nicht das Gefühl, dass er sich so gut auskennt, Albini war ihm kein Begriff, als ich gesehen habe, dass er Thomas Mason anbietet.

    Will man wenig zahlen (15-20€/Hemd, 20-30€/Hose) braucht man prinzipiell Übersetzer und dann sind die Ergebnisse oft dürftig, bis ein paar mal nachgebessert worden ist.
    Die Stoffe sind auch deutlich schlechter, dass merkt man sofort.beim Tragen, in der Hitze mit der sehr hohen Luftfeuchtigkeit.
    Auch beim Waschen der Kleidung, wenn man vermeintlich einfache Essensflecken entfernen möchte, wird es schwieriger.
    Natürlich dauert das noch ein paar Tage oder Wochen, so ist man gezwungen zu bleiben oder wieder zurückzukommen.

    Was gut funktionieren kann ist das Kopieren von Kleidungsstück, also wenn man ein Stück mitbringt und es vor Ort lässt.
    Wenn man keine Kopie hat schneidern sie - außer wenn sie ordentliche T
    Ärgerliche Kleinigkeiten, z.B. zu kleine oder zu große Knopflöcher, ein zu schmales revers bei der Hose, sodass der Reisverschluss des Hosenschlitzes zu sehen ist können auch frustrierend sein.

    Für mehr als 100€/Hemd würde ich ganz deutlich den Empfehlungen des Forums folgen. Bei Albini bekommt man aus eigener Erfahrung top Hemden.
    Das Leinenhemd war auch mit den Oscalitowoll-seide-mischboxershorts das beste Kleidungsstück. Beide stinken tagelang nicht und sind perfekt für das Klima.
    Bitter, dass das Hemd einen schnelleren Motorradunfall nicht überlebt hat. ..
    Hat man die Sachen im Gepäck und keinen Platz und will die gekauften Sachen nach Europa schicken zahlt man mind. 40€ für eine 3-9 monatige Schifffahrt oder 140€ aufwärts für einen Lufttransport.
    Sparmöglichkeiten sind nicht zwangsläufig gegeben.
    Die Armen und die Sparsamen sollten eher mit dem Fahrrad nach Italien fahren (oder mit dem Fernbus, Fahrradmitnahme kostet 9€) und sich von Magerquark ernähren als in Asien mäßige Maßkleidung zu kaufen.
    Bei mir haben sich am Anfang der reise die lange Hose und das Hemd verabschiedet, welche ich eben kopieren haben lasse. Ein Paket mit Hemden und Hosen ist noch unterwegs, wenn es komplett ankommt - sofern es ankommt - kann ich ich noch einigermaßen zufrieden aus dem Wahnsinn herauskommen.

    Die Oscalito Woll-Seide Shirts waren bei Temperaturen unter 25°C richtig gut, bei mehr Hitze das Leinenhemd von Albini.
    Der Vorteil am Hemd war natürlich noch der Kragen und die langen Ärmel um Sonnebrand vorzubeugen.
    Selber schuld, als ich erfahren habe, dass er nicht wusste, dass Albino und Thomas Mason - von denen er jeweils verschiedene Stoffe führte - zum gleichen Unternehmen gehören haben bei mir die Alarmglocken geläutet und ich habs ignoriert.
    Die Hemden waren einigermaßen okay, sind aber dann später in der Waschmaschine (30°C) stark eingegangen, deswegen trage ich sie nicht mehr, da es stark in der Brust spannt und das einfach nicht gut aussieht, unabhängig von meinem Gewicht. Rückblickend wäre Baumwolle die bessere Entscheidung gewesen.
    Das hätte ich mir sparen sollen und stattdessen bei Albino für den gleichen Preis bessere Stoffe bekommen. Naja irgendwer muss die teuren Privatschulen in England für dessen Kinder bezahlen. Bewertung spare ich mir. Ich weiß nicht, ob es nun meine Schuld war, war ich bei der Anprobe benebelt und schon da war es viel zu eng? Ich weiß es jetzt, knapp vier Jahre später nicht mehr, aber Narin war mit den Hemden bei der Anprobe auch zufrieden. Schwierig, in jedem Fall eine unbefriedigende Erfahrung.


    3.: 2 Hemden und 1 Hose in Yangon, Burma.: Globe Tailor
    2 Leinenhemden, 1x weiß, 1x blau, auf der Basis vom Batikhemd, ich wurde aber glaube ich neu ausgemessen. Weiß ich nicht. Außerdem eine neue blaue Leinenhose. Preise waren ok, so ca. 30€/Hemd bzw. Hose. Alles solide war von Anfang an okay, keine Korrektur notwendig, die Hemden trage ich heute noch gerne, für die Hose habe ich leider zuviel zugenommen - da war ich aber auch recht abgemagert, das ist nicht die Schuld der Schneider. Vom Service her nicht so zuvorkommend wie die Jeansschneider aus Yogyakarta, aber das Ergebnis war sehr zufriedenstellend, 4/5.

    Die Bewertungen richten sich nach dem Preis und dem Umstand, dass es kurz und schnell gehen musste, von lokalen Schneidern in Deutschland oder Italien würde ich mehr erwarten.
    Anzüge wollte ich nach den Erfahrungen nicht riskieren.
    Ich würde eher um Geld zu sparen ein Basismodell bei Anton Meyer, Braun Hamburg, Suitsupply, oder anderen Herrenausstattern kaufen, falls es dringend benötigt wird. Wem Kleidung von Stange passt kommt ja recht weit.

    Fotos werden nachgereicht, dauert aber.
    Geändert von Kami (31.01.21 um 17:07 Uhr)

  2. #2
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    Danke, das liest sich sehr "interessant". Was war denn der Grund Maßkleidung auzuprobieren? Hast du in Deutschland auch schon Erfahrungen mit Maßkleidung gemacht?

    Südostasien würde ich jetzt nicht unbedingt als Zentrum für Maßkleidung wie Maßanzüge etc. erwarten, außer es geht um lokale Kleidungstraditionen. Schlussendlich muss man wohl auch sagen, dass die Qualität bei einem Wald- und Wiesenschneider in Deutschland auch nicht besser wäre. Ein Bekannter hat sich in einer örtlichen Schneiderei mal einen Anzug anfertigen lassen und das Teil war zwar tragbar, aber für jeden mit auch nur einem geringen Anspruch ein Disaster.

    Bei den genannten Preisen kann man es mal ausprobieren, allzu viel ist da ja nicht kaputt und wenn es einen positive Überraschung gibt, ist es ja auch nicht schlecht.

  3. #3
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    Ich bin 2m groß, mit überproportional langen Beinen und langen Armen. Bei Oberkörperbekleidung mangelt es meistens an Ärmel- als auch an Torsolänge. Typische "Lange Größen" von Hirmer o.Ä. waren schnittmäßig zumindest früher nicht für schlanke Menschen ausgelegt. Hemden mit extralangen Ärmeln waren zumindest noch vor +- 10 Jahren rar bzw. ich habe nicht wirklich diese Anbieter in Deutschland finden können. Damals hat mir nur von Olymp die Level 5 Serie gepasst und qualitativ war das überteuerte Einstiegskleidung um es mal nett zu formulieren.
    Bei Hosen ähnlich, irgendwo zwischen 98 und 106, aber auch da brauche ich immer eine Verlängerung aus der Änderungsschneiderei, die den Saum aus der Hose rauslassen, teilweise war das immer noch zu wenig, da viele Hersteller so stark wie möglich am Saum gespart haben. Die Langgrößen entsprechen der Länge 36 (Zoll) und ich brauche eher 38-40", je nachdem wie die Hose sitzen soll.
    Am Ende waren bzw. sind das nur Kompromisse, die mich vor allem viel Zeit gekostet haben. Ich gehe gar nicht mehr in Kleidungsgeschäfte um etwas zu kaufen, weil ich weiß, dass mir nichts ordentlich passt und ich bin es leid, die Ärmel dauernd langzuziehen.
    Neben Kaufhäusern wie Karstadt und Peek & Cloppenburg habe ich auch ein paar klassische Herrenausstatter besucht und da gab es eher wenig in meinem Profil - eher schlank und sehr lang.
    Die Zeit ist mir das nicht mehr wert, insofern zahle ich lieber mehr aber habe die Chance auf ein anständiges Ergebnis. Vor allem reizt mich die durchschnittliche Kaufhausqualität nicht mehr, auch was die "oberen" Preisregionen angeht. Im Moment ist noch eine verlängerte Anzughose von Suitsupply im Schrank und wirklich gut passt die auch nicht. War aber von allen Modellen noch am besten und ich brauchte sie kurzfristig.

    In Deutschland habe ich noch keine Erfahrungen mit Maßkleidung gemacht, wäre aber was Hosen, Pullover und Hemden angeht im Prinzip bereit.
    Was Anzüge deutscher Hersteller angeht, habe ich ausgehend von dem was ich online gesehen habe, klare Vorbehalte. Vielleicht irre ich mich auch komplett und unterschätze deutsche Schneider, aber ausgehend von den präsentierten Anzügen der angeblichen Top-Schneider von deutschen Wirtschaftszeitschriften wie Focus kamen mir v.a. "bieder", "langweilig" und "altbacken" in den Sinn. Ich wüsste auch nicht wo ich anfangen sollte. Das was Stilmagazin-Mitglieder so von Scabal z.B. präsentiert haben hat mich auch nicht überzeugt. Ich glaube Herr Gerards vom Stilmagazin und hat sich von diesem belgischen Hersteller (der aber in Deutschland die Konfektion hat?) einen Sommeranzug so ca. 2014 oder 2015 machen lassen und den auf der Startseite präsentiert. Das Ergebnis war nicht tadellos, das Sakko war zu kurz, hat den Hintern nicht bedeckt und es gab weitere Probleme. Das habe ich aber nicht mehr gut in Erinnerung und bin um ehrlich zu sein im Moment zu faul zu suchen.
    Was deutsche Anbieter angeht bin ich für die hier Empfohlenen wie z.B. was Schuhe angeht bei Herrn Krivak in Stuttgart zu geizig und den unbekannten, lokalen Anbietern gegenüber zu arrogant oder eher misstrauisch, in der Befürchtung, dass das Ergebnis mich nicht zufriedenstellen würde. Das Problem mit dem Wald-und Wiesenschneider halt. Ob ein kategorisches Ausschließen richtig ist weiß ich nicht, aber hier gab es keine einzige klare Empfehlung und das interpretiere ich so, dass es hier keine erstklassigen, in Deutschland ständig anwesenden Schneider gibt oder die Bekannten nicht darunter fallen.

    Vom Stil her empfinde ich den Französischen Stil, wenn er denn so existiert, als sehr elegant und der gefällt mir am Besten. Der Italienische Stil kommt vom Gefallen gleich danach und da ist der preislich niedrigere Einstieg im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ein klarer Pluspunkt.

    Südostasien war für mich eine Urlaubsreise, die Kleidung habe ich mir zunächst anfertigen lassen um kaputte zu ersetzen. Einigermaßen populär ist das Schneidern lassen in Niedriglohnländern dann doch, denn ich habe Freunde, die sich einen z.B. Anzug für 200€ in China haben schneidern lassen - tragbar aber nicht wirklich gut - und auch im Styleforum gab es ein recht großes Interesse bei Australiern und Nordamerikanern, die Geld sparen wollten. Geiz ist geil. Die Fehlschläge summieren sich leider und frustrieren.

    Es wird dieses Jahr darauf hinauslaufen, dass ich für gut zwei Wochen nach Italien fahre und dann versuchen werde, alle Einkäufe unter einen Hut zu bringen. War schon früher geplant, aber dann kam es anders. Eigentlich dachte ich, dass ich mit der von Urban empfohlenen italienischen Schneiderakademie schnell eine gute Auswahl haben würde, aber ausgehend von einem früheren Beitrag von dir scheint es doch nicht allzu leicht zu sein:

    Zitat Zitat von Mikesch Beitrag anzeigen
    Du hast aber auch ein bisschen die Neigung um den heißen Brei herumzuschreiben.

    Ich hatte ja schon anderswo geschrieben, dass die deutschen Schneider in meiner Umgebung uninteressant und für das Gebotene überteuert sind. Es gibt ja auch Angebote sich hier vermessen und in Italien arbeiten zu lassen, aber das sehe ich nicht sein. Solche Modelle werden nur genutzt um horrende "Provisionen" eingetrichen, teilweise bis über 2000€ pro Anzug. Sowas kenne ich noch aus der Frankfurter Umgebung, das hatten 2 Herrenausstatter schon vor 15 Jahren perfektioniert, da gab es im Nachhinein viele begeisterte Kunden. Die italienische Schneiderinnung kenne ich, leider sind die Mitglieder oft überaltert und die Kontaktaufnahme schwierig bis unmöglich, viele nehmen auch keine Kunden mehr an. Die Schnitte bei jüngeren sind zudem sehr modisch mit kurzen Jacken und Hosen mit tiefen Leib, klassisch wird dann zum Risiko. Die Städte in die ich regelmäßig komme sind auch zu überlaufen, bei einem gaben sich die Asiaten die Klinke in die Hand und die Preise unberechenbar. Im Süden gibt es einige sehr gute und auch noch realistisch bepreiste Schneider, aber die Erreichbarkeit ist quasi unmöglich. Es gibt zwar die Möglichkeit über Paginegialle zu suchen, aber das ist Sysiphosarbeit.

    Das Thema Genuss ist zwar auch interessant, aber nicht weniger religiös. Da tummeln sich die gleichen Verticker, die schnell mal Gewinn machen wollen und der Rest ist ähnlich undurchsichtig.

    Wie man gerade sehen kann, ist der ein oder andere wohl besoffen aus der Mittagspause zurückgekommen und stänkert jetzt rum.
    Ein klassischer Schneider, der Deutsch oder Englisch kann wäre für mich auch optimal. Kommunikation ist mir sehr wichtig. Modische kurze Jacken und Hosen brauche ich auch nicht, dass Problem habe ich schon jetzt und da will ich ja weg.

  4. #4
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    Danke für die Erläuterungen, das sind ja schon sehr spezielle Probleme.

    Offen gesagt würde ich bei diesen Vorgaben einen der besseren Schneider in Deutschland aufsuchen, in Berlin gibt es da ja auch entsprechende Angebote, deine eigenen Wünsche kannst du da auch besser kommunizieren. Warum du an deren Kompetenz zweifelst, verstehe ich nicht so ganz. Bei einem Schneider in Italien werden sich in den meisten Fällen Kommunikationprobleme ergeben und die Gefahr, dass es nichts wird wird, steigt dementsprechend mit dem Zeitdruck. Ein sehr guter italienischer Schneider wird auch nicht die Hälfte dessen kosten, was du in Deutschland bezahlen müssstest, sondern auch bei 2000€ und mehr liegen. Wenn du dann mal Teile hast, die passen, kannst du sie immer noch im Ausland kopieren lassen.

    Bei diesen Körpermaßen wirst du keine Perfektion erwarten können, dafür sorgen allein die Stoffe, die eine große Länge überbrücken müssen und nicht immer perfekt fallen. Ich würde mich bei deinen Vorgaben auch davon sofort perfekte Ergebnisse zu erwarten, es wird sicher etwas trial und error nötig sein, um Details wie Weite und Länge über die Zeit zu perfektionieren. Die klassischen Probleme die du hier beschreibst, lassen sich durch Kommunikation lösen, indem man sagt, was man will und nicht darauf hofft, dass die Ergebnisse passen.

    Du wirst dir dessen sicher bewusst sein, aber bei deinem Vorhaben bist du schnell im fünfstelligen Bereich, wenn du noch Schuhe dazu nimmst sowieso. Ein Anzug in Deutschland wird ab 3000€ losgehen und bei den Schuhen wird es auch nicht viel weniger sein. Wenn du die finanziellen Mittel hast, perferkt, wenn nicht würde ich mich doch über MTM-Angebote wie SuitSupply erkundigen, die ja auch Hosen anbieten und dabei nicht bis zu 1000€ kosten werden.

    Im Stilmagazin und bei Roetzel wurde Hartl aus Prag vorgstellt, die regelmäßig nach Berlin kommen, wäre das keine Möglichkeit? Die sind ja aktuell immer bei den Schuhmachen Korbinian Hess zu Gast, der doch sehr schöne Schuhe herstellt.

  5. #5
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    @Kami, zweierlei:

    Zuerst einmal vielen Dank für deinen Bericht.

    1) Mich interessierte, was genau du unter "französischem Stil" verstehst.

    2) Welche Schuhe trägst du für gewöhnlich?
    Geändert von Biondo (01.02.21 um 15:50 Uhr)

  6. #6
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    Bei Herrn Hartl muss man allerdings SEHR genau wissen, was man möchte. Soweit ich das beurteilen kann, hat das Atelier Hartl keine genuin eigene Formsprache bzw. einen Hausstil, sondern aber gern "kopierend" nach exakter Kundenvorgabe. Das kann von Vorteil sein, ist für mein Dafürhalten für den Anfänger/Einsteiger in Sachen Maßkleidung jedoch vielleicht nicht unbedingt zu empfehlen. Hinzu kommt die Sprachbarriere: Zwar hat er Hartl in seiner Entourage Personal, das Deutsch spricht, aber ...

    Viele Wiener machen es übrigens so, dass sie mit vintage-KNIZE-Teilen bei Jungmann&Neffe auflaufen und Herr Hartl diese dann für sie kopiert.

  7. #7
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    Danke für die Erläuterungen zu Hartl, dass wusste ich nicht.

    Ich hatte meine Hosen damals bei einer Schneiderei ohne große Vorkenntnisse anfertigen lassen und wurde fachlich sehr gut und ehrlich beraten. Die Dame schlug von selbst Details vor, auf die ich alleine nicht gekommen wäre, wie z.B. doppelte Bundfalten, Art des Innenfutters und der Rest ergab sich aus den Anproben. Sie war mir auch bei den Stoffen eine große Hilfe und hatte auch eine gute Auswahl, was eine Bestellung überflüssig machte. Es waren drei Flannelhosen, davon zwei in grau und eine in blau die ich sehr gerne getragen habe. Preislich lagen sie vor über 10 Jahren bei ~600€, was ich angemessen fand. Das anvisierte Jacket haben wir dann nie umgesetzt, weil es mir einfach zu teuer war, da über 2000€. Heute passen sie mir leider nicht mehr und sie sind durch das viele Tragen auch etwas aus der Form gegangen.

    Im Nachbarforum gab es einige die bei einem Schneider aus der Nähe einer rheinischen Karnevalshochsburg, ich verzichte hier mal auf eine Namensnennung, einige Teile haben anfertigen lassen und die Ergebnisse sahen ansprechend aus, vor allem die Hosen. Die Jackets waren für meinen Geschmack alle zu kurz und zu schmal, die Schultern fast schon eng, aber das fiel wohl unter die altbekannte Geschmackssache, ich hätte sie so nicht abgenommen. Die ganze Ästehtik fand ich trotz schöner Details wie Schulternformen doch etwas zu Deutsch und einem Mangel an Eleganz, als gut gekleidet wären mir die Herren nicht aufgefallen.

    Ich schreibe das alles, weil ich nicht den Eindruck habe, dass du so recht weißt, was du möchtest, aber durch deine schwierigen Körpermaße unter Zugzwang bist. Die Flanellhosen hatte ich damals bestellt, weil ich die zur Abendgarderobe wollte und die Konfektionshosen nie so 100% meiner Vorstellung entsprachen. Damit war schon ein Grundstock an Erfahrungen und Vorstellungen vorhanden, auf die ich bei den Anproben zurückgreifen konnte, der dann durch die Schneiderin ergänz wurde. Durch die gute Beratung wäre ich wahrscheinlich auch so mit dem Ergebnis zufrieden gewesen, aber die Form wäre wohl noch klassischen und weiter als ohnehin schon geworden.

    Ein Tipp wäre vielleicht noch Jean-Manuel Moreau in Paris. Er bietet MTM auf der Basis von Orazio Luciano an, wobei die Ergebnisse immer sehr ansprechend aussehen und sie mit dem MTM-Programm wohl sehr gut umgehen können. Bei meinem nächsten Besuch werde ich dort defintiv vorbeischauen und mich mal beraten lassen.

  8. #8
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    Ich kann nur etwas zum Thema Bespoke Maßhemden beitragen, bei uns im hohen Norden haben wir eine Schneidermeisterin welche Hemden auf Vollmaß anfertigt (leider keine sonstige Herrenbekleidung, evtl. noch Hosen kann ich mir vorstellen). Bei den Hemden musst Du den Oberstoff selbst beschaffen, die Ergebnisse sahen bisher für mich ansprechend aus - schwer getan hatte ich mich nur damit Stoffe zu bekommen. Möglichkeiten wären je nachdem wo man wohnt oder die Erreichbarkeiten liegen in völlig anderer Richtung (außer man bestellt im Netz). Die Preise sind absolut günstig mit 90,00 € + 30,00 € einmaliges anfertigen eines Schnittmusters. Am Hemd selbst kann alles bestimmt werden - eben Vollmaß

  9. #9
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    Zitat Zitat von Mikesch Beitrag anzeigen
    Danke für die Erläuterungen, das sind ja schon sehr spezielle Probleme.

    Offen gesagt würde ich bei diesen Vorgaben einen der besseren Schneider in Deutschland aufsuchen, in Berlin gibt es da ja auch entsprechende Angebote, deine eigenen Wünsche kannst du da auch besser kommunizieren. Warum du an deren Kompetenz zweifelst, verstehe ich nicht so ganz. Bei einem Schneider in Italien werden sich in den meisten Fällen Kommunikationprobleme ergeben und die Gefahr, dass es nichts wird wird, steigt dementsprechend mit dem Zeitdruck. Ein sehr guter italienischer Schneider wird auch nicht die Hälfte dessen kosten, was du in Deutschland bezahlen müssstest, sondern auch bei 2000€ und mehr liegen. Wenn du dann mal Teile hast, die passen, kannst du sie immer noch im Ausland kopieren lassen.

    Bei diesen Körpermaßen wirst du keine Perfektion erwarten können, dafür sorgen allein die Stoffe, die eine große Länge überbrücken müssen und nicht immer perfekt fallen. Ich würde mich bei deinen Vorgaben auch davon sofort perfekte Ergebnisse zu erwarten, es wird sicher etwas trial und error nötig sein, um Details wie Weite und Länge über die Zeit zu perfektionieren. Die klassischen Probleme die du hier beschreibst, lassen sich durch Kommunikation lösen, indem man sagt, was man will und nicht darauf hofft, dass die Ergebnisse passen.

    Du wirst dir dessen sicher bewusst sein, aber bei deinem Vorhaben bist du schnell im fünfstelligen Bereich, wenn du noch Schuhe dazu nimmst sowieso. Ein Anzug in Deutschland wird ab 3000€ losgehen und bei den Schuhen wird es auch nicht viel weniger sein. Wenn du die finanziellen Mittel hast, perferkt, wenn nicht würde ich mich doch über MTM-Angebote wie SuitSupply erkundigen, die ja auch Hosen anbieten und dabei nicht bis zu 1000€ kosten werden.

    Im Stilmagazin und bei Roetzel wurde Hartl aus Prag vorgstellt, die regelmäßig nach Berlin kommen, wäre das keine Möglichkeit? Die sind ja aktuell immer bei den Schuhmachen Korbinian Hess zu Gast, der doch sehr schöne Schuhe herstellt.
    Meine generelle Zweifel an deutschen Schneidern basiert nicht auf persönlichen Erfahrungen und ich möchte sie nicht groß verteidigen, nur erklären.
    Ich weiß nicht, welche deutschen Maßschneider zu den Besseren gehören oder wie ich die über das Internet identifizieren kann. Was das Stilmagazin und dem zugehörigen Umfeld wie Roetzel angeht, habe ich meine Vorbehalte, da wird einfach zu viel was nicht gut ist, gelobt. Ich weiß nicht, wer dort Brauchbares geschrieben hat oder wie ich die Spreu vom Weizen trenne.
    Wenn ich suche finde ich z.B. so ein Ergebnis:
    http://www.kleegraefe-strothmann.de/...sschneider.pdf
    wenige Zeilen darunter, noch auf der ersten Seite von Google:
    https://stilmagazin.de/threads/ma%c3%9fschneider.30/
    teile ich die Kritik der Kommentare im Stilmagazin.
    "fitymysize" hat auf eine Adresse in der Elisabethstraße in München verwiesen, ich denke damit ist https://sabine-dicklberger-massschneiderei-muenchen.de/ gemeint. Wäre einen Besuch wert.

    Herr Hartl und Herr Korbinian Hess kannte ich nicht und ich kann deren Leistung nicht beurteilen. Die Vorstellung bei Roetzel führt bei mir eher zu Misstrauen.
    Vielleicht würde ich bei den Beiden sehr zufrieden sein, ich weiß das nicht.

    „Ich bin dann zu einer Schuhmacherin hier in Berlin und habe gesagt: ,Ich will hier lernen‘, doch die sagte nur ,Hau ab‘ und schickte mich weg. Am nächsten Tag bin ich wieder hin, sie schickte mich wieder weg, am dritten Tag bin ich wieder hin, da durfte ich mich in eine Ecke setzen“, erzählt Heß.
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/e.../25461822.html
    Ich kann mir schon denken, wer die Schuhmacherin war...

    Die nächsten Tage über werde ich mir mal die letzten Jahre im bespoke Unterforum des Stilmagazins ansehen. Das Thema bespoke habe ich mir auch schon ein wenig im Styleforum verfolgt aber da empfand ich es als zeitfressend und habe nichts gelernt. Das ist ein generelles Problem im Styleforum mMn., ich habe kaum Threads gefunden, in der Wissen wie hier bei bob offenbart wird.

    Die zu erwartenden Kommunikationsprobleme bei italienischen Schneidern sind leider ein Manko, das sehe ich genauso. Preislich erwarte ich mit regelmäßigen Fahrten, Übernachtungen, Benzinkosten und investierten oder unbezahlten Urlaub etc. keine enormen Ersparnisse.
    Das ich vermutlich viel Zeit in gute Ergebnisse investieren muss, habe ich auch in Indonesien gemerkt. Das trial & error Problem schreit ja nach einem nahen Schneider, der ein ständiges Testen und Verbessern erlaubt, am besten in Berlin.

    Was den Aufbau einer Basisgarderobe angeht rechne ich mit 12000-20000€, wobei ich natürlich nicht alles sofort haben muss.

    Von Suitsupply habe ich auch eine Hose, vor gut einem Jahr gekauft, habe mich natürlich beraten lassen. Am Ende gab es nur zwei Kompromisse, habe mich für einen entschieden Die wurde in der hauseigenen Änderungsschneiderei angepasst (106 am Bein verlängern und an der Hüfte verschmälern). Ist ok, passt mir aber im unteren Gesäßbereich nicht so wie ich es gerne hätte und 140€ ist mir ein Kompromiss nicht wert.

  10. #10
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    Zitat Zitat von Biondo Beitrag anzeigen
    @Kami, zweierlei:

    Zuerst einmal vielen Dank für deinen Bericht.

    1) Mich interessierte, was genau du unter "französischem Stil" verstehst.

    2) Welche Schuhe trägst du für gewöhnlich?
    1. Gute Frage. Ich habe mir auch beim Schreiben überlegt, was ich damit meine und befürchte ich habe ein Buzzwort benutzt. Was ich meinte: Klarer Fokus auf Eleganz, weder konservativ, nicht besonders leger oder "casual", fein, lang und schlank geschnitten, tendenziell minimalistisch.

    2. Zwiegenähte Bergstiefel von Geiger (http://www.geigerschuhe.de/), Modell Bernina:

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    Im August 2012 in Auftrag gegeben, mit einer Lieferfrist von eineinhalb Jahren gerechnet, dann im Dezember 2013 erhalten. Maßangepasst, hat ca. 290€ damals gekostet. Herr Geiger Jr. meinte, dass es Nubukleder wäre. Zunächst nur fürs Bergsteigen in den Alpen genutzt, später als Allzweckschuh eingesetzt. Drei oder vier Mal die Sohle erneuert, ansonsten nie gepflegt - so sehen sie auch aus.
    Meine Schuhgröße ist ~46-47 mit schmalen Füßen. Die Schuhe sehen eher nach Größe 48-49 aus, aber ich trage eine orthopädische Einlegesohle und eher dicke Socken dazu, wobei dünne auch kein Problem sind. In denen Schuhen kann ich so lange gehen wie möchte, die Füße bzw. Beine beschweren sich nicht.

    Ich habe noch ein weiteres Paar, dass ich im Winter tragen kann, etwas elegantere Stiefeletten von Heschung, aber die passen mir nicht genauso gut und sind etwas zu groß. Insofern trage ich diese nur, wenn ich eleganter erscheinen sollte.

    Warum fragst du?

    Das Herr Hartl v.a. beim kopieren seine Stärken zeigt wäre für mich vermutlich optimal, denn ich habe eine recht gut passende Hose, (einer der 5 aus Indonesien, meine ehemalige Lieblingshose...) die leider durch Materialschwäche einen Riss im Oberschenkel bekommen hat, der sich nicht reparieren ließ. Die Hose besitze ich immer noch, als Vorlage wäre sie optimal.

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