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Thema: Kaschmir - es gibt schon kleine Unterschiede

  1. #1
    Administrator Avatar von urban
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    Kaschmir - es gibt schon kleine Unterschiede

    Cashmere + Qualität

    Es gibt Cashmere-Schals, -Cardigans und -Pullover in vielen Preislagen; eigentlich sollte es logisch erscheinen,
    dass teure Stricksachen grundsätzlich, auch davon gibt es Ausnahmen wie das Aufgeld für sehr bekannte Marken,
    eine höhere Qualität haben als die Teile zum unglaublich niedrigen Preis.
    Eigentlich - es gibt aber jede Menge Käufer, die genau diese unterschiedlichen Qualitäten - schon alleine beim verstrickten Garn -
    gar nicht wahrhaben wollen und sich alles, aber wirklich all den billigen Cashmerekrempel schön reden.

    Über die großen Unterschiede bei der Verarbeitung der Garne zu Stricksachen oder den bekannten Cashmereschals und -stolen
    gibt es natürlich ebenfalls sehr große Unterschiede, die den finalen Preis im Ladengeschäft verursachen.
    Darüber mehr sobald ich die Zeit und entsprechende Fotos dazu finde.
    Dem kann aber sehr leicht abgeholfen werden - und obwohl bei uns die Gluabensfreiheit herrscht gibt es auch unverrückbare Tatsachen.


    Zur Vorab-Information

    ARD-Ratgeber
    Kaschmir-Schwindel – Wie bei der Edelwolle geschummelt wird

    In vielen Läden werden Kaschmirpullover angeboten. Die Pullover kosten teilweise nur 80 Euro.
    Im Internet sind sie sogar noch günstiger.
    Dabei ist Kaschmir doch so wertvoll und rar? Wie kann das sein? Liegt es an der Qualität?

    https://www.daserste.de/information/...-wird-100.html

    https://www.daserste.de/information/...indel-106.html

    Download PDF-Datei: Stichproben Cashmere-Pullover zum Niedrigpreis

    ergebnisse-kaschmir-pullover-stichprobe-100.pdf

    Ein Test-Artikel aus der Schweiz rundet den ersten Eindruck ab

    https://www.srf.ch/sendungen/kassens...-ein-schwindel


    Wenn jemand das Thema etwas detaillierter betrachtet, worauf die o.g. Artikel schon hinweisen, dann hat man zwei grundsätzliche Probleme zu betrachten:
    1. den Anteil der Fremdfasern wie z.B. von Schafen
    2. welche Cashmere-Fasern wurden verstrickt, nur das Duvet oder auch Grannen(-haar), das Oberhaar oder Deckhaar der Cashmereziege

    In einem alten Artikel von CCMI war die Rede davon, das bestimmte Länder bis zu 15 % Fremdhaare zulassen,
    um immer noch das Etikett bzw. die Angabe 100 % Cashmere zuzulassen. Diese Textquelle finde ich jetzt nicht.

    Wendet man sich dem Mixed von Grannen und Duvet zu, dann muss man einfach sagen, dass in vielen Cashmeregarnen ein gewisser Anteil von Grannenhaar schlichtweg vorhanden ist und gerade nicht alle Einzelfasern des Garnes die Feinheit von 16 bis 18 micron aufweisen
    sondern auch dickere Fasern bis zu 30, 40 micron Durchmesser im Garn enthalten sein können.
    Dies ist bedingt durch die Kunst der Spinnerei, sprich wie gut kann sie die einzelnen Faserrn voneinander trennen, die Grannenhaare herausfiltern,
    und danach die verbliebenen feinen Fasern, das eigentliche Duvet der Länge nach sortieren und auch davon zu kurze oder
    gebrochene Fasern aussortieren.
    Defacto als erste die Grobselektion von Duvet- und Grannen und im nächsten Arbeitsschrite die Feinsortierung der Duvetfasern,
    da nicht alle im vorgegebenen Bereich von 16 bis 18 micron, der typischen Cashmere-Duvet-Fasern liegen können.

    In einem dritten Arbeitsschritt werden dann die feinen Fasern, sagen wir <20 mircon sortiert nach ihrer Faserlänge,
    die zu kurzen werden aussortiert und nur diese, angenommene Vorgabe: 30 mm, weiter zu einem Garn versponnen.
    Die Längensortierung ist wichtig, um einen möglichst gleichmäßig gesponnenen Faden zu erzielen, aus dem keine Faserenden herausragen.
    In der Praxis ist es dagegen oft so, dass es die dickeren Fasern oder gar nicht mal so selten noch vorhandene Grannen sind,
    deren Spitzen aus dem Faden herausragen, durch Reibung oder Bewegung des Stricks später herausgezogen werden:
    Das Pilling, die Wollmäuschenbildung ist zu beobachten.
    Dagegen hilft das Kardieren bei dem mit Karden von Hand mit getrockneten Disteln diese Fasern aus dem Garn herausgezogen werden.
    Hinweis:
    Beim Kauf immer darauf achten, ganz nahe herangegehen, und schauen ob das einzelne Garn scharf bzw. klar konturiert ist oder
    ob es so ähnlich ausschaut wie ein unscharfes Foto - also kleine Fasern herausschauen, was eine unscharfe Kontur ergibt.
    Flusen sind abgebrochene Fasern, meist abgebrochene Grannen(haare) - auch diese kann man am fertigen Strick sehen
    oder feststellen..

    Die Fusel, die seitlich herausstehenden Cashmerehaare sind deutlich zu sehen:
    Das Cashmere-Garn weist keine klare Kontur (Umriss) auf;
    auch die Oberfläche weist keine klare (Garn-/Strick-) Struktur auf - alles wirkt irgendwie verschwommen


    Name:  CASH tie 1.jpg
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    rundgestrickter Cashmerestrick-schlips vom cleveren box-pusher für unbedarfte Forenbesucher
    für weit über 50.- €

    Auf diesem Foto ist das Garn ist deutlich besser konturiert = man sieht kaum/keine herausstehende Haare

    Name:  CASH tie 10.jpg
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    Auf diesem stark vergrößerten Bildausschnitt sieht man minimal,
    dass ein paar Fasern doch herausstehen.


    Ich habe diese Foto extra und deshalb ausgewählt,
    weil der Anbieter nicht die herausstehenden Fasern bei der Fotobearbeitung
    mit dem Radiergummi wegrasieren konnte!


    Name:  CASH tie 12.png
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    vemutlich, aber auf den Fotos nicht eindeutig zu sehen, ein hochwertiger auf einer Flachstrickmaschine
    gestrickter und mit einer Naht versehener Cashmere Knitted Tie
    für Leute, die nicht unbedarft sind, für weit unter 50.- €, verschiedene Farben(!), £29.95 + £3.50 p&p Name:  Laie_11.gif
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    von einem renommierten Krawattenhändler aus England
    Merke:
    Es ist immer etwas teurer wenn Unbedarfte, Blinde, Sprachunkundige, Lernresistente, Rechthaber,
    also kurzum bildungsferne User online shoppen gehen.


    Auch ist das Spinnen von Cashmeregarn eine hohe Kunst - 'normale' Spinnereien schaffen bis 40 m Fadenlänge pro 1 Gramm = NM 40
    andere wie Cariaggi schaften schon vor ein paar Jahren 140 m/gr., was natürlich eine entsprechende Vorselektion der Cashmerefasern voraussetzt.
    Dicke Fäden enthalten in der Regel auch zusätzlich dickere Fasern - es gibt Prüfinstitute, die die Fäden und Fasern darin analysieren können.

    Siehe Direct Cashmere, ein Importeur
    https://www.directcashmere.com/?gcli...SAAEgLIuPD_BwE
    oder gleich der Link zur Analyse: https://www.directcashmere.com/wp-co...stErgebnis.pdf

    Ich hatte schon vor Jahren geschrieben: Der Cashmerekauf ist Vertrauenssache!
    Ergänzt um den Verstand, denn es wird wohl niemand ernsthaft einen Schal von Alex Begg oder der Lanficio Luigi Colombo mit einem
    aus der Kaffeebar oder dem Kaufhaus gleichsetzten wollen.
    Bei Cashmere-Pullovern und -Westen gibt es ja noch einige weitere Qualitätsmerkmale wie u.a. der Strick an sich,
    das Handketteln bei Einsetzen der Ärmel, die Elastizität der Bündchen...

    CCMI - Cashmere and Camel hair Manufacturers Institute

    Name:  CCMI Titel.png
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    Name:  CCMI Adresse.png
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    cashmere_brochure_2016.pdf - Download der Broschüre

    P.S.
    Meine Oma hat mir den weisen Ratschlag, auch andere Schläge, so ganz nebenbei angemerkt, mit auf den Weg gegegen:
    Undank ist der Menschen Lohn!
    Ich hoffe nun, dass er nicht zu hoch ausfällt.

  2. #2
    Administrator Avatar von urban
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    Ich selbst kann auf Anhieb keinen Cashmerestrick von Merino unterscheiden!

    Erst wenn ich tasten darf, dann geht's aber dann verhältnismäßig flott; ich hatte ja schon mal von dem Idiotentest meines Strumpfstrickers berichtet
    als die beiden Herren mir schmunzelnd 4 Paar gleich gestrickte Strümpfe vorlegten in
    • Merino NM 2/28
    • Merino NM 2/48
    • Merino NM 2/60
    • Cashmere NM 2/80

    Cashmere war überaus leicht, Merino NM 2/28 ging auch noch recht flott aber für die Unterscheidung zwischen NM 2/48 und 60 brauchte ich
    insgesamt schon ein paar Minuten, die Zeit um meine Fingerkuppen zu sensibilisieren und und mein Hirn zwecks Auswertung einzujustieren.

    Garne sind aber ein sehr interessantes und vor allen Dingen auch spannendes Thema, - so an und für sich betrachtet.
    ABER
    in Zeiten des Digitalen Shopping-Orbits interessiert das keinen mehr - alle wollen nur noch Brands und Marken, der Rest ist egal.
    Und ist das Brand begehrenswert genug wie zum Beispiel für die Schwarmintelligenz, dann spielt sogar ein unverschämt stark überhöhter Preis absolut keine Rolle mehr,
    wo doch der arme, ahnungslose box-pusher so dringend per Crowdfounding des pecuniären Supports bedarf.

    Jeden Morgen stehen genug Faulenzer und Dumme auf, die einfach keine Lust darauf haben sich zu informieren, sondern lieber ihr Geld spendieren.

  3. #3
    Administrator Avatar von urban
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    Cashmere Outlet Shopping in Umbrien

    Tassseli Cashmere betreibt in Bentivegna ein Ladengeschäft; das Outlet von Della Ciana dito,
    BC kann man sich eigentlich schenken, es sei denn Mann hat viel Geld zu viel - zwei umgebaute Castelli,
    eins für Damen und eins für Herren; qualitativ nicht besser als andere auch, nur halt extrem teuer!
    In Deruta, OT Ripabianca, müsste es noch das Outlet von Maria di Ripabianca geben,
    daneben noch das Geschäft von Luxury Cashmere.
    Cruciani halte ich persönlich noch für sehr interessant, ein schöner Store ist auch in Castette d'Ete, im Outletcenter gegenüber von Tod's.

    http://www.umbriatuscanyreview.com/c...tlet-shopping/

  4. #4
    Administrator Avatar von urban
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    Shopping Bag Zum Thema Cashmerepullover für 50 €, 100 € oder 150 €

    Doch, genau das heißt es - wenn bereits 1 kg Cashmeregarn aus einer sehr guten Spinnerei
    zwischen 200 € und 400 € kostet und ein Pullover 250 gr wiegt,
    dann kann man sich leicht ausrechnen wie hoch allein sein reiner Garnwert ist.

    Dann ist das Garn noch nicht verstrickt und kein Gewinn der Strickerei eingepreist.
    Die Handelspanne kommt noch oben drauf und darauf dann noch 19 % MWSt.

    Wer dann glaubt, dass er für 120 € im Ladengeschäft einen Cashmerepullover in sehr guter Qualität bekommen kann, der sollte doch bitte einmal genau nachrechnen.
    100 % Cashmere bedeutet je nach Herkunftsland des Garnes auch nicht zwingend, dass da 100 % Cashmerefasern drin sind - in Europa dagegen schon.
    Selbst wenn 100 % Cashmerefasern drin sind, dann gibt diese Angabe auch keine Auskunft darüber wie dick die einzelnen Fasern sind, sprich: wie viel Grannenhaar drunter ist. Bei Cashmere Direkt findet man ein PDF-Dokument über die Analyse ihres verstrickten Garnes.
    Und genau da liegt der Hase begraben - wie gut hat die Spinnerei die dickeren Fasern >20 micron und
    die zu kurzen Fasern ausgefiltert.
    Qualität hat nun einmal ihren Preis, der nicht nur vom Garn an sich sondern auch vom Stricken,
    dem Zusammenfügen der Einzelteile wie handgekettelte Ärmel usw. abhängt.
    Ergo muss, oder besser sollte man beim Einkauf auf die sicht- und feststellbaren Eigenschaften von gutem Cashmere achten:
    https://www.cashmere.org/ted/cashmer...sing-guide.php
    und sich vom Niedrigpreis-Wunschdenken komplett verabschieden zumal dann wenn man sich kein Jota damit auskennt und behelfsweise auf Marken schaut und als Kaufentscheidungskriterium den Preis heran zieht.
    Cashmere-Beimischungen von 10 % oder 20 % zu Garnen aus 80 % oder 90 % anderer Wolle,
    tun so gut wie nichts zur Sache.
    Es gibt selbst ab Strickerei keinen guten Cashmere-Pullover für unter 200 € und sei er noch so leicht, was den Preis, siehe Garn, neben der Verarbeitung ausmacht.
    Von irgendwelchen Brands, deren Kernkompetenz gerade nicht das Stricken von Edelwolle ist,
    sollte man, da wahrscheinlich diese Teile zugekauft werden, die Finger komplett weglassen.
    Cashmerekauf ist Vertrauenssache - man kann jedem nur raten bei einem renommierten Cashmerestricker einzukaufen.

    Cashmerestrick für 50 €, 100 € und mehr in einem Ladengeschäft in der City zu kaufen und
    damit die hohen Mieten mitzubezahlen, und dann auch noch an guten Cashmerestrick zu glauben,
    setzt extrem viel Optimismus voraus.

  5. #5
    Administrator Avatar von urban
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    Mein alter Slogan lautet:
    Cashmerekauf ist Vertrauenssache!

    1) Genaues Hinschauen hilft schon sehr, denn man kann die Grannen oft mit bloßem Auge sehen oder
    erkennen, dass aus dem verstrickten Garn bereits zahlreiche Härchen rausschauen.
    2) Die feinsten Garne kommen aus renommierten italienischen Spinnereien und Cashmere-Verabeitern;
    die Engländer bekommen grundsätzlich keine solch feinen Garne mit NM-Werten von über 100 hin.
    3) Schals und Stolen aus Cashmere- oder aus Baby-Cashmere kosten halt eben je nach Web- und Strickart
    sowie weiteren Bearbeitungen wie das schon genannte Kardieren oder Verlaufsfärbungen usw.
    entsprechend viel Geld.
    4) Das Format und die Art der Fransen bestimmen die Preise.
    5) Einem Laien sei der Besuch in einem Fachgeschäft oder bei einem Fachversand empfohlen,
    um sich vor dem Kauf beraten zu lassen alternativ
    6) Kann er sich selbst in die Materie einarbeiten und sich entsprechende Artikel mitsamt Fotos und
    Erklärungen in deutscher Sprache studieren.
    7) Spitzencashmere ist halt eben sehr teuer, auch sehr gutes fordert noch einen hohen Preis.

    Bandbabbling ohne eigenes Fachwissen mag Beiträge generieren, ist aber zur Informationsgewinnung
    weniger geeignet; da hilft nur Grundwissen darüber was Cashmere überhaupt ist, wie es gewonnen wird,
    welche Qualitäten es gibt, was Faserfeinheit ist, Fädigkeit, Verzwirnung und vieles mehr.

    Wem das zu viele Mühe und Aufwand ist, wer den Gang zum Fachhändler oder
    den Besuch eines fachlich versierten Onlineshop scheut und lieber auf den Preis schaut
    in dem Glauben ein Schnäppchen gemacht, zumindest einen guten Preis erwischt zu haben,
    der geht halt eben volles Risiko beim Kauf von Cashmerestrick, -Schals, -Schlipsen und -Strümpfen.

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