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Thema: Kurze Frage zu Einstechdamm/Risslippe/Gemband

  1. #1
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    Kurze Frage zu Einstechdamm/Risslippe/Gemband

    Hallo zusammen,

    ich habe hier ein paar kurze Fragen an die Experten, es geht um die Konstruktionsarten genähter Schuhe.

    Beim GYW-Verfahren in der Industrie wird ja ein Gemband per ~Klebstoff auf die Unterseite des Schuhs genäht. Dieses Gemband ist aber auch aus Leder, richtig? Inwiefern wirkt sich dieses Gemband denn eigentlich auf die Sohlenqualität /-dicke aus? Muss die Korkausballung hier dicker sein?
    Kennt jemand eigentlich wirklich einen Fall, in dem ein Gemband sich bei Gebrauch gelöst hat?
    Was ist eigentlich der Vorteil für die Industrie hier? Das wird mir aus Artikeln/Zeichnungen nicht ersichtlich.

    Kann mir jemand erklären, wie eigentlich ein Einstechdamm (original Handmachart) gemacht wird? Für eine Risslippe wird das Leder offenbar einfach von unten angeschnitten, ist das richtig?
    Kann man eigentlich auch an einer Risslippe per Hand einstechen, oder wird das nicht gemacht?

    Vielen Dank für die Beantwortung meiner Anfängerfragen. Ich habe ein neues Buch (von Vass), aber dort werden die "schlechten" Verfahren natürlich überhaupt nicht angesprochen, deshalb bleiben bei mir einige Fragen offen.

  2. #2
    Administrator Avatar von urban
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    Das Gemband hat eine T-form, war früher ein Textil- und ist heute ein Synthetikmaterial, und wird mit dem Kopf, dem Querstrich des T auf die Brandsohle geklebt.
    Das kann man in diversen Videos sehr gut beobachten wie der senkrechte Strich des T noch oben zeigt.
    An dieses Synthetikband wird der Lederstreifen, der Rahmen, angenäht. Er wird dadurch stärker gebogen wie man auf den Zeichnungen über die Macharten sieht.
    Dadurch muss eine dickere Korkausballung aufgetragen werden, weiterhin steift der Rahmen durch das stärkere Abwinkeln - im Querschnitt betrachtet - den Schuh aus.
    Früher konnte sich das Gemband im Laufe der Zeit kaputtgehen - heute braucht man damit nicht mehr zu rechnen.

    Die Industrie kann schneller und billiger produzieren, spart Zeit und Materialkosten bei den Brandsöhlchen ein - Geld, das sie in Werbung investieren kann.
    Und jede Menge Shoe-Babbler wie den aus den USA und einige andere, die den Leuten darüber fürchterlichen Stuss erzählen und
    das solche Industrie-Schuhe das Non-Plus-Ultra wären.
    Und jede Menge Leute, die bereit sind für solche Billigschuhe 1000 € oder 1500 € zu bezahlen.
    Jeder wie er Geld & Laune hat...

    Der Einstechdamm wird vom Schuhmacher aufgezeichnet und dann das überschüssige Leder beidseitig aus der Brandsohle heraus geschält mit einem Stechbeitel.
    Der Damm bleibt stehen - defacto vergleichbar mit einem Festungswall, eine Pallisade wird erstellt und an ihr entlang die Erde ausgehoben.
    Da der äußere Brandsohlenrand dabei auch bearbeitet wird, liegt der Rahmen fast flach auf der Brandsohle , und gerade nichtangewinkelt wie bei GW;
    dadurch wird der Schuh nicht ausgesteift.
    Dito bei der Brandsohle mit Risslippe.
    Das ist ein wesentlicher Punkt bezogen auf die Aussage, dass Rahmengenäht <> Goodyear Welted [primiestitched]

    Falls die Brandsohle eine Risslippe hat, dann wird grundsätzlich mit der Hand eingestochen, ganz selten mit einer Spezialmaschine, die über 20 t€ kostet;
    Franco Cimadamore hat eine.

    Das Buch von Vass ist sehr gut, um sich Grundwissen über Schuhe anzueignen, ist aber leider nicht sehr umfassend was gängige Macharten und Ausführungen angeht.
    NEIN, ich schreibe garantiert kein Buch über Schuhe, da zu hoher Zeit- und Geldaufwand von geschätzt 100 t€ für Fotografen und Reisen.

  3. #3
    Benutzer
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    Zitat Zitat von urban Beitrag anzeigen
    Da der äußere Brandsohlenrand dabei auch bearbeitet wird, liegt der Rahmen fast flach auf der Brandsohle , und gerade nichtangewinkelt wie bei GW;
    dadurch wird der Schuh nicht ausgesteift.
    Das verstehe ich, sehr gut, danke!


    Also das mit dem Buch ist eine gute Idee. Jetzt, wo du es sagst. Ich glaube mit den Kosten vertust du dich. Denk nochmal drüber nach!

  4. #4
    Erfahrener Benutzer
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    Mach doch einfach ein Buch, ohne alle Schuhmacher der Welt vorzustellen.
    Sehr viel hast du schon hier geschrieben. Die essentiellen Skizzen kannst du auch erstellen bzw. sind schon vorhanden und du wirst sicherlich photografische Unterstützung durch befreundete Schuhmacher finden. Ein Buch mit 50-150 Seiten, als Ebook selbst veröffentlicht auf eigene Faust und/oder via Amazon ist sicherlich machbar.

  5. #5
    Administrator Avatar von urban
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    Die Idee wurde ja schon wiederholt an mich heran getragen, aber...
    1. ich bräuchte viel Zeit dafür, um am Schreiben dran bleiben zu können
    2. ein Fotograf, denn alle Fotos sollten dieselbe Bildsprache haben; von Schuhmachern kannst Du kaum Fotos erwarten, vielleicht mit viel gutem Zureden ein paar Fotos für Werbung
    3. Videos wären nicht schlecht wenn ich zum Beispiel an die Machart Bentivegna denke
    4. Reisekosten: Per E-Mail oder Telefon erreichst Du bei einem Schuhmacher rein gar nichts, da muss man schon hinfahren
    5. ein Flug nach Japan + Reisekosten wäre das Minimum
    6. Wer soll für all die Kosten in Vorlage treten? Was würde das Buch an Erlös bringen wenn ich mir so anschaue wie freigiebig die Internetuser sind?
    7. Gerade heute Abend habe ich schon wieder einen Fotodieb erwischt, der 2 meiner Fotos benutzt,
    eins auf seiner Shopseite und ein anderes hatte er am Abend in seinem Facebook Account veröffentlicht - beide vermutlich von Printerest herunter geladen.
    Das hatte auch schon Shop aus Irland gemacht und mir 50, 60 Fotos geklaut und widerrechtlich benutzt, Ausrede:
    Man dachte es wären Fotos von Columbus resp. Boot Black aus Japan.

    Und dann soll ich ein E-Book mit all dem Aufwand schreiben, und keiner will dafür bezahlen?
    Die Idee ist gut - es gibt weltweit kein einziges gutes Buch über Schuhe - nur habe ich aus diversen Gründen heraus darauf keine Lust.

    Wenn jemand schon keine 15.- € für eine gute Schuhcreme übrig hat, Goodyearwelted die Krönung der Schöpfung ist, je billiger desto besser,
    dann ist kaum zu erwarten, dass jemand für ein Buch, das er womöglich raubkopiert für lau haben kann,
    auch nur einen einzigen Cent bezahlen möchte.
    Man darf nicht vergessen, dass der Bildband "Alles über Grenson Herrenschuhe" schon vor über 10 Jahren mind. 100 € gekostet hat.

    Was glaubst Du wie schnell bei solch einem Unterfangen mit Fotos und ggf. Videos 100.000 € weg sind?
    Miete Dir mal ein Videoteam und frag mal nach was ein fertiges Kurzvideo kostet.
    Schuhpflege und speziell die professionel gemachten Patinas, statt der Farbkleisterei in Frankeich, wären natürlich heutzutage das Sahnehäubchen
    klar, in einem Video gezeigt wie sie entstehen z.B. bei Floriwonne in Japan.

  6. #6
    Erfahrener Benutzer
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    Ich kann deine Frustration verstehen und auch, dass du keine Lust hast für geringe Einnahmen ein Buch über Herrenschuhe zu schreiben, quasi aus Aufopferung.
    Solltest du es doch tun würde ich empfehlen, kein großes Buch über alles Nennenswerte über Schuhe zu schreiben, stattdesen jedoch ein kurzes, trockenes Buch über Macharten, Passform, Mythen.
    Keine Fototouren, nur so viele Bilder wie nötig, dass alle Leser alles Beschriebene verstehen.

  7. #7
    Administrator Avatar von urban
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    Wer versteht denn heute noch etwas aufgrund von Beschreibungen, also Texten?
    Ich sage Dir: Niemand!
    Selbst Fotos sind in dieser optisch orientierten Welt schon bedenklich, denn vor lauter lauter picturesque & colorful im Internet
    wissen die Betrachter überhaupt nicht (mehr), WO sie denn genau hinschauen sollten und was sie dort eigentlich sehen können.
    Da müsste man schon Markierungen anbringen nebst auffälligen Beschriftungen im Foto selbst.

    Die Mythen
    Bring nur mal jemand bei, dass die Engländer entweder nur geklebte oder Maßschuhe machen können - dann hast Du ein Problem!
    Es glaubt Dir nämlich niemand, dass die Briten - abgesehen von einer handvoll Maßschuhmachern - ansonsten nichts anderes produzieren können als GYW prime-stitched,
    faktisch nur geklebte Schuhe, die bloß noch optisch so aussehen als wären sie rahmengenäht!

    Da gibt es keine Schuhmachereien wie in Portugal, Spanien, Italien und Japan, die Serienschuhe nach alter Schuhmachertradition von Hand machen (können),
    was übrigens durch die geringe Zahl an ausgebildeten Schuhmachern in UK bedingt ist.
    Und selbst bei der Maßschuhmacherei sind sie tatsächlich nicht mehr so recht die Weltspitze, die Japaner, die vom Harlekin als Nichtskönner ausgeschimpft wurden,
    dürften da - von einigen wenigen Ausnahmen an Maßschuhmachern aus Europa abgesehen - die Spitze komplett übernehmen.
    Es wäre ein Problem jemanden zu erzählen, dass er bis zu 1500 €uro für defacto geklebte Schuhe ausgegeben hat, die zudem auch noch Verarbeitungsfehler aufweisen.

    Das ist mir zuviel Arbeit so ganz allein gegen den Internet-Mainstream an tumben Marketing-Slogans anzuschreiben - zumal mir so gut wie niemand glauben würde,
    weil die Männer als Kinder in der Schule Englisch gelernt haben und dermaßen stark an all diesen Internetschwachsinn glauben,
    den sie so wissbegierig von ihren Gurus aufgesaugt haben und als unverrückbare Dogmen in ihren Hirnwindungen abgespeichert haben
    bei all ihren Hormonstörungen so à la GEIZ IST GEIL,
    mal ganz abgesehen davon, dass sie noch nie ein Paar (Serien-) Schuhe von einem veritablen Schuhmacher, nicht von angelernten Hobby-Schustern wie in Ungarn und Rumänien, an den Füßen hatten, um sich überhaupt einen (fundierte?) Meinung erlauben zu können.

    Soll ich etwa gegen all die Schlauen anschreiben, die von italienischen Bergdörfern, Jungfrauen und Schuhe-Klöppeln offenkundig im Rauschzustand ablästern,
    aber seltsamerweise sehr scharf auf Santoni-Schuhe sind, sofern es einen SALE gibt um ihre Hormonstörungen zu kurieren?
    Dafür kaufen sie sogar gebrauchte Schuhe mit Tragespuren, Schaumstoffeinlagen, textilverstärktem "Leder", schräg eingestülpte Betonschuhe ...

    Von dem hohen Niveau dieser bildungsnahen geistigen Elite, und somit unbelehrbar, da alles besser wissend, habe ich was Schuhe angeht die Nase gestrichen voll.

    Einnahmen:
    Zuerst kommen die Ausgaben, mal ganz abgesehen davon, dass ich das Geld nicht habe, um alle anfallenden Ausgaben abzudecken,
    so würde ich das Risiko scheuen für solch ein Schuhbuch in Vorlage zu treten.
    Warum auch?
    Sehr UNwahrscheinlich, dass überhaupt die Kosten wieder eingespielt werden plus hohem eigenem Arbeitsaufwand plus Umsatz- + Gewinneinbußen beim laufenden Shopbetrieb
    = eine negative Ertragsperspektive, was soviel bedeutet wie beinahe garantiertes Verllustgeschäft!
    Das muss ich mir wirklich nicht antun!

    Sprache - Deutsch oder Englisch oder Spanisch oder multilingual?
    Auf Deutsch - geht nicht, der Markt ist viel zu klein - die wenigen, die sich für höherwertiges Schuhwerk interessieren, vielleicht 1 % der Männer zw. 25 und 65 Jahren,
    ist so fixiert auf Englisch und Goodyear Welted und PLV - die kann man glatt vergessen.
    0,1 % die offen sind für Wissen abseits der Vorurteile eines Spießers oder Biedermannes: Diese Gruppe kennt bereits gute Schuhe

    Als Zielgruppe für ein Schuhbuch käme nur das ressentimentsfreie englisch- und spanischsprachige Bildungsbürgertum infrage.
    Ergo: Übersetzungskosten + Lektoren

    Bewerbung des Buches:
    Es könnte durchaus sein, dass ich diesem oder jenem Bezahl-Blogger schon ziemlich nahe an die Füße oder sogar schon drauf geraten bin,
    auf die Zehen oder so ...:
    Da ich mich nie in diese Seilschaft eingeklinkt hatte, zu wenig Sahne und keinen Zucker im Haus, wäre da nicht unbedingt mit Support zu rechnen
    sondern eher mit dem Gegenteil, einem Verriss des Buches und seines Inhalts!
    Die kriegen nämlich viel Geld für ihre Artikel, die ich dann in dem Buch zweifelsfrei widerlegen würde - ergo...

    Kennst Du den Spruch: Außer Spesen nichts gewesen?

  8. #8
    Erfahrener Benutzer
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    Dass du draufzahlen würdest und mehr Probleme mit bestimmten Personengruppen und Unternehmen haben wirst ist wohl ein realistsicher Erwaŕtungswert, ich habe das auch nie bezweifelt.
    Sofern du dein Sortiment diesbezüglich erweiterst könnte es sich allerdings lohnen.

    Du wirst mit einem Buch, das man verschenken kann, vielleicht eher die gewünschte Zielgruppe erreichen können. Ein Buch, egal ob analog oder digital, wird anders gelesen und wahrgenommen als ein Forum oder ein Blog. Ich glaube Alan Flussers "Dressing the man" war so ein Buch, ich habe es nie gelesen, aber andere haben wohlwollend davon berichtet und es als Grund für das Interesse an Herrenkleidung genannt.
    Ein Buch wird gerne mitgenommen und wenn es geht, aufgeklappt, beim pendeln, vor dem Schlafengehen, auf dem Klo. Auch wenn es durch Smartphones verdrängt wird.

    Ich würde nicht die Gruppe 40+ anvisieren, die Leute sind meistens zu festgefahren, in zu vielen Zwängen.
    Schau auf die Jungen, die sind die Zukunft.
    Der Großteils fängt mit 23-25 an zu arbeiten und hat zumindest genügend Geld für Tattoos, Iphones, Technik und Urlaub.
    Außerdem sind sie meistens durch ihr Umfeld gezwungen, für die Arbeit, Hochzeiten, Beerdigungen, Theater o.Ä. sich eleganter zu kleiden. Im Gegensatz zu den Forengöttern aus dem deutschen oder englischen Steilforum haben sie keine Cordovan Shell Schuhsammlung¹ die mehr schlecht als recht passt, sondern gar nichts hochwertiges und passendes und meistens schlechte Erfahrungen, rausgeschmissenes Lehrgeld. Die ganze Garderobe muss erst aufgebaut werden.

    Vor allem haben sie die Zeit, mal für eine Woche nach Italien zu fahren und sind auch bereit dazu.






    ¹Du hast früher viele Aldenschuhe mal gehabt sagtest du, aber ich meine dich hier gar nicht

  9. #9
    Administrator Avatar von urban
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    Ach ja, auch ich habe viel Lehrgeld bezahlt.
    Meinem Patenkind hatte ich alsi es 3, 4 Jahre alt war gesagt, dass ich in meinem leben sehr viele Fehler gemacht hätte und dass sie die freie Wahl hätte
    diese zu wiederholen oder auf meine Ratschläge zu hören.
    Sie hat meine Ratschläge sehr streng beherzigt und rigoros umgesetzt - wie gesagt, sie war damals noch sehr 'klein'!
    Erwachsene mit entsprechend hoher biildung und Selbstpüberzeugung dagegen ....

    Ich mache mir mal Gedanken über so ein Buch, d.h. die ersten Punkte hatte ich mir gestern schon notiert, das Grobgerippe/-struktur.
    Halt umgekehrt wie üblich: Von fertigen Schuhen und deren Trageeigenschaften hin zu ihrer Konstruktion - erklärt anhand von Fotos.

  10. #10
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    Du würdest so ein Buch nicht in erster Linie schreiben, um damit Geld zu verdienen, sondern, um etwas zu erschaffen.

    Wenn allerdings ständig Leute deine Fotos klauen, kannst du das nicht abmahnen? Vielleicht würde das beim Geldproblem helfen

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