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Thema: Bekleidung, das Schalenmodell oder Wie sich richtig bekleiden und anziehen?

  1. #1
    Administrator Avatar von urban
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    Bekleidung, das Schalenmodell oder Wie sich richtig bekleiden und anziehen?

    Wer kennt sie nicht, die Daunenjackenträger*innen?
    Es ist zur Mode geworden sich in dicken warmhaltenden Jacken, gerne auch Outdoor- und Sportjacken, mit einem Logo auf der Brust, zu zeigen.
    Warm halten tun diese Jacken, oft sogar mehr als erforderlich, je nach Füllung bis zu -40 Grad, nur leider halt nur den Oberkörper.
    Beine und Füße kann man damit bekanntlich nicht gegen die Kälte schützen.
    Dafür werden dann Pelzschuhe und -stiefel angeschafft, sehr gerne auch Boots mit Fellfutter, wobei man bei solch einem Fell im Schuh
    gerne über Hygiene, des Deutschen liebes Kind, lang und breit debattieren könnte.

    Aber egal wie man es betrachtet - sobald die warme Jacke ausgezogen wird wird's kalt bis unangenehm, vom Schwitzen bei zu warmer Oberbekleidung
    einmal ganz zu schweigen.

    Bekleidungsschalen, auch Zwiebelschalenmodell, oder auch die Funktionen der Bekleidung sind heute komplett unbekannt.
    Damit möchte sich keiner so recht beschäftigen, ja noch nicht einmal das Basiswissen ist noch präsent - dabei ist es sehr einfach,
    nur halt eben absolut untauglich damit seinen gesellschaftlichen Status-Anspruch jedermann zu zeigen - Brands + Logos tun das dagegen!

    Funktionen der Bekleidung - mal ganz abgesehen davon dass Mann und Frau schön darin aussehen und eine gute Figur abgeben möchten.
    In Herbst, Winter und Frühjahr, den nassen und kalten Jahreszeiten hat die Bekleidung andere Funktionen zu erfüllen als im Hochsommer,
    das weiß jeder - nur ist das nicht jedem(r) immer so richtig bewußt.
    Sport- und Arbeitsbekleidung, ich denke jetzt an Handwerker wie den Zimmermann, die durch körperliche Anstrengungen mehr schwitzen,
    lasse ich jetzt mal am Anfang außen vor.

    Der Mensch hat einer Körpertemperatur von ca. 37 Grad und regelt diese über die Haut ein, sie gibt Feuchtigkeit und Wärme ab.
    Bei empfundener Kühle oder Kälte, Temperaturen von 20 Grad und weniger, braucht man eine Wärmeisolierung, die aber auch die Feuchtigkeit
    von der Haut, an der sie anliegt wegleiten kann.
    Dies wären die beiden wichtigsten Funktionen der untersten Schicht - der Unterwäsche die direkt auf der Haut liegt.
    Ihre Isolationswirkung im Winter beruht auf der von ihr eingeschlossenen Luftschicht zwischen Körper und "Gewebe" und
    der Luft, die im Gewirk, der Unterwäschenlage oder der von ihr gebildeten Schale eingelagert ist, da die Garne nicht dicht an dicht,
    man könnte auch sagen "press" aneinander liegen sind Luft einschließen.
    Je dicker das Garn - man denke an Bezeichnungen wie Wintermerino - desto mehr Luft ist im Unterhemd selbst eingeschlossen:
    Die Isolationsschicht ist dicker.
    Ganz im Gegensatz dazu wird Baumwollunterwäsche für den Sommer aus ganz feinen, dünnen Garnen gestrickt - sie soll ja gearde nicht warm halten.
    Total verpönt sind lange Unterhosen, die die Beine bis hin zu den Fußgelenken warm halten - natürlich aus Wolle wie Angora oder Merinowolle,
    als Synonym für Schafwolle allgemein.
    Die zweite Funktion der Unterwäsche liegt im Abtransport der von der Haut abgesonderten Feuchtigkeit, dem Dampf.
    Auch dafür ist Wolle sehr gut geeignet, da sie den Dampf auf der Haut aufnimmt, speichert und nach außen leitet, wo sie an die Umgebungsluft,
    die Luftschicht zwischen Unterwäsche und Hemd oder Bluse, abgegeben wird.
    Hemden und Blusen sind bei unseren Temperaturen in der Regel aus Baumwolle gewebt, entweder glatt oder etwas wärmer haltend,
    also besser isolierend, aus Flanell.
    Der Stoff Viyella, aktuell gewebt aus einem Woll- und Baumwollgemisch im Verhältnis 20/80 ist oft schon zu warmhaltend,
    speziell bei Unterwäsche aus Schafwolle/Angora.
    Bei Temperaturen unter 10 Grad oder gar im Minusbereich dagegen schon wieder angenehm.
    Die nächste Bekleidungschale wären dann die Pullover. Ihre Isolierung beruht ebenfalls auf der Luftschicht zwischen Hemd/Bluse und dem Pulli selbst
    und - je dicker das Garn - der im Wollstrick eingeschlossenen Luft als Isolator.

    Erst darüber trägt man zweckmäßigerweise einen Mantel oder eine Jacke, die wohl ebenfalls warm halten kann, aber in erster Linie dazu dient
    den regen und den Wind abzuhalten, damit die von den einzelnen Schichten eingeschlossene Luft nicht abgesaugt werden kann
    sondern sich stabile Luftschichten unterhalb des Mantelfutters bis hin zur Haut bilden können.
    Bleibt nur noch das letzte Problem zu lösen - die Ableitung der Feuchtigkeit.
    Dies kann durch Ventilation der Hosenbeine, der Ärmelenden und im Halsbereich erfolgen. Dabei wird ein Teil der durchgeleiteten feucht-warmen Luft
    abgegeben und gegen frische ausgetauscht.
    Ein verbliebener Rest ist in die verschiedenen Kleidungsstücke eingelagert/gespeichert - den Pulli lüften = an die frische Luft hängen statt
    ihn nach jedem Tragen gleich zu waschen.

    Diese Art und Weise sich anzuziehen bietet jede Menge Vorteile, da man sich je nach Aufenthalt, drinnen oder draußen,
    etwas wärmer in sehr gut beheizten Räumen, sich seinens Mantels oder Pullover bzw. Strickweste entledigen kann
    und sich dabei immer sehr wohl fühlt::
    Man friert nicht gleich, weil die starke Termowirkung des Daunenmantels plötzlich wegfällt und man schwitzt nicht, kein unangehmes Gefühl auf der Haut.

    Baumwolle bei Strümpfen oder Socken im Sommer sowie als Unterwäsche (nebst den Hemden und Blusen)
    Schafwolle oder vergleichbar warmhaltende Garne bei niedrigeren Temperaturen.

    Strümpfe aus Merinowolle kann man waschen, die Schuhe und Stiefeletten innen leicht sauber halten - das Fellfutter im Schuh - igittegit!


    Quellen:
    Fachwissen Bekleidung: S. 48ff, S. 249f
    diverse andere wie Vorbildung

  2. #2
    Administrator Avatar von urban
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    Fachterminus: Bekleidungsphysiologie, unterteilt in
    • Thermophysiologischer Komfort - warmhalten, kühlen, Feuchtigkeitsabfuhr
    • Hautsensorischer Komfort - Gefühl auf der Haut, Sensorik - Haptik
    • Ergonomischer Komfort - (Zu-) Schnitt der Bekleidung, Trageeigenschaften wie lockerer oder enger Sitz, Bewegungsfreiraum


    Alles, was meine Oma noch aus dem FF kannte wie warme Pullover, die nicht kratzen, damit ihr jüngster Enkel gut über den Winter kommt,
    was heute wissenschaftlich untersucht wird und infantil-elevil mit englischen Ausdrücken durchsetzt an Frau & Mann gebracht wird wie next-to-skin

    Tipp aus praktischer Erfahrung heraus:
    Wer im Herbst oder Winter draußen arbeitet, der sollte sich um einen Nierengurt aus Angora kümmern; sehr praktisch sind auch wasserdichte Pullover,
    aber nicht die mit einem Nylon-/Kunstfaserinnenfutter, sondern die Modelle, die so dicht gestrickt sind, dass das Wasser abperlt,
    aus dem Bekleidungsfachhandel für Zimmerer und Dachdecker [Beide Teile habe ich von meinem Vater übernommen, damit er sich neue kaufen durfte]
    Damen, die sehr leicht frieren, könnten sich Pulswärmer besorgen und sollten einen warmen (Ring-) Schal tragen.

  3. #3
    Erfahrener Benutzer
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    Als Outdoorsportler ist mir das Zwiebelprinzip natürlich sehr wohl bekannt. Dabei habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass Kunstfasern am besten funktionieren. Die stinken zwar furchtbar, aber man kann sie ja waschen.
    Bei Unterwäsche funktioniert Merino auch ganz gut, aber die Hemden die ich habe kratzen leider ein bisschen.
    Meine Merinojacke von Ortovox ist mir aber in der Regel viel zu warm.

  4. #4
    Administrator Avatar von urban
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    Das freut mich!

    Nur ist vielen Leuten, Damen wie Herren, vollkommen unbekannt, dass die Lagen von innen nach außen, von der Unterwäsche bis zum Mantel,
    verschiedene Funktionen haben, und dass es bei dem Begriff sich wohlfühlen ganz besonders auf die Unterwäsche ankommt.
    Viele Männer glauben, dass sie ohne Unterhemd im Sommer weniger schwitzen, oder sie tragen zwecks sportlicherem Aussehen Bodyshirts.
    Ganz zu schweigen von den Damen und Herren, die sommers wie winters Socken und Unterwäsche aus Baumwolle tragen, dazu natürlich sehr preiswerte
    aus gebleichter Billigbaumwolle, chemisch veredelt und weich gemacht.
    Im Winter tragen so manche Baumwollsockenträger dann sehr gerne Boots mit irgendeinem synthetischen oder Karnickelfell drinn, kaum oder gar nicht sauber zu halten,
    aber sie waschen aus hygienischen Gründen ihre Socken mit 60 Grad und mehr.

    Das Geld, das sie bei den unsichtbaren Kleidungsstücken eingespart haben, das können sie dann für Logos ausgeben.
    Das bringt viel mehr Foren-Renommée ein als sich tatsächlich gut zu bekleiden, und statt sich damit zu beschäftigen babbeln die Männer lieber von Brands,
    Business und Gentleman Outfits - klar die Bibeln ihrer Gurus beherrschen sie wie im Schlaf - kaufen tun sie ja auch nur deren gentleman-image-fördernde Teile.
    Überteuert wohl, aber Gentleman hat's ja.

    Hersteller von Unterwäsche habe ich ja so einige hier vorgestellt - Schuhe, in denen Mann auch ohne Fell keine kalten Füße bekommt, ebenfalls.
    Wer an Viyella-Hemden ein Interesse hat, der kann mir ja eine pm schicken, ich kenne da jemanden aus UK.

  5. #5
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    Was ist der Vorteil von Baumwolle gegenüber Wolle im Bereich Unterwäsche bei warmen oder heißen Temperaturen?
    Sie ist leichter zu waschen und meistens günstiger, aber ansonsten?

    Ich finde die 621 von Oscalito mit Merino/Seide bei dem Regulieren der Körpertemperatur weitaus besser als die Filoscozia oder Thermotexmodelle, ganz zu schweigen von anderen Modellen anderer Hersteller und habe Monate in Ozeanien/Südostasien verbracht.

  6. #6
    Administrator Avatar von urban
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    Baumwolle kann gemessen am Eigengewicht bis zu 2/3 davon an Feuchtigkeit aufnehmen. also etwas mehr als Wolle.
    Sie regelt, abgesehen vom Ice-Cotton von Emilcotoni - Spoerry, nicht die Körpertemperatur herunter sondern nimmt den Körperschweiß auf,
    insbesondere in den Achseln vermeidet ein Ärmelhemd, dass die Haut aufeinander liegt und es zur Tröpfenbildung kommt.
    Das dünne Garn gibt den aufgenommen Schweiß wieder sehr schnell an die Umgebungsluft ab - sie trocknet schnell.
    Unterhemden aus dünnem, dicht gestrickten Garn schützenden Körper auch ein klein wenig gegen Auskühlung wenn zum Beispiel eine kühle Brise aufkommt.
    Brustwarzenerkältung nannten wir das Phänomen früher.

    Nur wenn man der Baumwolle Seide beimischt, dann hält sie auch warm - warum das so ist? Keine Ahnung obwohl ich schon so manches Mal darüber nachgedacht habe.

    Thermotex aus Baumwolle mit seiner Luftisolierschicht ist wirklich nur etwas für die sehr kalten Tage und weist keine Temperaturregulierung wie Merino & Seide auf.

    Die zweilagen Unterhemden aus Baumwolle innen und Merino außen muss ich diesen Winter einmal ausprobieren;
    die beiden liegen schon ein Jahr im Schrank, ich habe aber immer wieder nicht daran gedacht.

    Die Unterwäsche aus Merino & Seide ist schon sehr komfortabel ab Herbst - ich verstehe deshalb auch die Leute, die das ganze Jahr über Baumwollwäsche tragen
    nicht so recht, aber es kann sein, dass es am Anschaffungspreis liegt, wahrscheinlich sogar.
    Aber sie hält immerhin so 5, 6 oder 7 Jahre durch wenn man sie nicht mit Waschmaschine und Wäschetrockner ruiniert - so relativiert sich dann der Preis wieder.
    Das ist wohl schlecht für meine Umsatzzahlen aber sehr gut für die Kundenzufriedenheit!
    Wer sich einmal eingedeckt hat, der ist für Jahre versorgt, und vor allen Dingen fühlt Mann oder Frau sich sehr wohl darin.

    Im Sommer trage ich Jersey aus hauchdünner Baumwolle, seit 2 Wochen schon wieder Merino & Seide - das Alter!

  7. #7
    Erfahrener Benutzer
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    Vielen Dank, das erklärt so Einiges für mich.

    Zitat Zitat von urban Beitrag anzeigen

    Die zweilagen Unterhemden aus Baumwolle innen und Merino außen muss ich diesen Winter einmal ausprobieren;
    die beiden liegen schon ein Jahr im Schrank, ich habe aber immer wieder nicht daran gedacht.
    Also muss die Wolle nicht auf der Haut liegen um die Temperatur regeln zu können, nimmt die Fähigkeit mit jeder Lage ab?
    Angenommen man trage Wollshirt, Wollpullover, Wollmantel, sind alle drei ähnlich effektiv im regulieren, oder machen Wollshirt und Wollpullover den Mantel obsolet, also ein Baumwollmantel würde keinen Unterschied bei der Temperaturregulation ausmachen?

  8. #8
    Administrator Avatar von urban
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    Auf Temperaturregulierung hat nur das Textil einen Einfluss, dass direkt auf der Haut anliegt und dabei die Hautsensoren berührt,
    speziell die Bereiche von Puls und Hals.
    Wenn ich wie gestern rd. 3 km stramm gegangen bin, dann muss ich am Ziel die Hemdenmanschetten umschlagen und das Langarmunterhemd hochziehen,
    damit der Puls frei liegt und der Kreislauf sich schneller verlangsamt; dito am Hals, um so das einsetzende Schwitzen zu reduzieren.

    Die Schichten darüber: Hemd, Pullover, Mantel/Jacke umschließen die darunter hin zu Torso liegen Luftschichten und
    die im jeweile Gewebe bzw. Strick selbst vorhandene Luft.
    Beim Mantel könnte man im Winter und je nach Temperatur im Prinzip auf Baumwolle ausweichen,
    da der Mantel die darunter liegenden Schichten gegen den (Zug-) Wind und Niederschläge schützen soll.
    Da merkt man recht schnell wenn es bläst und man den Mantel öffnet (aufschlägt).
    Dazu hatte ich auch schon mal etwas im Zusammenhang mit dem Stoff von Greenfell geschrieben, der soweit luft- und wasserdicht ist.

    Also könnte (temperaturabhängig) warme Unterwäsche + Pulli vollkommen ausreichen - eine Besonderheit sind die Viyella-Hemden aus Wolle + Baumwolle(20/80),
    die sehr warm und oft auch zu warm halten und einen Wollpullover überflüssig machen.

    Das Gegenteil von diesem Schalenmodell mit warmhaltender Lage auf der Haut sind die Daunenjackenträger*innen,
    die im dicksten Winter mit dünner Baumwollunterwäsche und -hemden*blusen herum laufen.
    Natürlich halten diese Jacken sehr warm, zieht man sie aber aus, dann reicht ein Luftzug, um zu frösteln, mal ganz abgesehen davon,
    dass die meisten Daunenjacken für unsere Temperaturen komplett überdimensioniert sind.
    Da soll's doch tatsächlich Leute geben, die sich trotz Daunenjacke eine Erkältung einfangen...

  9. #9
    Erfahrener Benutzer
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    Verstehe, aber dann hätte die zweite, außenliegende Merino-Lage deiner Unterwäsche keinen nennenswerten Nutzen, oder?

  10. #10
    Administrator Avatar von urban
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    Die beiden Garne sind nicht separat sondern miteinander verstrickt, also doch schon irgendwie zusammen und wirken wie eine Lage,
    nur halt mit den Vorteilen beider Garne.

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