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Thema: Kuriositäten aus der Welt der Schuhe und deren Pflege

  1. #11
    Administrator Avatar von urban
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    Ich habe gerade heute mal wieder eine internettypsche Ente gelesen:
    Da schreibt jemand in einem englischsprachigen Forum, es passiert aber genau so sonstwo auch, einen offenkundig bezahlten Bericht,
    der dann auszugsweise als "Fachbeitrag" zitiert wird und das obwohl die Absicht des Quellentextes sehr leicht zu durchschauen sein müßte.

    Wer wundert sich da noch, dass das Netz seine Bedeutung als Informationsquelle mehr oder weniger verloren hat:
    Leute, die selbst nichts zum Thema beitragen können, dafür aber die Botschaften von anderen unkritisch kopieren
    und wie einen Virus weiterverbreiten.
    Ich kann nur noch den Kopf schütteln ob solch einem törichten Verhalten!:mad:

    Man sollte Freikarten für das aktuelle Programm von Dieter Hildebrandt http://www.dieterhildebrandt.com/ verschenken:
    Ich kann doch auch nichts dafür!

  2. #12
    Administrator Avatar von urban
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    Im Netz fliegen ganze Entenschwärme rum, laut schnatternd und wild flatternd - aber das Ergebnis wird dadurch auch nicht besser,
    sondern eher das Gegenteil tritt ein!

    Wer würde sich beispielsweise einen DACIA kaufen und mit sehr teuren Schalensitzen aufpeppen?
    RICHTIG! NIEMAND!
    Aber "preiswerte" Schuhe kaufen und dann von irgendeinem Schuster orthopädisch zurichten lassen - das macht Sinn?
    Oder ist Unsinn?

    Ein Dacia ist und bleibt ein Dacia, oder?

    Dem Erfinder und Verbreiter dieses SCHWACHSINNS im Internet gehört der Preis der Flickschuster
    in Anerkennung seiner Verdienste als Promoter verliehen!

  3. #13
    Administrator Avatar von urban
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    Neulich musste ich die Frage beantworten wer in Europa die besten Schuhe macht,
    ich bestreite aber hier und heute sehr vehement, dass ich dabei die Rumänen erwähnte.
    Die können vielleicht Dacias bauen...

  4. #14
    Amanpuri
    Gast
    Was machen denn andere Nationen (Spanier, Franzosen, Ungarn, Engländer, wie auch immer) anders (besser) als die Rumänen? Haben sie eine bessere Verarbeitung, besseres Material oder liegts einfach an der längeren Tradition? Kurzum, was ist an Schuhen aus Rumänien falsch?

  5. #15
    Administrator Avatar von urban
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    Wenn Du Dir die Videos der rumänischen Schuhhersteller anschaust, dann kannst Du sehen wie dort gearbeitet wird:
    "falsch" würde ich dies nicht nennen, eher weniger gut.
    Diese weniger gute Qualität mag durch verschiedene Faktoren bedingt sein, über die man nur Vermutungen allgemeiner Art
    anstellen kann wie beispielsweise so gut wie keine Schuhmachertradition, also weniger Fachwissen, geringere Kenntnisse
    der Handkniffe- es kann auch sein, dass es die Einstellung zur Arbeit an sich ist, Stichwort: Handwerkerehre,
    aber die gibt's auch nicht mehr überall.
    Wahrscheinlich aber ist es eine Mischung aus mehreren Faktoren.

    Es ist also nicht damit getan nur billige Arbeitskräfte zu beschäftigen, es gehört viel mehr zur Herstellung eines guten Schuhs wie z.B. theoretisches Wissen wie die Berechnung der Fersensprengung usw..
    Wenn der Sohn oder die Tochter bereits als Kind dem Vater bei der Arbeit zugeschaut hat, dieser ein guter Schuhmacher war,
    dann schaut er/sie sich bereits die ersten Handkniffe ab.
    Und nun vergleich einmal die Geschichte Rumäniens mit seinem jahrzentelang andauernden Kommunismus und
    den niedrigen Qualitätsansprüchen mit den ununterbrochen auf hohem Niveau tätigen Schuhmachern aus Paris,
    London und Italien.
    Da ging unweigerlich in Rumänien viel Fachwissen um die Kunst gute Schuhe zu machen verloren.

    Natürlich ist Budapest ein Gegenbeispiel - aber die Schuhmacherei in dieser Stadt hat auch eine sehr lange Tradition.

    Viele italienische Firmen, die nach der Wende nach Rumänien gingen, sind nach kurzer Zeit wieder zurückgekehrt,
    weil die Qualität einfach nicht stimmte.
    Man kann aber auch nicht alle Schuhfirmen und Schuhmacher über einen Kamm scheren, schau Dir einfach die Schuhe
    genau an und lass die Nationalität einfach außen vor.

  6. #16
    Administrator Avatar von urban
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    Ich erschrecke manchmal wenn ich den Unsinn lese, der im Internet verbreitet wird:
    da ist alles Leder, das nicht anilingefärbt ist, deckgefärbt, so als gäbe es keine anderen Färbemethoden oder als wäre das Anilinleder nicht zugerichtet.
    da ist Shell Cordovan ein Pferdeleder wie ich vorgestern auf der Homepage eines Schuhmachers las,
    oder wird aus den Arschbacken des Pferdes gewonnen - na ja, vielleicht gibt es es deshalb nur in den gedeckten Farben, wer weiß?

    Gehobenes Schuhwerk muss immer rahmengenäht sein, und solche Schuhe gibt es schon für unter 100.- €!
    Keine Rede davon dass Plastikkappen eingebaut sind in Ferse und Spitze, das Leder nicht gerade die beste Qualität hat,
    und die Verarbeitung grottenschlecht ist - aber man kennt halt eben keine besseren, weil man ja auch nicht bereit ist
    den Preis dafür zu zahlen.
    Apropos Preis: der macht viele Schuhe passend.
    Und zwiegenähte Schuhe - eigentlich nur den Rahmen anders an die Brandsohle angeschlagen....
    trägt keiner der Herren.

    Warum nimmt nicht mal ein Internetler ein Buch in die Hand statt das weitverbreitete Unwissen immer weiterzutratschen oder
    fragt gar mal einen versierten Schuhmachermeister, natürlich einen der Ahnung hat und auch wirklich Schuhe machen kann,
    statt so zu tun als ob ...?

  7. #17
    Administrator Avatar von urban
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    Farblose Schuhcreme hat unter Umständen noch bei sparsamen Menschen eine Daseinsberechtigung.
    Farbloses Wachs dagegen braucht man nur bei der Wasserglanzpolitur.
    Natürlich hat es einen höheren Lösungsmittelanteil als farbige Wachse von demselben Hersteller,
    verschiedene Hersteller mischen ihre Schuhwachse unterschiedlich,
    nur eignet sich farbloses Wachs nicht als Reingungsmittel oder zur Entfernung älterer Wachsschichten:
    es löst diese nur an - mehr nicht.
    Leider wird dieser BLÖDSINN immer wieder vorgetragen - warum weiß ich leider nicht.

    Entfernen Sie alte Wachsschichten bitte mit einem guten Lederreiniger und benutzen Sie anschließend
    eine Schuhcreme auf Ölbasis, um dem Leder wieder die bei der Reinigung entzogenen Öle/Fette zuzuführen.

    Wenn Sie für all Ihre Schuhe farbloses Wachs benutzen wollen, so tragen Sie bitte vorher eine Schuhcreme
    auf das Leder auf, da das farblose Wachs Farbpigmente vom Leder ablösen kann.
    Ob es dies tatsächlich tut hängt von der Lederqualität, insbesondere von dessen oberer Farbschicht ab.

    Benutzen Sie bitte Produkte von renommierten Herstellern über die Erfahrungen vorliegen, nachzulesen in diversen Foren.

  8. #18
    Administrator Avatar von urban
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    Dieser Schnürstiefel ist abschließend von Hand coloriert, genau: Wischtechnik mit einem Baumwolllappen, worden.
    Dabei hängt die finale Farbe von der Farbe des verwendeten Grundleders ab - dies hat absolut nichts mit einer Deckfarbe zu tun oder gemein.
    Man kann auch den Stiefel homogen deckend einfärben und anschließend an der Poliermaschine einzelne Stellen wieder entfärben,
    so dass die Grundfarbe des Leders wieder zum Vorschein kommt:
    Eine Technik, die OSUKA aus Japan bei seiner HIGH DESIGN WORKS-Serie anwendet.

    Die verdeckte Sohlennaht "channeled stitching":
    Vor dem Nähen wird ein Riß in die Sohle entlang des Sohlenrands (=Sohlenschnitt) geschnitten, die dabei entstehende Lippe hochgeklappt.
    In dieser Kerbe wird dann die Sohle an den Rahmen angenäht.
    Anschließend wird Kleister eingestrichen und die Lippe wieder heruntergeklappt, angedrückt und leicht verdichtet.

    Der Absatz ist umlaufend leicht abgeschrägt, um den Absatz eleganter erscheinen zu lassen.

    Der Sohlenschnitt der Laufsohle ist am Steg ist beidseits rundgefast, um den Stiefel eleganter aussehen zu lassen.

    Anhang 2329

    Anhang 2327

    Anhang 2328

    Anhang 2337

    Deutlich sind an diesem Schuh die verschiedenen Höhen der Seitenteile entsprechend den unterschiedlichen Knöchelhöhen zu sehen.
    Leider geben nicht alle Schuhhersteller auf dieses kleine, aber sehr wichtige Detail acht.
    Entweder machen sie beide Quartiere der Einfachheit halber gleich hoch oder die Quartiere sind zu hoch und
    deren Oberkanten reiben die Knöchelunterseite wund.

    Anhang 2330

    Anhang 2331

    Hoher Schuh in Hirschleder und original HarrisTweed:
    Laufsohle und Absatz wurden zusätzlich mit einer Vibramsohle bzw. Absatzfleck verstärkt.
    Wichtig dabei ist beim fertigen Schuh der Stand, d.h. dass er nicht über die Absatzvorderkante kippelt.

    Anhang 2332

    Anhang 2333

    Hoher Schuh mit Kontrastschaftnähten.
    Die rote Dainite Studded-Sohle wurde als "ganze Sohle" verarbeitet, der Absatz darauf mittels Lederflecken aufgebaut und
    wieder mit einem Dainite-Absatzfleck abgeschlossen.

    Anhang 2334

    Longwing Derby in Boxcalf und echtem Harris Tweed:
    Deutlich ist das Futter aus Rauleder im Fersenbereich zu erkennen, um dem Fuß mehr Halt zu geben
    und so einem Herausschluppen vorzubeugen.

    Anhang 2338

    Auf diesem Foto erkennt man sehr deutlich das gebugte (umgebogene) Schaftleder am Einschlupf und
    das ausgeschärfte Futterleder.
    [Hier kann der Hersteller auch beispielsweise einen Keder zw. Ober- und Futterleder einnähen:
    Eine sehr einfache Ausführung wären offene Kanten von Futter- und Schaftleder, also etwas billiger in den Kosten.]
    Anhang 2335

    Stiefel mit Doppelsohle, die obere aus Leder - die untere Laufsohle aus sehr weichem Naturkautschuk-Sohle mit integriertem Absatz.
    Das Besondere an diesem Stiefel ist der abgewinkelte Rahmen, um dem Eindringen von Feuchtigkeit entgegenzuwirken.
    Um auch den Absatzbereich zu schützen, sind diese Stiefel ausnahmsweise 360 Grad-rahmengenäht.


    Anhang 2336

    Anhang 2339

    Alle diese vielen kleinen Details tragen zum Endpreis für die Schuhe oder Stiefel bei, da sie in ihrer Summe
    den Herstellungsaufwand nicht unerheblich erhöhen.
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken              

  9. #19
    Administrator Avatar von urban
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    Lederqualitäten - deckgefärbtes Leder

    Ich füge hier einmal die Beschreibung des Glattleders - "Le cuir lisse" aus dem Saphir-Prospekt ein.

    Name:  AVEL Prospekt 01 Glattleder_edited-1.jpg
Hits: 244
Größe:  71,4 KB

    Von oben nach unten bzw. von links nach rechts:

    • cuir plein fleur
    • Anilingefärbtes Leder mit natürlich belassener Oberfläche, dem Narben, und sichtbaren Haarwurzeln ("Poren")
    • Pigmentiertes Leder, also oberflächengefärbtes Leder mit natürlich belassener Oberfläche <=> Keine Deckfärbung,
      da die natürliche Oberfläche vollständig erhalten und sichtbar bleibt
    • cuir fleur corrigée:
    • leicht abgefastes Leder, um Unregelmäßigkeiten und Fehler optisch zu beseitigen, und mit deckender Zurichtung
    • croute de cuir - Fleisch-/Unterspalt
    • stark abgefastes Leder oder besser: gespaltenes Leder, bei dem nur noch die Unterschicht, der Fleischspalt,
      weiterverarbeitet wird und mit einer deckenden Zurichtung versehen wird.





    Der mit Abstand größte Irrtum besteht darin, dass oberflächengefärbtes Leder mit natürlich belassenem Narben
    fälschlicherweise mit dem mindertigeren deckgefärbten Leder gleichgesetzt wird.

    Bei einer deckenden Färbung handelt es sich um eine Färbung die man salopp mit einer Folierung vergleichen kann:
    entweder wird tatsächlich, wenn auch seltener, eine Folie auf das Leder aufgeklebt, oder Flüssigkunststoff in der
    gewünschten Farbe aufgespritzt, der aushärtet.
    Ob nun Folie oder Flüssigkunststoff ist egal - zu dessen Pflege braucht man keine Lederpflegemittel, sondern
    schlicht und einfach nur Kunststoffreiniger, da die Oberfläche des Leders versiegelt ist.

    Der Narben: Oberfläche des Leders auf der Haarseite (<> die Narbe!)

    Nubukleder - nicht zu verwechseln mit Rauleder, ist ebenfalls "cuir fleur corrigée", es wird aber nach dem Abfasen
    leicht angeschliffen/angeraut, um ihm seine mit samtartige Oberfläche zu geben.

    Rauleder wird grundsätzlich aus dem Unterspalt, dem Fleischspalt (= croute de cuir), gewonnen.

  10. #20
    Administrator Avatar von urban
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    Lederreinigung mit Wachs:
    Wenn man Wachs mit Wachs abtragen will, dann bleibt zum Schluss immer eine Schicht Wachs auf dem Leder übrig, oder?


    WARNHINWEIS!
    Gerade bei neuen Schuhen kann farbloses Wachs aufgrund seines recht hohen Lösungsmittelanteils die Schuhfarbe angreifen!
    Neue Schuhe niemals mit farblosem Wachs behandeln, sondern anfangs immer mit einer sehr guten Creme!
    Das Leder für die maschinelle Schuhherstellung in einer Fabrik, speziell das maschinelle Einleisten, ist immer relativ trocken;
    es nimmt daher - mav Fettleder - bei seinen ersten Pflegen recht viel Öl aus der Creme auf.
    Das setzt natürlich voraus, dass es sich auch um eine auf Ölbasis handelt und nicht um eine weniger wertige Pomade
    oder andere schlechte Enmulsionscremes.
    Ich habe selbst beim Eincremen von neuen Schuhen schon wahre (Farb-) Wunder erlebt,
    so stark sog das Leder die Creme auf.
    Einmal wurde aus einem sandfarbenen Schnürschuh ein cognacfarbener (Hell-/Mittelbraun).

    Zur Reinigung bzw. dem Entfernen von Wachsschichten (bei getragen Schuhen) benutzt man einen Lederreiniger,
    mit ganz wenig Druck, und reibt nach dem Abtrocknen und Abbürsten die Schuhe mit einer guten Creme auf Ölbasis hauchdünn ein.
    Nachdem man den zweiten Schuh ebenfalls eingerieben hat, poliert man den ersten gut ab: die Polierbürste, Roßhaar > 30 mm, in verschiedenen Richtungen über das Leder schwingen,
    so dass die Haare nur ganz leicht das Leder berühren, also immer locker darüber gleiten lassen!

    Die ersten 3 Schuhpflegen würde ich immer nur mit einer Schuhcreme und nicht mit Wachs machen.

    Waglapol:
    Nur 1 hauchdünne Schicht Wachs auftragen und diese wie oben beschrieben gut auspolieren - so gelingt sie einem Anfänger besser.
    Weniger ist hier mehr!
    Diese bildet ja die Basis für alle nachfolgenden Wachs-Schichten.

    Die weitere Anleitung zur Ausführung einer Wasserglanzpolitur finden Sie unter Schuhpflege für Glattleder.

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