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Thema: Gut Kleiden - Teil 1: Sammelsurium Gentleman, Dandy, Looks und Einleitung

  1. #11
    Administrator Avatar von urban
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    Sich gut anziehen kann also vielerlei bedeuten:
    a) Frau oder Mann kleidet sich von Kopf bis Fuß konsequent in einem ganz bestimmten Look, einer Art, die ihr (ihm) sehr gut steht:
    sie pflegt also einen bestimmten Stil und ist, wenn man so ausdrücken will, sehr stilvoll in diesem Sinne angezogen, was überhaupt
    nichts mit "en vogue", denn Stil ist zeitlos, dem Preis oder gar einer (Bekleidungs-) Marke zu tun hat
    oder
    b) der Ausdruck beschreibt Kleidung, der anzusehen ist, dass sie qualitativ hochwertig und damit u.U. teuer ist und
    zu ihrer Trägerin oder Männern passt
    oder
    c) was man aber nicht sehen und in keinem Fall als solche auf den ersten Blick erkennen darf/sollte,
    ihr oder ihm nach ihrem (seinem) Gusto auf den Leib geschneidert:
    Die oft unbewußte Wirkung solche Kleidung, eines solchen Stils macht den Unterschied aus und hebt Frau/Mann von anderen ab!

    Frau kann sich also sehr gut und geschmackvoll kleiden ohne dafür viel Geld auszugeben - es hängt ausschließlich nur
    von ihrem guten Geschmack, ihrem Gespür für Qualität und geschickten Händchen für das Kombinieren der Teile ab.
    Marken-, Brands- und sonstige Logos sind dem eher ab- denn zuträglich - eine Frau, die glaubt sie wäre gut gekleidet,
    weil sie sich mit dem jeden bekannten Luxus-Design in Form einer Tasche aufwerten muss, hat wohl (noch) nicht
    so ganz verstanden wie sie sich am besten wirkt und ihre Persönlichkeit entfaltet.

    Männlein, die rundum zugepappt sind mit Logos, Brand- und sonstigen Markenzeichen, stehen für alles mögliche,
    nur nicht für einen Mann, der Charakter, Anstand und Benehmen hat, denn wie seine Kleidung schon mehr als deutlich aufzeigt, versteckt er sich hinter ganz verschiedenen Gesichtern, den diversen Images - je nachdem was er gerade im Schilde führt.

    Ein Herr, der Duden definiert ihn jedenfalls als gebildeter, kultivierter, gepflegter Mann, weiß sich auch so zu kleiden
    und zu geben - er ist dabei so selbstbewußt, dass er nicht jedem seine Schulbildung und die Adressen seines Schuhmachers
    und Schneiders auf die Nase binden muss,
    geschweige denn möchte er sich überall in Szene oder gar damit selbst in die erste Reihe setzten: Honi soit que mal y pense!

    Sich gut anziehen, also geschmackvoll und konsequent im Stil, also stilvoll kleiden, kann sich eigentlich jeder
    wenn er das will und sich ein wenig damit beschäftigt und ein eigenes Gespür dafür entwickelt, was ihm an sich
    gefällt, was er mit seiner Kleidung, seinem Erscheinungsbild ausdrücken will, und vor allen Dingen wie er damit
    auf andere wirkt - wie er also seiner aktuellen Stimmung, seinem Gemüt im Allgemeinen,
    den gerade in dem Moment oder der Situation rechten Ausdruck verleiht.

    Stilvolle Kleidung immer und in jedem Fall bei Männern mit Anzug, am besten noch von einem Schneider, Hemd, Krawatte und
    rahmengenähten Oxfordschuhen gleichzusetzen, kann muss aber nicht zutreffen, denn es kommt immer auf die Stilrichtung an,
    die Männer pflegen, und diese kann je nach Anlass und Örtlichkeit sowie gewählter, gewünschter Außenwirkung
    schon sehr, sehr verschieden sein.

    Stil und stilvoll, sich also gut, anzuziehen setzt in keinem Fall voraus, irgendwelche frei erfundenen (Gentleman-) Regeln <
    stupide auswendig zu lernen und kompromißlos zu befolgen sowie diese dann mittels mehr als dubiosen
    Gebrauchsanleitungen ohne selbst darüber auch nur einmal einen Gedanken zu verschwenden oder
    sich mal selbst im Spiegel zu betrachten, nachzuäffen!

    Stil und stillvolle Kleidung setzt einen guten, eigenen Geschmack und das Gefühl, oder wenn man so will das Gespür
    für die Wirkung der verschiedenen Kleidungsstücke und deren Design bei/an seiner eigenen Person voraus,
    also ein bewußtes Sehen, das man vor dem Spiegel trainieren kann, wenn man sich beim Kombinieren einzelner
    fragt wie sich die Wirkung ändert wenn man nur einmal die Krawattenfarbe ändert.

    Hat sich einmal jemand gefragt wie jemand wirkt, der viel Geld in die Hand genommen hat und sich von einem Schneider
    einen Anzug und vom Schuhmacher ein Paar Schuhe auf den Leib schneidern ließ - ganz einfach so, ohne die Details
    dabei wirklich selbst ausgewählt zu haben und sich damit zu identifizieren?
    Etwa "aufgesetzt" oder wurde da einfach nur "ein Türke gebaut"*?

    Erst wenn man darin wirklich firm ist, aber auch nur dann, kann man das Wagnis eines bewußten Stilbruchs unter dem Motto
    "Rules are made for breaking!"
    eingehen, denn sonst - und genau das kann man sehr oft auf Fotos im Netz sehen - wirken sie einfach nur clownesk.

    So einfach ist es also wirklich nicht sich wirklich gut anzuziehen, oder korrekt ausgedrückt: sich schön zu kleiden!
    Nicht das Erlernen von Regeln und deren Befolgung sondern Verständnis und Umsetzung sind dabei angesagt.

    Einen schönen Sonntagnachmittag!

    *einen Türken bauen: als Kriegslist bauten die Türken bei der Belagerung der Stadt Wien Vogelscheuchen mit Uniformteilen,
    um so mehr Präsenz vorzugaukeln und Eindruck zu schinden - so sagt es zumindest die Legende.

  2. #12
    Administrator Avatar von urban
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    Wenn man so über die Jahre, geprägt von Erfolgen und Mißerfolgen beim Einkauf seiner Sachen, siehe Donna Karan-Jacke und
    Cashmerepullover, neugierig geworden ist auf die Artikel, die wirklich gut sind, dann kommt man unweigerlich an den Punkt ab dem
    die Recherchen sehr zeit- und arbeitsintensiv werden und man darauf angewiesen ist von Brancheninsidern Tipps zu erhalten.

    Da reicht es einfach nicht mehr aus das Buch Lo Scopri Occasioni nach Hinweisen zu durchforsten oder das Internet
    abzusuchen.
    Und dann wird es wirklich schwierig - glauben Sie es mir bitte.
    Diese Spezialfirmen sind nicht sonderlich an den "Schaufensterfotografen" und Forenmitgliedern interessiert, die nur kommen
    um zu schauen und zu knipsen - sie wollen auch verkaufen.
    Sicher gibt es davon auch Ausnahmen:
    Die bekannten Namen der Internet-Schneider und -Schuhmacher, die so gratis zu ihrem Werbeauftritt bei ihrer Zielgruppe kommen.

    Daher traue ich mich schon oft gar nicht mehr meine Kamera mitzunehmen - es wäre wohl zu einem Eklat gekommen hätte ich
    bei Oscalito in Turin Fotos in deren Designbüro von der kommenden Damenkollektion gemacht.

    Was mich aber ganz ehrlich gesagt verwundert, dieser Gedanke fiel mir jetzt gerade ganz spontan ein, ist wieviele Desinformationen,
    Halbwissen, Spekulationen und Schönfärberei in den diversen Foren verbreitet wird - das ist an sich schon sehr erstaunlich,
    aber noch verwunderlicher wenn die Verfasser als Experten mit fundiertem Wissen über dieses und jenes angehimmelt werden,
    tatsächlich aber höchstens noch Neulinge begeistern können.
    Es gibt leider zu wenige Foren in denen man wirklich fundiertes Wissen vorfindet - eigentlich sehr schade.

    Aber zurück zur Überleitung.
    Es ist schon sehr faszinierend wenn man z.B. in die Welt der wirklich feinen Strickwaren eintaucht und zum ersten Mal Pullover
    oder Schals aus West Indies Cotton trägt und darauf angesprochen wird, weil die Leute meinen es wäre Cashmere.
    Oder einem Schuhmacher in Neapel beim Handmachen von Schuhen zuschauen darf und von Paolo Scafora selbst
    die Machart Tubolare anhand von Schuhmodellen in den verschiedenen Fertigungsstadien erklärt bekommt.
    So könnte ich noch viele weitere Beispiele aufführen.
    Ich wollte jetzt in meinem Schreibeifer doch tatsächlich mein Lederjackenabenteuer mit Stuart Clurman, dem Chef von
    LOST WORLDS in New York beschreiben.
    Aber das lasse ich wohl lieber, denn dafür ist die Nacht zu kurz - aber all de Umstände, Schwierigkeiten und Barrieren
    waren es wert.
    Er kann schon wirklich erstklassige Jacken machen, und wenn man sie dann nach vielen Monaten endlich in den Händen hält,
    dann weiß man auch, dass sie ihren Preis und die Mühen wert sind.

    Aber ich mache jetzt mal eine Nacht-Pause - es würde mich freuen wenn Sie in ein paar Tagen auch die Fortsetzung lesen würden,
    noch mehr natürlich wenn ich Sie ebenfalls neugierig machen könnte auf das Besten vom Besten!

  3. #13
    Administrator Avatar von urban
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    Ausflug in die Geschichte

    Beau Brummell


  4. #14
    Administrator Avatar von urban
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    Im Thema Strumpfdesign habe ich die Garnfarbtabellen abgebildet http://www.bestofbest-mode.com/showt...ull=1#post2864

    Sie eignen sich hervorragend um zuhause auszuprobieren welche Farbe in welchem Farbton mit einer anderen harmoniert.
    In dem Beitrag davor zum Thema 'Schwarz-Grau-Rot' kann man zwei Farbkombinationen miteinander vergleichen;
    das Auge stört sich schon allein daran, dass die Strickstruktur nicht parallel verläuft: keine Harmonie sondern Unruhe;
    erst recht wenn man das letzte der Dreierserie versucht mit dem ersten zu vergleichen - dabei machen sich die unterschiedlichen
    Strukturen - grobe <-> feine Maschen bemerkbar.

    Die Farbtabellen der Garne kann man als Bild öffnen und ggf. ausdrucken (rechte Maustaste drücken).

  5. #15
    Administrator Avatar von urban
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    liefert eine einfache Erklärung für Stil:

    Name:  STIL Duden.jpg
Hits: 119
Größe:  29,6 KB

    Stil zu haben heißt also nur sich in einer typischen/charakteristischen Art und Weise (konsequent) zu kleiden.

    Denim - eher derb:
    grobe Schuhe, meist hohe oder Schnürstiefel
    Strümpfe: glatt gestrickt uni
    Jeans
    Riemen, ggf. mit großer Schnalle: Koppel, oder Silberplatte usw., bis zu 50 mm breit und ~5 mm dick, Sattelleder
    Hemd mit grobem Muster "Holzfällerhemd", grob kariert
    Jeans- oder Lederjacke, Flieger- oder Motorradjacke, Bomberjacke etc.

    Anzug - fein, elegant:
    feine, elegante (Halb-) Schuhe oder elegante Stieflette wie der Balmoral
    feine Kniestrümpfe - mit filigraner, eleganter Musterung farblich auf das Hosenbein abgestimmt
    Anzug aus wertigem, fein strukturiertem Stoff
    Gürtel mit dezenter Schnalle/Schließe, ohne Sichtnähte, wenn Nähte, dann möglichst Ton-in-Ton
    Hemd: uni mit Struktur oder gestreift
    Krawatte aus Seide, Cashmere usw.
    Einstecktuch

  6. #16
    Administrator Avatar von urban
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  7. #17
    Administrator Avatar von urban
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    Ich verstehe wohl den Text nicht - amüsiert hat mich das Video trotzdem, weil es war ja auch die schottische Version.

    Aber wieder zurück zum Thema.
    "CUADRADO ERES!" hielt mir Monica mal vor. Paul aus Paris, ja genau Monsieur Bolten, bewundert die deutsche Ingenieurskunst
    und deren Organisationstalent - so muss halt eben alles bei uns seine wohlgefügte Ordnung haben. Gesetze, Verordnungen,
    Regeln, und sei es nur der Anschlag im Treppenhaus für die Kehrwoche.
    Und wer verwundert sich da noch wenn man selbst für das Anziehen nicht auch noch eine Gebrauchsanleitung auflegt.
    Es muss ja schließlich alles seine Ordnung haben!
    Was waren das noch Zeiten, als Mutter einem alles morgens herauslegte....

    Aber mal ganz im Ernst:
    Braucht es wirklich Bekleidungsregeln über das, was Mann wann und wo zu welcher Gelegenheit anzieht?
    Sogenannte Gentleman's Rules?
    Am besten auch noch aufgestellt von einem Deutschen für Deutsche, damit sie eingängiger sind?
    Wenn Mann dann alle Regeln auswendig gelernt hat, womöglich noch auf Englisch, dann kommt dann als letzte:
    "...rules are made for breaking: true elegance goes beyond them!"
    Ja, da versteh einer noch die Briten!

    Heißt das jetzt etwa, dass man doch alles kunterbunt mischen darf?
    Mit der frisch eingewachsten Jacke zum samstäglichen Einkaufsbummel mit der Allerliebsten in die City?
    Zwischen stylischer Tweedhose und Schuhen mit schöner Patina, sprich Kratzern und Gehfalten, etwas Nachsicht
    ist schon angesagt, da der Timer das Polishen erst für Saturday Evening vorsieht, ein paar Ringelsocken in
    British Racing Green, Scotsman's Red and British Navy Blue?
    In welche Schale muss sich dann die Allerliebsten werfen?
    In's Dirndl vom letztjährigen Oktoberfest?
    Oder passt eine 6-wale Corduroy mit fishtail und braces doch besser unter die Tweedjacke mit den Lederpatches
    aus echtem Bridle Leather?
    Dann doch lieber etwas dezenter mit Anzug, Gillet und Krawatte und damit es doch besser mit Madames kleinen
    Schwarzen harmoniert, weil es zum Schluss noch in den Supermarkt geht?
    Fragen über Fragen... welche Schuhe, welche Socken, welche Hosen, was für'n Gürtel, Hemd, Hemd plus Pulli,
    Sakko, Jacke, Lederjacke, Tweed, Cord, Schlipps oder Querbinder, in welchen Farben, Partnerlook oder doch
    lieber nicht?

    Da würde sich doch glatt eine Bedienungsanleitung, am besten mit möglichst vielen bunten Fotos, anbieten.
    Ein praktischer Guide für alle nur erdenklichen Lebenslagen, am besten noch kombiniert mit einem Verzeichnis aller Shops,
    in denen Mann die Sachen auch gleich preiswert bestellen kann - nur so für den Fall, dass seine Liebste das nicht auch
    noch gleich für ihn mitbesorgt, da sie ihm jeden Morgen sowieso die passenden Sachen rauslegen muss,
    da er zwischen Nespresso und dem Rausstürzen aus der Wohnung gar keine Zeit mehr hat sich auch noch über
    seine Klamotten ein paar Gedanken zu machen...

    Am besten ist wohl wenn der deutsche Mann sich jemanden sucht, der sich in allen Lebenslagen mit so was auskennt!

    Eine Frau, dann gibt's auch keinen Stress mit ihr

    P.S. Nur so im Vertrauen, bin bereits ein erwachsener Mann und deswegen nicht für Stil-, Farb-, Kombinier- und sonstige Beratung anderer Männer
    zugänglich - Konkurrenz belebt wohl das Geschäft, aber das ist nun mal nicht meins.

  8. #18
    Administrator Avatar von urban
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    Warum in Deutschland STIL immer mit dem Tragen eines Anzugs gleichgesetzt wird, mindestens jedoch mit
    Country Clothing verstehe ich nicht so ganz.
    Ist das vielleicht so eine besondere Art der Roetzel'schen Prägung auf GENTLEMAN?
    Analog zu den rahmengenähten Schuhe, die immer mit Goodyear Welted gleichgesetzt werden?
    STIL = GENTLEMAN?

    Oder haben wir Deutschen etwa keine eigene Identität, keinen eigenen Charakter, Geschmack oder Vorlieben?
    Nein, nicht die Turnschlappen, Jeans und Flatterhemden darüber sind angesprochen, auch nicht unsere
    Präferenz für "preiswerte Einkäufe" bei jedweden Discountern, auch nicht die umherlaufenden Plakatträger.

    Anzüge können auch unsere Schneider in sehr guter Qualität machen, da brauchen wir nicht ständig nach
    der Savile Row zu schielen.
    Contry Clothing könnte man auch salopp mit Jagdbekleidung gleichsetzen - die Fans können sie via Katalog von Frankonia,
    Kettner & Co bestellen, oder wenden sie gleich an einen Onlineshop mit britischer Ausrichtung. Für Ladenkäufer
    empfiehlt sich ein Besuch in der Hansestadt Hamburg, da man im Norden der Republik immer schon ein Faible
    für anglophile Kleidung hatte.
    Auch Pferdeliebhaber frönen sehr gerne solcher Kleidung - dafür haben die Engländer aber eine eigene
    Unterkategorie "Equestrian Clothing" geschaffen, um die Brandidentity und -bindung zu stärken.

    Neuerdings gelten die bekannten, aber auch nur die, vermutlich wegen dem hohen Wiedererkennungswert,
    englischen Brands unter den wohlhabenden Rentnern als Statussymbol ihrer Kaste, denn es geht doch
    nichts über eine gesteppte Jacke mit Wachsfeeling kombiniert mit dem berühmten Tartanschal.

    Nicht, dass ich etwas gegen diese Kleidungs-Richtung einzuwenden hätte, aber alles zu seiner Zeit und bitte
    nicht 1:1 kopiert.
    Es spricht nichts dagegen eine schwere Kordhose zu tragen, speziell im Herbst wenn der Wind pfeift und
    darüber ein Tweedsakko, aber bitte ohne Ärmelschoner, und der Schal muss auch nicht unbedingt
    ein Tartanmuster tragen.
    Mit dem Tartan ist das so eine ähnliche Sache wie mit den gestreiften Krawatten:
    Jeder schottische Clan hat da sein eigenes Muster in den festgelegten Farben - also aufpassen was Sie in
    den Koffer packen wenn Sie zu einem Englandurlaub rüsten.

    Egal was Sie sich rauspicken aus dem breiten Angebot an Country Clothing - es ist Freizeitkleidung, die man
    durchaus in der Stadt zum Spaziergang in der freien Natur tragen kann oder auch außerhalb, also irgendwie
    angelehnt an die freie deutsche Übersetzung Wald-, Wiesen- und Parkbekleidung, was nicht negativ gemeint
    ist - nur wäre es eine zu lange Liste aller Orte, die ein Engländer mit Country bezeichnet.

    Also - wie bereits geschrieben - alles zu seiner Zeit.
    Den Anzug nicht zum Spaziergang in der freien Natur und nicht in der Wachsjacke & Breeches zum Termin!

    Ach ja, gut dass es mir noch einfällt, unter einem Sakko trägt man grundsätzlich eine Anzugweste, auch Gillet genannt,
    und nur wenn Sie bei Ihrem Gesprächspartner den Eindruck eines Biedermannes, eines eingefleischten Englandfans
    oder eines sparsamen, umweltbewußten Menschen, der seine Heizung auch tagsüber absenkt, hervorrufen möchten,
    auch einen Pullover und auch nur wenn es sich um eine Kombination handelt.
    Wenn Ihnen leicht friert dann empfiehlt sich warme Unterwäsche, zur Not auch mit langen Ärmeln und ein Long John,
    warme Kniestrümpfe aus Merinowolle und für draussen ein Mantel zum Überwerfen.
    Dann kommt Ihre schöne Krawatte auch voll zur Geltung und verschwindet nicht nach wenigen Zentimetern
    unter der Decke - sieht so einfach schicker aus!

    Long John: http://upload.wikimedia.org/wikipedi...s-20050126.jpg

  9. #19
    Administrator Avatar von urban
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    Intermezzo:
    Es gibt unter dem Titel Gentleman zig Bücher, ein paar davon habe ich sogar hier vorgestellt, aber sie erinnern mich
    an den x-ten Aufguss von Filterkaffee und scheinen nur dieses Wort im Titel zu tragen, um sich besser verkaufen zu lassen.
    Und mal ganz ehrlich:
    Wer interessiert sich noch ernsthaft dafür?
    Es sind doch eh immer nur dieselben Brands, viel seltener echte Marken, die darin beworben werden,
    immer wieder die antiken colorierten Zeichnungen aus der guten alten Zeit, der Prince of Wales darf auch in keinem Fall fehlen...
    Und wer trägt hierzulande regelmäßig einen Morning Cut?
    Oder gar einen Tuxedo?
    Ist das alles nicht etwas weit hergeholt wenn man sich anschaut wie die meisten Leute herumlaufen?
    Das ist ein Unterschied wie Tag & Nacht, oder?

    Deshalb halte ich es für wesentlich dienlicher, und auch sinnvoller, ein Forum der alltäglich getragenen Kleidung zu widmen
    und praktische Hinweise wie z.B. Qualitäts-, Verarbeitung und Trageeigenschaften zu geben, da damit sehr viele Leser
    und -innen etwas anfangen können, was ja festliche Kleidung nicht ausschließt sondern ebenfalls umfasst.
    Und das Design sollte dabei auch nicht zu kurz kommen.

    Bei all dem liegt der Schwerpunkt auf der Qualität der jeweiligen Produkte und gerade nicht auf den Namen allseits
    bekannter Brands und Luxusgüter sondern auf den echten Marken, die für ein bestimmtes Produkt stehen und
    sich einen Namen gemacht haben.
    Damit kann jeder etwas anfangen, oder sollte es zumindest können - wenn noch nicht, dann ist Einlesen und
    Fotos studieren angesagt, genau hinschauen was den Unterschied ausmacht.

    Welcher Kleidungsstil jemand gefällt - ob elegant mit Fernziel Maßanzug oder eher etwas salopper - steht jedermann frei,
    wirkliche Könner zeichnen sich dadurch aus, dass sie von einem Moment zum anderen vom Anzug zu Freizeitkleidung
    wechseln können, und dabei nicht etwas Zusammengestoppeltes tragen, sondern konsequent ihren Stil beibehalten und
    damit gut ausschauen.
    Dies setzt natürlich Geschmack voraus, ein sicheres Händchen bei der Auswahl und ein geschultes Auge.

    Das genaue Gegenteil verkörpern die Männer, die zu einem teuren Maßschneider gehen und sich austaffieren
    oder Damen, die sich von einer Personal Shopperin durchstylen lassen.
    Das hat mit Können recht wenig zu tun - mit Geld sehr viel, und mit persönlichem Stil, als Ausdruck seiner Person,
    seines Charakters und aktueller Laune oder Stimmung rein gar nichts,
    und andererseits wiederum doch!

    Maskerade wäre wohl eher zutreffend - sieht man recht häufig zwecks Selbstvermarktung von "Stars" und "Szenegrößen",
    den A- bis X-Promis in der Yellow Press.
    Dass es sich dabei nur um reines "Product Placement" handelt, raffen die meisten Leute gar nicht!

    Dann doch lieber das Thema gute Kleidung, authentisch, in der Mann und Frau sich wiederfinden und wohlfühlen:
    das Faible, das so manche(r) hat.



    P.S.
    Ich bewundere im Stillen die Damen und Herren, bei denen man schon beim Anblick ansehen kann welche Persönlichkeit
    sie haben, ob authentisch oder aufgesetztes Benehmen, egal ob sie jetzt gerade eine Arbeitsmontur oder sonst etwas tragen;
    die Art und Weise wie und was kombiniert wurde verrät mir sehr viel über die Person: war ja auch mal mein Job mir schnell
    ein Vor-Urteil zu bilden bevor sie sich verbal zu erkennen geben.

  10. #20
    Administrator Avatar von urban
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    Wo liegt zum Beispiel der Unterschied ob jemand sich jetzt eher zu schwerem 25 oz-Corduroyhosen, der Herbst steht vor der Tür,
    hingezogen fühlt oder zu 25 oz-Denim?
    Tweedhosen trägt oder etwas eleganter Flanell oder in einer schweren Merinoqualität?
    Solange er nicht die schwarze Bomberjacke aus Ballonseide mit grünen Tweedhosen oder umgekehrt kombiniert, und
    der Stilrichtung treu bleibt, ist doch alles in Ordnung - sprich: sieht schon mal grundsätzlich gut aus.

    Die Kleidung sollte natürlich auch mit dem Träger harmonieren - ein leicht beleibter Herr im höheren Alter würde natürlich
    in Denim eine, na ich sage jetzt mal, eine etwas ungewohnte Figur machen - Damen haben damit bekanntermaßen weniger
    ein Problem.
    Ein junger Mann in der Großstadt mit einer Kordhose und einem schweren Tweedsportsakko könnte sich der Aufmerksamkeit
    der Passanten auch sicher sein.

    Das äußere Erscheinungsbild muss also stimmig sein - die Farben, Strukturen usw. müssen zueinander passen,
    ob Ton in Ton oder kontrastierend, dann bitte in einander entsprechender Helligkeit, ebenso wie "das optische Gewicht":
    dicker 8- ply Pullover ./. Sommerchino oder 21 oz. Tweed ./. Hemd aus 200er oder 300er Baumwolle.
    In jedem Fall müssen die Farben ihrer Trägerin oder dem Mann (zu Gesicht) stehen - das herauszufinden ist recht
    einfach vor einem Spiegel und eventuell einer Beraterin, die Auge für so etwas hat und etwas kritische Distanz wahrt.

    Wie würde es aussehen wenn ein Mann eine Hose aus schwerem Stoff, egal ob Kord oder Denim, trägt und darunter weiße
    oder bunte Söckchen hervorblinzeln und die Füße in ganz leichten Schuhen, na sagen wir mal Car-Driver-Shoes stecken?
    Ein dezenter grauer Anzug unten mit rosa Söckchen und ungepflegten hellbraunen Chelsea Boots seinen Abschluß findet?
    Oder ein Herr mit schwerer Statur ein Paar lange, spitze, leichte Schuhe trägt - passt das zusammen?

    Zugegeben - das sind jetzt extreme Beispiele, nur was begegnet einem nicht jeden Tag so alles?

    Oder Damen, eingezwängt in Jeans mit einem Stempel auf dem rechten Schinken - ja, genau wie der vom Fleischbeschauer,
    nur größer und besser sichtbar - einem Logo über dem linken Busen auf der Jacke und als Highlight tragen sie dann
    ein Schachbrett mit sich rum, wohl in der Hoffnung, dass die dazu passenden Figuren sie umschwärmen,
    oder doch schon als Trophäe, weil sie ihren schon matt gesetzt haben?

    Vom tagtäglichen Grauen auf Straßen, Wegen, Plätzen, Ladengeschäften und Büros könnte man vieles berichten - nur
    warum fragte mich ein junger Südafrikaner, der zu Besuch war, ganz spontan in Metz:
    "Why do the french girls look much more better than the german one's?" obwohl seine 'deutsche' Schwester daneben saß?
    Ich hab versucht es ihm zu erklären:
    Die Französinnen legen viel mehr Wert auf ihr Äußeres, ihr Make Up und ihre Kleidung und verstehen es sehr gut
    sich typgerecht zu kleiden und zu stylen, und verwenden auch viel Zeit darauf gut auszusehen.

    Entschuldigung: Draußen singt ein Chor und ich verliere laufend den Faden.

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