Der Sommer steht bevor und zumindest warten wir alle auf den Sonnenschein, wenn er denn irgendwann noch kommt.
Dann können endlich die Sommerschuhe wieder aus dem Schuhschrank genommen werden, und die Winterschuhe,
zumindest die mit den etwas dickeren Sohlen und die aus Shell Cordovan, werden hoffentlich für ein paar Monate
in den zeitweiligen Ruhestand versetzt.
Denn mit den höheren Temperaturen steht auch ein Problemchen in's Haus, das von vielen Männern, denn die betrifft
es im Speziellen, entweder komplett ignoriert und ganz oft salop umschifft wird, da ihre Füße 60 % mehr Fußschweiß
produzieren als die der Damen.
Also sind angesagt:
  • dünne Socken oder Strümpfe, mindestens aus mercerisierter Baumwolle (Fil d'Ecosse oder besser Filoscozia),
    Seide oder einem Mischgarn aus beiden - in jedem Fall aus einem feinen Garn
  • ob Strümpfe oder Socken spielt dagegen keine Rolle, denn an der Wade schwitzt Mann i.d.R. nicht
  • vermieden werden sollten aber Socken und Strümpfe mit Kunststoffbeimischungen, denn diese steigern das Schwitzen
    und absorbieren weniger Feuchtigkeit
  • Schuhe mit dünnen oder zumindest dünneren Sohlen = Einfachsohlen zwecks besserer Wärmeabgabe oder
    Vermeidung von Hitzestau
  • Schuhe aus Flechtleder oder durchgehend gebroguete Schuhe (mit echten Löchern!)
  • Keine Schuhe mit dicken Doppel- oder Dreifachsohlen -> Hitzestau & starke Schweißbildung
  • Keine Schuhe mit dickem Oberleder oder geöltem Leder wie z.B. Shell Cordovan mit 1,6 mm Stärke


Bitte immer Strümpfe oder Socken in den Schuhen tragen, damit nicht der gesamte Fußschweiß ins Leder eindringt.

Der Fußschweiß besteht wohl zu 99 % aus Wasser, enthält aber auch Chlor, Natrium, Milchsäure, Stickstoff,
Harnstoff usw., die sich allesamt negativ auf den ph-Wert des Leders, also des Futterleders, der Deckbrandsohle und
der Brandsohle selbst auswirken.
Dadurch wird deren Leder alkalisch, sprich der ph-Wert wird erhöht, die darin enthaltenen Fette/Öle und Gerbstoffe werden
angegriffen und das Leder fängt an spröde und brüchig zu werden, insbesondere pflanzlich gegerbtes Leder wie es das
Futterleder eigentlich sein sollte.
Die Details dazu finden Sie in Lederpedia unter folgendem Link:
http://www.lederpedia.de/lederpruefu...eisseinwirkung

Ergo brauchen die Schuhe auch in ihrem Inneren eine Pflege; damit das Futterleder und das Leder der Brandsohle nicht
mehr als unbedingt vermeidbar beansprucht und in Mitleidenschaft gezogen werden, müssen sie von Zeit zu Zeit von den
Rückständen des Schweißes befreit werden und zugleich wieder der ph-Wert auf ca. 4,5 abgesenkt werden.

Dazu kann man im Verhältnis von 1:5 oder stärker verdünntes Essigwasser benutzen und das Schuhinnere damit
abreiben oder man benutzt dafür ein spezielles Pflegemittel wie den Détacheur Hiver von Avel.

Name:  AVel Detacheur.png
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Der Détacheur riecht ganz leicht nach Essig und das Leder wird mit einem leicht damit angefeuchteten Lappen
kreisförmig abgerieben - der Verbrauch ist dabei sehr gering.
Ganz penible Schuhaficionados können nach dem Abtrocknen mit einem Baumwolltuch nachwischen.
Der Détacheur eignet sich sowohl für die Pflege des Schuhinnenraums als auch für die Entfernung von Schneeflecken
auf dem Oberleder bzw. der Sohle.
Sowohl das Essigwasser als auch der Détacheur erzeugen durch das Absenken des ph-Wertes so etwas wie einen
Säureschutzmantel für das Leder, wirken so antibakteriell und beugen dem Schimmelbefall vor bzw. verhindern ihn.

Pilzsporen gedeihen gut in feuchter, warmer und dunkler Umgebung auf basischem Nährboden, wie es ihnen das Innere
der Schuhe bei mangelnder Pflege und entsprechend hohem ph-Wert > 6,5 bietet.
Dagegen können sich die Pilzsporen auf saurer Basis (< 5,5), so wie ihn das Leder idealerweise haben sollte,
nicht entwickeln.
So beugen Sie bei der Innenpflege der Schuhe auch zugleich dem Auftreten von Fußpilz vor bzw. vermindern das Risiko
deutlich genauso wie der Schimmelbildung im Schuh in den Tragepausen.

Die Anwendungshäufigkeit hängt davon ab wie oft die Schuhe getragen werden und wieviel Schweiß darin ist.
Bei Sommerschuhen mit starker Schweißeinwirkung also höchstens 2 bis 3 mal, und das ist schon viel.
Bei Winterschuhen entsprechend weniger, auf jeden Fall vor der Einlagerung, um so einem Schimmelbefall vorzubeugen.
Die zu häufige Anwendung von Essigwasser, 1:5 oder 1:10 verdünnt, schadet dem Leder eher als das es nützt.

Noch ein kleiner Tipp:
Lassen Sie Ihre Schuhspanner nicht länger als 2-3 Tage in Ihren Schuhen, denn dann haben sie ihre Form wieder
erreicht und können nach dem Ausleisten wieder komplett durchlüften - speziell bei lackierten Spannern.
Eventuell trotzdem aufgetretenen Schimmel entfernen Sie am besten mit einem Spezialmittel und reiben
anschließend das Schuhinnere wie zuvor beschrieben aus, um den ph-Wert des Leders wieder herzustellen.


Haben Sie Fragen?



Für alle Fälle:
Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass ich hiermit jegliche Haftung oder Inanspruchnahme, die durch den Gebrauch
von Essig, Essigessenz, mit Wassser verdünntem Essig = Essigwasser usw. entstehen können, in jeglicher rechtlicher
und tatsächlicher Hinsicht abbedinge.
Achten Sie bitte beim Gebrauch von Essig, Essigessenz, Essigwasser und auch dem Détacheur darauf, dass Sie
keine Spritzer in die Augen bekommen und halten sie diese Mittel aus dem Zugriffsbereich von Kindern heraus!
Augen sofort ausspülen - zur Not mit klarem Leitungswasser.