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Thema: Geschichten, die das Leben schreibt

  1. #11
    Administrator Avatar von urban
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    Da las ich doch heute Morgen ein Telefoninterview in einer Zeitung, zugegeben aus reiner Neugier und in der stillen
    Hoffnung etwas mehr zu lesen als die üblichen Platituden.

    Da gibt jemand vor der am schlechtesten gekleidete Mann in der Gesellschaft zu sein - steht aber gerne Rede und Antwort
    zu Stilfragen und schreibt sogar darüber?

    Zu der Frage wie man bei der Arbeit am besten die Balance zwischen zeitlosen Konventionen, aktueller Mode und individuellem Stil hält,
    antwortet er, dass "Business-Kleidung" - was immer das auch sein soll - eine Status-Kleidung, eine seit mehr als 100 Jahren feststehende Uniform sei, die der Individualität dabei sehr wenig Raum ließe.
    Akzente setzen könne man nur mit kleinen Details wie der Krawatte, der Art der Hemdstreifen oder vielleicht einem farbigen Strumpf
    -
    übrigens sein neues Hobby zu seinen Fabrikschuhen bei Werbeauftritten, bei denen er über solche redet,
    nach eigener Angabe aber auf Maß gefertigte Anzüge trägt, bunte Socken herzuzeigen.

    Aber im Grunde könne es nur darum gehen, das Vorgegebene so perfekt wie möglich darzustellen.

    Was meint er nur damit - sich möglichst perfekt auf Gentleman zu stylen?
    Oder auf Businessman, und was ist das eigentlich? Gibt es dafür eine Definition, oder sind das nur Leerformeln?
    Gar der Kleidung wegen in der U-Bahn nach Babelsberg auf ein Remake von Casablanca angesprochen zu werden?
    Na ja - ich kann über solche Statements nur - wieder einmal - den Kopf schütteln!

    Ein Mann setzt mit der Gesamtkomposition seiner Kleidung die Akzente, angefangen von der Art - ob Anzug oder Kombination -
    über die Farbe des Hemdes, die Krawatte, Gürtel, Uhr, Strümpfe bis hin zu seinen Schuhen.
    All diese Teile müssen einfach zusammen- und vor allen Dingen zu ihrem Träger passen - dann spricht man ganz einfach von
    Gutem Geschmack!
    Steht dem Mann morgends der Sinn, oder gefällt ihm an diesem Tag die Farbe Blau besonders, dann richtet sich halt eben
    alles nach dieser Farbe - oder doch lieber Grautöne? - oder hat er gestern Abend seine braunen braunen Schuhe wieder
    auf Hochglanz poliert und möchte sie heute gerne tragen?
    Dann muss er sich halt eben etwas passendes zu diesem Tenor einfallen lassen.

    Da kann dann ruhig ein Konzernchef einen Pulli unter seinem Sakko tragen - es wird niemand an seinem Status oder gar Kompetenz
    auch nur den geringsten Zweifel hegen, oder ein Vorstandmitglied in der Zentrale oder zu einer anderen passenden Gelegenheit
    einen Schlips in der Corporate-Identity-Farbe umbinden,
    (sonstwo natürlich nicht - würde dem Mann aber wahrscheinlich erst gar nicht einfallen so mit seiner Gattin ein Restaurant zu besuchen),
    und warum sollte ein Vorstand nicht einen Rucksack tragen können - wenn er zu ihm passt?

    Warum also nicht - was spricht dagegen?
    Das sieht immer noch um Klassen besser aus als ein Lederköfferchen mit Schachbrettmuster.
    Da hat doch neulich einer in Ebay gleich ein ganzes Schachbrettset vertickt, sein eigenes Licht unter den Scheffel gestellt(?) ,
    stattdessen beworben mit dem Attribut "Stilmagazinmitglied"
    .

    Dafür spricht der gekonnte Umgang - wie z. Bsp. bei dem Rucksack - mit Farben und Formen,
    zugegeben, das nehme ich so an,
    denn ich habe noch keine Fotos von dem Herrn und seinem Rucksack gesehen,
    auch dass er's kann!

    Und welche Vorgaben sollen "perfekt umgesetzt werden"? Wer macht diese?
    Doch nicht etwa...? Buy it, Read it, Copy & Paste?

    Ich sehe die Sache vielmehr so, dass sich die Männer im mehr oder weniger gekonnten Umgang mit ihrer Kleidung
    unterscheiden und gerade nicht als uniform auftreten sollten - man beobachte nur einmal in der Fressgass die am
    Nachmittag einfallenden Horden von Schlipsbewehrtenweißekurzarmhemdenträger und zu welcher Einheit sie gehören?


    Gerade Uniformen dienen dem Ausdruck einer Autorität, der Staatsautorität, und das nur um ihrer selbst willen,
    den Ausdruck "Uniformautorität" hat doch sicher jeder schon einmal gehört, oder zumindest selbst erlebt?
    Sonstwo müssen Männer ohne Uniform sich mit ihrer Kompetenz und ihren Manieren die Anerkennung erdienen.

    Da nützt dann auch der teuerste Anzug nicht viel, vielleicht noch im ersten Moment so zur Blendung, aber dann?
    Es sei denn ein gepflegter Smaltalk ist angesagt - also der Austausch von nichts sagenden Höflichkeitsfloskeln,
    aber bei sonstigen Gelegenheiten schaut's doch wohl anders aus - Ausnahme und Regel.
    Die Anzugautorität und -kompetenz auf C&A-, P&C- oder ähnlichem Niveau findet man doch bei fast jedem
    Bankazubi wenn er mal wieder die Unterschrift seiner Kollegin erbittet.

    Und wie sieht es aus wenn jemand einen noblen, dunklen Anzug nebst passendem Hemd und Krawatte trägt,
    darunter hellbraune Chelsey-Boots, die ihre letzte Pflegesession auch schon fast vergessen haben,
    einschließlich bunter, runtergerutscher Socken?
    Oder dazu noch einen Gürtel mit einem dicken H drauf - ist der Mann noch er selbst?
    Oder gar einen mit verzogenen mit ausgefransten Löchern?
    Wie harmonieren die Farben miteinander, tun sie es überhaupt?
    Passt das alles überhaupt zusammen?
    Ergibt das ein Bild, und wenn ja - welches?

    Es gibt schon so einige Details, an denen man den Könner vom Dilettanten unterscheiden und sogar seine Persönlichkeit
    erkennen kann.
    Mann muss da nur genau hinschauen - Frauen haben für so etwas einen Blick!

    Nicht umsonst habe ich früher einmal geschrieben man sollte zuerst ein paar Kunstausstellungen besuchen und
    seine Augen für Formen und Farben schulen bevor man den Laden des Herrenausstatters betritt - mit genügend
    Spielgeld in der Tasche kann man natürlich auch direkt zum Maßschneider gehen - der macht dann schon einen Herrn
    aus jedem Mann, zumindest optisch, aus seiner Perspektive und nach seinem guten(?) Geschmack.

    Dieser Bespoke Gentleman ist dann aber alles mögliche nur nicht mehr er selbst, eine Gefahr, die ihm übrigens auch
    vonseiten anderer Berater wie Freundinnen, Ehefrauen und Stilberatern droht,
    nur seine eigene Persönlichkeit, ausgedrückt durch seine Kleidung, geht dabei unweigerlich verloren.

    Seine Kleidung bringt nicht (mehr) seinen Geschmack, seine Persönlichkeit und aktuelle Stimmung zum Ausdruck,
    sondern die ihm von anderen aufdoktrinierte oder angelesene.
    So ausstaffiert erinnert sein Erscheinungsbild dann auch eher an einen kostümierten Mann, perfekt gestylt auf Gentleman,
    als an eine Persönlichkeit.

    Nun aber genug geschrieben über den Telefonsuppport des Journalisten.

    P.S. Wenn Ihnen in der Metro ein Mann mit leicht schrägen Vintage-Klamotten und bunten Socken begegnet, dann ersuchen Sie ihn bitte um ein Autogramm.
    Sie tun zumindest ein gutes Werk damit!

  2. #12
    Administrator Avatar von urban
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    Der Tipp Kunstausstellungen zu besuchen mag sich für viele etwas seltsam lesen, ist aber dennoch sehr nützlich,
    man schaue sich nur einmal eine Ausstellung über konkrete oder konstruktive Kunst an - die Objekte werden
    einem anfangs fremd vorkommen.

    Eine andere Form sich der Kleidung zu nähern ist das Studium, nicht nur das bloße Blättern, von Modezeitschriften,
    gleich ob für Damen oder Herren als Zielgruppe - es werden einem garantiert ein paar Fotos ins Auge stechen oder
    ein paar Kleidungsstücke
    im Gedächtnis haften bleiben. Warum blättert man ein, zwei Tage später wieder in der Zeitung und betrachtet
    diese Fotos noch einmal - klar sie haben gefallen- aber warum? Was gefällt einem denn konkret daran?

    Diese Herangehensweise könnte man die abstrakte oder visuelle nennen - sie ist aber per se die Basis für ein
    bewußteres Sehen und das geschulte Auge.

    Der nächste Schritt ist sich mit den Kleidungsstücken konkret zu befassen, im wahrsten Sinne des Wortes.
    Man fasst die Teile im Geschäft an, um ganz einfach festzustellen wie sie sie anfühlen - die groben Unterschiede
    zwischen Wolle, Cashmere und Seide beispielsweise; oder man zieht ein Sakko an, um zu testen wie es mitgeht.
    Bespiele könnte ich hier zuhauf anführen.
    Dabei soll es von Nutzen sein, wenn Mann sich ein wenig mit grundlegendem Wissen eingedeckt hat,
    wie bespielsweise der Unterschied zwischen Merino- und Baumwolle, und dass es davon jeweils ein paar Unterarten
    geben soll.
    Es gibt natürlich Leute denen es schon vollkommen ausreicht wenn sie ein Wollsiegel entdecken können....

    Und dann kommt die finale Phase - was steht dem Mann?
    Farben, Design usw. - abhängig von Statur, Typ und Teint.
    Was Mann dann schlussendlich kauft, das hängt natürlich davon ab zu welchen Gelegenheiten er es tragen will und
    wie dabei die Rollen verteilt sind bzw. welche ihm dabei zufällt.

    Das hört sich alles sehr theoretisch und kompliziert an - geht auch nicht von heute auf morgen, braucht also etwas Zeit,
    ist in der Praxis aber um vieles leichter als es klingt - man muss sich nur damit auch etwas ernsthafter beschäftigen wollen,
    und es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

    Brand Babbling, die Schwätzchen über Marken und ihre Renommees, dienen nur der Bedienung der Klischees,
    gekonnt von deren Werbestrategen und -agenturen in Szene gesetzt, aber nicht dem eigentlichen Ziel sich gut zu kleiden.
    Wer sich davon beeinflussen lässt, der wirkt eher wie eine mit Werbung rundum zugekleisterte Litfaßsäule denn eine Person.

    Man schaue sich nur einmal die armen Kerle näher an - mit Logos, mal größer und mal kleiner, zugepflastert vom Scheitel bis zur Sohle.
    Und vergleiche sie mit zeitgenössischen Stilikonen auf den einschlägigen Internetseiten mit ihren no name outfits
    oder besuche http://www.thesartorialist.com/ und versuche zu erraten aus welchem Land das jeweilige Foto stammt.

    Viele Wege führen nach Rom!


    Kleider machen Leute!

  3. #13
    Administrator Avatar von urban
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    Nun bin ich auf den Weg gekommen hier eine praktische Einführung in die Herrenbekleidung zu schreiben,
    was ich so aber eigentlich gar nicht tun möchte....
    Ich lasse da lieber anderen Leuten den Vortritt, die das Thema mit Begriffen wie Business- und Gentlemen
    Bespoke, MTM, MTO und anderen Slogans weitaus besser verbrämen können als ich.

    Nur noch ein paar Worte zu der Annäherung an dieses Thema:
    Der Interessierte sollte sich auf jeden Fall mit Garnen und Stoffen etwas beschäftigen, denn nicht immer ist
    der feinste Stoff auch der geeignetste.
    Wenn jemand viel im Auto (Zug oder Flugzeug) sitzt und Termine wahrnehmen muss, dann sollte er sich
    bei Wollstoffen eher in der Klasse der Superfine's 100 bis 140 umschauen, da diese Stoffe aufgrund ihres
    größeren Faserdurchmessers weniger stark knittern als die feineren/dünneren Qualitäten.
    Bei Stricksachen kann man die Preise, Qualitäten und Trageeigenschaften erst dann einschätzen, wenn
    man den Unterschied zwischen den verschiedenen Baumwoll-, Cashmere- und Merinoqualitäten einschätzen
    und mit dem Begriff der Fädigkeit, also 1-, 2- 3- oder 8-fädig, oft auch als 1-, 2-, 3- oder 8-ply bezeichnet,
    etwas anfangen kann.
    Zum Beispiel wird das Garn, und damit auch die Stricksachen, mit steigender ply-Zahl nicht automatisch
    dicker sondern es kommt dabei auf die Feinheit des Ausgangsgarns an, das verzwirnt wurde:
    ein dünnes Garn, das z.B. 8-fach verzwirnt wurde ist dünner als ein dickes, 8-fach verdrilltes Garn.
    Das führt ab und an zu Irritationen.
    Genauso wie bei Herrenstrümpfen wenn von Seide die Rede ist - die Seide wird dabei gefärbt und
    optisch ist solch ein Strumpf von einem in Baumwolle aus entsprechend feinem Garn wie z.B. meine
    Rippenstrümpfe nicht zu unterscheiden - diese zeigen auch, das eine hohe Ply-Zahl nicht automatisch
    einen dicken Strumpf ergibt, sondern wegen dem sehr feinen Ausgangsmaterial (dem Garn) sogar
    einen sehr feinen, dünnen.
    Bei Hemden und Stoffen sollte man - ganz ehrlich gesagt - einen guten Hemdenschneider aufsuchen
    oder für erste Schritte Hemden von einem französischen oder italienischen Hemdenschneider in den
    verschiedenen Baumwollarten auswählen - es geht dabei natürlich nichts darüber wenn man die
    Musterstoffe auch tatsächlich selbst anfassen und fühlen kann.
    Allerdings ist das dann immer noch ein kleiner Unterscheid zu dem Gefühl auf der eigenen Haut des
    fertigen Hemdes - erst beim Tragen merkt Mann ob ihm ein Stoff zusagt oder doch eher nicht.
    Seide und Seidengemische - da scheiden sich die Geister und Geschmäcker.

    Krawatten:
    Ich habe meine immer nach der Optik und dem Griff gekauft, und der Hersteller oder die Marke haben
    mich nie interessiert, was aber nicht heißt, dass ich nicht auch mit "Markennamen" aufwarten könnte,
    nur - wen interessiert's?
    In einem Krawattengeschäft bin ich einfach nur rundgegangen und habe mir 1 oder maximal 2 Eyecatcher
    ausgesucht - erst wenn meine Auswahl feststand habe ich auf die Rückseite oder die Verarbeitungsdetails
    geschaut.

    Gürtel:
    Da habe ich es ebenfalls genauso gehandhabt - der Gürtel ist ein vollkommen eigenständiges Accessoire
    und hat überhaupt nichts mit den Schuhen zu tun!
    Das einzige, was er mit ihnen gemein hat, ist, dass auch der Gürtel prinzipiell zu der Hose passen muss,
    weist aber sonst kenne ich keinerlei Gemeinsamkeiten mit den Schuhen auf - weder bezogen auf das Material,
    die Breite oder die Schnalle oder den Verschluss.
    Schuhe und Gürtel aus demselben Leder - erinnert stark an eine einfache Gebrauchsanleitung für blutige Anfänger,
    in der Schritt für Schritt (1., 2., 3....) erklärt wird wie man sich anzieht statt hinzuschauen welcher Gürtel harmoniert
    am besten von Material, Oberfläche, Farbe, Breite usw. mit dem Stoff der Hose (oder dem Hemd?) oder
    bevorzugt Mann eher den Kontrast mit einer horizontalen Schnittline in Bauchhöhe?
    Wendegürtel, auch für die Reise, würde ich niemals und niemanden empfehlen, denn sie sind nur eine einzige Blamage.
    Wenn sich ein Mann ein dickes fettes Logo über den Hosenlatz hängt - als Amulett für den Befruchtungsfähigkeitsrithus?
    Na ja - jetzt verstehe ich auch warum sie bereit sind für ein ganz bestimmtes Modell ├ ┤so viel Geld auszugeben .
    Wenn das nur mal ein gutes Omen ist!

    Strümpfe - Socken - Unterwäsche
    Ein heikles Thema, dem kaum ein Mann Aufmerksamkeit schenkt, denn die sehen sie nicht, oder zumindest recht selten,
    glaubt er.
    Ein Herr trägt aus diversen Gründen Strümpfe, Socken höchstens mal in der Freizeit.
    Strümpfe/Socken haben einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Passform der Schuhe und
    auf das Wohlfühlgefühl - sei es im Sommer präventiv gegen das Schwitzen oder im Winter gegen die Kälte
    draußen und das anschließende Schwitzen drinnen (im Büro beispielsweise).
    Aber leider achten nur sehr wenige Männer auf solche Details, die das Gesamtbild abrunden oder zerstören können.
    Glaubt jemand tatsächlich, dass andere seinen Bauchnabel oder seine Brustbehaarung sehen wollen?
    Oder sich davon inspiriert fühlen?
    Von den weißen Kränzen rund um die Achseln auch?
    Na dann ergibt das alles zusammen mit dem Talisman am Gürtel ja ein stattliches Bild von einem Mann!


    Ich könnte noch so einiges über das Thema Herren und Bekleidung schreiben, halte aber lieber hier mal inne.

    Die Schuhe, Boots und Loafer habe ich wirklich nicht vergessen - nur ist das Thema wiederum zu komplex,
    da es auch mit der Gesundheit der Menschen ganz direkt zu tun hat, ganz im Gegensatz zu allen anderen
    Kleidungsstücken, die darauf weit weniger Einfluss haben.

    Sie teilen das Schicksal der übrigen Bekleidung:
    • kaum jemand weiß worauf es tatsächlich ankommt, um sich wirklich wohlzufühlen, denn nur dann strahlt Mann
      auch das aus, was man Aura nennt,
    • es werden oft Marken und Brands gekauft, Statussymbole, denn nur die kennen auch die anderen,
    • und das alles möglichst 'preiswert'.

    Und genau solche Leute machen diese Kleider!

    P.S.
    LOGIK: Da kauft sich jemand 3 einfache Hemden statt einem feinen, 3 Paar im Sale statt 1 Paar gute Schuhe,
    3 billige Schlippse statt einem schönen, usw. usw. - Was nennt er dann sein eigen?
    3 'preiswerte' Outfits statt einem wertigen!

  4. #14
    Administrator Avatar von urban
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    Beim Aktualisieren verschiedener Threads ist mir heute aufgefallen, dass gerade die unbekannten Hersteller doch weit weniger
    gelesen werden als die Marken.
    Schade, dass Namen immer noch wichtiger sind als Design und Ausführung!
    Das verwundert mich sehr - oder ehrlich gesagt: gar nicht!
    Es ist halt eben so, dass die Kunden eher ein Markenprodukt kaufen und dafür sogar hunderte Kilometer weit in irgendwelche
    Outletcenter fahren statt ...
    Markenware extra produziert für die PLV-Jäger!

    Das fiel mir speziell bei MA.AL.BI auf - die Manifatture Alto Biellese hat die Marke De Prio verkauft - diese Marke,
    also nur noch der Name, der wird aber von vielen Brand Babblern in Foren gehypt und auch gekauft.
    Die Schals und Stolen des originären Herstellers, MA.AL.BI., der immerhin den Namen De Prio zu dem gemacht hat,
    wofür er bis zu seinem Verkauf stand, kennt und kauft kaum jemand, und das obwohl die Schals und Stolen
    immer noch absolut dieselbe Qualität haben.
    So viel zum Thema Brand Babbler und die viel zitierte Leistung für ihr Geld!

    Ich frage mich daher welchen Sinn es eigentlich macht hier wirklich renommierte Hersteller, Produzenten, Kunsthandwerker
    und ihre Produkte vorzustellen wenn doch nur dem Preis & der Brand Identity hinterhergejagt wird:
    Dann traut mir wohl doch keiner so recht, oder?

    Brand Babbler - dieser Ausdruck ist mir wohl ganz spontan eingefallen, aber eigentlich von den Pfälzern gelernt:
    Dumm Babbler
    und nun googel einer mal Brand Babbler oder Babbling http://strategyaudit.wordpress.com/2...rand-babbling/

    Und die Moral von der Geschicht?

  5. #15
    Administrator Avatar von urban
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    Irgendwie ist es doch paradox - da gilt das Internet als das Informationsmedium überhaupt, man sollte also denken,
    dass das Hauptinteresse der Besucher darin bestehen sollte endlich auch mal die Firmen kennenzulernen,
    die bisher noch nicht in Deutschland bekannt sind und dennoch herausragende Erzeugnisse anbieten, aber was passiert?

    Das Internet ist ein Tummelplatz von "Billiganbietern", SALES und Discounts - also nichts anderes als der gute,
    alte Katalogversandhandel, nur schneller und noch billiger.
    Das mag an Slogans wie GEIZ IST GEIL liegen, der Kundenerwartung, dass alles immer billiger wird, oder der Internetkultur
    alles billiger zu verkaufen als im Laden um die Ecke, vielleicht auch daran, dass immer noch die Parole im Umlauf ist
    die Internethändler würden günstiger kalkulieren als die lokalen im Bereich Kleidung und Zubehör.
    Es ist einfach so - die Gründe dafür sind egal.

    Warum sich die Leute nur noch den Marken oder Brands und deren Preisleistungsverhältnis nachhängen,
    aber überhaupt keine Ahnung von der Leistung, sprich: Design, Material und Verarbeitung haben,
    sich weder dafür interessieren noch informieren, wo doch das Internet jede Menge Informationen anbietet?
    Wenn von einem guten PLV die Rede ist, dann ist das heutzutage nur die vornehme Umschreibung für
    billig genauso wie Schnapper oder Schnäppchen nur den Kauf eines Restpostens meint.

    Wollen die Menschen wirklich nur noch billig oder gut & billig?
    Und wenn ja - warum nutzen sie dann das Internet nicht, um sich tatsächlich darüber zu informieren statt immer nur
    den günstigsten Preis im Netz zu suchen - ohne zu wissen, was sie da eigentlich kaufen bzw. was es mit der Qualität
    tatsächlich auf sich hat? Wer kauft schon normalerweise gerne die Katze im Sack?
    Aber im Internet....Hauptsache billig, preiswert muss es natürlich heißen, Entschuldigung!

    Ist das nicht wirklich paradox?

    P.S.
    Über das Downgrade der Kleidung, Accessoires und Schuhe hatte ich schon irgendwann etwas geschrieben,
    es ist schon seltsam, dass sich die User mit der Auskunft "100 % Baumwolle" zufrieden geben, statt nachzufragen
    aus welcher Baumwolle das Teil ist - Sea Island, West Indian Sea Island, Pima Cotton, Karnak, oder ganz simpel
    Ägyptische Baumwolle - die kannte sogar schon die Oma und sagte MAKO dazu, aber ihre Enkel,
    die den ganzen Tag über online sind und eine Seite nach der anderen abklappern ... :
    Das Netz macht also nicht in jedem Fall - oder sollte ich besser schreiben: auf jeder Seite? - klüger.

  6. #16
    Administrator Avatar von urban
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    Das ist übrigens genau so paradox wie sich so mancher von dem, was ich hier schreibe, auf die Füße getreten fühlt
    statt mal in den eigenen Spiegel zu schauen und zu sinnieren.
    Ad 1 bin ich kein Politiker und
    ad 2 wird's immer wieder gerne gelesen - man hat ja schließlich sonst nichts worüber man sich echauffieren kann, und
    ad 3 erscheinen die Trotz- und einschlägigen Reaktionen darauf dann doch irgendwie ein klein wenig oedipussi, und
    ad 4 ist es leichter auf dem Trittbrett zu stehen als den Zug selbst zu fahren.

  7. #17
    Administrator Avatar von urban
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    Ich bitte vielmals um Entschuldgung - aber nicht jeder kennt Oedipussi



    ja, ja - ich geb's ja zu, 'oedipussi' war wirklich anders gemeint.

  8. #18
    Administrator Avatar von urban
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    Zu meiner Schulzeit gab es noch keine Pisastudien, auch keine Smartphones, sondern wir wurden in der Volksschule
    noch auf Kopfrechnen getrimmt.
    Weiß eigentlich noch jemand genau was das ist?
    Ja, richtig - das Rechnen mit den Fingern war's nicht, konnt es auch gar nicht sein, weil diese Dinger wie Calculator,
    PPC, Phablet und Tablet ja noch gar nicht erfunden waren, oder für Schüler unerschwinglich,
    sondern die Nutzung der eigenen Hirnzellen.

    Wir mussten zuerst das kleine Einmaleins und später auch das große auswendig lernen.
    Und dann ging's los mit dem Theater - der Herr Lehrer stellte der Klasse mündlich die Aufgabe, und wir mussten
    möglichst schnell die Antwort parat haben, und dann nix wie den Finger hoch!
    Wer seine Noten verbessern wollte, der durfte sich auch freiwillig zum Einzeltest melden.
    Und ich darf Ihnen versichern - diese Methode war effektiv und gedächtnisbeständig; daher rechne ich auch heute
    noch so gut wie nicht mit Fingern.
    Es macht also nichts wenn der Akku von meinem antiquierten Handy, immerhin schon über 2 Jahre alt, mal schlaff macht.

    Nun lernte ich auch den Umgang mit Prozenten, bekam beigebracht was eine Dezimalzahl ist, und irgendwann begegnete
    ich den Begriffen agio und disagio, schreibt man doch klein, oder?
    Während meiner Schulzeit wurde dann die Mehrwertsteuer eingeführt - ich musste also irgendwie mit ihr zurechtkommen.
    Wie gesagt - ohne die Finger dabei zu benutzen.
    Faul & bequem, wie Beamte nun einmal sind - von hier aus ganz liebe Grüße an A... Matz, habe ich mir als Disagio vom Bruttobetrag
    dann die -16 %, zuerst auch im Kopf, später dann zuhause mit dem hp48 überprüft, errechnet, um auf Netto zu kommen:
    brutto minus 16 % -> netto
    Umgekehrt geht's noch einfacher:
    netto +1/5tel - 1 % - lässt sich wirklich ganz einfach & schnell im Kopf ausrechnen.
    Und später hieß es dann im Großhandel ganz lapidar: -40 -5 -2 [alles in Prozenten, aber <>-47% - versteht sich!]

    Nun - heutzutage, da ist ja alles anders, da braucht man so ein Handy ja eher zum Surfen und Spielen als zum Rechnen,
    für's Denken hat man ja die anderen, und zur Not wird's der Advokat schon zu richten wissen.

    Nun habe ich mich folgendes gefragt:
    Wenn eine Unterbuxxe, da war neulich so eine Umfrage in ZDFneo, einzeln 2,99 € kostet und im Dreierpack 9,99 €:
    Nach was greifen die Passanten?
    Claro - nur eine einzige Dame griff beherzt zu den Einzelpacks und lieferte den Grund auch gleich mit,
    die Anderen halt nur die üblichen Ausreden.
    Nun hat mich diese Frage mit den Unterbuxxen und Shirts aber nicht losgelassen + ich habe mich weiter gefragt:
    Wie machen die das bloß?
    100 % Europäische(!) Baumwolle
    Made in EU
    2,99 € brutto - das sind ja nur 2,51 € netto für ein Unterhemd!
    Das dürfte dann ja im Einkauf höchstens 1,50 €, oder so, kosten?

    Ehrlich gesagt, konnte ich ja netto noch ausrechnen - siehe oben - aber wie es möglich ist, die Baumwolle von Land A nach B
    zum Bleichen und Spinnen zu transportieren, von dort aus in die Wirkerei, dann weiter zum Zuschneiden und weiter in Land C
    zum Nähen, was verdient man dort eigentlich im Monat?, dann wieder per LKW zurück nach Germany, die Qualitätskontrolle,
    Lagerhaltung, Verpackung, Versand, Retouren, Werbung und gewinnen will die Marke ja auch noch was daran.
    Was ist denn nun teurer - die Transport- oder die Kosten der Baumwolle?

    Nun, meine Frage, die mich schon seit Tagen quält, an die Experten:
    Was bleibt da noch übrig für die 100 % gute, gebleichte, europäische Baumwolle, denn viele wollen dran verdienen?
    Ich gehe ja mal davon aus, dass solche Unterbuxxen/Shirts dann auch ganz bestimmt die Qualitätsklasse 1A haben:
    anschmiegsam, weich, kochmaschinenfest, antibakteriell, sanforisiert, ohne Pilling und mindestens 5 Jahre tragbar,
    also das OPTIMUM für deutsche Männer, weil bestes PLV: rd. 0,60 € p.a. lfd. Kosten per Unterbuxxe!
    Und wenn man die dann 3,5 x pro Woche rotiert, dann sind das pro Jahr ... egal, Hauptsache sehr 'preiswert'.


    Lösung: Unterbuxxenfixkosten p.a. 2,10 € X 2 = 4,20 € für die Männerreizwäsche total p.a. - sind sie nicht wirklich spottbillig im Unterhalt? Und rentabel ist ihre Haltung allemal...

  9. #19
    Administrator Avatar von urban
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    So ändern sich die Zeiten

    Früher war alles gut, was teuer war - heute alles, was gut aussieht und 'preiswert' ist,
    nur wissen sie nicht so recht über den Wert Bescheid, kaufen also i.d.R. einfach nur billig ein,
    früher kannten sich die Leute aus, wußten z.B. was MAKO ist - heute reicht ihnen 100 % gebleichte Baumwolle,
    nur wissen sie nicht, dass gute Baumwolle bereits Brilliant White, also reinweiß, ist,
    früher waren die Leute so klug und haben vor ihren Einkäufen nachgedacht - heute reißen die SALES alle Schranken nieder,
    nur merken sie weder, dass ihnen dabei oft Krempel untergejubelt wird noch was sie anderenfalls damit anrichten,
    früher hatten nur die ♀ Frauen die Schränke voll mit billigem Krimskrams - heute machen's die ♂Frauen ihnen nach,
    nur wissen sie nicht, dass sie damit auch genau so ausschauen, nämlich billig,
    früher gab es Fachverkäuferinnen, unigeschlechtig - heute Expertinnen, die ihren Kundinen ein X für ein U vormachen,
    nur heutzutage wissen sie es nicht besser, oder tun zumindest so, denn es geht ihnen um's pure Geldverdienen,
    früher wußten die ♀Frauen, dass gute Qualität mehr kostet - heute bekommen sie♂ das Allerbeste zum niedrigsten Preis;
    nur der Glaube versetzt Berge wenn man von nichts eine Ahnung hat!

    War früher alles besser oder wendet das Internet nun alles zum Guten?


    P.S.
    unigeschlechtig - eigentlich wollte ich unisex schreiben, aber dann fiel mir ein, dass renommierte Unis ja alle Ausdrücke
    feminisiert haben - also gewöhnen Sie sich bitte dran, dass Kinder in Zukunft 2 Mamas haben!
    Einmal ganz abgesehen davon, dass solche Terminae(!) absolut herausragende intellektuell-akademische Leistungen sind:
    Es versteht wohl keiner mehr was gemeint ist - wie spricht frau ♂ und ♀ eigentlich aus, aber immerhin!
    Ich kann auch nur noch staunen für welch billigen Kram heutzutage das Geld aus dem Fenster rausgeschmissen wird,
    für das Geld kann frau nichts falsch machen, bestes PLV bei exzellenter Qualität, handgearbeitete ... mit krummen Nähten,
    oder ist eine ganze Käufergeneration am Erblinden wegen zu langem Starren auf die Glotze?

  10. #20
    Zitat Zitat von Urban Beitrag anzeigen


    unigeschlechtig - eigentlich wollte ich unisex schreiben, aber dann fiel mir ein, dass renommierte Unis ja alle Ausdrücke
    feminisiert haben - also gewöhnen Sie sich bitte dran, dass Kinder in Zukunft 2 Mamas haben!
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    Vor einiger Zeit hörte ich, dass ein Weltbestseller von Astrid Lindgren "so" nicht mehr bezeichnet werden sollte.
    Hat sich das nun geändert, oder heißt Pippi Langstrumpf immer noch Pippi Langstrumpf?

    "Pippi Langstrumpf (voller Name Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf,[1] schwedischer Originalname: Pippilotta Viktualia Rullgardina Krusmynta Efraimsdotter Långstrump[2]) ist die zentrale Figur einer dreibändigen schwedischen Kinderbuch-Reihe von Astrid Lindgren und verschiedener darauf basierender Bearbeitungen.

    Pippi ist ein freches neunjähriges Mädchen mit Sommersprossen, dessen rotes Haar zu zwei abstehenden Zöpfen geflochten ist. Zudem vereinigt sie viele Eigenschaften in sich, die sich Kinder wünschen. So hat sie ein eigenes Pferd, lebt allein in einem eigenen Haus, der Villa Kunterbunt, und ist sehr mutig. Auch ist Pippi das stärkste Mädchen auf der Welt. So bestreitet Pippi mit ihrem Vater, wenn beide sich treffen, diverse Kraftproben. So stemmt sie zum Beispiel auf einer Feier ihr Pferd, auf dem ihre Freunde Tommy und Annika sitzen. Ein anderes Mal besiegt sie einen Ringer auf dem Jahrmarkt. Da Pippi allein in ihrer Villa Kunterbunt wohnt, kann sie alles tun und lassen, was sie möchte.[3]

    Die Romane wurden in mehr als 50 Sprachen übersetzt."

    Quelle: Wikipedia
    http://de.wikipedia.org/wiki/Pippi_Langstrumpf

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