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Thema: Leder - Grundwissen - Einführung

  1. #1
    Administrator Avatar von urban
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    Leder - Grundwissen - Einführung

    Der Ausdruck Glattleder ist leicht irreführend, da diese Leder nicht unbedingt "glatt" im Sinne des umgangsprachlichen Gebrauchs sein müssen.
    Vielmehr soll dieser Begriff alle Leder umfassen, die nicht unter die Gruppen Rauh- und Nubukleder sowie geschliffene Leder wie das immer bekannter werdende "geschliffene Rochenleder" fallen.

    So fallen auch folgende Lederarten (keine Sorten) darunter:

    • Pingrain - geprägtes Leder mit einer feinen Oberflächenstruktur, ähnlich Nadelstichen
    • Scotchgrain - geprägtes Leder mit einer relativ groben Oberflächenstruktur
    • genarbtes Leder - Leder mit einer sichtbaren, natürlich gewachsenen Narbenstruktur, wie z.B. Büffel-, Bison-, Elchleder
    • Schrumpfleder - beim Gerbvorgang werden Stoffe zugesetzt, die das Leder schrumpfen lassen, so dass die natürliche Narbenstruktur des Leders stärker hervortritt
      wie z.B. bei Büffel-/Bisonleder usw., in English: shrunken tanned leather bzw. shrunken-grained [tanned] leather.
    • Fettleder - stark geöltes, gefettetes Leder
    • Pferdeleder [Horsehide] und Shell Cordovan - geöltes Pferdeleder, verschiedene Gerbverfahren, meist vegetabil (pflanzlich) gegerbt


    Lederhändler werden noch einige weitere Lederarten hier aufführen können.

    Leder, das zur Herstellung von Schuhen verwendet werden soll, ist in der Regel zu dick, da bei Schuhen Leder in der Stärke von (0,6) 0,80 mm bis 1,20 mm, selten dickeres bis zu ca. 1,50/1,60 mm verarbeitet wird.
    Daher muss es während des Gerbvorgangs (inkl. Zurichtung) gespalten werden.
    Der obere Teil mit den sichtbaren Haarporen ist der Narbenspalt, der untere der Unter-/Fleischspalt; wird der Unter- oder Fleischspalt wieder aufgespalten, so heißt davon der Obere Teil davon Mittelspalt.
    Mittel- und Unter-/Fleischspalt werden in der Regel zu Rauhleder, seltener zu Nubukleder, verarbeitet. Sie können sich aber auch als Glattleder bei Schuhen wiederfinden, wie z.B. Mid-Calf Leather.

    Bei der Schuhpflege unterscheidet man beim Glattleder zwischen folgenden Sorten:
    • Rindleder, auch Kalbleder: alle Bovini-Rassen
    • Pferdeleder (Cordovan)
    • Shell Cordovan (nicht identisch mit Pferdeleder/Cordovan)
    • Hirschleder, alle Cervus-Arten
    • Reptilleder,
    • Amphienleder (Frösche),
    • Fischleder
    • Vogelleder wie z.B. Straussenleder, Emu und andere


    Leder mit Deckfarbenzurichtung, metallisierte Leder, folierte Leder und Lackleder usw. bedürfen spezieller Pflegemittel, die sich an der Art der Beschichtung ausrichten und nicht am Trägermaterial Leder.
    Unter den Begriff der Deckfarbenzurichtung fallen grundsätzlich nicht die nur gefärbten Leder, Stichwort: Furnitur, also alle Leder bei denen man auch nach der Färbung "mit bloßem Auge" die Haarporen sehen kann.
    Bei diesen Ledern ist aber zu prüfen, ob die Farbe stabil ist, sprich, ob die aufgetragene Farbe selbst einen Stabilisator enthielt oder, falls nicht, nach deren Auftrag zusätzlich ein Farbstabilisator aufgetragen wurde.
    Deckfärbung:
    Wie der Name schon sagt handelt es sich um Leder, das mit einer abdeckenden Farbe, meist flüssigem Kunststoff, so stark eingesprüht wurde, dass die darunter liegende Lederstruktur (die Haarporen)
    und eventuell abgeschliffene Lederfehler wie z.B. Vernarbungen nicht mehr sichtbar sind. Die Abdeckung des Leders kann auch durch das Aufbringen einer Folie, die u.U. sogar die natürliche Oberfläche wie Poren nachahmt,
    vorgenommen werden.
    Ein typischer Vertreter des deckgefärbten Leders ist z.B. das Lackleder.
    Dabei kommt es allein auf die abdeckende Wirkung der Beschichtung an und nicht darauf ob das Leder "nur" eingefärbt wurde.
    Es gibt einige Hersteller, die alle Schuhe in naturfarbenem Leder herstellen und anschließend nach/auf Kundenwunsch einfärben:
    dabei spricht man nicht von einer Deckfärbung sondern von einer Furnitur.


    Färbemittel, die Kunststoffpigmente enthalten und die auf dem Leder einen Film bilden, sind ein Grenzfall; ihre Pflege kann wie bei einem normalen Glattlederschuh erfolgen, jedoch ist etwas Vorsicht angesagt.

    Die Pflege aller Glattleder hängt auch insbesondere von der Zurichtung des Leders ab.
    Hier ist speziell die Hydrophobierung, also die wasserabweisende Beschichtung, von Bedeutung.
    Hydrophbiertes Leder darf in keinem Fall mit einem Schuhwachs/-paste behandelt werden, da dies(e) Lösungsmittel enthält, welche die Hydrophobierung angreift und zerstören kann.
    Es ist, aber nicht nur aus diesem Grund, unverständlich dass Schuhwachse/Schuhpasten mit "Schuhcreme" als Handelsbezeichnung an den Endkunden verkauft werden,
    da diese Lösungsmittel enthalten, die die Hydrophobierung angegreifen und zerstören können und bei farblosem Schuhwachs aufgrund des höheren Lösungsmittelanteils über kurz oder lang stark angreifen!

  2. #2
    Administrator Avatar von urban
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    Ich habe einmal die Absätze über gedecktes Leder = deckgefärbtes Leder farbig abgehoben, da es bei diesem die meisten Irrtümer gibt.
    Dieses Leder ist nicht offenporig, da es vor der Farbbeschichtung ganz leicht angeschliffen wird, um die Narbenfehler zu egalisieren bzw.
    beim Unter-/Mittelspalt die Haftung des aufzutragenden Fabr-/Kunststoffs/Folie zu verbessern.
    Sollte man dennoch "Poren sehen", dann sind diese in die Folie oder das aufgetragene Material eingepresst oder aufgedruckt worden.

    Man kann Leder auch mit nicht abdeckenden Farben färben - dabei bleiben die Poren sichtbar und offen:
    das Leder behält die Eigenschaften genau wie beim Anilinleder (offenporig und durchgefärbt) - wären Fehler im Leder wie z.B. zugeheilte Risse/Schmisse,
    dann bleiben diese sichtbar.
    Diese Färbung nennt man Furnitur: man kann sie in der Regel wieder mit Chemiekalien entfernen und das Leder/die Schuhe neu einfärben,
    was in Frankreich, so man den Foren glaubt, sehr beliebt sein soll.

    Fettleder ist ein gelickertes Leder - also ein mit Ölen, selten mit Fetten, zugerichtetes Leder.
    Nur bei Fettleder kommt Lederfett zum Einsatz, aber bitte nicht bei allen; eine Ausnahme ist z.B. Shell Cordovan,
    das wohl ein geöltes Leder ist aber glanzgestossen wurde.
    Lederfett auf gedecktes Leder (deckgefärbtes Leder) aufzutragen macht bekanntlich keinerlei Sinn, da das Fett kaum durch die Beschichtung durchdringen würde.
    Dasselbe gilt für hydrophobiertes Leder - die Beschichtung macht Lederfett als Wasserabweiser komplett überflüssig,
    vielmehr könnten im Lederfett enthaltene Zusatzstoffe sogar die Hydrophobierung angreifen, und welcher Hersteller gibt schon alle Inhaltsstoffe an
    bzw. welcher Anwender kann deren Wirkung abschließend beurteilen?
    Also Lederfett nur für 'echte' Fettlederschuhe verwenden.

    Diese Angaben sind so vereinfacht, dass ein Laie sie auf Anhieb verstehen sollte oder könnte.

  3. #3
    Administrator Avatar von urban
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    Manchmal sieht man vor lauter Bäumen den Wald nicht.
    Da hab' ich ja noch eine richtige Fleißarbeit vor mir über Chromgerbung, vegetabile, die gemischte, sämisch...
    Spaltleder, Anilin-, Deckfärbung und so weiter und so fort.
    Andere schreiben ganze Bücher darüber - woher nur nehmen die ganze Lust?

  4. #4
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    Meist muss man sich zu Beginn des "Hobbies" durch viel Forengequackel und Marketinggeschwafel wühlen, ohne an tatsächliche Fakten zu kommen. Ich habe einfach mal ein paar Links rausgesucht für die absoluten Leder Basics. Los gehts:
    Es gibt einen Verband der Schuh- und Lederwarenindustrie. Wer Kontakte sucht
    http://www.hdsl.eu/
    Ebenso die Webseite des Schuhmacherhandwerks , kann sich noch jemand an den End-90iger Jahre Stil erinnern?
    http://www.schuhmacherhandwerk.de/index2.htm

    M.E: wichtig ist die Broschüre aus der Mitte der 90er, die recht viel über Leder schreibt. In Österreich zum runterladen, in D noch gegen Geld zu haben
    https://www.wko.at/Content.Node/bran...rstellung.html
    Branchenübergreifenden Infos auch hier, auch Marketing, aber immerhin nicht bezogen auf einzelne Firmen.
    https://www.schuhmarkt-news.de/

    Ach ja, weil sich niemand vorstellen kann, was im Schuhmacherhandwerk so gelehrt wird, hier die Verordnung:
    http://www.gesetze-im-internet.de/bu...004/gesamt.pdf

    Konkret dazu gibts noch den Ausbildungsplan in der Berufsschule; wie man sieht (etwas nach unten scrollen) müssen die nach Ausbildung ne Menge können, auch wenn die Erfahrung erst zur Meisterschaft führt, aber ist es nicht überall so?
    https://www.kmk.org/themen/beruflich...r%5D=Downloads

    Und weil wir bei den Meistern sind, hier die Verordnung zur Meisterprüfung:
    http://www.gesetze-im-internet.de/bu...014/gesamt.pdf

    Viel Spaß

  5. #5
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    Sofern ich es richtig verstehe: Ledersorten werden anhand des tierischen Ursprungs unterschieden und Lederarten anhand der Verarbeitung?

  6. #6
    Administrator Avatar von urban
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    Ja, so kannst Du es handhaben wobei ich mir diese Frage auch schon gestellt hatte...

  7. #7
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    Bei den Lederarten fehlt mir generell eine Ordnung bzw. Visualisierung (nicht nur auf diesen Thread oder dieses Forum bezogen). Ich habe mich lange gefragt (und frage mich teilweise immer noch) wie ich welche Lederart woran sicher erkennen kann, welcher Begriff nur ein Marketingbegriff ist, der von Gerbern ungern benutzt wird oder irreführend ist, welches Leder eine Unterkategorie von welchem ist, welches nur aus welchen Ledersorten gebildet kann und was sich ausschließt. Und vor allem, welche man sicher von welchen ohne Herstellerangaben unterscheiden kann.

    Schon seit du sie angekündigt hast möchte ich die All-in-one moist Pflege-Lotion ausprobieren - welche für "Fettleder" nicht geeignet ist. Dann habe ich hier gesucht, was Fettleder ist und wie ich feststellen kann, woran ich das sicher erkenne.
    Ein paar andere Internetseiten schreiben darüber, hier sind u.a. Fotos: https://www.leder-info.de/index.php/Pull-Up-Leder
    Aus dem Link:

    Durch diese weiche und kratzempfindliche Schicht erhält das Leder relativ schnell eine typische Fettleder-Patina, wobei dieser Effekt gewünscht ist. Die Patina äußert sich durch Aufhellungen, die durch Knicken, Falten, Kratzen und Dehnen entstehen.
    In der Praxis: Mit dem Fingernagel etwas drüberkratzen und wenn sich helle Spuren wie auf den Bildern im Link bilden ist es Fettleder?

  8. #8
    Administrator Avatar von urban
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    Schau mal auf den Seiten von PARABOOT, France, nach - dort kannst Du die Fett-/geölten Leder sehr leicht von den anderen unterscheiden: Sie sind matt:

    https://www.paraboot.com

  9. #9
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    Von den neuen Modellen hier https://www.paraboot.com/en/men/new-models
    wären dann die matten Modelle Yosemite und Montana also nicht aus Fett-/geölten Leder (?)
    Wäre das dann Nicht-Pull-Up Nubuk-Leder?

    Wie kann ich ein Pull-Up (Nubuk)-Leder von einem normalen Nubukleder unterscheiden? Macht das bei der Pflege macht das einen Unterschied?

  10. #10
    Administrator Avatar von urban
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    PARABOOT Schuhe

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    Nubuk wird im Prinzip wie Rauleder gepflegt, nur etwas feiner/vorsichtiger - Fettleder analog/ähnlich zu Glattleder mit Öl oder Fett

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