• Mode <-> Fashion <-> Klassische Kleidung

    Ein sehr interessantes Thema oder?

    Da wird doch tatsächlich jeglicher Zusammenhang bestritten, was ich sehr lustig finde, ganz so als ob die klassische,
    na beschränken wir uns einmal auf die Herrenmode, schon immer so bestünde wie wir sie heute kennen.
    Natürlich gibt es da die ewig Gestrigen, die keinen Unterschied zwischen einem Anzug aus dem vorigen Jahrhundert
    und einem aktuellen Maßanzug erkennen wollen - daher auch die vielen alten colorierten Bildchen.
    Hauptsache Gentleman!
    Das mag vielleicht auch daran liegen, dass einer bei dem Anderen abschreibt, so als hätte doch tatsächlich der
    englische König das Smoking Jacket erfunden - Ammenmärchen! sag ich dazu nur!
    Halten sich aber gut bei den sich dazu berufen fühlenden Literaten und ihren Lesern - treffen nur leider nicht zu,
    so wie vieles andere auch in dieser Trivialliteratur!

    Dabei ist die gesamte, klassische Herrenmode einem stetigen Wandel unterworfen - nicht so extrem und schnelllebig wie bei Fashion,
    aber immerhin, es ändern sich die Schnitte, Reversbreiten, Schultern, Hosenweiten usw. - kurzum das komplette Kleidungsstück.

    Mann sollte auch nicht vergessen, dass die klassische Herrenmode nicht nur aus Anzug, Smoking und Morning Coat besteht,
    also den Teilen, die Mann sie mehr oder weniger offiziellen Anläßen trägt,
    sondern auch aus der klassischen Freizeitkleidung wie Tweedanzug oder -sakko, Kordhosen, Lederjacken wie Flieger- und
    Motorradjacken, Parkas, Anoraks, Pullovern, Strickjacken usw..

    Selbst bei Unterwäsche und Strümpfen gibt es Klassiker wie das Unterhemd mit kurzen Ärmeln, die lange Unterhose oder Boxershorts,
    die Rippen(knie)strümpfe, Hahnentritt- und das Argylemuster, um nur einige, weniger anzuführen.
    Fashion sind dagegen zum Beispiel Herrentangas, Unterwäsche in Hautfarben oder knallbunte Clownssocken, ich bitte um Nachsicht,
    aber so etwas trägt ein auch nur etwas stilbewußter Mann einfach nicht - es sei denn er möchte von seinen ungepflegten Schuhen
    ablenken oder nachts ruhig schlafen, dann darf er auch gerne seine Unterbuxxe anbehalten und braucht gar nicht erst zum Pyjama
    zu wechseln oder gibt es Männer, die die hautfarbene Unterwäsche von Frauen als inspirierend betrachten?

    Ein Bademantel ist, wie es der Name schon sagt, nun mal auch kein Hausmantel - welcher Mann trägt so etwas heute noch?
    Oder gar einen schönen aus Seide, Wolle oder gar Cashmere mit Seidenfutter?
    Damit fängt Eleganz an - bereits zuhause im Ankleidezimmer, für die Herren zum Wohlfühlen, für die Damen zum...,
    und nicht für die Show auf der Straße, im Restaurant oder bei Geschäftsterminen - Sie verstehen wie ich das meine?

    Kleidung dient der Person, die sie trägt, und wiederspiegelt deren Selbstverständnis - alles andere ist Verkleidung!

    Diese Litanei ließe sich noch beliebig lange fortsetzen.

    Wenn Mann sich tagsüber klassisch kleiden möchte, dann bitte auch konsequent und am besten so, dass es ihm gut steht, zu ihm passt.
    In der Freizeit sollte er bei seiner Kleidung einen Wechsel vollziehen, weder mit dem Anzug im Wald spazieren gehen,
    noch 'Räuberzivil' tragen - er trägt seine Wachsjacke und seinen Tweed nicht zum Geschäftstermin, es sei denn er ist Autor und
    felsenfest davon überzeugt, dass wäre so angemessen und sogar seinem Image bei der Fangemeinde zuträglich.

    Und warum sollte gerade ein junger Mann sich nicht mit junger Mode einkleiden können - das wirkt doch wohl authentischer
    als dass er sich optisch auf altbacken trimmt, was aufgesetzt wirkt, und so als Altkluger gar nicht erst ernstgenommen wird.


    Von der Fashion zur klassischen Mode
    Donna Karan liefert ein gutes Beispiel wie sich gut gestaltete Fashion zu einem Klassiker wandeln kann, denn die
    in der laufenden Saison am besten verkauften Teile werden in die permanente Kollektion aufgenommen und über Jahre
    hinweg unverändert produziert bis sie dann irgendwann vielleicht zu einem Klassiker geworden sind.
    Das kleine Schwarze für die Damen - Sie erinnern sich?

    Einen anderen Ansatz zu der Betrachtung liefern die Militärjacken und Mäntel sowie die Motorradjacken und Mäntel.
    Man betrachte einmal die Fliegerjacken der US-Airforce wie die A1, A2, G1, B2 und andere Modelle und vergleiche sie
    mit den modernen Kollektionen der verschiedenen Designer und Hersteller.
    Sie sind vom Design her kaum von ihren historischen Vorbildern zu unterscheiden - die kleinen Details und vor allen Dingen
    die Farben machen den großen Unterschied.
    Oder die Designklassiker von Buco aus Chicago - sie leben heute in sehr vielen Kollektionen großer Modedesigner fort,
    oft sogar nur mit ganz kleinen Änderungen im Vergleich zum Original.
    Und es wird wohl auch niemand bestreiten, dass der Duffle Coat, und viele andere Mäntel mehr, eigentlich Militärkleidung war
    aber dennoch als Klassiker anerkannt ist.

    Und wer kann schon sagen welche Uniformjacke den Designer zu seinem aktuellen Entwurf inspirierte?
    Das Buch "Ideas from Massimo Osti" liefert dafür viele Beispiele - nur hat Massimo Osti nicht einfach nur das Design,
    oder den Schnitt, ganz wie man will, 1:1 übernommen sondern auch die verwendeten Stoffe und Materialien allgemein
    weiterentwickelt wie beispielsweise die Baumwolle und Schafwolle auf der Rückseite mit Naturkautschuk beschichtet,
    atmungsaktiv und trotzdem wasserdicht, oder innovative Färbeverfahren für die Stoffe entwickelt.

    Und so schließt sich der Kreis und man kann die wechselseitigen Einflüsse erkennen.
    Die Entwicklung sich streng an dem Einsatz- und Verwendungszeck orientierter Bekleidung für das Militär,
    deren Einfluss auf die Entwürfe der Designer und deren modischen, zeitgemäßen oder den Zeitgeist widerspiegelnden Kollektionen,
    aus denen sich dann mit der Zeit wieder Klassiker herauskristallisierten.

    Mode und Fashion stehen also in einer Wechselbeziehung - in der Herrenmode oft aus reiner Funktionsbekleidung abgeleitet.

    Einen großen Einfluß auf Fashion und Mode hat natürlich auch die gewachsene Funktionsbekleidung der vorindustriellen Zeit
    als Ackerbau und Viehzucht für die Menschen der Broterwerb war.
    Ein typisches Beispiel sind die Ponchos, die in ihrer ursprünglichsten Form eigentlich nur eine Decke mit einem
    Loch sind, durch das man den Kopf hindurchstrecken kann, oder die Capes, einfache Umhänge.
    Oder der Anorak der Eskimos, den man über den Kopf stülpt und der dem der Parka als Vorbild diente.
    Aus den ursprünglich einfach gemachten Kleidungsstücken entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte angepasste Kleidungs-
    stücke wie beispielsweise der Kutschermantel, der regendicht sein und warmhalten musste.
    Die Schneider entwickelten die Urform weiter und passten sie immer besser den individuellen Bedürfnissen ihrer Kunden an,
    den Begriff der Fashion gab es vor der Erfindung der Nähmaschine, die ja erst die industrielle Produktion von Konfektionsware
    ermöglichte, bekanntlich nicht.

    Aber oft wird die schnellebige Fashion mit niedriger Qualität, billigen Stoffen, schludriger Verarbeitung, Produktion
    in Niedriglohnländern und ähnlichen negativen Assoziationen in Verbindung gebracht während man die klassische
    Kleidung eher mit hochwertigen Materialien wie edelsten Stoffen, pflanzlich gegerbtem Leder oder seltener Naturseide
    in Verbindung bringt.
    Daraus mag auch die Ablehnung vieler Männer gegen Kunststoffe oder Beimischungen in ihrer Kleidung begründet sein.

    Maßkleidung als das Symbol überhaupt für klassische Herrenmode und die dazu gehörenden hochwertigen Accessoires
    müssen, besser: sollten, dem Geschmack der Kunden folgend nur aus den besten Naturmaterialien gefertigt sein.

    Bei der schnelllebigen Fashion, die nur ein paar Wochen halten muss, und die zumeist von den Damen und jungen Männern
    getragen wird, spielen Material- und Verarbeitungsqualität dagen kaum oder absolut gar keine Rolle,
    sondern man bezahlt sogar gutes Geld dafür, dass diese schon ab Werk kaputtgemacht oder künstlich gealtert wurde:
    Das nennt sich dann Vintage.

    Die Kollektionen der Modehäuser, meist sehr teure Einzelstücke für die wirklich Wohlhabenden auf Maß gefertigt und
    in kleiner Stückzahl als pret-à-porter angeboten, sind wohl die Luxusausführung der Fashion und nur für wenige erschwinglich.
    Und damit käme ich zu dem Bereich, den man gemeinhin als Luxus bezeichnet, auf den ich aber hier nicht näher eingehen
    möchte außer vielleicht dem oft zu beobachtenden Umstand, dass je bekannter das Luxus-Brand wird die Qualität
    immer mehr abnimmt, oft ohne das die Klientel dies überhaupt bemerken will, und genau darauf liegt die Betonung,
    denn man will zeigen, dass man es sich leisten kann für solchen Tand das Geld zum Fenster rauswerfen kann.
    Und wieder ein ganz neues, eigenständiges Thema.

    Aber ich will mal zum Schluss kommen:
    Man kann nicht strikt zwischen reiner Funktionskleidung wie die des Militärs, der Fashion und der klassischen Mode
    unterscheiden.
    Zu eng sehen sollte man die einzelnen Modeströmungen auch nicht - es gibt nun einmal viele Menschen, die sich sehr gerne
    über ein bekanntes Logo definieren möchten, um zu zeigen wer oder was sie sind.

    Also leben und leben lassen - chacun à son gout!

    Nur einen gemeinsamen Part haben alle:
    Die Material- und Verarbeitungsqualität neben den Ausführungsdetails, dem Design, und das ist für mich

    moda at its .best -> moda best of .best