• Schuhe - Kaufen & Tragen, ein banales Thema?

    Jeder kann in jeder Stadt sehen wie viele orthopädische Schuhgeschäfte es gibt.
    Dafür muss es einen Grund geben, und der kann nur darin liegen, dass es einen Bedarf dafür gibt, was bedeutet,
    dass es viele Fußkranke gibt, also Leute mit Spreizfüßen, Senkfüßen, Knickfüßen usw..
    Der Grund dafür liegt darin, dass viele Menschen Zeit ihres Lebens ihren Füßen zu wenig Beachtung schenken und
    die falschen Schuhe kaufen.
    Dies bestätigte die bundesweite Untersuchung des Schuhprüfinstitues Pirmasens im Auftrag der Bundesregierung:
    85 % aller Probanten trugen die falsche Schuhgröße.

    Erschrocken hat mich allerdings, dass 4 von 5 Personen die passend für ihre beiden Füße extra hergestellten Schuhe
    nicht als passend sondern entweder als zu groß oder zu klein, als zu schmal oder zu weit etc., bezeichneten.

    Füße haben - was leider den wenigsten Menschen bewußt ist - nicht immer dieselbe Form sondern verändern sich
    mit dem Älterwerden.
    Diese Veränderungen werden durch unpassendes Schuhwerk: zu breit, zu lang, zu weich, verstärkt oder
    durch wirklich gut sitzende Schuhe abgemildert oder sogar gelindert:
    z.B. habe ich feststellen müssen, dass sich meine Füße in den letzten Jahren ganz leicht verkürzt haben, seitdem ich handgemachte
    Schuhe trage, die das Fußgewölbe sehr gut unterstützen - die Veränderung liegt im Milimeterbereich, Damiano muss es genau prüfen.

    Die Fragen lauten also:
    WANN SITZTEN ZWEI SCHUHE AN BEIDEN Füßen perfekt und wann werden die Füße perfekt in den Schuhen gebettet?

    Gebettet werden hat in diesem Fall nichts mit dem sogenannten Fußbett zu tun - in dem Sinne wie dieses Wort umgangssprachlich benutzt
    wird gibt es KEIN Fußbett:
    Der Fuß steht auf der recht harten Brandsohle - das Fußbett soll sich aber in der Ausballung bzw. Korkschicht darunter ausgebildet haben?
    Man lege eine große Holzplatte zuhause auf sein Bett und lege sich darauf - bequem, weich oder passt sie sich Ihrem Körper an?

    Betten oder eine Bettung meint nichts anderes als dass der Schuh das Gegenstück zum Fuß bildet, wenn man so will seine Negativform,
    sehr einfach zu sehen, wenn man von der Fußsohle einen Gipsabdruck macht - also ein statisches Abbild herstellt.
    Aber der Schuh muss dem Fuß auch genug Freiraum bieten, dass er ihm wohl den benötigten Halt bietet aber auch genug Freiraum läßt
    sich zu bewegen - nicht nur vor den Zehen muss ein ausreichender Freiraum sein, die sogenannte Spitzenzugabe,
    sondern die gesamte Schuhkonstruktion bestehend aus Schaft und Unterbau wie Absatz, Brand- und Laufsohle muss - kurzum:
    der gesamte Schuh - darf der Gehbewegung wenig Widerstand entgegensetzten - man spricht auch von leichtem, guten Abrollen,
    oder dem Gegenteil, der Aussteifung.

    Konkret bedeutet dies folgendes:
    Der Schuh muss die Ferse gut umfassen, damit er nicht schluppt - auf was es dabei genau ankommt erklärt, und gibt auch darauf Acht,
    ist der Schuhhändler ihres Vertrauens nachdem er sich IHRE BEIDEN Füße genau angeschaut und vermessen hat, um eine Vorauswahl
    zum Anprobieren zu treffen.
    Am Einschlupf sollten die Quartiere/Seitenteile möglichst hoch sein, um dem Fuß möglichst viel Halt zu bieten, aber auch nicht so hoch,
    dass sie den Knöchel wundscheuern, und press am Fuß anliegen ohne zu drücken, sich einzuschneiden oder Schmerzen zu verursachen.

    Ihr guter Schuhverkäufer sollte Ihnen natürlich für den ersten Anlauf nur Oxford-Schuhe mit geschlossener Schnürung
    zum Herausfinden der für Sie und Ihre Füße möglichst best sitzenden Schuhe bzw. Schuhform oder Modell bereit gestellt haben.
    Ein Derby ist etwas toleranter, da man über die beiden Schnürlaschen, die Art die Schnürsenkel einzufädeln, den Zug beim Schnüren,
    die Dicke Ihrer Strümpfe/Socken - ich formuliere es mal so: variabel gestalten kann, für Profis kein Problem.
    Stehen Ihre Füße und das Herausfinden der optimalen Schuhform im Vordergrund, dann also ein Oxford,
    ansonsten ....
    Wenn die Form, der sogenannte Leisten, auf der Oxford gemacht wurde sehr gut mit Ihrem Fuß harmoniert,
    dann kann später immer noch ein darauf gemachter Derby gekauft werden - umgekehrt ist dies weit schwieriger!

    Wenn Sie mit Ihrem Fuß in den Oxford hineinschlüpfen und hören einen "Plupp" wenn der Fuß die Luft aus dem Schuh herausdrückt,
    dann ist dies schon einmal ein gutes Vorzeichen, dass er im Bereich des Ristes-Fußrücken und vom Umfang her recht gut
    in den Schuh passt.
    Der Schuh darf auch bei komplett geöffneter Schnürung nicht drücken, sollte aber über den gesamten Fußrücken hinweg anliegen,
    gemeint ist der Bogen von der rechten Schuhsohle hoch über den Fußrücken hinunter zur linken Fußsohle.
    Anschließend zieht der Schuhhändler ihres Vertrauens die Schnürbendel leicht und gleichmäßig an - es sollte sich ein leicht
    geöffnetes V bilden, damit Sie eine Schnürreserve haben.
    Dies macht man natürlich im Stehen und nicht im Sitzen und das Gewicht ist immer auf den Fuß verlagert,
    der gerade keinen Schuh anprobiert!
    Erst nachdem die Schnürung geschlossen ist verlagert der Kunde sein Gewicht vorsichtig auf den neuen Schuh und konzentriert
    sich dabei voll auf sein Fußgefühl und äußert dies an seinen Berater.
    Dieser tastet anschließend vorsichtig den Schuh ab, um herauszufinden ob dieser auch tatsächlich in diesem Bereich der Schnürung,
    des Fußrückens 'rundum' (mav Schuhsohle) straff anliegt.
    INSBESONDERE ertastet er dabei ob der Schuh Ihr Fußgewölbe (jeweils Schuhinnenseite) abstützt oder
    ob der Schaft nicht an Ihren Fuß angelegt hat.
    Es gibt niemanden, der durch das Leder hindurch in den Schuh hineinsehen kann - also an dem Abtasten
    auch nichts zu bekriteln; mein Rat: verlassen Sie das Geschäft umgehend, wenn es nicht erfolgt - dann stehen
    nämlich nicht Sie als Kunde sondern nur ihr Geld im Vordergrund.


    Danach tastet der Berater den Schuh nach vorne hin weiter ab ob der Schuh für Ihre Füße zu breit ist, sich also Luft zwischen
    Ihrem Fuß und dem Schuhfutter befindet.
    Bei zu schmalem Fuß drückt sich der kleine Zeh ganz leicht von außen sicht-/fühlbar ab, der große Zeh drückt oder schmerzt.
    Abschließend prüft der Schuhverkäufer Ihres Vertrauens noch ob der Schuh über bzw. oberhalb der Zehenballen nicht zu hoch ist.

    sie fühlen sich wohl in dem Schuh, er liegt straff an aber drückt nicht - der Berater oder die Beraterin haben ihr OK gegeben:
    dann verlagern Sie wieder das Gewicht auf den Fuß mit dem 'alten Schuh', konzentrieren sich wieder auf Ihr Fußgefühl,
    und wiederholen dies zwei oder dreimal, um sich sicher zu sein, dass der Schuh schon mal 'gut sitzt'.
    Erst dann laufen Sie los für ein paar Schritte - voll konzentriert auf Ihr Fußgefühl.

    Das Procedere wiederholen Sie bitte mit verschiedenen Schuhformen, man sagt auch "Leisten" dazu, um den best sitzenden Schuh
    für den ersten Fuß, den Probierfuß, herauszufinden und dann geht dasselbe mit dem zweiten Fuß los.
    Nehmen Sie sich also die Zeit dies in Ruhe zu machen.

    Dies ist nur eine recht grobe Abhandlung aber Sie haben sicher gemerkt, dass Ihr Schuhhändler schon sehr gut über Füße
    und Schuhe Bescheid wissen und sich auf Sie als Kunden voll konzentrieren muss.
    Unter anderem habe ich die Themen Fußgewölbe und Unterstützung komplett weggelassen, ebenso die Details der Ferse,
    da sie den Rahmen sprengen würden - aber Ihr Händler wird Sie darüber bestens informieren und Ihnen erklären worauf
    es dabei im Detail ankommt und wie ein Schuh gemacht sein muss, um u.a. auch diese Kriterien zu erfüllen.

    Tragen Sie beim Anprobieren von Schuhen immer dünne Socken - speziell Loafer weiten sich tatsächlich beim Tragen.
    Das Weiten eines geschlossenen Schuhes beim Eintragen ist keine Dehnung oder Streckung des Futter- und Ober-
    leders sondern bedingt durch die Anpassung des Schuhschaftes an Ihre Fußkontur - bei Schuhen, die auch Ihr
    Fußgewölbe unterstützen, also den Fuß annähernd perfekt umfassen, ist ein absolut minimales Weiten erst nach
    Jahren und bei strammer Schnürung feststellbar.
    Eintragen - ebenso ein Verkaufsargument und Märchen wie das o.g. Fußbett - ein Schuh sitzt annähernd perfekt
    oder er tut es nicht! Dies zu beurteilen erfordert einiges an Erfahrung - bei den ersten Käufen müssen Sie sich
    zur Beurteilung auf den Berater/-in verlassen können und mit zunehmender Erfahrung können Sie dies recht
    selbständig tun - sollten aber immer auf den rat eines versierten Beraters hören, und dessen Ratschläge nicht
    in den Wind schlagen. Erst recht wenn es ein Maßschuhmacher oder -macherin mit jahrelanger Berufserfahrung ist.

    WENN Sie den Inhalt beachten und rechtzeitig auf gute Schuhe gewechselt sind, dann sollte Ihnen eigentlich
    der Gang zum orthopädischen Schuhmacher erspart bleiben.
    NUR Schuhe sollten für Sie das allerwichtigste Kleidungsstück überhaupt sein und Sie sollten bereit sein,
    dafür Geld auszugeben.
    Bei einer HIFI-Anlage sollen 50 % auf die Lautsprecher entfallen - für wirklich gute Schuhe gibt es ein Minimum
    von 500.- € oder besser 750.- € als Untergrenze.
    Viel zu viel?
    Reden wir in 10 Jahren wieder über das Thema - ich komme zu Fuß.
    Dann vergleichen wir auch das, was Sie gerade hier gelesen haben mit dem, was Sie sonstwo erzählt bekamen.


    Vive la différence!

    P.S.
    Dieser Post bezieht sich nur auf Halbschuhe - bei hohen Schuhen ändert sich die Betrachtung etwas,
    bei Stiefeletten und Stiefeln würde es sehr kompliziert und umfangreich werden - das wäre zu viel des Guten(?) auf einmal!
    Ursprünglich wurde dieser Artikel in diesem Thema veröffentlicht: Kuriositäten aus der Welt der Schuhe und deren Pflege - Erstellt von: urban Original-Beitrag anzeigen