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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Das Eintragen von Schuhen - Symmetrischer Leisten



urban
12.03.13, 13:47
Das Eintragen (oder Einlaufen) von Schuhen stammt aus dem Mittelalter als die Schuhmacher noch
beide Stiefel bzw. Schuhe auf demselben, symmetrischen Leisten gemacht haben, d.h. es gab keine
linken und rechten Schuhe, sondern nur 2 selbe Schuhe.
Erst später kam ein Schuhmacher auf die Idee 2 verschiedene Schuhe zu machen, einen für den linken
und einen für den rechten Schuh - der asymetrische Leisten war geboren.

Dies ist sehr deutlich ist auf dem nachfolgenden Foto eines Paars Stiefel zu erkennen:

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Da beide Stiefel identisch waren, mussten solche Schuhe und Stiefel eingetragen werden; arme Leute mussten
die Schmerzen dabei selbst ertragen, wohlhabende ließen dies von ihren Bediensteten machen.
Beim Eintragen passten sich die Stiefel in ganz geringem Umfang den Füßen an wobei die bedauernswerten Menschen,
die diese Arbeit machen mussten, sich natürlich auch einiger Tricks & Kniffe bedienten wie z.B. Harnstoffe,
Weichklopfen usw.
Erst nachdem die asymmetrischen Leisten gefunden waren und damit 2 verschiedene Schuhe für den rechten
und den linken Fuß gefertigt wurden, waren neue Schuhe angenehmer zu tragen.

Heutzutage sollte man aber annehmen, dass das Eintragen neuer Schuhe eigentlich der Vergangenheit angehört,
da niemand mehr auf den Schuhmacher im Ort angewiesen ist und das Angebot verschiedener Schuhformen
zu erschwinglichen Preisen kaum noch überschaubar ist.

Aber überall kursiert immer noch der Begriff des Eintragens - nur warum?
Ist es ein reines Verkaufsargument vom provisionshungrigen Verkaufspersonal, das dennoch dem Kunden die Schuhe
aufschwatzen will: " Der Schuh gibt noch nach, der Fuß sinkt in die Brandsohle ein, er weitet sich noch ein bisschen,
im Notfall bringen Sie ihn zum Schuster, der kann ihn weiten, die Ferse gibt noch nach...."
oder liegt es nur an den Kunden und Kundinnen, die noch in Kindheitserinnerungen schwelgen, weil die Eltern die Schuhe
aus Gründen der Sparsamkeit auch schon immer zu groß gekauft haben: "Da wächst Du noch rein" oder
zu spät neue gekauft haben?
Ich werde daher den Verdacht nicht los, dass die Nervenenden schon damals auf Schmerzunempfindlichkeit trainiert wurden,
und dadurch viele Schuhkäufer/-innen wahre Fuß-Grob-Sensoriker sind.

Wer schön sein will muss leiden!
Oder liegt's vielleicht nur an diesem Spruch, dass sich die Damen ihre Füße in die engsten Schuhe zwängen und
selbst zerquetsche Kleinzehen oder verbogene Großzehen in Kauf genommen werden?
Blutende Fersen sind dabei wohl noch das kleinste Übel.

Und die Männer sind auch nicht viel feinfühliger an ihren Füßen, oder liegt das etwa daran, dass sie ein besseres
Zahlenverständnis haben?
Kein Vertrauen ins (An-) Probieren - dafür aber grenzloses Zutrauen in die Zahlen, Maßbänder, Zahlen-,
Längen- und Weitentabellen?
Sie wisssen wohl nicht, dass sich die Schuhgröße, die sie tatsächlich brauchen, gerade nicht aus
der maximalen Fußlänge, gemessen bis zum längsten Zeh, ergibt,
lehnen strikt jegliche Hilfe des Verkaufspersonals wie Abtasten, Sichtkontrolle und Beobachten der Gangart ab,
und wissen zum Schluss alles natürlich viel besser, denn sie vertrauen ja den Zahlen, Tabellen und den Nummern
der Leistenformen, behelfsweise der Weitenangabe der Marken-Schuh-Manufaktur.
Und haben sich natürlich im Internet vorab schlau gemacht und fleißig (mit-) gelesen.
Die inhallierte Zahlenmatrix der Online-Schuh-Datenbanken, erstellt von Laien für Laien, also
von Grobsensorikern für Grobsensoriker, ist tausend mal besser als der Ratschlag eines Profis oder
gar eine Anprobe unter Fachaufsicht.

Sie vergessen dabei aber einen ganz wichtigen Punkt!
Auch der beste Maßschuhmacher bittet seine Kunden trotz umfangreicher Handskizzen, Fußabdrücke und
Vermessungen immer noch zu mehreren Anproben, weil er nicht alles mit Zahlen erfassen kann.
Ist der Laie also besser als der versierte Maßschuhmacher?
Der Grob-Sensoriker also feinfühliger als der erfahrene Maßschuhkunde?
Sie glauben das ist nicht?
Dann lesen Sie mal nach...in Bloggs, Foren, Internetshops oder schlagen Sie die Tageszeitung auf, wenn die Redaktion mal
wieder einem Werbekunden mit einem Fachartikel unter die Arme greift.

Und gerade Schuhverkäufer und -händler, vor allen Dingen die Verkaufsgenies unter ihnen,
erzählen ihren Kunden viel wenn der Tag lang ist.
Da kann man dehnen und drücken, sogar die Fersenkappe aufweiten, und manche verkaufen auch noch
die Instrumente und Tinkturen wie z.B. Weichmacher, dafür gleich mit,
kurzum: sie erzählen viel, oft zu viel, um ihre Schuhe vom Hof zu bekommen - nur das wenigste davon trifft
tatsächlich zu, vieles beweist allerdings nur, dass sie von dem, was sie da verkaufen, so gut wie nichts wissen.

Nur - eins steht fest:
Schuhe passen - oder sie passen nicht!
Und das schon bei der Anprobe, natürlich nicht am frühen Morgen, weil die Füße tagsüber leicht anschwellen.

Das Eintragen wie man es heute versteht, ist nur ein Auslatschen der Schuhe, die durch Fußschweiß,
Wärme und Bewegung geweitet werden und dabei oft ihre Form verlieren.

Schauen Sie sich bitte einmal in den Fußgängerzonen die Füße junger Frauen an - die Fersen sind oft abgeknickt.
Oder die Männer-Schuhe wie sie "aus dem Leder gehen":
zerknitterte Fersen, aufgeweitete Schäfte, die über die Sohle seitlich auskragen - die Füße sind also breiter als
die Sohle darunter: Überstemme - Fehlanzeige (fielen dem Rotstift zu Opfer),
Gehwellen statt -falten und Schnürlaschen, die nur ein Mann mit seinen kräftigen Armen so zu einem Fußkorsett
zusammenschnüren konnte.
Über die Zurichtung von Schuhen habe ich ja an anderer Stelle bereits genug gelästert - irgendwie müssen
auch die preisbewußtesten Männer passende Schuhe für Ihre Füße bekommen.

Tipps:
Kaufen Sie das erste Paar Schuhe einer Marke X oder Y immer nach einer ausführlichen und versierten Fußberatung
einschließlich einer Vermessung und umfangreichen Anproben - und lassen Sie sich vom Schuhhändler auch
handgenähte (nicht bloß handgefertigte, denn das sind bekanntlich alle, auch die geklebten!) zur Anprobe reichen
selbst wenn Sie nicht so viel Geld für Schuhe ausgeben wollen!
Nur so können Sie die Unterschiede zwischen Maschinenware und handgemachten Schuhen erkennen und beurteilen.

Lassen Sie sich wirklich beraten - oder wissen Sie bereits alles über Herrenschuhe?

Erst danach, und einigen Wochen tragen, können Sie sich Schuhe desselben Herstellers auf demselben Leisten gefertigt
per Katalog bestellen oder in Ebay ersteigern.

Entwickeln Sie mehr Fußgefühl bei der Anprobe - nicht unter Zeitdruck, Gelddruck, Forendruck, Meinungsdruck,
Frauendruck "Ach sind die schön!", Must Have- oder sonstigem Druck kaufen!
Und kaufen Sie niemals mehrere Paare auf einmal!
Entweder sind 2 (und mehr) auf einem Leisten gemacht - dann vergößern Sie das Risiko,
oder alle auf verschiedenen Leisten - dann stellt sich mind. 1 Paar als Fehlkauf heraus.
Tasten Sie sich also an die optimale Schuhform heran.
Beachten Sie bitte niemals das Geschwätz über Leisten - diejenigen, die darüber lauthals fabulieren,
kennen oft noch nicht einmal den richtigen Artikel, geschweige denn wissen sie etwas über Art,
Konstruktion, Ausführung usw. - reine Wichtigtuerei!

Lassen Sie sich keine Schuhe andrehen und mit dem Ratschlag trösten, dass ein Schuster sie passend herrichten kann.
Ein ehrbarer Schuhmacher wird auch nicht ohne Grund viele Arbeiten ablehnen, so kann man z.B. keine 'Ferse' weiten ohne
die Fersenkappe zw. Ober- und Futterleder zu demolieren, zumal ja viele bloß aus Plastik oder Lederfaser sind.
Wissen Sie auch das besser?
Woher bitte, wenn ich fragen darf?

Neue Schuhe müssen niemals eingetragen werden: Sie passen oder sie tun es eben nicht!
Und bedürfen auch keiner Bearbeitung/Zurichtung eines Schuhmachers, es sei denn er hat sie selbst gemacht!

Wenn Ihre Füße und die Schuhe sich nicht so recht miteinander vertragen wollen - wer trägt denn dann die Schuld?
Ihre Füße?