PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Qualitätsmerkmale von Schuhen erklärt anhand von Fotos



urban
24.04.12, 18:35
Die gezeigten Schuhe sind nicht eingecremt, das Leder also "roh" - daher sehen Sie keine hochglanzpolierten Schuhe sondern erkennen die Lederoberfläche mit den Haarkanälen sehr deutlich.

Fersenfutter aus Rauleder, damit der Fuß/Strumpf einen besseren Halt findet und
das Ober-/Schaftleder ist gebugt (umgebogen)

2009

Innenquartier/Seitenteil höher als das Außenquartier aufgrund der verschiedenen Knöchelhöhen


2001

Gebugte (umgelegte, -gebogene) Lederkanten statt offener (= einfach abgeschnitten)

2002

genagelter Absatz mit Gummistopper und Hosenkeil

2003

Innenquartier stark eingezogen zur Unterstützung des Fußgewölbes - weitere Merkmale:
- rundgefaster Steg innen
- waagerechte Brandsohle oberhalb des Absatzes
- Schichtaufbau des Absatzes (hier als vorgefertiges Teil verbaut)
- der Schuh steht mit dem Absatz vollflächig auf, er hat den sogenannten Stand
- die Laufsohle ist entlang des Randes (Sohlenschnitt, -kante) leicht hochgezogen, damit sich die Doppelnähte nicht so schnell abnutzen
- Fersennaht verriegelt (links oben - schwer zu erkennen)
- weder die Vorder- noch die Fersenkappe drücken sich durchs Oberleder durch bzw. zeichnen sich dort ab
- ausreichende Spitzensprengung ("Schuhspitze" steht hoch), dadurch fällt das Abrollen beim Gehen leichter

2004

Deutlich zu erkennen sind die unterschiedlich hohen Quartiere.

2005

Doppel-/Sohlennaht verläuft in gleichmäßigem Abstand zum Sohlenrand - deutlich ist die gekrümmte Sohlenform zu sehen, die aufzeigt, dass dieser Schuh das Fußgewölbe gut unterstützt

2006

Der Schuh von oben - sehr deutlich ist das Schnürschild, frz. Plastron, zu sehen.
Im Einschlupf erkennen Sie den Keder zw. Ober- und Futterleder als Alternative zu gebugtem Oberleder..

2007

Beim Peilen über den Absatz ist deutlich festzustellen, dass der Schuh [I]nicht um seine Längsachse verwunden ist und die Laufsohle zu ihren Rändern hin aufsteigt;
der Fersenriegel zum Abschluss der Fersennaht ist deutlich zu erkennen

2008

Was entdecken Sie noch? Welche Qualitätsmerkmale kennen Sie zur Ergänzung bei Serienschuhen?
Anregungen Ihrerseits oder Fragen?

star314
26.04.12, 00:01
Lieber Urban,

eine wirklich tolle Zusammenstellung!

Vielen Dank und herzliche Grüße,
star314.

urban
26.04.12, 23:46
Das spornt an - danke!

Ich mache mich am Wochenende mal auf die Suche nach Schuhen mit weiteren Details wie eine echte versenkte Sohlennaht, eine getunnelte usw.

Und ehe ich's vergesse: Der letzte Schuh ist weder rahmengenäht noch Goodyear Welted.

Ich habe ihn aber genau deshalb ausgewählt, denn er ist um Klassen besser - sowohl in der Verarbeitung als auch im Material - als viele Schuhe,
die allein wegen ihres Namens, ihrer Herkunft usw. gehypt werden.

Ein guter Serienschuh muss also weder rahmengenäht noch GYW sein.

Aber keine Angst - es gibt ihn auch mit Rahmen als Goodyear Welted 50 € teurer als diesen - er sieht aber absolut genauso aus, versprochen!

urban
22.07.12, 18:30
Dieser Schnürstiefel ist abschließend von Hand coloriert, genau: Wischtechnik mit einem Baumwolllappen, worden.
Dabei hängt die finale Farbe von der Farbe des verwendeten Grundleders ab - dies hat absolut nichts mit einer Deckfarbe zu tun oder gemein.
Man kann auch den Stiefel homogen deckend einfärben und anschließend an der Poliermaschine einzelne Stellen wieder entfärben,
so dass die Grundfarbe des Leders wieder zum Vorschein kommt:
Eine Technik, die OSUKA aus Japan bei seiner HIGH DESIGN WORKS-Serie anwendet.

Die verdeckte Sohlennaht "channeled stitching":
Vor dem Nähen wird ein Riß in die Sohle entlang des Sohlenrands (=Sohlenschnitt) geschnitten, die dabei entstehende Lippe hochgeklappt.
In dieser Kerbe wird dann die Sohle an den Rahmen angenäht.
Anschließend wird Kleister eingestrichen und die Lippe wieder heruntergeklappt, angedrückt und leicht verdichtet.

Der Absatz ist umlaufend leicht abgeschrägt, um den Absatz eleganter erscheinen zu lassen.

Der Sohlenschnitt der Laufsohle ist am Steg ist beidseits rundgefast, um den Stiefel eleganter aussehen zu lassen.

2329

2327

2328

2337

Deutlich sind an diesem Schuh die verschiedenen Höhen der Seitenteile entsprechend den unterschiedlichen Knöchelhöhen zu sehen.
Leider geben nicht alle Schuhhersteller auf dieses kleine, aber sehr wichtige Detail acht.
Entweder machen sie beide Quartiere der Einfachheit halber gleich hoch oder die Quartiere sind zu hoch und
deren Oberkanten reiben die Knöchelunterseite wund.

2330

2331

Hoher Schuh in Hirschleder und original HarrisTweed:
Laufsohle und Absatz wurden zusätzlich mit einer Vibramsohle bzw. Absatzfleck verstärkt.
Wichtig dabei ist beim fertigen Schuh der Stand, d.h. dass er nicht über die Absatzvorderkante kippelt.

2332

2333

Hoher Schuh mit Kontrastschaftnähten.
Die rote Dainite Studded-Sohle wurde als "ganze Sohle" verarbeitet, der Absatz darauf mittels Lederflecken aufgebaut und
wieder mit einem Dainite-Absatzfleck abgeschlossen.

2334

Longwing Derby in Boxcalf und echtem Harris Tweed:
Deutlich ist das Futter aus Rauleder im Fersenbereich zu erkennen, um dem Fuß mehr Halt zu geben
und so einem Herausschluppen vorzubeugen.

2338

Auf diesem Foto erkennt man sehr deutlich das gebugte (umgebogene) Schaftleder am Einschlupf und
das ausgeschärfte Futterleder.
[Hier kann der Hersteller auch beispielsweise einen Keder zw. Ober- und Futterleder einnähen:
Eine sehr einfache Ausführung wären offene Kanten von Futter- und Schaftleder, also etwas billiger in den Kosten.]
2335

Stiefel mit Doppelsohle, die obere aus Leder - die untere Laufsohle aus sehr weichem Naturkautschuk-Sohle mit integriertem Absatz.
Das Besondere an diesem Stiefel ist der abgewinkelte Rahmen, um dem Eindringen von Feuchtigkeit entgegenzuwirken.
Um auch den Absatzbereich zu schützen, sind diese Stiefel ausnahmsweise 360 Grad-rahmengenäht.


2336

2339

Alle diese vielen kleinen Details tragen zum Endpreis für die Schuhe oder Stiefel bei, da sie in ihrer Summe
den Herstellungsaufwand nicht unerheblich erhöhen.

urban
02.08.12, 12:37
Sowohl bei dem grünen Schnürstiefel und bei dem schwarzen Oxford sieht man deutlich, dass die Laufsohle entlang
ihres Randes nicht auf der Unterlagen aufsteht.
Dies ist Absicht!
Da dort auch wenig Druck an-/aufliegt soll die Sohle im Bereich der Naht nicht den Boden berühren, um so geschont zu werden:
d.h. so läuft sich die Sohlennaht nicht so schnell ab bzw. wird der "Sohlentunnel" dort geschont.

Bei allen Schuhen zeigt die Schuhspitze (die Sohle) nach oben, um leichter abzurollen und weniger oder weniger starke Gehfalten auszubilden.
Die sogenannte Spitzensprengung.

Laufbursch
05.08.12, 21:02
Hallo Urban,

was ist das für ein Schuh? Bzw. wer oder was steht dahinter?

Zitat von oben:

Hoher Schuh in Stoff und original HarrisTweed:
Laufsohle und Absatz wurden zusätzlich mit einer Vibramsohle bzw. Absatzfleck verstärkt.
Wichtig dabei ist beim fertigen Schuh der Stand, d.h. dass er nicht über die Absatzvorderkante kippelt.

urban
05.08.12, 21:28
Hallo Urban,

was ist das für ein Schuh? Bzw. wer oder was steht dahinter?

Zitat von oben:

Hoher Schuh in Stoff und original HarrisTweed:
Laufsohle und Absatz wurden zusätzlich mit einer Vibramsohle bzw. Absatzfleck verstärkt.
Wichtig dabei ist beim fertigen Schuh der Stand, d.h. dass er nicht über die Absatzvorderkante kippelt.

:cool: Da hast Du mich aber gut drangekriegt.:D

Es muss heißen "in Hirschleder und original Harris Tweed".

Oder möchtest Du Modell, Leisten, Machart und Hersteller usw. wissen?

Warum einfach wenn's auch umständlich geht?
Hier nun der Hersteller: George's Modell 2977 - für den mittelbreiten Fuß - ca. 299.- € in Sacchetto
http://www.bestofbest-mode.com/attachment.php?attachmentid=1836&d=1332772244

Sacchetto, auch Bologna genannt, ist eine Durchnähmachart, bei der im Gegensatz zu "Blake" die Naht weiter außen
in der Beuge aus Futterleder und Brandsohle liegt.
Goodyear Welted ist nicht erforderlich, da die Vibramsohle die Sohlennaht (mav Steg) abdeckt.

Laufbursch
05.08.12, 21:48
:-) das wäre mir jetzt nicht aufgefallen :-) aber wo du es schon schreibst...ja ich meinte Modell usw...

urban
05.08.12, 22:03
So bin ich wenigstens auf meinen Fehler aufmerksam geworden.:)

Laufbursch
05.08.12, 23:30
vielen Dank für die Infos...

urban
06.08.12, 14:35
Sind die Beschreibungen und die entsprechenden Fotos verständlich oder sollten die beschriebenen Merkmale auf den Fotos
durch Kreise oder Pfeile besonders gekennzeichnet werden?

Irgendwo in den Tiefen meiner Festplatte verstecken sich noch alte Fotos mit "Schuhfehlern" - besteht daran Interesse?
Alle in der Schuhmacherei möglichen Fehler kann man nicht aufzeigen sondern nur die gröbsten und natürlich nur die sichtbaren.
Vom Sezieren einzelner Schuhe bin ich nicht sonderlich überzeugt, weil man dann viele zeitgleich produzierte Schuhe vieler Hersteller
zum selben Stichtag zerlegen müsste,
denn jeder Hersteller kann von einer Stunde auf die andere seine Produktion umstellen womit wir schon beim nächsten,
sehr umfangreichen Thema wären, der Auftragsproduktion...

Ich bitte an dieser Stelle um Ihr Verständnis, dass ich die Schuhmacher und Hersteller der fehlerhaften Schuhe nicht benennen will,
da das mir viel Ärger wie Abmahnungen, Zivilklagen usw. einbringen könnte.

urban
09.08.12, 10:57
Dem Stand des Schuhs widme ich ein eigenes Kapitel - nicht ohne Grund habe ich es mit "Die Herrenschuhe, die Damenschuhe und der Stand" überschrieben,
da die Damen auf die Schuhqualität leider dem Anschein nach weit weniger Wert legen als auf die Optik und den Preis, oder
schlicht und einfach schlecht, oder sogar überhaupt nicht, beraten werden.
Nicht ohne Grund sieht man daher leider sehr viele junge Frauen mit Knickfüßen!
Ich will wirklich nicht sarkastisch sein, aber gewisse Grundbestandteile sollte jeder Schuh, auch ein Damenschuh, aufweisen
als da z.B. wäre: eine stabile Fersenkappe!
Eine Überstemme (= seitliche Verstärkungen des Schaftes im Bereich Groß- und Kleinzehenballen), oder gar zwei,
wären bei den Damen schon purer Luxus.

Aber, und das musste jetzt wohl kommen, es verwundert mich nicht dass die Damen solche Schuhe tragen,
denn das Personal inklusive Chefin oder Chef in den "Schuhgeschäften", in denen sie einkaufen, verfügt noch nicht einmal über
das elementare Grundwissen über Füße und Schuhe.

Andererseits sind die Frauen oft, nicht immer, auch nicht bereit einen angemessenen Preis für ihre Schuhe zu bezahlen:
Ein nach den Regeln hergestellter Schuh hat nun einmal seinen Preis, und der muss sowohl im Ladengeschäft als
auch im Onlinehandel weit über 100.- € liegen - es reicht einfach nicht aus, dass die Dinger aussehen wie Schuhe,
sie sollten es auch sein.
Fersen- und Vorderkappe und eine anatomisch korrekte Konstruktion bzw. Ausführung sollten schon vorhanden sein,
um den Füßen einen Halt zu bieten ohne die Zehen zu quetschen...

Aufklärung über die Mindest-Qualität von Schuhen tut daher wirklich not!

urban
12.08.12, 14:10
Ein ganz wichtiges Kapitel ist die optische Täuschung.

Kaum ein Schuhkäufer, und schon gar nicht die Damen, können sich beim Schuhkauf dem Aussehen des Schuhes entziehen - oft ist es sogar der einzige Kaufgrund.
ABER,
Sie kaufen einen ganzen Schuh, meisten sogar 2 davon, und nicht nur den Schuhschaft!
Will sagen:
Den Schuh und seine Qualität macht das Machen und das dabei verwendete Knowhow aus - nicht etwa das auf Hochglanz polierte Oberleder aus
oder die aufwendig gestaltete Schuhsohle!
Ich habe gerade wieder etwas im Netz gestöbert, um ein paar aufschlussreiche Fotos zu finden.
Ergebnis:
Viele bunte Schuhe, auf den ersten Blick sehr schön anzuschauen und sehr, sehr eindrucksvoll - das muss ich zugeben!
Optisch super gemacht!
Nur waren sie grottenschlecht gemacht:
Faltenwurf im Oberleder, durch das Oberleder drückende Fersen- und Spitzenkappen, so unförmig dimensioniert, dass sie für jeden Fuß taugen,
verrutschte Schnürungen/Schnürlaschen usw. usw. - alles angeblich Maßschuhe, aber Murks von A bis Z.

Aber auf den ersten Blick sehr aufwendig gestaltete Oberleder!

Dann habe ich mir noch ein paar Fotos von Schuhshops angeschaut: Schauen Sie bitte vor dem Kauf ganz genau hin - auch diese Schuhe
sind optimal fotografiert worden, oft sogar retuschiert.
DAS heißt bei Weitem nicht, dass alle Schuhshops ihre Schuhe ins optimale Licht setzten - weniger ist manchmal mehr.
Auch das ist oft zu finden.

Schauen Sie beim Schuhkauf bitte auf die Stellen des Schuhs, dort wo Sie die eigentliche Schumacherarbeit und die Qualität der Ausführung erkennen können
und nicht bloß auf die Arbeit des Schäftemachers!
Konstruktion: Spitzensprengung, Fersensprengung, Absatzhöhe, Schuhform, also ob zu lang, zu hoch oder zu breit
Ausführung optisch: durch das Oberleder drückende Spitzen- und Fersenkappen, Überstemme(n) vorhanden? Wellen im Oberleder oberhalb der Sohle?
Ausführung technisch: Machart, sofern erkennbar oder beschrieben, Stichführung der Sohlennaht, Sohle vollkommen plan oder am Rand entlang hochgezogen?

Schauen Sie sich bitte den/die Schuhe vor dem Kauf genau an, und lassen Sie sich bitte nicht vom ersten Eindruck blenden.

urban
14.08.12, 18:40
Wie Schuhe in keinem Fall aussehen sollten finden Sie hier:
http://www.bestofbest-mode.com/showthread.php?18-Der-Schuh-worauf-man-beim-Kauf-achten-sollte

urban
15.08.12, 14:26
Noch ein paar Anmerkungen:

Lesen Sie sich bitte auch den Artikel über Den Stand von Schuhen durch - wenn er zu umfangreich oder zu kompliziert ist:
einfach fragen.
http://www.bestofbest-mode.com/showthread.php?704-Herrenschuhe-amp-Damenschuhe-Der-Stand
Dito den Artikel über die Konstruktions- und Macharten http://www.bestofbest-mode.com/showthread.php?708-Schuhkonstruktionen-lt-gt-Macharten
Die inneren Qualitäten von Schuhen wie z.B. Plastik(innen)kappen in der Schuhspitze und -ferse kann ich nicht zeigen,
da dafür die Schuhe zerlegt werden müssten.
Die Fotos zeigen überwiegend neue, nicht eingecremte Schuhe: "der Griesel" sind die sichtbaren Haarwurzeln/Poren des Leders.
Es handelt sich also um offenporiges, durchgefärbtes und vegetabil gegerbtes Leder, Anilinleder genannt.
Das Glattleder stammt aus der Tanneries du Puy - die Rauleder von Charles F Stead & Co. Ltd aus England.
Alle gezeigten Schuhe sind maschinell hergestellt worden - also keine komplett vom Schuhmacher von Hand hergestellten:
Sie zeigen aber deutlich auf, welche Qualität zu Preisen von 250 und 400 € machbar ist.

urban
18.08.12, 17:18
Heute habe ich wieder ein Foto von einem getragenen Schuh gesehen:
Achten Sie bitte darauf, dass der Vorderkappenbesatz nicht zu lang ist, sprich nicht über das Gelenk der großen Zehe hinausreicht.
Dann bilden sich im Vorderkappenbesatz Gehfalten.
Bei geschwungenem Kappenbesatz gilt dies für den Teil, der über dem Fuß liegt, und nicht für den seitlich nach hinten ragenden Teil.
Der Vorderkappenbesatz ist das, was die Newbies oft als "cap toe" oder "wing" usw. bezeichnen.

Einerseits sieht das nicht wirklich gut aus und andererseits kann die Vorderkappe (zw. Futter- und Oberleder) brechen.
Achten Sie auch bitte darauf, dass sich die Vorderkappe nicht durch das Oberleder, den Schaft, abzeichnet:
Ein Schönheitsmanko, das von weniger versierter Schuhmacherkunst zeugt.

Wenn es Ihnen mööglich ist, dann versuchen Sie die Überstemme(n), also die seitliche Verstärkung des Schuhes im Bereich
des Außenspanns zu ertasten (neben dem kleinen Zeh bzw. bei 2 Überstemmen auch neben dem großen Zeh):
Ist sie überhaupt vorhanden?
Recht selten sind 2 Überstemmen, also jeweils links und rechts im Schuh zwischen Schaft und Futterleder eingeklebt.

Die Überstemme liegt nicht über dem Rist! Dort würde sie im Übrigen keinen Sinn machen.

urban
28.09.12, 18:50
Was man ohne die Schuhe auseinander zu nehmen nicht mit Fotos aufzeigen kann, ist das Innenleben der Schuhe wie
z.B. die Vorder- und die Fersenkappe sowie die Überstemme(n) (seitliche Verstärkungen des Schuhs im Bereich des
Groß- und Kleinzehenballens).
Ob diese nun aus billigen Kunststoffen wie z.B. Plastik, aus Lederfaser oder tatsächlich aus Leder sind.
Auf den ersten Blick ein unbedeutendes Detail, entweder macht es sich im nächsten Sommer, aber spätestens bei
einem durchgescheuerten Fersenleder oder einem Kappenbruch bemerkbar.
Oder die Stärke und die Beschaffenheit der Brandsohle - ist sie dick, bretthart und verdichtet, oder dünn und
dadurch sehr flexibel oder ist sie gar vegetabil gegerbt aber nicht mittels Walzen hoch verdichtet worden und
dadurch so flexibel, dass sie sich zusammen mit der Sohle beim Gehen biegt.
Haben die Schuhe eine Korkausballung oder wie wurde ausgeglichen? Mit Schaumstoff, Harzen, oder anderem
synthetischen Füllmaterial?
Und bitte - es bildet sich kein Fußbett in der Korkschicht - wer verzapft nur immer wieder diesen absoluten Blödsinn?
Und nicht jede Machart bedingt eine Füllschicht - man kann Schuhe auch komplett aus Leder machen:
selbst bei rahmengenähten Schuhen könnte man statt der Kork- oder sonstigen Füllmasse den Rahmen mittels einer Lederschicht ausgleichen...

Man müsste also schon die Schuhe auseinanderbauen, um zu sehen, was sich tatsächlich unter der Oberfläche verbirgt.
Viel Aufwand... dabei sagt der Schuhpreis doch grundsätzlich bereits genug über die Schuhqualität,
wenn man von einem Brandaufschlag absieht, aus, oder?

urban
11.11.12, 12:47
Ich könnte hier auch noch so viel schreiben - nur was würde es nützen?
Und irgendwie wäre es parallel zu dem unendlichen Thread:
Kuriositäten aus der Welt der Schuhe http://www.bestofbest-mode.com/showthread.php?169-Kuriosit%E4ten-aus-der-Welt-der-Schuhe-und-deren-Pflege

Diese Eulenspiegelei lesen die Leute doch zumindest noch sehr zahlreich...;)

P.S.
Ein Fabrikschuh kann niemals perfekt passen - das behaupten nur Schuhbuch-/Wikipediaautoren und zahleiche andere, die allesamt keine Ahnung haben!

urban
24.11.12, 10:53
Umgekehrt heißt es aber auch, dass jemand, der nur 50 €uro oder 100 €uro für ein Paar Schuhe ausgeben will,
nicht erwarten kann, dass er mehr Schuh bekommt als er bezahlt.

Wenn jemand bereit ist mehr zu zahlen, dann bekommt er auch mehr Schuh, sprich: mehr Qualität bezogen auf das,
was einen wirklich guten, komfortablen Schuh ausmacht oder eine bekannte Schuhmarke - je nachdem was er bevorzugt.
Natürlich, oder sollte ich schreiben: menschlich, ist es so, dass viele, sehr viele sogar viel mehr Wert auf eine Marke legen,
weil sie ihr vertrauen, als auf die Qualität eines unbekannten Schuhmachers oder -herstellers und sich dabei selbst zu vertrauen!

Aber genau dazu dient dieser Thread:
Sie selbst sollen erkennen was die Qualität eines Paar Schuhe ausmacht - autark und ohne Rücksicht auf irgendwelche Namen oder
das, was andere dazu meinen.
Hier kann ich natürlich nur die optischen Merkmale mittels Fotos aufzeigen - das Gefühl an Ihren Füßen müssen Sie schon bitte selbst austesten.

Aber Sie können mir voll vertrauen wenn ich schreibe, dass ein tatsächlich von Hand genähter Schuh für 700 bis 1000 €, von einem Könner seines Fachs genäht,
alle bekannten Marken (mit Gembandgeklebten/-genähten Schuhe) weit überflügelt.
Sie würden staunen!
Ein Unterschied wie Tag und Nacht!

Nur leider gibt es solche Schuhe (noch) nicht in Deutschland - alle Händler scheuen das Risiko, weil die lieben Kunden nur
auf preiswertes, rahmengenähtes Schuhwerk stehen, zumeist aber ohne "die Leistung" beurteilen zu können - nur den Preis können sie bewerten.

Es ist - das habe ich schon mehrfach mit einem Schuhmachermeister durchdiskutiert - den Kunden, ganz speziell im Internet, nicht vermittelbar,
warum sie für einen handgenähten Schuh, der optisch gleich aussieht, das Doppelte oder Dreifache zahlen sollten wie für das optisch identische Paar
in einer Billigmachart wie mit Gemband, also Primestitched - beide sind rahmengenäht, nur liegen Welten dazwischen!

Es fehlt das eigene Erlebnis des Kunden - seit 20 Jahren sind die Internetuser komplett auf das Sehen und die Optik eines Gegenstands fixiert, leider!
Dass Produktfotos oft manipuliert werden oder die Perspektive so gewählt wurde, dass der Betrachter nicht sofort die an sich offensichtlichen Mängel erkennt,
ist vielen Internetshoppern bis heute anscheinend nicht bekannt, bewußt oder sie wollen es einfach nicht sehen.

Und von den Marktmanipulationen in diversen Blogs usw. einmal ganz zu schweigen!
Dort werden z.B. Fotos gezeigt, die eindeutig die sehr gravierenden Fehler der Schuhe aufzeigen,
die aber im Text noch nicht einmal vom Autor erwähnt werden.
Will sie niemand sehen - oder sind solche vermurksten Schuhe schon normal?
Oder wird es mittlerweile als vollkommen normal angesehen, dass solche Publikationen nur noch der Werbung dienen?

Aber die Leute, speziell die, die sich mit Schuhen auskennen, nehmen es kritiklos hin und verbreiten die Links sogar noch
statt einen kritischen & geharnischten Kommentar abzugeben!
WEM NÜTZT DAS?

urban
01.12.12, 10:54
Hiermit beende ich diesen Thread, denn er ist solange nicht effektiv wie Leute sich nicht mit ihren beiden Füßen beschäftigen,
noch nicht einmal ihre Schuhgrößen (2 Füße!) genau kennen aber trotzdem ihr erstes Paar Schuhe von einem Modell
entweder im Versandhandel kaufen, weil putativ billiger, was übrigens kompletter Schwachsinn ist sondern eher Assoziation (im Internet ist alles billiger!)
oder glauben, dass man gute Schuhe für ganz kleines Geld kaufen kann.

Ob ein Schuh rahmengenäht ist oder nicht, sagt überhaupt und rein gar nichts über seine Qualität aus,
zumal dieser Begriff keinerlei Aussage über die tatsächliche Ausführung, z.B. geklebt mit Gemband oder handeingestochen,
trifft und es weit bessere Macharten gibt, erstens grundsätzlich und zweitens je nach Zweck der Schuhe.
Ich habe daher einfach keine Lust mehr...

Andere Gründe kann man in den Beiträgen zuvor nachlesen.

Summa summarum macht es keinen Sinn Leuten etwas erklären zu wollen, die sich dagegen sperren, weil sie andere Prioritäten haben;
die anderen werden die Ratschläge in diesem Thread wohl berücksichtigen und möglichst wenige Fehler beim Erstehen von Schuhen machen.
Aus diesem Grund werde ich peu à peu .... und mir diese Arbeit zukünftig sparen, da das Vokabular der Kiebitze unvollständig ist.

M. Power
21.01.13, 17:15
Großartiger Beitrag. Vieles war bekannt, manches neu aber auf jeden Fall alles leicht verständlich – gerade durch die Bilder. Danke

urban
21.01.13, 18:22
Das freut mich, danke!:)

Aus eigener Erfahrung heraus weiß ich, dass es einem leider nicht immer gelingt die aufgezeigten Merkmale auf Anhieb an
'fremden' Schuhen im Geschäft oder auf Fotos zu entdecken - aber das wird schon mit der Zeit....

Geschrieben habe ich den Artikel übrigens, weil ich oft beobachtet hatte, dass viele Schuhaficionados nicht genau hinschauen
wenn Schuhe einer bekannten Marke mal wieder gehypt werden obwohl sie eigentlich in die MüTo gehören.
Ich kenne da beispielsweise einen Blog aus NY, da stellen sich mir immer die Nackenhaare.
Und alles zum Nachteil der Schuhkäufer, die entweder nicht so genau hinschauen oder noch nicht so firm in der Materie sind,
dafür aber sehr begeistert.
Und das führt zu vermeidbaren Fehlkäufen.

Ein Foto aus dem Thread Der Schuh - worauf man beim Kauf achten sollte
http://www.bestofbest-mode.com/showthread.php?18-Der-Schuh-worauf-man-beim-Kauf-achten-sollte

http://www.bestofbest-mode.com/attachment.php?attachmentid=43&d=1318264374
Die Dinger würde sich normal niemand anschauen stünde nicht ALDEN drin, oder?

Mr. Blindbuy
21.01.13, 21:38
Blog aus NY, du meinst doch wohl nicht "Zieh Das An" ;) ?

M. Power
22.01.13, 11:14
Folgende Schuhe dürften auch aus besagtem Blog sei; daher die Frage an den Fachmann: Was ist von der Schuhkonstruktion, speziell den Absätzen zu halten?
33143315
PS: Den Charakter einer Suggestivfrage räume ich ein ;)

urban
22.01.13, 11:34
Das wäre ja eigentlich eine Frage, die Meister Krivak beantworten sollte.:)

Als Machart würde ich auf rahmengenäht-handgedoppelt tippen, da die Doppelnaht sehr nah am Schaft liegt und die Sohlenkante (-schnitt)
im Bereich des Stegs rundgefast ist, was man so eigentlich nur mit einer eng am Schaft anliegenden Handnaht hinbekommt.
Im Bereich des Absatzes fällt mir auf, dass oberhalb der Laufsohle ein Keder eingebaut wurde, der allerdings bei dem Suede
nicht sauber in den Rahmen übergeht, und dass die Laufsohle oberhalb des Absatzes schräg nach vorne abfällt,
was idealerweise nicht so sein sollte, da der Fuß so nach vorne rutscht.
Dies ist auf dem Foto des Doublemonk recht deutlich zu erkennen.
Bei dem unteren Schuh ist die Absatzvorderkante nicht sehr sauber gearbeitet - vermutlich ein Absatzblock.

Sind die Schuhe vielleicht von G&G?

M. Power
22.01.13, 11:40
Ja sind sie; ich habe die Logos aber mal wegretuschiert.

Mir fiel eben zuerst der fast schon keilförmige Absatz des ersten Schuhs und die allgemein etwas unsaubere Verarbeitung des zweiten auf. In der Preisklase mMn ein Unding...

urban
22.01.13, 11:52
Leider kommen solche Fehler ab und an vor - warum die Schuhmacher aber nicht bei der Leistenauswahl auf eine ausreichende Fersensprengung gemessen an der Absatzhöhe, die der Designer vorgesehen hat, achten, bleibt mir ein Rätsel.

G & G hat aber gemessen an den Anfängen die Qualität schon um einiges gesteigert seitdem sie die Schuhe selbst machen.

urban
04.01.14, 15:23
and up!:biggrin:
I've read a review of R. Schneider, Gentleman's Gazette, and not found one of these points reflected in the review.
Only promotion or a critical review?

Übrigens sind die RTW's von G & G mittlerweile mit Gemband und die Sohlen werden mit der Maschine an den Rahmen genäht.

...and the soles are [only] sewn with the machine.

urban
04.01.14, 15:40
Die Überstemmen
- ich muss mich zuerst wieder daran erinnern wo ich in den letzten Tagen ein gutes Foto davon gesehen habe - das Alter.:confusion:

Ich finde es einfach nicht auf die Schnelle..

Entlang des Außen- und Innenspanns werden zwei dünne Stücke aus Leder zwischen Ober- und Futterleder eingeklebt,
die den Schaft seitlich verstärken.

8766

Diese Verstärkung kann man ertasten - fehlen sie, dann verfügt der Schaft über eine wenige gute (Eigen-) Stabilität;
gute Schuhe sollten immer beide Überstemmen aufweisen.

Man sollte auch darauf achten, dass sich weder die Vorder- noch die Fersenkappe im Oberleder abzeichnen (durchdrücken).

urban
15.05.14, 18:13
Die Zeitschrift LAST hat ebenfalls eine kleine Fotoserie aufgelegt

112951129611297

urban
15.05.14, 21:51
In Ausgabe 4, aber eigentlich in jeder Ausgabe, da jeweils die neuesten Modelle gezeigt werden, gab es einen Artikel mit dem Titel "The first pair".

Das interessante daran ist, finde ich zumindest, dass man beim Betrachten der Schuhe sehr schnell ein Gefühl für gut gemachte (und schöne) Schuhe entwickelt.
Einige Marken kann auf den ersten Blick erkennen wie z.B. Pierre Corthay oder Berluti, andere Marken haben einen mehr oder weniger ausgeprägte Stil-/Designrichtung.
Die Handschrift des Schuhdesigners.
Die weniger gut gemachten kristallisieren sich auch sehr schnell heraus, die Langweiler und enttäuschenden bekannten Marken ebenfalls.

Es ist nicht so, dass ich jetzt allein der Schönheit das Wort reden will - bei weitem nicht!
Erstens sieht man auf den meisten Fotos nur den Schaft - wie üblich - und man muss schon sehr genau hinschauen, um die Verarbeitungsqualität und die manchmal
liebevoll gearbeiteten Details wie einen erstklassig gearbeiteten Einschlupf ohne offenen Lederkanten zu erkennen, oder die Übergänge der einzelnen Schaftteile,
den Verlauf der Nähte oder die Verriegelung des Fersenleders.
Man kann sogar ein gewisses Gespür dafür entwickeln welche Schuhe tatsächlich von Hand genäht bzw. gemacht wurden.

Ein sehr interessantes Sehtraining, das man beliebig oft wiederholen kann, um den eigenen Blick zu schärfen.

urban
18.08.14, 11:59
Nachdem ich einen Schuhtest las, der sich nur mit dem Schuhschaft beschäftigte statt mit dem Schuh an sich, bin ich mir am Überlegen ob das Thema
Was macht einen guten Schuh aus?
nicht etwas ausführlicher darlegen und die Randthemen wie z.B. der Stand, Ausführungs- und Konstruktionsfehler nebst Materialeigenschaften mit einbeziehen sollte.

Mit wie vielen Stichen pro cm die Schuhsohle mit der Maschine angenäht wurde oder ob irgendwo am Schaft Kleberreste zu finden sind, ist dagegen drittrangig: die Optik.
An erster Stelle steht wohl die Schuhkonstruktion - ist diese fehlerhaft, dann war's das wohl!

Was will jemand beispielsweise mit einem Schuh anfangen, der eine viel zu hohe Spitzenzugabe aufweist, nur um ihn schlanker und eleganter aussehen zu lassen,
der aber logischerweise beim Gehen so starke Gehfalten bildet, dass diese auf die Zehen drücken und Schmerzen verursachen oder gar die Spitzenkappe bricht.
Oder die Ferse ist im Schuh nicht waagerecht gelagert, so dass speziell beim Loafer der Schaft beim Tragen geweitet wird, da der Fuß nach vorne rutscht?

Diese zwei Beispiele zeigen, dass es bei Schuhen auf andere Aspekte wie die Optik, das Betrachten und Bewerten des Schuhschaftes ankommt,
von den Feinheiten bei der Ausführung wie Konstruktion, Machart, händische oder maschinelle Fertigung einmal ganz abgesehen.
Die Optik, genau genommen als Verarbeitungsqualität oder -detaills und Ausputz bezeichnet, ist nur der Punkt auf dem "i". :wink:

urban
18.08.14, 14:24
Ein anderes Thema, und bitte nicht verwechseln, wäre:
Wann sitzt ein Schuh gut am Fuß?

Das wäre dann halt eben etwas Nachhilfeunterricht für alle Schuhverkäufer, speziell für die, die immer nur dem Kunden bei seinen Versuchen die best sitzenden Schuhe zu finden zuschauen
und dazu Kommentare liefern statt dienliche Hinweise zu geben.
Etwas schwer zu beschreiben das Ganze, könnte man aber mal versuchen....:cool:

urban
22.08.14, 12:29
Nun habe ich gerade meinen Artikel Füße -> Maße -> Leisten -> Schuhe bei der Suche nach Zeichnungen überflogen :read: http://www.bestofbest-mode.com/showthread.php/288-Füße-gt-Maße-gt-Leisten-gt-Schuhe
und siehe da - dort steht eigentlich bereits alles drin - etwas umfangreich und detailliert vielleicht....

Der Fuß wird vermessen beginnend an dem äuß0ersten Auslenkpunkt der Ferse - der Nullpunkt für die Längenmessung.
Das hat jeder schon einmal selbst gemacht indem er seinen Fuß an den Türrahmen oder einen anderen Gegegnstand gestellt hat, um anschließend seine Fußlänge zu messen.
Ergo ist die Ferse das A und O bei der Suche der passenden Schuhe - dort muss der Fuß, die Ferse, exakt zum Fersenbogen des Schuhes passen, zur Rundung der Fersenkappe.

http://www.bestofbest-mode.com/attachment.php?attachmentid=1042&d=1324144315

http://www.bestofbest-mode.com/attachment.php?attachmentid=1043&d=1324144779

Auch in der Breite muss der Fuß den Schuh im Fersenbereich ausfüllen und es darf kein Platz zwischen linker bzw. rechter Seitenwand des Schuhs (= Quartiere) und Ferse sein.

=> Maß bei 20 % - die schwarze Linie (Kontur) ist die Trittspur, also das Auflager des Fußes auf dem Boden/dem Schuh/dem Papier - die rote Line zeigt die Fersenkurve
http://www.bestofbest-mode.com/attachment.php?attachmentid=1041&d=1324142978

Trittspur-Maß und maximale Breite der Ferse
http://www.bestofbest-mode.com/attachment.php?attachmentid=1045&d=1324151803

Die Ferse muss bombenfest im Schuh sitzen - sprich: die beiden Seitenwände, die Quartiere, und die Rundung der Fersenkappe (Fersenbogen) müssen zu der Fersenkurve des Trägers passen.
Nur dann schlappt der Fuß nicht aus dem Schuh.
Es ist absolut uninteressant wie der Schuh ab dem Knöchel nach vorne hin sitzt wenn es keinen Fersensitz gibt, denn der Nullpunkt für die Fußlänge(nmessung)
ist der Scheitelpunkt der Fersenkurve!


NEWBIES könnten vielleicht die Erkenntnis daraus ziehen, dass man sein erstes Paar guter Schuhe NIEMALS via Internet finden kann und
kein Weg an einer ausführlichen, persönlichen Beratung durch eine kompetente Person vor Ort vorbeiführt.:sorry:

Es geht irgendwann weiter...jetzt muss ich zuerst einmal mein Tagwerk leisten

urban
23.08.14, 21:13
Fast ebenso wichtig ist der Aufbau des Schuhes im Fersenbereich - sprich: insbesondere bei 360 Grad-rahmengenähten Schuhen sollte der Käufer bei der Anprobe im Geschäft
darauf achten, zur Not das Verkaufspersonal fragen ob der Schuh oberhalb des Absatzes eine Korkausballung aufweist wie es z.B. bei Allen Edmonds-Schuhen der Fall ist.
(siehe Video)
Ist zwischen der Brandsohle und dem Absatz eine Korkschicht, eventuell sogar eine recht hohe, so wird die durch das Körpergewicht des Schuhträgers im Laufe der Zeit zusammen
gedrückt und dadurch verändert sich der Halt der Ferse im Schuh - zudem bietet die Brandsohle so der Ferse, durch die immerhin das gesamte Körpergewicht auf den Schuh und dabei
auf den Absatz abgetragen wird kein stabiles Widerlager.
Dadurch können sich Fußfehlstellungen wie z.B. eine Knickferse vestärken.
Solche Schuhe mögen wohl kostengünstig zu produzieren sein - orthopädisch betrachtet sind sie allerdings rundum abzulehnen!

Zwiegenähte Schuhe weisen keinen oberen Keder auf, da sie konstruktionsbedingt keinen benötigen.

Rahmengenähte Schuhe, bei denen der Rahmen jeweils seitlich bis zur Absatzvorderkante reicht, weisen als Fortsetzung des Rahmens im Absatzbereich den oberen Keder auf;
dieser liegt auf der Brandsohle (oberhalb) und bildet die Fortsetzung des Rahmens über dem Absatz.
Durch diesen oberen Keder auf der Brandsohle bildet sich eine Senke aus, in der die Fersenunterseite Halt findet, sie zentriert wird, nicht seitlich wegrutschen kann und
auf diese Art das geiwcht senkrecht nach unten übertragen kann.
Unterhalb der Brandsohle liegt ein zweiter Keder, der die Aufgabe hat unterhalb der Brandsohle ein flaches Auflager für den Absatz zu schaffen.

Nur durch diesen 'harten' Aufbau aus verschiedenen Lederteilen (oberer -, unterer Keder, Absatzflecken) ist ein stabiler Halt für die Ferse gewährleistet,
der sich auch bei Tragen nicht verändern kann; einem Einsinken des Fußes, und damit einhergehend einer Verstärkung der Fersen-/Fußfehlstellung wird so vorgebeugt.

Es würde sich also empfehlen auf den technischen Absatzaufbau zu achten und aus orthopädischen Gründen die Finger von Schuhen zu lassen,
die im Absatz-/Fersenbereich eine Korkausballung aufweisen.
Wenn jemand das anzweifelt, dann sollte er sich vielleicht einmal mit einem versierten Schuhmacher über das Thema unterhalten.

Ein guter Fersensitz ist das A und O beim Schuhkauf - nur leider wird dies nur äußerst selten beachtet,
da viele Schuhhändler einfach keine Ahnung von Schuhen und Orthopädie haben! Sie schwätzen nur viel und wissen sehr wenig - könnte sich aber noch ändern...:wink:

Nein - ich gebe hier keine Ratschläge wie man den guten Fersensitz selbst kontrollieren kann, da kaum selbst & allein zu bewerkstelligen.

urban
23.08.14, 21:29
Schuhranking I - Macharten - hier findet man weitere Erläuterungen und Schnittmodelle von Schuhen
:read: http://www.bestofbest-mode.com/showthread.php/1504-Schuhranking-I-Macharten?p=4227&viewfull=1#post4227


Mann läuft exklusiv auf Ledersohlen - diese sind flexibel und nicht hart, da vegetabil gegerbt + gekonnt aufeinander abgestimmt

http://www.bestofbest-mode.com/attachment.php?attachmentid=9095&d=1390552914

Blake Rapid mit zusätzlichen Einlagen auf der Brandsohle

http://www.bestofbest-mode.com/attachment.php?attachmentid=9096&d=1390552915

Goodyear Welted, rahmengenäht, aus kostengünstiger Produktion mit Korkausballung im Fersenbereich

http://www.bestofbest-mode.com/attachment.php?attachmentid=9097&d=1390552917



Das hört sich jetzt alles sehr kompliziert an - praktisch ist es aber ganz einfach:
Schauen Sie sich erst gar nicht Schuhe mit Korkausballung unter der Ferse an und achten Sie bei der Anprobe darauf, dass die Ferse hinten und seitlich einen guten Halt findet,
dass also die "Fersenkappe" und die Quartiere press anliegen (aber ohne zu drücken und ohne bis an den Knöchel zu reichen).

Güero
29.09.16, 13:21
Exzellenter Thread. Für Laien teilweise etwas schwer verständlich, aber dann muss man eben mehrfach lesen. Bin über die Suche auf diesen Thread gekommen, auf der Suche nach der Erkennung von deckgefärbtem Leder. Bis jetzt zwei Möglichkeiten gefunden: 1. Durchgefärbtes Leder lässt die Struktur erkennen 2. In der Schnürsenkelöse lässt sich erkennen, wie tief die Farbe geht. Was ist von diesen Methoden zu halten?

urban
29.09.16, 14:35
Nun, es gibt 3 Grundarten von Färbungen bei Schuhen:

durchgefärbt
gefärbt - Oberflächengefärbt, aber nicht (den Narben, die Oberfläche) abdeckend
deckende Färbung wie Lackschuhe

Sonderformen:

Folierung - eine Folie wird auf das Leder geklebt
Prägung wie Scotchgrain und Pingrain
Lasern
usw.


Bei der deckenden Färbung wird - wie der Name es schon sagt - eine Farbschicht auf das Leder aufgetragen, die so stark (dick) ist,
dass die darunter liegende Schicht, das Leder, nicht mehr sichtbar ist.
Bei der dünneren (Oberflächen-) Färbung bleibt der Narben sichtbar wie bei durchgefärbtem Leder - diese Färbung von z.B. Schuhen aus Crustleder (ungefärbtem Leder)
ist einerseits sehr beliebt bei Schuhkäufern, die den Schuh in ihrer Farbe wollen, und wird andererseits aber immer wieder mit der deckenden Färbung verwechselt oder gleich gesetzt.

An den Ösen kann man also nur erkennen ob das Leder durchgefärbt ist oder nicht wobei kleine Farbunterschiede zwischen Lederoberfläche und dem "Lederinneren" normal sind.

Mittlerweile gibt es Möglichkeiten, das Leder nach der Deckfärbung mit einer Prägung zu versehen, die das Narbenbild nachahmt (Prägewalzen, Laser usw.)
oder es täuschend ähnlich zu folieren.
Auf Fotos ist es oft sehr schwer eine deckgefärbtes Leder, wenn es sich nicht gerade um einen Lackschuh handelt, von anders gefärbten zu unterscheiden.

In der Praxis empfiehlt es sich sofern man sich nicht sicher ist, einen Wassertropfen drauf zu setzten oder die Hand ein paar Minuten darauf zu legen:
bildet sich Schweiß, dann ist das Leder deckend gefärbt, zumindest sind die "Poren" verschlossen.
Ein anderer grober Anhalt ist - sofern es sich nicht um eine bekannte Marke handelt - der Preis; aber auch bei Markenschuhen kann man sehen, dass Schuhe aus gutem Leder
wesentlich teurer sind als solche aus billigerem.

Ich würde sagen, dass das Narbenbild grundsätzlich auf Fotos den besten Anhalt bietet.

Dazu könnte man noch sehr viel schreiben wie z.B. Spaltleder (Unterspalt oder Mittelspalt) und billigstes Leder von "rahmengenähten" Schuhen,
wahrscheinlich aus dem Unterspalt gewonnen, Oberfläche stark beschichtet, die Unterseite mit einem Gewebe verstärkt.

17747

Reist man das Trägergewebe ab, dann ist das Leder "wabbelig" und hat keinerlei Stand (Griff) mehr. Deutsche Markenschuhe, Preis: >250 €
Das Leder nimmt eine Schuhcreme recht schlecht an und reagiert sehr empfindlich auf kleinste Beschädigungen der Oberfläche;
dabei entstehen "Flecken" (= beschädigte Fläche), die nicht mehr entfernbar sind.

Güero
29.09.16, 16:18
Besten Dank! Denke für die nächsten Schuhe werde ich einen der hier empfohlenen Schuhmacher aufsuchen, die werden ja wissen, was sie verwenden. Wie meine aktuellen Schuhe beschaffen sind, kann ich ja jetzt rausfinden.

urban
29.09.16, 16:38
Wenn Du damit "die Italiener" meinst, dann haben die normalerweise Ledermuster der verschiedenen Qualitäten und Preisklassen da.
Nur eins sollte man nicht tun, die Färbung, also ob durch-/trommelgefärbt und die Oberflächenfärbung überbetonen, denn es kommt ja schließlich auf die Lederqualität insgesamt an.
Fotos sogenannter Cust-Lederschuhe solltest Du bei den Patines finden.
Wenn Du Dir mal die Schuhe von Bontoni - http://www.bontoni.com/ - anschaust: Diese sind in der Regel (oberflächen-) gefärbt nach Kundenwunsch.
Der Firmensitz von Bontoni ist nur ein paar Kilometer von Montegranaro entfernt - Spernanzoni in Morrovalle würde ich in jedem Fall auch empfehlen!
http://www.bestofbest-mode.com/showthread.php/1746-Vittorio-Spernanzoni-Morrovalle

Güero
29.09.16, 17:36
Ja ich lasse mich dann (hoffentlich) etwas beraten dort, in pidgin english. Habe an sich auch keine großen Ansprüche, das Leder sollte nur möglichst haltbar und gerne pflegeleicht sein. Werde mich dazu hier auch noch etwas einlesen. Flug nach Ancona kostet hin und zurück nur 188 Euro, drei Tage mit einem vollen Tag in der Mitte. Das müsste ja eigentlich reichen um zwei oder drei Paar passende Schuhe zu kaufen.

urban
29.09.16, 18:00
IRRTUM!

Du kannst in dieser Gegend wohl jede Menge Schuhe kaufen, wenn Du aber handgemachte haben möchtest, dann bekommst Du die nach Deinen Vorstellungen und Wünschen gemacht,
ggf. mit kleinen Änderungen am Leisten, und nach 4 bis 6 Wochen zugeschickt.
Mogul hat das schon einmal durchexerziert und sich wegen der Zeitknappheit vorher beim Schuhmacher, Andrea Ripani, angekündigt und das Prozedere durchgesprochen.
Ziemlich gut passende Schuhe von Andrea erhalten, 3 Stunden zur Probe gelaufen, wieder zurück in die Schuhmacherwerkstatt, die Änderungen am Leisten besprochen und
die gewünschte Ausführung festgelegt.
Fausto Ripani
Damiano Chiappini
Doriano Marcucci
Franco Cimadamore
Vittorio Spernanzoni - wenn Du zu Olivo Mellazzo, das ist der Schuhmacher, der in den Videos zu sehen ist, möchtest, dann solltest Du mich bitte vorher anrufen.
Du kannst auch gerne Mogul eine pm schicken, denn er verfügt über aktuelle Erfahrungen aus erster Hand. :wink:

Güero
29.09.16, 19:25
Ätzend, jetzt habe ich statt zu editieren meinen Beitrag gelöscht. In Kurzform: Die Idee war es Donnerstag gegen 14/15 Uhr dort anzukommen und vielleicht schon mal ein oder zwei Schumacher zu besuchen. Am Freitag dann jeden der genannten zu besuchen und jeweils ein Paar zu kaufen, je nachdem was mir passt und gefällt. Handgemacht sollten sie natürlich sein, deswegen plane ich die Reise ja. Ein verbesserte Passform wäre natürlich klasse, wenn möglich und nötig. Ins Design möchte ich eigentlich nicht reinpfuschen, maximal Lederauswahl - wobei ich da auch keine großen Ansprüche habe außer Farbe schwarz, moro, oxblood (es sei denn irgendwas tolles springt mich an, eventuell ein dunkles grün oder so). Über Lederqualität werde ich mich hier mal einlesen.

Wie ich den Schuhmacher vorab auswählen soll keine Ahnung, ich kann deren Arbeit ja nicht beurteilen und was auf den Webseiten an Modellen zu sehen ist, ist weitaus extravaganter als ich das benötige. Eventuell Ripani, der scheint ja zumindest recht solide Englisch zu können. Ich kann nämlich definitiv nicht genung italienisch um meine Passform- und Lederwünsche deutlich zu machen. Mogul werde ich auf jeden Fall mal kontaktieren. Auch bei Dir melde ich mich gerne, wenn es Herr Mellazzo werden soll.

Was wäre denn Deine Empfehlung überhaupt? Einmal generell und vielleicht einmal konkret für einen sehr dunkelbraunen wholecut (da lohnt sich dann ja auch die Passformanpassung re: Gehfalten besonders denke ich) mit weicher/flexibler Sohle(nkonstruktion), vielleicht aus Ziegenleder? Oder für einen klassischen, todlangweiligen schwarzen Oxford aus Kalbsleder, gerne mit wetterfester Konstruktion (Norvegese?)?

Es eilt bei mir auch nicht wirklich, da ich ausreichend Schuhe habe. Ich habe nur eventuell im November/Dezember Zeit und Muße für einen Kurztrip in die Gegend. Da würde ich dann am liebsten direkt mehrere Paar kaufen.

urban
30.09.16, 00:30
Von den Webseiten würde ich mich nicht blenden lassen, das sind nur ein paar Modelle, die sie fotografieren ließen.
Du bekommst alles, was Du möchtest...
Beim Oberleder würde ich bei Kalbleder bleiben, flexibel sind die Schuhe alle, weit flexibler als die, die Du gewohnt bist: Kein Vergleich!

Empfehlen?
Warte mal ab was Mogul Dir berichtet - er kam mit Andrea Ripani gut klar, ein sehr netter Kerl, ich komme auch mit Damiano klar.
Meine nächsten Schuhe kommen - sofern möglich - von Olivo Mellazzo persönlich, ein Tipp von Roby Spernanzoni.
Es hängt also ganz und gar von der Wellenlänge ab für welchen Du Dich entscheidest.

Fahr mal hin und sprich mit ihnen, aber ich würde noch 1 oder 2 Tage dran hängen, wenn Du schon mal da bist...
Im Outletcenter in Casette d'Ete gibt es u.a. Cashmere von Cruciani, bis nach Foligno ist es auch nicht weit: Fratelli Tasselli mit sehr günstigen Preisen.
Das Outlet von Claudio Orciani ist auch nicht so weit weg, ca. 1 Stunde im Auto.
Santoni ist auch ganz in der Nähe von Montegranaro... es gibt schon einiges, was man sich anschauen sollte.

Du brauchst doch nicht etwa noch einen Maßanzug von einem der Meister der Meister aus der Wiege der italienischen Schneiderkunst?
Diese liegt weder in Neapel noch in Florenz noch in Mailand - dort fahren nur die Internetgläubigen hin und lassen sich von Fotos beeindrucken,
sondern ganz in der Nähe Deines Zielflughafens.

Güero
30.09.16, 23:57
Hab inzwischen auch ausführliche Informationen von MoGul per PN erhalten, besten Dank! Denke ich werde es auch mal mit den Ripanis versuchen - gemeinsame Sprache ist ja hilfreich für stimmende Chemie. Denke ein dunkelbrauner wholecut, ein schwarzer Oxford und ein oder zwei paar Stiefel, davon gerne ein Chelsea o.ä. in dunkelgrün, sollen es werden. Kann ich ja nochmal drüber nachdenken und vielleicht ja auch schon mit Herrn Ripani vorab per Mail klären. Bestimmt hat er ja auch Empfehlungen.

Ein oder zwei Tage länger bleiben wäre natürlich grundsätzlich fein und vermutlich auch machbar. Nur ich kenn mich ja, aus der anfänglichen Idee mal ein oder zwei Paar anständige Schuhe zu kaufen (die ich eigentlich nicht brauche), sind jetzt schon eher vier als drei Paar geworden. Wenn dann auch noch größere Outlet- oder Fabrikbesuche anstehen, muss ich auf dem Rückweg Gepäck aufgeben :D Aber ja, Du hast vermutlich Recht, wenn man eh schon dort ist...

Maßanzug klingt ebenfalls verlockend. Ist da hier schon ein Thread zu diesem Schneider? Gleich mal suchen. Da wäre dann natürlich neben dem mehrfachen Reiseaufwand die Sprache ein größeres Problem vermutlich. Habe bis jetzt noch keinen Maßanzug (und auch keinen wirklichen Bedarf, da mehr als ausreichend mit Anzügen bestückt), hatte aber wenn immer ins Auge gefasst, einen der wenigen deutschen Schneider hier im Umkreis zu beglücken, da ich dort mal eben schnell für die Anprobe hingehen kann. Oder aber einen der Engländer aufzusuchen, da ich dort zumindest die Sprache kann.

Auf jeden Fall vielen lieben Dank für die guten Tipps! Wenn sich das Ganze konkretisiert gebe ich auf jeden Fall hier Bescheid und mache dann auch ordentlich Fotos!

urban
01.10.16, 00:56
Ich würde das mit dem nicht brauchen irgendwie nicht ganz so festgeschrieben sehen sondern hege Bedenken wie viele es noch werden werden wen Du diese Schuhe eine Zeit lang getragen hast und anschließend wieder in die "normalen" schlüpfen musst - hat Mogul nichts darüber geschrieben oder ist seine anfängliche Euphorie schon wieder geschwunden?

Nein, über diese Maßschneider habe ich noch nichts veröffentlicht, da ich selbst noch nicht da war - wollte das wohl vor 4 Jahren, komme aber derzeit nicht weg
und brauche auch keinen Anzug - muss aber schauen, dass ich den Schuhpflegeshop in's Laufen bekomme.
Die Rede ist von 3 Schneidermeistern, die für die anderen Schneidermeister Weiterbildungskurse geben, nicht von irgendwelchen Schneidern, die in Deutschland ihr Können für kleines Geld anbieten
und noch nicht einmal Mitglied sind:
http://www.bestofbest-mode.com/showthread.php/1464-Accademia-Nazionale-dei-Sartori-dal-1575-è-l-Associazione-Ufficiale-Nazionale
oder von anderen im Netz gehypten Schneidern.

Das ist ein weiteres Internetparadoxum:
Die wirklich guten haben meist genügend Aufträge, seien es Schneider- oder Schuhmachermeister als dass sie auf diese Internethypes keinerlei Wert legen oder
sie möchten das einfach nicht.
Wer kennt im Internet schon Doriano Marcucci?
Dabei ist es der "Ziehsohn" von Basilio Testella, dem einzigen Schuhmacher (alt) meister, der den Piccio d'Oro jemals verliehen bekam und leider schon verstorben ist.
Kennenlernen durfte ich ihn noch - siehe Bildbericht, aber leider war er schon zu alt, um noch Schuhe machen zu können.

Aktuell wird Olivo Mellazzo als der Großmeister angesehen, daher möchte ich auch von ihm persönlich mindestens 1 Paar Schuhe gemacht bekommen, aber:
Wer von den Internet-Schuh-Granden kennt diesen Mann schon, weiß um seinen Namen, seine Verdienste und sein Können?
N I E M A N D - da sie fast alle Schwätzer sind und die stories of the shoes erzählen.

Also nur mal ruhig Blut, es ist ja noch eine Zeit lang hin bis Dezember. :wink:

MoGuL
01.10.16, 11:05
Hallo Urban,
Ich gerate nur beim Fußball in Euphorie. :biggrin: Spass beiseite, ich bin absolut überzeugt von der Qualitat überzeugt. Wer mal Rahmengenähte(Maschine) mit doppelter Ledersohle getragen hat, und dann in einen Schuh in Norvegese gelaufen ist, kann mein Gefühl nachempfinden. Alle anderen wissen nicht was sie verpassen. Aber man kann eben nicht alle retten. Diesen missionarischen Eifer überkommt dich ja nach wie vor, Urban :2 laughers:

urban
01.10.16, 11:37
Missionarischer Eifer - kann sein, dass man das so liest, wahrscheinlich sogar wenn man jahre- und jahrzehntelang auf bekannte "englische" Marken, Brands und Goodyear geprägt ist.
Ging mir ja schließlich auch lange Zeit so, Alden = Shell Cordovan und jede Menge weitere Anglophilie bei Schuhen,
nur bin ich halt auch sehr neugierig und experimentierfreudig.

Genau genommen drücken meine Beiträge zu diesem Thema [und anderen Themen wie Schuhpflege, Socken, Unterwäsche usw. - also fast alle] :loud laugher:
mein Unverständnis über gewisse Fixierungen, die Geiz-ist-tumb-Mentalität und den eingeschränkten Horizont, oder sollte ich jetzt besser, also gesellschafts-/konsenzfähig, schreiben:
die Biederkeit aus - Spießer und uniformes Denken bzw. Verhalten im Internet, der Schwarm lässt grüßen, die Hypes freuen sich,würden es vielleicht auch noch ganz gut treffen.

Dabei verdiene ich noch nicht einmal einen einzigen Cent damit und diese Schuhe sind weitaus billiger als so mancher Schuh aus England!
Die Marke macht's! Stimmt ja gar nicht! :diablo:
Ist halt eben Imagepflege - wie so viele andere Beiträge von mir auch. 17756

Dabei ist die Sache doch recht einfach:
Es gibt zu wenige Bild- und Erfahrungsberichte über diese speziellen Schuhe im Internet na, wie wär's?

Ein einzelner Rufer in der Schuh- und Billigwüste Deutschland gilt dann schnell als Sonderling! :sorry:



.

urban
01.10.16, 12:06
Erfahrungen mit handgemachten Schuhen - hier: Fausto und Andrea Ripani

http://www.faustoripani.com/

http://www.bestofbest-mode.com/showthread.php/2295-Erfahrungen-mit-handgemachten-Schuhen-hier-Fausto-amp-Andrea-Ripani

urban
24.11.17, 16:19
19461

19454

19455

19456


19458

19459

19460

Ja, richtig geraten - es geht um das Thema Schuhkonstruktion, Absatzhöhe, Fersensprengung und so weiter: das Kippeln von Schuhen

Das letzte Foto zeigt eine Spezialität aus Portugal, die passgenaue Unterstützung des Fußgewölbes durch die Brandsohle - erfunden von Jorge Cunha, PT.

19462

19463

19464

Bei Henrique Enko findet man ab und an noch diese speziellen Brandsohlen:
https://henrique-enko.fr/pages/home



P.S. Muss jetzt leider schnell zur Post

urban
19.10.18, 12:46
Umgekehrt betrachtet und wenn man sich diese Beiträge aufmerksam durchliest kann jedermann leicht feststellen ob bei den in Augenschein genommenen Schuhen
die anhand zahlreicher Fotos gezeigten Qualitätsmerkmale vorhanden sind.
So kann man die Verarbeitungsqualität, die gröbsten Konstruktionsmerkmale oder -fehler, die Schuh-Machart als solche, den Ausputz, die Details und weitere Merkmale
erkennen und für sich selbst auswerten.

Die gröbsten Fehler an Schuhen sind beispielsweise:
- rundum = 360 grad rahmengenäht mit Korkausballung unter der Ferse
- fehlender Stand
- durchdrückende Spitzenkappen
- schief eingeleistete Schuhschäfte
- unsauber gezwickte Schuhschäfte und/oder keine ausreichende Verweildauer auf dem Leisten vor der weiteren Bearbeitung:
Schatten auf dem Schaft oberhalb der Sohle
- unsauber zusammengenähte Schuhschäfte + Schaftteile nicht sauber ausgeschärft
und vieles mehr leicht erkennen - Mann muss lediglich 20975

Daneben gibt es für Schuhe auch Textbeschreibungen - auch die sollte man aufmerksam lesen und vollumfänglich verstehen,
da oft bei diesen Texten eine sehr blumige Sprache verwandt wird, um die echte Qualität etwas zu verschleiern.

Etwas Basiswissen über Schuhe, Macharten und Leder kann ebenfalls nicht schaden.

Damit gerüstet kann man Schuhe eigentlich recht gut einordnen bezüglich Design und Qualität
OHNE den mehr oder weniger bekannten Hersteller oder die Marke als Indikator bemühen zu müssen.


Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

Es braucht schon ein scharfes Auge und etwas Erfahrung, aber es gibt so gut wie nichts, was Mann nicht lernen kann. :wink:

urban
08.07.19, 14:51
Ich hole diesen Thread mal wieder aus der Versenkung, denn alle schauen nur auf die Schuh-Optik und sehen, besser: erkennen,
dabei nicht die schlechte oder gute Verarbeitung der Schuhe - dabei lässt sich auch schon beim Anblick der Oberfläche auf die inneren Werte schließen.

Auf diesem Foto fällt noch wenig auf:

23301


Jetzt mit den eingezeichneten Hinweiszeichen aber doch schon mehr, oder?

23302

1. Man kann, meiner Meinung nach, sehr deutlich sehen, dass die senkrecht stehenden Pfeile auf einen gleichmäßigen Glanz
des Schuhschaftes zeigen, einem Glanz, der keine dunklen Schatten aufweist und darauf schließen lässt,
dass der Schaft der gezeigten Stiefelette, Lacing Boots für alle non-native German spoken gents & ladies,
sehr gleichmäßig über den leisten gezogen udn fixiert wurde:
Der Stiefelettenschaft wurde sehr gut gezickt und das Leder ruhte mindestens 14 Tage lang auf dem Leisten
bevor die weiteren Arbeiten durchgeführt wurden.
Eine sehr gute Arbeit von Jorge Coll übrigens, die aber noch nicht einmal bei Schuhhändlern Anklang fand.

2. Weder die Spitzenkappe, die Verstärkung zwischen Futter- und Oberleder, drückt durch das Oberleder durch,
oder zeichnet sich in ihm als Buckel ab, noch die Fersenkappe!
Das lässt darauf schließen, dass die Lederteile, die die Schuhspitze und das Blatt bilden und miteinander zum Schaft vernäht wurden
zuvor sehr sauber, also gut, ausgeschärft wurden, und dass hochwertige (Verstärkungs-) Kappen verwendet und
sehr sauber, also feinfühlig und exakt, zwischen Ober- und Futterleder eingeklebt wurden.

3. Man kann auf diesem Foto noch weitere Merkmale erkennen, die auf die Verarbeitungs- und Materialqualität,
das Know-How dieses Schuhherstellers schließen lassen.
Welche?
Versuch es doch bitte einmal selbst! :wink:

Hinweis!

Ich betreibe keine Schuh-Werbe-Agentur und schreibe auch nicht für Geld wie es Snobs, Noblemen oder andere tun,
um möglichst viel Geld mit ihren Schuh-Märchen und Schuh-Lobgesängen resp. Bannerwerbung zu verdienen.