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urban
01.09.14, 13:48
Zeit ONLINE

Männer Vogue
Zurück in die Zukunft, 1985 - 2012

Vor 27 Jahren: Ein Schweizer Art-Direktor und ein englischer Fotograf entdecken Berlin für die Modefotografie.
Jetzt sind sie wieder da
von Tillmann Prüfer
:read: http://www.zeit.de/2012/28/Editorial-28

http://www.hopkinsville.de/z_archiv/maennervogue0393_1.jpg
Bildquelle: http://www.hopkinsville.de/publikationen/zeitschriften4.htm

http://www.falcoworld.net/falcoextrablatt/extra/wp-content/uploads/2009/02/vogue1088tb.jpg
Bildquelle: http://www.falcoworld.net/falcoextrablatt/extra/wp-content/uploads/2009/02/vogue1088tb.jpg


Ja, stimmt, die Männer Vogue hat auch meinen Kleidungsstil ganz wesentlich beeinflusst, und das kam so.
Anläßlich der Schwimm-EM in Berlin 1986 war ich in Berlin und mich packte die Langeweile, ich ging zum nächsten Kiosk, um mir etwas zum Lesen zu kaufen.
Das war die Männer Vogue.
Ich blätterte sie durch, aber ganz ehrlich, so auf den ersten Blick konnte ich damit nicht sehr viel anfangen und legte sie beiseite.
Dann war es aber doch noch immer langweilig und ich nahm sie wieder in die Hand und las sie doch noch mal - diesmal wie üblich von hinten nach vorne,
und siehe da, da waren doch wirklich interessante Geschichten drin, und nicht nur das, auch Männer Mode!

In der Nacht war ich dann mit einem Kollegen am Ku'Damm unterwegs und entdeckte zuerst den Schaukasten und dann das kleine Ladengeschäft von Budapester Schuhe in Berlin.
Später in der Nacht dann auch noch einen Herrenausstatter in der Nähe der Gedächtniskirche.
Nun, was soll ich groß herumreden - ich hatte mich in ein paar schwarze Balmoral von Ludwig Reiter verliebt, aber sie kosteten immerhin 600.- Mark,
was damals eine ganz schöne Stange Geld war.
Aber bei meinem Ladenbesuch am nächsten Tag passten sie perfekt, am Fuß, an der Wade - einfach nur ein riesiges Glück gehabt.

So fing das damals an: Mit einem Balmoral von Ludwig Reiter, einem Smoking von Veni, Vidi, Vici und der Männer Vogue.
Danach kamen Tasselloafer in Shell Cordovan von Alden, Anzüge von Zegna, Hemden von Van Laack und Pullis von Aida Barni.

Die Männer Vogue war wohl schön zu lesen, und ich hatte mich auch auf jede Ausgabe gefreut aber, sie war auch sehr strapaziös für mein Portemonaie.
Nicht nur die Kleidung selbst schlug sich zu Buche sondern auch die Fahrten nach Frankfurt und München.
Die Männer Vogue selbst war da noch mit großem Abstand die niedrigste Ausgabe.
:read: http://www.berliner-zeitung.de/archiv/-maenner-vogue--heisst-jetzt--gq--und-will-die-zeitschrift-der-90er-jahre-sein--schade--dass-die-fast-vorbei-sind--ein-eigentuemlicher-zwitter,10810590,9339074.html

Irgendwann wurde aus der Männer Vogue dann die GQ und vorbei war's mit den schönen Artikeln rundum Männer oder dem auszugsweisen Vorabdrucken von Romanen.
Obwohl es nach einigen Monaten wieder mit dem Inhalt aufwärts ging habe ich mein Abonnement doch gekündigt.

Natürlich habe ich mir dann ein paar Jahre später den Gentleman von B. Roetzel gekauft und später auch Herrenschuhe handgearbeitet, ein Buch, mit dem ich doch schon
viel mehr anfangen konnte als mit dem Gentleman, der mit Ausnahme der Marke Derek Rose und den Dressing Gowns kaum neues zu berichten wußte.
Später erfuhr ich auch ein paar Details zu der Entstehungsgeschichte dieses Buches.
Wohl ist für viele der Gentleman das Buch über Herrenbekleidung schlechthin - ich hatte halt eben das Glück der frühen Geburt, der Langeweile in Berlin, dem Kiosk
und den besuchten Herrenausstattern mit hochqualifiziertem Personal oder Betreuung durch den Inhaber daselbst wie z.B. Herrn Moeller aus Hannover.
Daher habe ich dem Buch nicht viel zu verdanken, oder vielleicht doch:
Meine Aversion gegen einen bestimmten Begriff, auf den so viele Männer abfahren - Mann, oder seltener Herr, je nach Situation und Stil, würde ich dann doch bevorzugen wollen.

Es ist eigentlich nur sehr schade, dass Condé Nast sich nicht traut wieder eine deutschsprachige Zeitschrift ähnlich der Männer Vogue
von Inhalt und Zielgruppe her neu heraus zu bringen, irgendein Mittelding zwischen MONSIEUR und L'UOMO.