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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bestandteile eines Schuhs



urban
10.10.11, 19:14
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Ein Schuh besteht aus folgenden Baugruppen:

dem Schaft -> Oberleder, Innenfutter und falls vorhanden: Vorderkappenbesatz, Fersenkappenbesatz
der Brandsohle (Boden)
der Ausballung zwischen Brandsohle und Zwischen-/Laufsohle
der Zwischensohle, falls vorhanden
der Laufsohle
dem Absatz inkl. Gummistopper


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Das Plastron (frz. le plastron) wird auch als Schnürschild bezeichnet.
Vorder- und Fersenkappe: das ist die Verstärkung aus Leder zwischen Ober- und Futterleder;
den umgangssprachlich gebrauchten Ausdruck "Vorderkappe" bezeichnet man korrekt als Vorderkappenbesatz

Zur Verstärkung wird vorne zwischen Oberleder und Futter die Vorderkappe eingeklebt; diese kann aus Kunststoff, Lederfaser (LeFa) oder aus Leder bestehen, in der Reihenfolge der Wertigkeit.
Im Fersenbereich wird die Fersenkappe eingeklebt, damit die Ferse einen guten Halt findet.
Im Bereich des Außenspanns wird ebenfalls eine Verstärkung eingebaut, die man Überstemme nennt. Es gibt auch Schuhmacher die beidseitig, also auch am Innenspann, eine Verstärkung einbauen;
dabei benutzen sie dann in der Regel einen Streifen des Oberleders.

Auf die Brandsohle wird i.d.R. die Deckbrandsohle aufgeklebt; dies kann eine halbe (kurze) oder eine ganze Decksohle sein.
Insbesondere bei billigen Schuhen findet man gepolsterte Einlegesohlen - diese sollen wohl ein sogenanntes Fußbett vortäuschen. Sie machen aber keinerlei Sinn, weil sie den Fuß nicht tatsächlich unterstützen,
da die Polsterung zu weich ist.
Als Futterleder wird grundsätzlich ein ungefärbtes Kalbleder verwendet; im Bereich der Ferse wird dessen rauhe Seite (Fleisch-/Aasseite), die Unterseite eingenäht, um ein Herausrutschen der Ferse aus dem Schuh
zu erschweren.

Zur Ausballung zwischen Brand- und Zwischen- bzw. Laufsohle wird normalerweise ein mit Kleister angerührter Korkschrot verwendet, oft auch Korkplatten eingeklebt.
Manche Schuhhersteller verwenden aber auch synthetische Materialien, um einen weicheren Auftritt zu garantieren.

Die Schuhsohlen bestehen oft aus Leder, chrom- oder vegetabil gegerbt, auf die je nach Erfordernis eine halbe Gummisohle aufgeklebt oder aufgenäht werden kann.
Gummisohlen, Vibram, Dainite oder andere, erfordern normalerweise eine Zwischen-/Mittelsohle aus Leder bei rahmengenähten Schuhen, ebenso bei den Macharten Norvegese und Stagno.

Da der Riemen/Rahmen grundsätzlich nur von Absatzvorderkante bis Absatzvorderkante verläuft, muss ein Keder (sogenannter oberer Keder) im Absatzbereich als dessen Forsetzung auf die Brandsohle genagelt werden.
Dieser Keder hat die Form eines Hufeisens, besteht aus Leder und verjüngt sich von der Außenkante zur Absatzmitte hin (Trapezform). Die Zwischen-/Laufsohle wird nicht mit diesem Keder vernäht sondern genagelt.

Bei Maßschuhen wird der Absatz aus einzelnen Absatzschichten beginnend mit dem sogenannten unteren Keder [= 2. Keder!] direkt auf der Laufsohle aufgenagelt und plangeschliffen, aufgebaut.
Etwas preiswerter ist die Verwendung eines vorgefertigten Absatzblocks; die Gerberei liefert bereits mehrere Absatzflecken zu einem Block nach den Maßvorgaben des Schuhherstellers fertig an,
so dass nur noch die Gummischicht und der Abschlußfleck aufgeklebt und vernagelt werden müssen.
Leider benutzen die Schuhhersteller/-macher oft zu dicke Absatzblöcke und dann wird der Absatz (-aufbau) gemessen an der Fersensprengung des Leistens zu hoch.
Einfacher ausgedrückt:
Jeder Leisten berücksichtigt bereits eine Absatzhöhe von 18 mm, 20 mm oder ähnlich - also darf auch der montierte Absatz in seiner Gesamthöhe dieses jeweilige Maß nicht überschreiten.
Ist der Absatz zu hoch, dann kippelt der Schuh beim Gehen - man sagt auch: der Schuh hat keinen Stand.
[Kippeln: der Fuß setzt zuerst auf der Absatzhinterkante auf, kippt dann nach vorne bis der Absatz plan aufliegt und erst danach setzt der Vorderfuß auf: man hört 3 mal das "Klacken", das Aufsetzgeräusch.
Test: Stellen Sie den Schuh auf eine plane Unterlage und drücken sie mit dem Zeigefinger auf die Mitte des Absatzes im Schuh - dann darf sich der Schuh vorne nicht anheben, ansonsten hat er keinen Stand,
sprich der Absatz ist zu hoch.]
Sehr wichtig:
Brandsohle, Zwischen- und Laufsohle müssen oberhalb des Absatzes waagerecht verlaufen - sind sie dort schräg in Richtung Schuhspitze abfallend, dann rutscht der Fuß im Schuh nach vorne,
weitet dabei den Schaft auf und die Ferse verliert ihren Halt und der Fuß rutscht dann irgendwann beim Gehen aus dem Schuh heraus: "Der Schuh schlappt".

Das Gelenkstück, auch Gelenkfeder genannt, ist entweder aus verzinktem und geprägtem Blech oder etwas billiger aus Holz - manche Schuhe weisen sogar kein Gelenkstück auf!
Es hat die Aufgabe das Gelenk des Schuhes im Bereich des Stegs auszusteifen, damit der Fuß einen guten Halt im Schuh findet.
Aufgrund der Bezeichnung als Gelenkfeder behaupten nun spezielle Schuhmachermeister aus Österreich, das Gelenkstück würde federn - ein Schmarrn hoch 3! - und bauen Schuhe mit hochstehender Absatzvorderkante!!!
Ich verzichte an dieser Stelle auf den absolut simpel zu führenden Gegenbeweis - wir können diesen Punkt aber gerne diskutieren.:)

Hat der Schuh keine Fersenkappe, so wird der Schaft dort - von hinten betrachtet genau über der Absatzmitte zusammengenäht.
Bei hochwertigen Schuhen weisen dort einen sogenannten Riegel auf. Foto folgt.


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