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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Markenaffinität, ein Phänomen?



urban
09.02.14, 08:43
Nach dem Lesen des Ergebnisses der Forsa-Umfrage über Cashmere und seine Käufer
http://www.bestofbest-mode.com/showthread.php/1549-Umbria-Cashmere-District-Award?p=4404&viewfull=1#post4404
war ich nicht verwundert, bewundere aber das schier grenzenlose Vertrauen der Leute in Marken und Brands,
kombiniert mit einem Desinteresse an der Sache selbst, wo man doch den Deutschen nachsagt,
dass sie sich für alles technische stark interessieren.

Ich stelle mir nicht erst seit gestern die Frage warum bei uns Lebensmittel nichts kosten dürfen und deren Qualität
kaum jemanden interessiert:
Ob sie vielleicht gerade deswegen in Massen gekauft und zum Großteil wieder weggeworfen werden?

Bei Bekleidung ein sehr ähnliches Bild:
Billigklamotten, die teilweise stinken, werden en gros gekauft, dafür aber alle paar Wochen neu.
Selbst bei Unterwäsche, Blusen, Hemden, Hosen - alles Kleidungsstücke, die direkt mit der Haut in Kontakt kommen,
werden nicht oder nur ganz selten hinterfragt - einzig der Preis zählt.

Und dann gibt es die Brands und Marken - nur, was ist das eigentlich, eine Marke?
Die Antwort ist ganz einfach - nicht mehr als ein Name und/oder ein Zeichen, ein Symbol, das stellvertretend für den Namen
stehen kann; man spricht auch von einer Wort- und Bildmarke.
Solange sie niemand kennt, ist es nur im juristischen Sinn eine Marke, weil im Register eingetragen und somit geschützt.
Also einfach ausgedrückt:
Ein Wort oder ein Name - mehr nicht.
Welches Produkt mit diesem Namen bezeichnet oder unter diesem Namen verkauft wird, das entscheidet der Rechteinhaber.
Daraus leitet sich ab, die logische Konsequenz daraus, dass der Rechteinhaber unter einer Marke bzw. Markenzeichen
das verkaufen kann, was er will.
Das kann heute ein feiner Cashmere-Pullover aus 8-ply Garn sein und nächste Woche ein Synthetikpulli.
Heute eine sehr feine Creme aus hochwertigen Rohstoffen - nächsten Monat irgendetwas anderes in demselben Tiegel sein.

Eine Marke ist nichts weiter als ein Name und hat grundsätzlich absolut nichts mit Qualität zu tun.

Im Bewußtsein der Käufer wird ein Hersteller-Name in zwei Fällen zu einer Marke:
a) er produziert seit Jahrezehnten hochwertige Güter, zeichnet sich also durch eine langfristige Entwicklung aus
b) er macht omnipräsente Werbung solange und so umfangreich bis er von den Käufern als Marke wahrgenommen wird,
weil sehr bekannt.

In beiden Fällen erwirbt oder erwarb der Hersteller ein Markenimage - zum Zeitpunkt X, na sagen wir heute, Februar 2014.
Ob seine Produkte heute oder im Februar 2015, 2016, 2017ff noch seinem Image entsprechen werden,
steht auf einem anderen Blatt.
Die Werbung ist mächtig und erreicht sehr viele Zuhörer, Leser und Betrachter - die Positiv- und Negativerfahrungen der Käufer
verbreiten sich dagegen sehr langsam und auch nur dann per Mundpropaganda wenn der jeweilig Betroffene bereit und willens ist
anderen Leuten darüber etwas zu berichten.

Aber was bedeutet das unter'm Strich für die Kunden und Käufer:
Eigenlich, wie gesagt eigentlich, müssen sie vor und bei jedem Kauf prüfen, ob die Produktqualität der Marke X oder Y
immer noch ihren Erwartungen entspricht und sie dürfen gerade nicht darauf vertrauen, dass diese über Jahre hinweg
dieselbe ist.
Ein typisches Problem bei Einkäufen in Factory Outlet Centern - ist die Qualität wirklich dieselbe?
Nur - und das ist das Problem der Käufer - sie müssen sich schon etwas mit dem Produkt und seiner Qualität auskennen.
Nun kann und will aber nicht jeder bei allem, was er oder sie so konsumieren, gleich 'einen Doktor machen',
sondern man macht sich es einfach und vertraut blind auf "seine" Marken, für die man auch gerne einen Preisaufschlag
in Kauf nimmt.
Das nennt man MARKEN-AFFINITÄT und MARKEN-AGIO (agio = Aufgeld).

Wenn eine Firma mit ihrem Produkt über einen längeren Zeitraum bewiesen hat, dass sie damit ein Qualitätsprodukt liefert,
dann ist das kaum ein Risiko.
Wenn aber das Markenimage nur auf extensiver Bewerbung - gleich wo und wie - beruht, dann ist eine Markenaffinität
ein Käuferrisiko, zumindest beim Preis und dem Markenaufschlag, der mitunter sehr deftig ausfallen kann,
denn irgendwer bezahlt nun mal die Werbung - und das ist zum Schluss immer der Käufer,
der dann unter Umständen sehr viel unnötiges Geld einzig und allein dafür bezahlt hat,
dass er den Marken- Namen überhaupt kennt.

Die Frage nach dem Phänomen der Markenaffinität ist also recht einfach zu beantworten:
Es ist keins, die Kunden möchten sich nicht, womöglich auch noch intensiv, mit der Qualität auseinander setzen,
sondern sie vertrauen einzig, blind auf das Markenimage, gleich ob von den Eltern so mitbekommen,
aufgrund eigener Erfahrungen bestätigt oder bloß durch Werbung suggeriert.
Sie kaufen also in den allermeisten Fällen, oft aus eigener Bequemlichkeit heraus sich mit der Ware nicht beschäftigen zu müssen,
die Marke der Marke willen und zahlen dafür gerne einen Mehrpreis!

Logisch, aber müßig zu erwähnen ist, dass derjenige, der sich mit den Produkten, die er kaufen will,
intensiv beschäftigt und auskennt, sich dieselbe oder eine womöglich weit bessere Qualität
zum viel günstigeren Preis kaufen kann.
Viel Zeitaufwand + Mühe = mehr für's gleiche Geld <-> wenig Zeitaufwand + Interesse = weniger für sein Geld :congratulate:

urban
09.02.14, 10:11
Den Begriff der Marke aus Kundensicht sollte man nicht zu eng fassen - Marken im übertragenen Sinne können auch sein Begriffe wie:

Made in Germany, in England, Italy...
Manufaktur
Handarbeit
100 % Baumwolle, Merino, Cashmere etc.
rahmengenäht
handrolliert
ähnliche Schlagworte, Parolen, mit denen die Käufer eine gewisse Qualität verbinden + bereit sind dafür einen Mehrpreis zu bezahlen.


Niemand aber hinterfragt diese Begriffe, schon gar nicht ernsthaft, sondern so gut wie jeder vertraut blind auf die Stempel
und Schildchen an den Produkten.
Was bedeutet z.B. 100 % Baumwolle - würde jemand in einem Möbelgeschäft etwas kaufen aus 100 % Holz?
Wohl kaum.
Made in Germany - was genau wird dabei in Deutschland gefertigt, reicht es etwa aus wenn es nur noch das Produktfinish ist?

Es gibt viel zu hinterfragen wenn Marken-Namen und -Begriffe im Spiel sind - so zum Beispiel auch ob es sich
eventuell auch um einen gewerblichen Betrug handelt wenn Made in Spain drauf steht, die Schuhe aber fast komplett
in Afrika hergestellt werden.
Beispiele dafür wie Kunden systematisch und vorsätzlich getäuscht werden, um einen höheren Preis zu erzielen,
finden sich mehr als genug - obwohl die Käufer es hätten besser wissen müssen.
Paradox!

Wirklich tumb aber ist wenn die Käufer noch nicht einmal Ihre Täuschung, den Betrug zu ihren Lasten,
wahrnehmen und wahrhaben wollen obwohl er offensichtlich ist oder sie darauf hingewiesen wurden:
Da heiligt das Mittel dann den Zweck!
Sie haben billig das bekommen, was sie sonstwo teurer bezahlen müssten, und solange niemand anders den Betrug,
die Täuschung aufdeckt, solange können sie sich in ihren Wunschvorstellungen, dass es tatsächlich so wäre wie
der Anbieter es ihnen untergejubelt hat, was sie allzu gerne glaubten obwohl ihr Verstand arge Bedenken dabei anmeldete,
sicher wiegen.
Aber wehe wenn dann irgendwer an dem Wunschdenken kratzt, der macht sich dann als Desillusionator äußerst unbeleibt!
Schon der Versuch dies zu tun ist mit einer hohen Strafe bewehrt!

Die MARKEN-AFFINITÄT der Kunden ist also absolut kein Phänomen sondern sogar Selbstzweck.
Sie macht auch die Käufer glücklich und zufrieden über eine ganz spezielle Art Selbstsuggestion:
Er redet sich selbst ein, oder läßt sich einreden, es wäre ein MARKEN-Artikel, den er dort mit einem hohen Aufgeld gekauft hat,
ist glücklich und zufrieden damit, weil er allzu gerne glaubt, dass er wirklich eine wertvolle MARKE gekauft hat,
ohne sich selbst eingestehen zu wollen, dass es nicht zutrifft: Traumwelt, Wunschdenken...wer weiß das schon so genau?
Der Markenkauf der Marke willen - alle, Käufer & Verkäufer, sind damit glücklich & zufrieden! :2 laughers:

Selbsbefriedigung schreibe ich hier mal ganz klein hin.

urban
09.02.14, 10:48
Und oft genug interessiert das erworbene Produkt selbst den Käufer gar nicht - es wurde gekauft ausschließlich wegen seines Renommées,
sei es die teure Handtasche einer Luxus-MARKE oder der Gürtel mit dem bekannten Logo als Schließe, als Original oder Fake oder beides.
Männer kaufen rahmengenähte Schuhe - nur warum sie das machen sollen hat ihnen noch niemand so genau erklärt.
Weitere Beispiele finden sich mehr als genug.

Über das Warum nach MARKEN und Renommees eingekauft wird darf jeder jetzt mal spekulieren - bestreiten will dies
doch niemand ernsthaft?

urban
09.02.14, 21:50
Sehr interessant wäre auch mal die Frage speziell an die deutschen Medien zu richten warum sie - wie der FOCUS
es sehr gerne tut - immer nur über Outlets und Shopping berichten statt ihre Leser endlich einmal über
das simpelste Basiswissen bei Bekleidung zu informieren.
Was nützt es den Normalverbrauchern über die Berlin Fashionweek zu berichten wenn sie noch nicht einmal
wissen was eigentlich der Unterschied zwischen Baumwolle und Wolle ist?

Nur mal etwas Materialkunde über die gebäuchlichsten Textilien und worauf es beim Einkauf ankommt, wann etwas gut sitzt,
welche Farben und Muster zueinander passen, auf was man beim Schuhkauf achten sollte usw..

Ein sehr frommer Wunsch - ich weiß...:big_boss:

urban
10.02.14, 09:24
Zu dem Begriffen Marken und Affinität gehört meiner bescheidenen Meinung nach auch die

TRANSPARENZ

Während man bei beispielsweise bei Smartphones und Elektronik allgemein kein Geheimnis daraus macht welche technischen Daten
ein Gerät hat, gehört das Verschleiern in der Mode- und Fashionbranche zum täglichen Geschäft hinzu.
Es werden MARKEN kreiert, und damit schließt sich der Kreis wieder, siehe Threadanfang.

Die italienischen Cashmerestricker haben aber bereits begonnen TRANSPARENZ herzustellen und die ersten geben an
aus welchem Garn ihre Pullover und Westen gestrickt sind, um sich von der Billig-Konkurrenz abzusetzen.
Der Kunde muss schon darüber informiert werden warum der eine Pulli 500 € und der andere nur 99.- € kostet.

Aber das setzt voraus, dass der Kunde informiert sein will, Zeit und Muße hat es zu tun und er braucht natürlich
auch die Adresse einer zuverlässigen Informationsquelle.

Als Anbieter von Strümpfen biete ich meinen Händlern und Endkunden diese TRANSPARENZ:
Sie erfahren auf einen Blick die Garnqualität, den Lieferanten und die Gütesiegel wie OEKO-TEX 100® usw..

urban
11.02.14, 10:08
Das Thema MARKEN, AFFINITÄT und TRANSPARENZ ist auch ein großes Problem bei Schuhen, gleich ob für Damen oder Herren,
leichter zu erläutern an Herrenschuhen.
In einer Schuhfabrik kann ein- und dasselbe Modell, also optisch identisch, in verschiedenen Ausführungen produziert werden,
sei es geklebt, ggf. mit einem auf die Sohle aufgesetzten Fakerahmen,
durchgenäht, dabei mit oder ohne (rechten) Rahmen,
Goodyear Welted mit Gemband und Rahmen
Die Sohle kann mal dicker und mal dünner, chromgegerbt oder vegetabil gegerbt sein,
das Futterleder mal besserer oder, wenn es nur auf den Preis ankommt, mal minderer Qualität sein,
dito beim Oberleder, Stärke, Lederqualität an sich.... ein weites Feld,
die Absätze können aus Kunsstoff sein, aus Lederfaser, aus Lederschichten usw.,
selbst beim Nähen kann man Zeit, und damit Geld, sparen, wenn die Stichabstände der Nähmaschine größer werden,
und so weiter und so fort - es gibt viele Möglichkeiten an der Qualitäts- und Preisschraube zu drehen.

Demenstprechend sieht der Kunde im Geschäft wohl 'dieselben' Schuhe, hat aber tatsächlich wohlkommen verschiedene Modelle vor sich.
Die ausgezeichneten Preise sind ein Indikator dafür, beinhalten aber auch den Markenaufschlag, so dass sie nur einen groben Anhalt für
die tatsächliche Qualität liefern.
Der Kunde ist gefordert die Modelle miteinander zu vergleichen und die Unterschiede herauszufinden - natürlich unterstützt von der anwesenden
Beraterin oder einem Herrn, der ihn auf die Kleinigkeiten hinweist.

TRANSPARENZ bei Schuh-MARKEN - leider oft Fehlanzeige! Der Kunde ist am Ende immer auf sich allein gestellt.

urban
11.02.14, 10:09
Das Thema MARKEN, AFFINITÄT und TRANSPARENZ ist auch ein großes Problem bei Schuhen, gleich ob für Damen oder Herren,
leichter zu erläutern an Herrenschuhen.
In einer Schuhfabrik kann ein- und dasselbe Modell, also optisch identisch, in verschiedenen Ausführungen produziert werden,

sei es geklebt, ggf. mit einem auf die Sohle aufgesetzten Fakerahmen,
durchgenäht, dabei mit oder ohne (echten) Rahmen,
Goodyear Welted mit Gemband und Rahmen
die Sohle kann mal dicker und mal dünner, chrom- oder vegetabil gegerbt sein,
das Futterleder mal besserer oder, wenn es nur auf den Preis ankommt, mal minderer Qualität sein,
dito beim Oberleder, Stärke, Lederqualität an sich.... ein weites Feld,
die Absätze können aus Kunststoff sein, aus Lederfaser, aus Lederschichten usw.,
selbst beim Nähen kann man Zeit, und damit Geld, sparen, wenn die Stichabstände der Nähmaschine größer werden,
und so weiter und so fort - es gibt viele Möglichkeiten an der Qualitäts- und Preisschraube zu drehen,
wohlgemerkt bei ein- und demselben Hersteller, die Ausführungsqualität schwankt aber auch zusätzlich von Fabrik zu Fabrik.


Dementsprechend sieht der Kunde im Geschäft wohl 'dieselben' Schuhe, hat aber tatsächlich wohlkommen verschiedene Modelle vor sich.
Die ausgezeichneten Preise sind ein Indikator dafür, beinhalten aber auch unter Umständen einen Markenaufschlag,
so dass sie nur einen groben Anhalt für die tatsächliche Qualität liefern.
Der Kunde ist gefordert die Modelle miteinander zu vergleichen und die Unterschiede herauszufinden - natürlich unterstützt
von der anwesenden Beraterin oder einem Herrn, der ihn auf die Kleinigkeiten hinweist - fragen sollte er aber schon danach.

TRANSPARENZ bei Schuh-MARKEN - leider oft Fehlanzeige! Der Kunde ist am Ende immer auf sich allein gestellt.

Schaut man sich nur einmal die oben angeführten Variablen bei der Schuhproduktion an, dann versteht man auch,
dass ein normaler Kunde diese nicht alle kennen kann oder sich so intensiv damit beschäftige möchte,
dass er alle Details auf Anhieb erkennt.
Daher macht er es sich einfach und vertraut auf die MARKEN, denen er eine bestimmte Qualität zuordnet.

urban
13.02.14, 21:58
Es ist aber geradezu schon grotesk wenn der Glaube an ein Marke soweit geht, dass sich die Kunden gar nicht mal die Mühe machen
und auf die eingenähten Schildchen zu schauen, um zu sehen aus welchem Material oder wo das Teil hergestellt wurde.

Selbst wenn sie sich die Schildchen anschauen, dann geben sie sich mit einfachen Angaben wie "100 % Cashmere, Baumwolle, Merino usw."
zufrieden und sind der Meinung etwas Gutes gekauft zu haben - dabei gibt das doch höchstens das Basismaterial an vergleichbar mit
Bezeichnungen wie "100 % Holz, Eisen, Plastik...".

Es ist aber wiederum paradox, dass die Kunden sich nicht fragen wie es überhaupt sein kann, dass einmal der dünne Pulli 69,95 €
und der andere 395.- € kostet obwohl beide aus "100 % Cashmere" sind - laut Etikett, dort steht es Schwarz auf Weiß!
Bei Unterwäsche fragt sich niemand wie es denn sein kann, dass die eine Unterhose für 3,99 € aus "100 % Baumwolle" und "Made in Germany"
zu haben ist, für die andere einer bekannten Marke - kann sich jeder Leser eine aussuchen - 19,95 € Made in ... verlangt wird und
daneben welche liegen, auch aus 100 % Baumwolle, Made in Italy, die 39,95 € kosten oder Made in Switzerland für 49,95 €
oder Made in England für 99,95 €.
Alles 100 % Baumwolle!

Für die Kunden ist die Bezeichnung "100 % Cashmere, Baumwolle etc" schon so etwas wie ein Markenzeichen, oft sogar ein Gütezeichen.
Und da es ja schon überaus kompliziert ist sich mit solchen Dingen auseinander zu setzten, oder sich das Angelesene zu merken,
um Preise tatsächlich miteinander vergleichen zu können,
vertrauen sie der Einfachheit halber auf Marken - beschweren sich dann aber über das MARKEN-AGIO, den Aufpreis, den der Hersteller
von ihnen dafür verlangt, dass er ihnen ausgerechnet sein Produkt via teurer Werbung als MARKEN-WARE eingebläut hat
und ihnen so das Leben einfacher und leichter macht. :big_boss:

Denn mit dem Produkt an sich brauchen sich die Kunden so nicht auseinander zu setzten - warum also kompliziert
wenn es auch einfach geht?

urban
13.02.14, 22:16
So eine MARKE hat aber auch noch weitere Funktionen sozialer Art, sie stärkt das WIR-GEFÜHL, das Bewußtsein zu der Elite der
Träger einer bestimmten MARKE zu gehören und als solcher manchmal schon von weitem zu erkennen zu sein:
Krokodile, Wölfe, Pumas, Haie oder etwas edler als Götterboten, Clanmitglieder wie dem des TARTAN-Clans oder
die meist weiblichen Schachfans, sind nur ein paar Beispiele wie man sie in jeder Stadt recht zahlreich findet.
Mann/Frau erkennt sich und weiß gleich, dass man etwas gemeinsam hat - das Faible, das Erkennungszeichen, den Clan,
die Kaste, den Verein oder den Club, und geht gleich sehr vertraut miteinander um, geradezu so als würde man
sich schon eine Ewigkeit kennen.
Fehlt eigentlich nur noch der Club an sich - das Abzeichen tragen alle Mitglieder schon.

MARKEN - was würden wir nur machen ohne unsere geliebten und vertrauten MARKEN?

urban
13.02.14, 22:30
Sind Sie kein MARKEN-FAN?

urban
21.03.14, 20:23
Ich habe mir gerade die Klickzahlen der Taschenhersteller und Feintäschner angeschaut:

Muss denn wirklich alles Vuitton Hermès Céline Prada oder Gucci heißen?

Tragen die Damen ihren Geschmack und ihr Selbstbewußtsein in der Hand mit sich rum?
Zeigen damit Wer und Was sie sind, sich leisten können?:smile:

urban
06.04.14, 09:31
Gestern entdeckte ich die Seite von Rebelle, einem Hamburger Secondhand-Laden und war wirklich baff erstaunt darüber, dass die Damen bis zu 30.000 €
für eine gebrauchte Hermès-Tasche zu zahlen bereit sind.


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Nun mag man das als Ausreisser betrachten - nur sind Preise von 2 T€ bis 10T€ auch schon sehr heftig für eine Handtasche aus zweiter Hand,
denn für weniger als 1.000 € kann Frau sich in Florenz eine nach ihren eigenen Wünschen von Hand anfertigen lassen - steht halt eben nicht Hermès oder Vuitton drauf.
Oder fliegt nach Paris zu Serge Amoruso...

Leder und Verarbeitung dabei schlechter? Nein!

Ich werde bei solchen Erlebnissen einfach das Gefühl nicht los, dass viele Damen erst gar nicht wissen was ein Feintäschner ist und dass sie sich niemals trauen würden
in ihren Kreisen mit einer anderen als einer bekannten Luxus-Tasche aufzutauchen, ganz abgesehen davon, dass ihr Schönheitsempfinden schon sehr arg limitiert zu sein scheint.

Es gehört schon etwas Selbstbewußtsein dazu etwas zu tragen in der stillen Hoffnung danach gefragt zu werden "von wem, woher...?" oder zumindest bewundernde Blicke zu ernten.

urban
15.04.14, 08:33
Beim Stöbern in UK und x-ten Besuch von Laura's Strickseite nachdem ich die englischen Meistersattler abgeklappert hatte, war ich sehr verwundert darüber,
dass sie so zahlreich sind, fiel mir zuerst die Frage ein ob die Engländer ebenfalls so Brand- und Markenversessen sind wie die Continental Europeans oder
ob sie dem echten Handwerk eine Chance geben?

Klar habe ich mich auch - mal wieder - gefragt warum das Vertrauen in sogenannte Marken und Brands bei uns so stark ist - oder
sind die Leute mit der tagtäglich auf sie prasselnden Werbung schon so vertraut, so selbstverständlich, dass sie ihr blind vertrauen?
Es soll Leute geben, die in Foren ohne Werbebanner Entzugserscheinungen kriegen, weil es nicht so schön bunt ist wie sonstwo - wurde mir schon mal vorgehalten.
Auch der Preis spielt anscheinend bei dem in Marken und Brands gesetzten Vertrauen eine tragende Rolle - je höher desto exclusiver desto höher der soziale Status?

Ticken die Briten anders oder warum kann sich dort das Kunsthandwerk so gut halten - legen sie viel Wert auf ein schönes, gutes Äußeres und
vertrauen dabei auf ihren eigenen Geschmack und Stilempfinden mehr als den Brandlogos, oder sind sie bloß selbstbewußter und geschmackssicherer?
Es ist jedes Jahr wieder ein großes Vergnügen die Fotos von Royal Ascot zu sehen und was die Damen sich so alles einfallen ließen, um die Konkurrenz auszustechen.

Irgendeinen Grund muss es ja haben, dass es in UK so viele Handwerksmeister gibt, das College of Fashion, das Royal College of Art, dass London eine Fashioncity ist
und selbst im rauen Schottland die besten eigenen Modedesigner ausgezeichnet werden.

In Italien gibt es wohl auch sehr zahlreiche Manufakturen, kleine, spezialisierte Firmen, Maßschneider und -schuhmacher, aber die Italiener mit ihrem guten Gefühl für Design
werden immer brandlastiger und kaufen lieber englische Marken statt heimisches No-Name - habe ich mir sagen lassen.

Machen es sich die Leute bloß einfach wenn sie auf Marken, Brands und Logos vertrauen, heben die deutlich sichtbaren Markenzeichen ihren sozialen Status,
oder stärken sie das Selbstbewußtsein der Träger so immens, dass sie diese in Outlets billiger einkaufen statt für's gleiche Geld sich etwas Anständiges zuzulegen?
Oder ist das Zutrauen in die Werbespots und - banner der gute Ratgeber?
Die In- und OUT-Listen von mit Werbegeldern gesponserten Moderedaktionen?

Oder ist das alles viel zu kompliziert wie Wolle von Wolle zu unterscheiden und Krempel von Qualität, auch beim Design, unterscheiden zu können?
Hauptsache ein bekanntes Label und möglichst preiswert eingekauft - das ganze Ensemble dann möglichst bunt dekoriert oder alles stimmig von einem Brand?

Wie selbstsicher sind SIE ?

Oder benötigen Sie Ratgeber, Consultants, Einkaufs-, Stil-, Passform und Schuhberater, um sich morgens anzuziehen?*

Probieren Sie es doch einmal ganz alleine - wird schon schiefgehen!

Meine persönliche Meinung ist übrigens die, dass es den Leuten am elementaren Basiswissen bei Bekleidung, Schuhen und Accessoires fehlt.
Wie sonst ist es zu erklären, dass sie viel Geld zum Beispiel für Schuhputzkurse ausgeben?
Es gibt noch weitere Gründe für diese Vermutung.
Es ist also mMn die Unsicherheit, die sie zu Marken und Brands greifen lässt, ein bisschen aber auch das eigene Ego!:wink:

* Ich hoffe doch sehr, dass Sie ihre Partnerin zu schätzen wissen. :smile: