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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gut Kleiden - Teil 1: Sammelsurium Gentleman, Dandy, Looks und Einleitung



urban
28.07.13, 20:36
Begonnen hat die Geschichte in Berlin, wo ich mir aus lauter Langeweile die Männervogue am Kiosk kaufte;
kurz darin geblättert und beseite gelegt, weil ich auf Anhieb nichts damit anfangen konnte - dann doch wieder
in die Hand genommen und gelesen.
Am nächsten Abend lief ich über den Kudamm und wir entdeckten Budapester Schuhe, den alten, kleinen Laden,
und in der Nähe der Gedächtniskirche einen Herrenausstatter mit einem Sakko nebst grauer Hose.
Nun ja, alles zusammen kostete mich schon fast ein ganzes Monatsgehalt und auch viel Überwindung für die
schwarzen Balmorals von Ludwig Reiter mehr als 600 DEM hinzublättern - aber sie waren einfach zu schön
und haben schon bei der Anprobe perfekt gepasst.

Die nächste Station war ein Paar Tasselloafer von ALDEN bei Möller in Hannover - die nächsten ALDEN
kamen aus Mannheim, Kaiserslautern und insbesondere München: zusammen, glaube ich, waren es so 12 Paar.

Als Hemden waren angesagt Van Laack, Anzüge von Zegna und Cashmere-Pullis von Aida Barni, die alleine
schon ein kleines Vermögen kosteten, ich erinnere mich noch gut an Preise jenseits der 800 DEM.
Fehlgriffe gab's bei Cashmere auch zwei oder drei: die billigen für um die 300 DEM.
Ein Kiton-Sakko wurde mir auch mal verkauft - leider etwas zu eng und daher selten getragen.

Freizeitkleidung war querbeet bis ich auf Donna Karan stieß - ich sage nur: sehr teuer!
Und beinahe vergessen - die Herrenpullover von Marc Cain und irgendwann auch ein Iceberg von Castelbajac.

Zu Beginn dieses Jahrtausends entdeckte ich dann die englischen Schuhe: Crockett & Jones Handgrades und Boots,
Cheney, Tim Little und andere.
Aus Frankreich Hardrige und Heschung - aus den USA Allen Edmonds:
Die Shell Cordovan waren mir viel zu schwer, die anderen auch, und so wurden die SC im Zustand neu wieder verkauft;
dasselbe Schicksal ereilte ein Paar SC von Florsheim.

Igrendwann stieß ich dann auf das Forum dailyshoes.
Ich kann mich noch allzu gut an die Glaubenskriege mit der Burgolfraktion und ihren unaufgeklärten Helfern erinnern,
die teilweise sehr groteske Züge annahmen wie Zweitaccounts usw., und anfangs stand ich ganz alleine da gegen
diese Phalanx.
Oder als ich eine erste Übersicht über europäische Schuhfirmen mühsam zusammengesucht und eingestellt hatte;
zuerst stieß sie bei den Kollegen auf Begeisterung und dann auf tiefe Ablehnung, weil Madame Posh diesen "Schuhkatalog"
verteufelt hatte: er würde nicht die Macharten und Materialqualitäten berücksichtigen!?
Dailyshoes wurde von John Agricola aus persönlichen Gründen geschlossen, und er lehnte eine Übernahme ab.

Weiter gings dann forenmäßig bei Newsaboutshoes.de, dem Forum, das Madame neu gegründet hatte
nachdem sie sich mit John Agricola, dem Betreiber von DS heillos zerstritten hatte - nur leider gehörte
dieses Forum Herrn Alexander Scharz!

Ich stieg später im Stilmagazin ein, und als ich dann irgendwann endlich genug genervt war von Andreas Gerads,
seinen E-Mails und ermahnenden Anrufen sowie den Attacken vom Jüngling, dem ich auch noch ein Erlebnis der
besonderen Art in Florenz zu verdanken habe, und dann nach über 2000 Beiträgen wieder aus.
Meine Beiträge ließ ich löschen - Herr Gerads kam meiner Bitte dankenswerterweise nach,
und ueb ward nicht mehr.

Dieses Ausscheiden löste einen eigenen Thread aus - und ich lernte das wahre Gesicht so manches Gentleman's,
kennen - das damals gezeigte Verhalten ist mit ein Grund dafür, dass dieses Wort bei mir dauerhaft so negativ besetzt ist:
Gar so mancher trägt nur eine Maske wie beim Karneval in Venedig, seine Klamotten und Selbstdarstellung ist nichts weiter
als Trompe-l'Œil.

Mein Intermezzo als Sarrois zielte speziell darauf ab zu anzutesten wie lange es wohl dauert bis der Groschen fällt:
Es dauerte seine Zeit.

NAS.eu - die Kommentare gefielen einigen aber gar nicht - gesperrt bin ich dort noch nicht.
Dafür werden der A.MATZ & Co jetzt aber schnellstmöglich sorgen - da bin ich mir ziemlich sicher! :loud laugher:

Nur seltsam warum viele meiner Beiträge willkürlich und grundlos gelöscht und anschließend auch noch Unwahrheiten
lautstark herausprosaunt wurden - Mann muss nicht alles verstehen....:sorry:

Tja - einkaufen tue ich seit ungefähr 7 Jahren nur noch im Ausland wie man hier im Forum nachlesen kann.

Mir fallen nicht mehr alle Namen ein - ich versuch es der Einfachheit halber mal mit Strick und Schals und nur aus UK:

John Smedley
Johnstons of Elgin
Alex Begg - auch Begg of Scotland
Hawick Cashmere of Scotland
Lochcarron
William Lockie
und andere, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere: u.a. die 300 DEM -Cashmerepullis.

Marken und Fashion Brands, die ich persönlich kenne, weil ich sie selbst getragen habe, und nicht bloß darüber fabuliere,
könnte ich noch jede Menge aufzählen.
Eine Erfahrung, die ich dabei gemacht habe ist die, dass es sich meistens nicht lohnt, sein Geld für berühmte Brands
oder Halbmaßartikel auszugeben - ein paar Ausnahmen bestätigen allerdings auch diese Regel.

Die Rankings, die ich veröffentlicht habe, sind übrigens auch das Resultat meiner Erfahrungen.

Egal wo - niemand bekommt die eierlegende Wollmilchsau zum günstigen PLV.
Wenn man bei Fabrikverkäufen, also echten Outlets, alle Umstände mit in den Preis einrechnet, so hat man
praktisch nichts bis kaum etwas gut gemacht - rein beim Bezahlen schon, nur nicht unterm Strich.

Meine 3 ersten Reiseführer Italien - das mittlere Buch war das allererste

5120

Dieses Forum entstand als Summe meiner persönlichen Lebenserfahrungen, denn ich weiß wirklich was tatsächlich
seinen Preis wert ist und verwechsele garantiert nicht "preiswert" mit billig, denn dafür habe ich schon wahrlich genug Lehrgeld bezahlt
und oft auch sehr viel Glück gehabt.

Und genau deshalb kann ich jedem nur dazu raten sein Hauptaugenmerk nur auf die Qualität und
das Aussehen/Design/Passform zu richten.
Wenn das Budget beschränkt ist - dann lieber Merino statt Cashmere, also eine Klasse tiefer gehen sofern möglich
und dafür eine gute Qualität einkaufen statt 'edler' und schlecht verarbeitet, oder den Kauf noch etwas zurückstellen.

urban
28.07.13, 21:57
Schreibe ich heute aber nicht mehr...:timeout:

urban
29.07.13, 11:45
Kompliment für Deine Offenheit. Stimmt mit vielen meiner Beobachtungen überein.
Danke!
Wir können gerne im Mitgliederbereich weiter über die Details aus meinen Forenleben reden;
ich muss nur schauen, dass ich hier in diesem Thread wieder zurück zu dem eigentlichen Thema komme,
denn nicht ohne Grund habe ich "sich gut kleiden" und nicht die Leerformeln "stilvoll, business- oder gentlemanlike" gebraucht,
denn die Welt ist bunt und es gibt viele Richtungen wie Scott Schuman mit seinen Fotos immer wieder aufzeigt.:wink:

urban
29.07.13, 19:16
Wirft Mann einen Blick in's Internet, um sich über (Herrenbe-) Kleidung zu informieren, so findet man immer wieder
dieselben Termini wie Business- und Gentleman, dagegen sind Dandy und Snob schon etwas seltener anzutreffen.
Mann könnte auf den ersten Blick glauben, dass wären Kleidungsklassen:
Bourgeois - die tauchen praktisch nicht im Netz gar nicht auf, das wären alle ...
Businessman - die Standartklasse an klassischer Kleidung
Gentleman - dieser trägt natürlich nur "Bespoke" wie es so schön neudeutsch heißt
Dandy - of course bespoke only and very flamboyant
Snob - Hightec luxury bespoke with the special touch for very rich people only

Und da wären so ein paar Galeonsfiguren wie der Duke of Windsor, dessen Fotografien immer wieder gerne hergenommen werden,
um den unbedarften Lesern das Idealbild eines Gentleman vorzuführen, oder
Tom Wolfe, der sich den Ruf eines Dandy's wahrlich hart erarbeitet hat, denn eigentlich ist er alles andere als ein echter Dandy,
sondern ein erfolgreicher Buchautor und immerhin der Erfinder des New Journalism!
Wenn schon Dandy, dann doch wohl eher der Duke of Windsor - oder fällt Ihnen spontan etwas anderes zu diesem Herrn
ein als seine Posen vor der Kamera?
Und obwohl er im Netz so gerne zitiert wird ist sein Kleidungsstil wahrlich nicht frei von der Kritik der englischen
Kleidungshistoriker, die mit ihrer fundierten Kritik nicht hinterm Berg halten - aber mal ganz ehrlich:
Fällt Ihnen ein anderes Gesicht ein wenn im Netz ganz spontan der Ausdruck GENTLEMAN fällt?

Zu Snob, Yuppie oder Popper fällt mir aktuell nur Lapo Elkan ein - streiten tue ich mich aber darüber natürlich nicht,
er hat natürlich die Gene von seinem Großvater Giovanni geerbt, ist ebenfalls stilvoll gekleidet,
nur halt eben etwas anders.

Die Grenzen ziehen zwischen Business- und Gentlemen, Dandies, Snobs und Poppern darf jeder ganz alleine für sich selbst.
Es ist eigentlich müßig jede einzelne Bezeichnung absolut exakt definieren zu wollen - allen gemeinsam ist ein gesteigertes
Interesse an Kleidung, meist der (ganz) besonderen Art.

Und dann gibt es noch das Bild des Gentleman in Form des englischen Landadligen:
Der trägt wann immer es ihm Zeit & Örtlichkeit erlauben den obligatorischen Tweed, sei es Jacket and Trousers or Breeks,
Lacing Boots, Tattersall Shirts, 8 wale Cords and the obligatory vest,
wenn dann die Katzen & Hunde vom Himmel fallen, dann, um keine nassen Füße zu bekommen, seine Rubberboots combined
with his newly waxed Jacket.
So weit so gut!

Die Engländer haben es - nicht zuletzt aufgrund ihrer recht einfach zu lernenden Sprache, der sich auch immer mehr Deutsche
bedienen, weil ihnen ihre Muttersprache zu komplex erscheint, geschafft, dieses Weltbild eines gepflegt gekleideten
Gentleman, freilich befreit von sämtlichen sonstigen damit verbundenen Attributen, erfolgreich in alle Welt zu exportieren.

Die Tweedweber der Insel Harris haben ein Logo kreiert und als Marke weltweit schützen lassen - die Savile Row
hat sich erfolgreich in aller Welt als der heilige Gral des Bespoke Tailoring in Szene gesetzt.

Und da wären noch die englischen Schuhmacher, Foster & Son und den Lastmaker Terry Moore kennen viele,
JOHN LOBB kennt jeder!
Und so gelten heute Shoes made in UK, Goodyear Welted and glued, als die edelsten und besten Herrenschuhe,
die Mann für sein sauer verdientes Geld überhaupt erwerben kann, selbst wenn sie aus irgendeiner Schuhfabrik
auf dieser Welt kommen - Hauptsache sie tragen voller Stolz den Stempel auf der Sohle:

MADE IN UK

Ein delikates Thema übrigens, über dessen Offenbarung auch so mancher "Schneider" aus der altehrwürdigen Savilerow
"not very amused" war, als der Welt kundgetan wurde wo denn tatsächlich und von wem genäht wurde.

Nun - nicht dass jetzt jemand glaubt, ich hätte eine Aversion gegen Great Britain oder gegen die Kleidung, Schuhe,
Schirme oder Stricksachen - dem ist bei weitem nicht so!
Vielmehr geht es mir darum aufzuzeigen, welche Plattitüden gebraucht werden wenn Männer über gute Kleidung
im Internet oder sonstwo schreiben, welche Irrungen und Wirrungen dies hervorruft und zu welchen Geschäftsideen
dieser Umstand der weltweiten Bekanntheit dies schon geführt hat.

Die deutschen Männer, ordnungsliebend und unterwürfig, wie sie nun einmal sind durch ihre 'gute Erziehung',
versuchen das Thema "sich gut kleiden" stark zu vereinfachen, zu systematisieren und wo immer möglich auch
zu kanalisieren indem sie sich den sogenanntenGentleman-Regeln unterwerfen, die irgend einer ihrer Landsmänner
extra für sie aufgestellt hat.

Da diese oft in der Ursprache Englisch geschrieben wurden, gibt es mittlerweile sogar zahlreiche Kommentare,
Foren- und Blogbeiträge dazu wie beispielesweise der Leitsatz: No brown in town!
zu interpretieren ist, oder all die anderen...
Eigentlich nur schade, dass ihre Nannys diese nicht kennen, wenn sie für sie einkaufen gehen und den Schlips passend
zum Hemd einpacken lassen, oder wenn sie ihm morgens die Wäsche rauslegen.

Meine ganz große Bewunderung gilt aber den Gutmännern, die versuchen die Innenstädte und Geschäfte mit ihren
duftenden englischen Wachsjacken mückenfrei zu halten, die es sogar in klaglos Kauf nehmen, dass ihr eigenes,
edel duftendes Eau de Toilette davon überdeckt wird.

Es gibt also jede Menge Mißverständnisse über englische Ausdrücke, ihre deutsche Übersetzung und
den bestimmungsgemäßen Gebrauch solcher Artikel.
Zweifelsfrei sind englische Gummistiefel und Wachsjacken wasserdicht - nur sind sie nicht für die Shoppingtour
quer durch die Innenstadt von den Briten erdacht worden, ebensowenig würde ein Engländer einen Anzug aus
der Savilerow zur Jagd querfeldein tragen - dort dann doch lieber die Tweedkombi, Cords, Wax Jacket - einfach
alles, was man bei einem Outfitter gutes an Country Clothing erwerben kann.

Und damit ist der Mann für diesen Zweck sehr gut gekleidet!

Soviel zum englischen Gentleman und seinen Bekleidungsregeln für deutsche Männer - aber halt,
die wurden ja noch viel stärker vereinfacht, und nein, wirklich kein Scherz:
braune Schuhe -> brauner Gürtel -> braunes Uhrenband -> braune Aktentasche
schwarze Schuhe -> schwarzer Gürtel -> schwarzes Uhrenband -> schwarze Aktentasche
und je nach Verstand des Publikums und Respekt vor ihm gelbe, rote oder grüne Socken oder dezente Strümpfe.

Wenn das mal nicht kinderleicht genug ist, um sich so stilvoll wie ein echter Gentleman anzuziehen,
dann müsste ich jetzt und hier eigentlich aufhören zu schreiben und den Spiegel zu halten.

urban
29.07.13, 19:52
Im Jahr 1992 kaufte ich mir bei Mey & Edlich in Frankfurt eine schwarze Lederjacke im Bikerstil aus der ersten Kollektion
auf dem deutschen Markt von Donna Karan, New York, die auch heute noch so oder so ähnlich von anderen Designern
angeboten wird.
Die Jacke war aus dickem Elchleder und innen auf dem Etikett stand "Made in Italy".

Ich trug diese Bikerjacke zu vielen Gelegenheiten, hauptsächlich in der Freizeit, aber, da sie so gut wie immer im Auto lag,
auch tagsüber, dann aber nur wenn es regnete oder ich einen Termin bei jemandem hatte, der mich gut kannte.
Da konnte es schon mal vorkommen, dass ich sie kombiniert mit einen anthrazitfarbenen Flanellhose, Krawatte
und Hemd trug, was eigentlich gar nicht mal so schlecht aussah - etwas ungewohnt vielleicht...

Zugegeben, ich hatte auch immer mindestens 3 Schlipse im Auto - verschiedene Farben und auch Motivkrawatten
von Sepp Halbritter, prädestiniert für Behördengänge. Auf der einen war ein Maler mit einem Stangenpinsel;
auf der anderen ein Bleistift und eine Nummer abgebildet: "Ist das Ihre Gefängnisnummer?" war öfters die
Eingangsfrage - also immer gut für ein leichtes Entrée.:wink:
Nun gut, in ein Edelrestaurant wäre ich mit der Lederjacke nicht so gerne hineinstolziert, Bistros oder Pizzerien
waren dagegen absolut kein Problem - der Italiener in mir.
Ab Herbst bis zu den ersten Sommertagen war es sogar meine Lieblingsfreizeitjacke, kombiniert mit Stoffhose und Hemd
oder Pulli - eng wurde es nur wenn ich auch noch einen Schal tragen wollte, denn dafür saß sie einfach zu eng.
Von Freundinnen meiner Freundin wurde ich mehrfach auf diese Jacke angesprochen, von wem, wo gekauft, usw.,
obwohl uni schwarz erregte sie doch schon die Aufmerksamkeit und zog die Blicke auf sich:
schwarzes genarbtes Leder, der Bikerjackenschnitt, die Zipper - oder einfach:
Donna Karan entwirft nicht nur das kleine Schwarze für Damen.

Zwei Jahre später wurde mein Auto nachts aufgebrochen und meine Lieblingsjacke war weg, nebst zwei Sakkos,
die mich aber weit weniger kümmerten, denn wo das teure Lieblingsteil wieder herbekommen?

Erst drei Jahre später gelang es mir nach zahlreichen Telefonaten mit New York wieder dieses Modell zu bekommen.
Neu sah es der alten zum Verwechseln ähnlich, sie war nur etwas leichter, aber nach kurzer Zeit war das Leder bestossen,
der helle Untergrund zeigte sich und nach 2, 3 Jahren zerlegte sich das Innenfutter in seine Fasern.
Das Leder war nur geprägt und von minderer Qualität, wahrscheinlich irgendein Rindspaltleder - eine Enttäuschung
auf der ganzen Linie, und dabei kostete sie umgerechnet ca. 3.700 DEM!

Diese schwarzer Bikerlederjacke hatte aber etwas Gutes - sie bewahrte mich vor sehr viel Ärger, weil ich in einer Besprechnung
nur für den Personenschützer gehalten wurde.
So hatte mein auf den ersten Blick etwas deplaziert wirkender Auftritt beim Herrn Direktor - die anderen Herren kannten
mich bereits und schwiegen - letzten Endes zumindest einen äußerst positiven Nebeneffekt - dem Spruch
"Kleider machen Leute" sei gedankt!

Natürlich hatte ich nach dem Diebstahl der ersten Elchlederjacke versucht herauszufinden welcher Hersteller aus Italien
sie angefertigt hatte, aber leider erfolglos.
Seit 3 Jahren trage ich nun eine Bikerjacke aus schwarzem Bisonleder, eine nach meinen Wünschen modifizierte
TROJAN von LOST WORLDS aus New York.
Auch mit dieser Lederjacke fällt man auf, denn man sieht an, dass sie nicht aus dem Laden um die Ecke stammt und
wahrlich nicht gerade aus dünnen, leichten Leder gemacht ist, denn sie hat was!

Sie bringt schon etwas Gewicht auf die Waage - Frau sieht's ihr an, ist aber dennoch über ihr Gewicht verwundert;
denn in der Hand gehalten wiegt sie schon schwer - tragen tut sie sich so in etwa wie eine Panzerung, angenehm
schwer aber dennoch nicht ermüdend.
Das Leder ist nach den Ansprüchen von LOST WORLDS auch mehr als 2 mm dick.

Ach ja - die TROJAN ist noch besser als die erste von DK und hat trotz aller widrigen Umstände wie Zoll, Transport
und Einfuhrumsatzsteuer nur umgerechnet in etwa die Hälfte der zweiten Jacke aus London gekostet.

Warum ich Ihnen das alles erzähle?

Ganz einfach - diese Erlebnisse zeigen so einiges auf...

urban
30.07.13, 19:53
Morgen geht's weiter.

urban
01.08.13, 11:08
MUST HAVES for genuine English Gentlemen

Official Sloane Ranger Handbook

5167

Paperback: 160 pages
Publisher: Ebury Press, London (18 Oct 1982)
Language: English
ISBN-10: 0852232365
ISBN-13: 978-0852232361
Product Dimensions: 20.3 x 17 x 1.5 cm
Starting price: £2.89 + p&p [used] über
http://www.amazon.co.uk/Official-Sloane-Ranger-Handbook-Matters/dp/0852232365/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1375347216&sr=1-1

The Sloane Ranger Directory

5170

Published by Ebury Press for Harpers and Queen, London, 1984.
160 pages illustrated with black and white photographs and drawings
giving lists of The shops and establishments that serve a Sloane - and why they Really Matter

Dimensions: 23 x 12 cm, Hardback.
Starting price: £0.01 + p&p
AMAZON.co.uk or Eurobuch: http://www.eurobuch.com or ANTIQBOOK: www.antiqbook.com


Absolutely NECESSARY also:

Sloane Ranger Diary

5166

'Sloane Ranger', a commonplace term in 1980s London and Britain, was popularised by British writer Peter York and
co-writer Ann Barr in 'The Official Sloane Ranger Handbook', 'The Official Sloane Ranger Directory', and this book,
the companion, 'The Official Sloane Ranger Diary'. All three books were published by the British society-watcher
magazine Harpers & Queen by Ebury Press, for whom Peter York was Style Editor and "was responsible for identifying
the cult phenomena of "Sloane Rangers" and "Foodies". This diary is the guide to the Sloane's year, for the Sloane
about town and country, detailing and listing the essential Sloane sports events, cultural occasions and social functions
to attend.
Dress, standing, behaviour and etiquette are all covered. "What a splendid, excellent, fabulous, super bloody book!"
Simone Palmer-Hebblethwaite.
In 2007, Peter York followed these three books with a fourth, 'Cooler, Faster, More Expensive: The Return of the Sloane Ranger'

Paperback: 128 pages
Publisher: Ebury Press; 3rd Impression edition (31 Oct 1983)
Language: English
ISBN-10: 0852232969
ISBN-13: 978-0852232965
Product Dimensions: 20.4 x 17 x 1.2 cm
Starting price: £0.01 + p&p [used]

Cooler, Faster, More Expensive: The Return of the Sloane Ranger

5169

Hardcover: 176 pages
Publisher: Atlantic Books; 1st Edition edition (1 Oct 2007)
Language: English
ISBN-10: 1843546779
ISBN-13: 978-1843546771
Product Dimensions: 18 x 22.5 cm
Price: £12.79 + p&p NEW

Und das Handbuch für die etwas intellektueller angehauchte Strömung der Sloane Rangers, die YOUNG FOGEYS:

Young Fogey Handbook

5168

Paperback: 96 pages
Publisher: Littlehampton Book Services Ltd (20 May 1985)
Language: English
ISBN-10: 0713716339
ISBN-13: 978-0713716337
Product Dimensions: 20.3 x 17.5 x 1 cm
Starting price: £21.94 +p&p [used]
http://www.amazon.co.uk/Young-Fogey-Handbook-Suzanne-Lowry/dp/0713716339/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1375347718&sr=1-1&keywords=young+Fogeys


Wikipedia.co.uk describes the SLOANE RANGERS as follows:
http://en.wikipedia.org/wiki/Sloane_Ranger
and the Young Fogeys:
http://en.wikipedia.org/wiki/Young_Fogey

P.S.
Ich hoffe doch stark, dass ich hiermit etwas zur Umsatzsteigerung der Antiquariate beitragen kann.:hi:

urban
01.08.13, 12:20
Lesen Sie bitte auch den sehr versierten Blog

5171

http://loomings2011.wordpress.com/

urban
01.08.13, 12:47
Ich war übrigens auch mal auf dem Barbour-Trip, weniger wegen der Optik sondern aus ökonomischen Überlegungen heraus,
und natürlich nur für die Freizeit - meine zahlreichen Einkäufe bei englischen Händlern erklären auch das recht
umfangreiche Shopverzeichnis, das hier im Forum zu finden ist.

Mich hat es, nachdem die ersten Teile eingetrudelt waren, schon ein bisschen gestört, dass hier jeder, der das Outletcenter
in Zweibrücken kennt, mit einem Tartanschal im typischen Barbour-Check herumlief, oft kombinert mit einem Quilted Jackett.

Nach 2, 3 Wochen kam ich mit einem Lehrer ins Gespräch und er erzählte mir was er von diesem Look hielt;
zuerst hörte ich ihm verwundert zu, dass er sich damit so intensiv beschäftigt hatte, und musste ihm Recht geben.
Bin ich Rentner, bin ich Lehrer, hab' ich Pferde?

Also war Fotosmachen und Ebay angesagt - das Kuriose dabei war, dass ich beispielsweise für getragene Hemden, OK,
nur ein- oder zweimal gewaschen, mehr Geld erlöste als für die neuen in der Originalverpackung,
und sogar zum Teil deutlich mehr als ich dafür bezahlt hatte!
Meine Denke war also im Grundsatz schon richtig, nur - immer der Gefahr ausgesetzt zu sein verwechselt zu werden?

Nichts gegen den British Look, nichts gegen MADE IN UK - aber was zuviel ist ist zuviel!:diablo:

urban
01.08.13, 14:11
http://www.selfedge.com/uploaded_images/item_williamgibson_gibson-759833.jpg
Bildquelle: Selfedge.com

Würden Sie dem Mann in seiner schwarzen Bomberjacke sein Buch abkaufen?


http://www.misterfreedom.com/wp-content/uploads/2008/07/CL_Stool_Postcard1.jpg
Bildquelle: Mr. FREEDOM®

Und ihm? Für was könnte er stehen?


5189

Und die beiden? Giles Padmore und Shinichi Haraki - das ist nun aber mal eine ganz leichte Frage!

Und hier sehen Sie Giles in action:



http://www.youtube.com/watch?v=tfJjGyWt2ps


Denim
Schnürstiefel
umgekrempelt - nicht gekürzt
Riemen - graviert oder glatt
Schnalle
Geldbörse & kette
Hemd
Jacke - Denim, A1, A2, Flight Jacket aus Ballonseide - Vorurteile
Old School - Hip-Hop - Streatwear
Double Gouse
Speziell für jüngere Männer aber auch für ältere:
MISTER FREEDOM® aka Christophe Loiron - http://www.misterfreedom.com/
William GIBSON - siehe auch Buzz Rickson's - http://www.williamgibsonbooks.com/
Giles Padmore - Iron Heart UK - http://www.ironheart.co.uk/
etc.

Keine Straßenkleidung
Urlaub - Nachtflug - ein erster Blick auf die Straße und schon ist klar: MANN - FRAU ist wieder Zuhause!
Man sieht sofort welcher Discounter welche Sonderangebote hatte
Am Abend im Netz - welcher Händler mal wieder Restposten vertickt hat

Die Männer im reiferen Alter, die so bunt dekoriert wie eine Litfaßsäule herumlaufen und tatsächlich glauben,
sie könnten genauso wie ein alternder Schlagerbarde mit solchen aus der Hose heraushängenden Flickenteppichen
noch junge Frauen aufreißen :loud laugher:

Stoffe:
zwei ältere Herren aus SLS, beide, jeder aber auf seine Artm, stilvoll gekleidet aber sich nicht an irgendwelche
grenzdebilen Leitsätze haltend - denn sie haben sie noch nie gelesen, simply: Geschmack und ein gutes Auge
für Kombinationen und Statur

Damen typgerecht - nicht egal in welchem Alter und Figur in Jeans gepresst: damit sie die Hosen anhaben!
Drappiert mit den Mitbringseln von den letzten Familienausflügen in die Outletcenter der Umgebung

Anzugträger, die das Wort Sakko, im italienischen Orginal "sacco", also SACK, zu wörtlich nehmen, weil
die beste und fürsorglichste Mutter von allen, mal wieder für ihren EINZIGEN SOHN eingekauft hat,
und den Schlips am besten dort gelassen hätte, wo sie ihn umständlich herausgepult hat - im Wühlkorb;
das Hemd wohl auch
Söckchen - kunterbunt für den modernen Mann - lenken auch erstklassig von den Billigtretern ab:
nicht geputzt, geschweige denn poliert, Gummisohlen, aus irgendeinem Sonderangebot eines Abverkaufsschuppens
mit schräg gelaufenen Absätzen, ausgefransten, abgerissenen Schnürsenkeln, irgendwie kunstvoll aus den Stummeln zusammengepfriemelte Knoten
Kurz:
Berufstypische Uniform - ohne viel Liebe und Interesse einfach nur kunterbunt zusammengestoppelt:
Kollektion der Klamottendiscounterschnäppchen aus der gesamten Region inkl. dem angrenzenden Frankreich

Vertrauen in solche stilvoll gekleidete Typen? Die noch nicht einmal wissen was zu ihnen passt, geschweige
wie Mann es geschickt kombiniert - uund die sollen nun auf einmal wissen welche Finanzprodukte und Dienstleistungen
zu ihren Kunden passen,
womit dem jeweiligen Kunden am besten gedient ist und in welcher Kombination - neudeutsch Portfolio - ihm also
das beste Mix bietet, dem Kunden natürlich.
Mit Verlaub!

Die gar nicht glauben was man an ihren Klamotten so alles ablesen kann - keine Linie zu erkennen, kein Stil,
nicht auszumachen für was die eigentlich stehen, keine Identität, kein eigenständiger Charakter:
Einfach nur von allem etwas - einfach aus jedem Laden irgendein Teil, da passt einfach nichts zusammen,
aber immerhin:
Der Bub trägt Anzug, Schlips und Kragen!
Der muss sich nie mehr in seinem Leben die Hände schmutzig machen - noch nicht einmal beim Schuhputz!
Denn er weiß gar nicht, dass es so etwas tatsächlich gibt - die Alten haben's ihm so nicht vorgesungen,
wie sollten es zwitschern dann die Jungen?

Und später machen sie es dann genau so wie in der Schule, wo sie ja lange genug gesessenen haben:
sie lernen die Gentlemens Regeln auswenig - nur auch die Essenz verstehen?
Das steht noch auf einem ganz anderen Blatt!
Kleidung und Gusto studieren?
Bekanntlich lautet die Übersetzung: sich ernsthaft mit etwas beschäftigen / auseinandersetzen,
aber das übersetzen sie dann womöglich noch mit exponieren oder dislozieren womit sie sich dann disqualifizieren!


Gut kleiden sieht anders aus... sie schafft auch Vertrauen!
BSP. Chelsey Boots, rose Söckchen, Wette

DAS ist absolut keine pure Ironie - sondern nur ein kurzer Streifzug durch eine x-beliebige deutsche Innenstadt

NUR KEINE BANGE - ich formuliere den Text schon noch aus


:help: Save Our Style :help:
.
.

urban
04.08.13, 14:39
Sich gut anziehen kann also vielerlei bedeuten:
a) Frau oder Mann kleidet sich von Kopf bis Fuß konsequent in einem ganz bestimmten Look, einer Art, die ihr (ihm) sehr gut steht:
sie pflegt also einen bestimmten Stil und ist, wenn man so ausdrücken will, sehr stilvoll in diesem Sinne angezogen, was überhaupt
nichts mit "en vogue", denn Stil ist zeitlos, dem Preis oder gar einer (Bekleidungs-) Marke zu tun hat
oder
b) der Ausdruck beschreibt Kleidung, der anzusehen ist, dass sie qualitativ hochwertig und damit u.U. teuer ist und
zu ihrer Trägerin oder Männern passt
oder
c) was man aber nicht sehen und in keinem Fall als solche auf den ersten Blick erkennen darf/sollte,
ihr oder ihm nach ihrem (seinem) Gusto auf den Leib geschneidert:
Die oft unbewußte Wirkung solche Kleidung, eines solchen Stils macht den Unterschied aus und hebt Frau/Mann von anderen ab!

Frau kann sich also sehr gut und geschmackvoll kleiden ohne dafür viel Geld auszugeben - es hängt ausschließlich nur
von ihrem guten Geschmack, ihrem Gespür für Qualität und geschickten Händchen für das Kombinieren der Teile ab.
Marken-, Brands- und sonstige Logos sind dem eher ab- denn zuträglich - eine Frau, die glaubt sie wäre gut gekleidet,
weil sie sich mit dem jeden bekannten Luxus-Design in Form einer Tasche aufwerten muss, hat wohl (noch) nicht
so ganz verstanden wie sie sich am besten wirkt und ihre Persönlichkeit entfaltet.

Männlein, die rundum zugepappt sind mit Logos, Brand- und sonstigen Markenzeichen, stehen für alles mögliche,
nur nicht für einen Mann, der Charakter, Anstand und Benehmen hat, denn wie seine Kleidung schon mehr als deutlich aufzeigt, versteckt er sich hinter ganz verschiedenen Gesichtern, den diversen Images - je nachdem was er gerade im Schilde führt.

Ein Herr, der Duden definiert ihn jedenfalls als gebildeter, kultivierter, gepflegter Mann, weiß sich auch so zu kleiden
und zu geben - er ist dabei so selbstbewußt, dass er nicht jedem seine Schulbildung und die Adressen seines Schuhmachers
und Schneiders auf die Nase binden muss,
geschweige denn möchte er sich überall in Szene oder gar damit selbst in die erste Reihe setzten: Honi soit que mal y pense!

Sich gut anziehen, also geschmackvoll und konsequent im Stil, also stilvoll kleiden, kann sich eigentlich jeder
wenn er das will und sich ein wenig damit beschäftigt und ein eigenes Gespür dafür entwickelt, was ihm an sich
gefällt, was er mit seiner Kleidung, seinem Erscheinungsbild ausdrücken will, und vor allen Dingen wie er damit
auf andere wirkt - wie er also seiner aktuellen Stimmung, seinem Gemüt im Allgemeinen,
den gerade in dem Moment oder der Situation rechten Ausdruck verleiht.

Stilvolle Kleidung immer und in jedem Fall bei Männern mit Anzug, am besten noch von einem Schneider, Hemd, Krawatte und
rahmengenähten Oxfordschuhen gleichzusetzen, kann muss aber nicht zutreffen, denn es kommt immer auf die Stilrichtung an,
die Männer pflegen, und diese kann je nach Anlass und Örtlichkeit sowie gewählter, gewünschter Außenwirkung
schon sehr, sehr verschieden sein.

Stil und stilvoll, sich also gut, anzuziehen setzt in keinem Fall voraus, irgendwelche frei erfundenen (Gentleman-) Regeln <
stupide auswendig zu lernen und kompromißlos zu befolgen sowie diese dann mittels mehr als dubiosen
Gebrauchsanleitungen ohne selbst darüber auch nur einmal einen Gedanken zu verschwenden oder
sich mal selbst im Spiegel zu betrachten, nachzuäffen!

Stil und stillvolle Kleidung setzt einen guten, eigenen Geschmack und das Gefühl, oder wenn man so will das Gespür
für die Wirkung der verschiedenen Kleidungsstücke und deren Design bei/an seiner eigenen Person voraus,
also ein bewußtes Sehen, das man vor dem Spiegel trainieren kann, wenn man sich beim Kombinieren einzelner
fragt wie sich die Wirkung ändert wenn man nur einmal die Krawattenfarbe ändert.

Hat sich einmal jemand gefragt wie jemand wirkt, der viel Geld in die Hand genommen hat und sich von einem Schneider
einen Anzug und vom Schuhmacher ein Paar Schuhe auf den Leib schneidern ließ - ganz einfach so, ohne die Details
dabei wirklich selbst ausgewählt zu haben und sich damit zu identifizieren?
Etwa "aufgesetzt" oder wurde da einfach nur "ein Türke gebaut"*?

Erst wenn man darin wirklich firm ist, aber auch nur dann, kann man das Wagnis eines bewußten Stilbruchs unter dem Motto
"Rules are made for breaking!"
eingehen, denn sonst - und genau das kann man sehr oft auf Fotos im Netz sehen - wirken sie einfach nur clownesk.

So einfach ist es also wirklich nicht sich wirklich gut anzuziehen, oder korrekt ausgedrückt: sich schön zu kleiden!
Nicht das Erlernen von Regeln und deren Befolgung sondern Verständnis und Umsetzung sind dabei angesagt.

Einen schönen Sonntagnachmittag!:smile:

*einen Türken bauen: als Kriegslist bauten die Türken bei der Belagerung der Stadt Wien Vogelscheuchen mit Uniformteilen,
um so mehr Präsenz vorzugaukeln und Eindruck zu schinden - so sagt es zumindest die Legende.

urban
07.08.13, 23:20
Wenn man so über die Jahre, geprägt von Erfolgen und Mißerfolgen beim Einkauf seiner Sachen, siehe Donna Karan-Jacke und
Cashmerepullover, neugierig geworden ist auf die Artikel, die wirklich gut sind, dann kommt man unweigerlich an den Punkt ab dem
die Recherchen sehr zeit- und arbeitsintensiv werden und man darauf angewiesen ist von Brancheninsidern Tipps zu erhalten.

Da reicht es einfach nicht mehr aus das Buch Lo Scopri Occasioni nach Hinweisen zu durchforsten oder das Internet
abzusuchen.
Und dann wird es wirklich schwierig - glauben Sie es mir bitte.
Diese Spezialfirmen sind nicht sonderlich an den "Schaufensterfotografen" und Forenmitgliedern interessiert, die nur kommen
um zu schauen und zu knipsen - sie wollen auch verkaufen.
Sicher gibt es davon auch Ausnahmen:
Die bekannten Namen der Internet-Schneider und -Schuhmacher, die so gratis zu ihrem Werbeauftritt bei ihrer Zielgruppe kommen.

Daher traue ich mich schon oft gar nicht mehr meine Kamera mitzunehmen - es wäre wohl zu einem Eklat gekommen hätte ich
bei Oscalito in Turin Fotos in deren Designbüro von der kommenden Damenkollektion gemacht.

Was mich aber ganz ehrlich gesagt verwundert, dieser Gedanke fiel mir jetzt gerade ganz spontan ein, ist wieviele Desinformationen,
Halbwissen, Spekulationen und Schönfärberei in den diversen Foren verbreitet wird - das ist an sich schon sehr erstaunlich,
aber noch verwunderlicher wenn die Verfasser als Experten mit fundiertem Wissen über dieses und jenes angehimmelt werden,
tatsächlich aber höchstens noch Neulinge begeistern können.
Es gibt leider zu wenige Foren in denen man wirklich fundiertes Wissen vorfindet - eigentlich sehr schade.

Aber zurück zur Überleitung.
Es ist schon sehr faszinierend wenn man z.B. in die Welt der wirklich feinen Strickwaren eintaucht und zum ersten Mal Pullover
oder Schals aus West Indies Cotton trägt und darauf angesprochen wird, weil die Leute meinen es wäre Cashmere.
Oder einem Schuhmacher in Neapel beim Handmachen von Schuhen zuschauen darf und von Paolo Scafora selbst
die Machart Tubolare anhand von Schuhmodellen in den verschiedenen Fertigungsstadien erklärt bekommt.
So könnte ich noch viele weitere Beispiele aufführen.
Ich wollte jetzt in meinem Schreibeifer doch tatsächlich mein Lederjackenabenteuer mit Stuart Clurman, dem Chef von
LOST WORLDS in New York beschreiben.
Aber das lasse ich wohl lieber, denn dafür ist die Nacht zu kurz - aber all de Umstände, Schwierigkeiten und Barrieren
waren es wert.
Er kann schon wirklich erstklassige Jacken machen, und wenn man sie dann nach vielen Monaten endlich in den Händen hält,
dann weiß man auch, dass sie ihren Preis und die Mühen wert sind.

Aber ich mache jetzt mal eine Nacht-Pause - es würde mich freuen wenn Sie in ein paar Tagen auch die Fortsetzung lesen würden,
noch mehr natürlich wenn ich Sie ebenfalls neugierig machen könnte auf das Besten vom Besten! :wink:

urban
14.08.13, 09:06
Beau Brummell


http://www.youtube.com/watch?v=2CAxG5_CZ6o

urban
14.08.13, 16:20
Im Thema Strumpfdesign habe ich die Garnfarbtabellen abgebildet http://www.bestofbest-mode.com/showthread.php/1266-Strumpffarben-Designs-BESPOKE-SOCKS?p=2864&viewfull=1#post2864

Sie eignen sich hervorragend um zuhause auszuprobieren welche Farbe in welchem Farbton mit einer anderen harmoniert.
In dem Beitrag davor zum Thema 'Schwarz-Grau-Rot' kann man zwei Farbkombinationen miteinander vergleichen;
das Auge stört sich schon allein daran, dass die Strickstruktur nicht parallel verläuft: keine Harmonie sondern Unruhe;
erst recht wenn man das letzte der Dreierserie versucht mit dem ersten zu vergleichen - dabei machen sich die unterschiedlichen
Strukturen - grobe <-> feine Maschen bemerkbar.

Die Farbtabellen der Garne kann man als Bild öffnen und ggf. ausdrucken (rechte Maustaste drücken).

urban
22.08.13, 11:15
http://www.duden.de/sites/default/files/logo_1.png

liefert eine einfache Erklärung für Stil:

5838

Stil zu haben heißt also nur sich in einer typischen/charakteristischen Art und Weise (konsequent) zu kleiden.

Denim - eher derb:
grobe Schuhe, meist hohe oder Schnürstiefel
Strümpfe: glatt gestrickt uni
Jeans
Riemen, ggf. mit großer Schnalle: Koppel, oder Silberplatte usw., bis zu 50 mm breit und ~5 mm dick, Sattelleder
Hemd mit grobem Muster "Holzfällerhemd", grob kariert
Jeans- oder Lederjacke, Flieger- oder Motorradjacke, Bomberjacke etc.

Anzug - fein, elegant:
feine, elegante (Halb-) Schuhe oder elegante Stieflette wie der Balmoral
feine Kniestrümpfe - mit filigraner, eleganter Musterung farblich auf das Hosenbein abgestimmt
Anzug aus wertigem, fein strukturiertem Stoff
Gürtel mit dezenter Schnalle/Schließe, ohne Sichtnähte, wenn Nähte, dann möglichst Ton-in-Ton
Hemd: uni mit Struktur oder gestreift
Krawatte aus Seide, Cashmere usw.
Einstecktuch

urban
24.08.13, 11:21
http://www.youtube.com/watch?v=GCBDh06S1PQ

urban
27.08.13, 17:42
Ich verstehe wohl den Text nicht - amüsiert hat mich das Video trotzdem, weil es war ja auch die schottische Version.

Aber wieder zurück zum Thema.
"CUADRADO ERES!" hielt mir Monica mal vor. Paul aus Paris, ja genau Monsieur Bolten, bewundert die deutsche Ingenieurskunst
und deren Organisationstalent - so muss halt eben alles bei uns seine wohlgefügte Ordnung haben. Gesetze, Verordnungen,
Regeln, und sei es nur der Anschlag im Treppenhaus für die Kehrwoche.
Und wer verwundert sich da noch wenn man selbst für das Anziehen nicht auch noch eine Gebrauchsanleitung auflegt.
Es muss ja schließlich alles seine Ordnung haben!
Was waren das noch Zeiten, als Mutter einem alles morgens herauslegte....

Aber mal ganz im Ernst:
Braucht es wirklich Bekleidungsregeln über das, was Mann wann und wo zu welcher Gelegenheit anzieht?
Sogenannte Gentleman's Rules?
Am besten auch noch aufgestellt von einem Deutschen für Deutsche, damit sie eingängiger sind?
Wenn Mann dann alle Regeln auswendig gelernt hat, womöglich noch auf Englisch, dann kommt dann als letzte:
"...rules are made for breaking: true elegance goes beyond them!"
Ja, da versteh einer noch die Briten!

Heißt das jetzt etwa, dass man doch alles kunterbunt mischen darf?
Mit der frisch eingewachsten Jacke zum samstäglichen Einkaufsbummel mit der Allerliebsten in die City?
Zwischen stylischer Tweedhose und Schuhen mit schöner Patina, sprich Kratzern und Gehfalten, etwas Nachsicht
ist schon angesagt, da der Timer das Polishen erst für Saturday Evening vorsieht, ein paar Ringelsocken in
British Racing Green, Scotsman's Red and British Navy Blue?
In welche Schale muss sich dann die Allerliebsten werfen?
In's Dirndl vom letztjährigen Oktoberfest?
Oder passt eine 6-wale Corduroy mit fishtail und braces doch besser unter die Tweedjacke mit den Lederpatches
aus echtem Bridle Leather?
Dann doch lieber etwas dezenter mit Anzug, Gillet und Krawatte und damit es doch besser mit Madames kleinen
Schwarzen harmoniert, weil es zum Schluss noch in den Supermarkt geht?
Fragen über Fragen... welche Schuhe, welche Socken, welche Hosen, was für'n Gürtel, Hemd, Hemd plus Pulli,
Sakko, Jacke, Lederjacke, Tweed, Cord, Schlipps oder Querbinder, in welchen Farben, Partnerlook oder doch
lieber nicht?

Da würde sich doch glatt eine Bedienungsanleitung, am besten mit möglichst vielen bunten Fotos, anbieten.
Ein praktischer Guide für alle nur erdenklichen Lebenslagen, am besten noch kombiniert mit einem Verzeichnis aller Shops,
in denen Mann die Sachen auch gleich preiswert bestellen kann - nur so für den Fall, dass seine Liebste das nicht auch
noch gleich für ihn mitbesorgt, da sie ihm jeden Morgen sowieso die passenden Sachen rauslegen muss,
da er zwischen Nespresso und dem Rausstürzen aus der Wohnung gar keine Zeit mehr hat sich auch noch über
seine Klamotten ein paar Gedanken zu machen...

Am besten ist wohl wenn der deutsche Mann sich jemanden sucht, der sich in allen Lebenslagen mit so was auskennt!


Eine Frau, dann gibt's auch keinen Stress mit ihr

P.S. Nur so im Vertrauen, bin bereits ein erwachsener Mann und deswegen nicht für Stil-, Farb-, Kombinier- und sonstige Beratung anderer Männer
zugänglich - Konkurrenz belebt wohl das Geschäft, aber das ist nun mal nicht meins.

urban
29.08.13, 10:23
Warum in Deutschland STIL immer mit dem Tragen eines Anzugs gleichgesetzt wird, mindestens jedoch mit
Country Clothing verstehe ich nicht so ganz.
Ist das vielleicht so eine besondere Art der Roetzel'schen Prägung auf GENTLEMAN?
Analog zu den rahmengenähten Schuhe, die immer mit Goodyear Welted gleichgesetzt werden?
STIL = GENTLEMAN?

Oder haben wir Deutschen etwa keine eigene Identität, keinen eigenen Charakter, Geschmack oder Vorlieben?
Nein, nicht die Turnschlappen, Jeans und Flatterhemden darüber sind angesprochen, auch nicht unsere
Präferenz für "preiswerte Einkäufe" bei jedweden Discountern, auch nicht die umherlaufenden Plakatträger.
Anzüge können auch unsere Schneider in sehr guter Qualität machen, da brauchen wir nicht ständig nach
der Savile Row zu schielen.
Contry Clothing könnte man auch salopp mit Jagdbekleidung gleichsetzen - die Fans können sie via Katalog von Frankonia,
Kettner & Co bestellen, oder wenden sie gleich an einen Onlineshop mit britischer Ausrichtung. Für Ladenkäufer
empfiehlt sich ein Besuch in der Hansestadt Hamburg, da man im Norden der Republik immer schon ein Faible
für anglophile Kleidung hatte.
Auch Pferdeliebhaber frönen sehr gerne solcher Kleidung - dafür haben die Engländer aber eine eigene
Unterkategorie "Equestrian Clothing" geschaffen, um die Brandidentity und -bindung zu stärken.

Neuerdings gelten die bekannten, aber auch nur die, vermutlich wegen dem hohen Wiedererkennungswert,
englischen Brands unter den wohlhabenden Rentnern als Statussymbol ihrer Kaste, denn es geht doch
nichts über eine gesteppte Jacke mit Wachsfeeling kombiniert mit dem berühmten Tartanschal.

Nicht, dass ich etwas gegen diese Kleidungs-Richtung einzuwenden hätte, aber alles zu seiner Zeit und bitte
nicht 1:1 kopiert.
Es spricht nichts dagegen eine schwere Kordhose zu tragen, speziell im Herbst wenn der Wind pfeift und
darüber ein Tweedsakko, aber bitte ohne Ärmelschoner, und der Schal muss auch nicht unbedingt
ein Tartanmuster tragen.
Mit dem Tartan ist das so eine ähnliche Sache wie mit den gestreiften Krawatten:
Jeder schottische Clan hat da sein eigenes Muster in den festgelegten Farben - also aufpassen was Sie in
den Koffer packen wenn Sie zu einem Englandurlaub rüsten.

Egal was Sie sich rauspicken aus dem breiten Angebot an Country Clothing - es ist Freizeitkleidung, die man
durchaus in der Stadt zum Spaziergang in der freien Natur tragen kann oder auch außerhalb, also irgendwie
angelehnt an die freie deutsche Übersetzung Wald-, Wiesen- und Parkbekleidung, was nicht negativ gemeint
ist - nur wäre es eine zu lange Liste aller Orte, die ein Engländer mit Country bezeichnet.

Also - wie bereits geschrieben - alles zu seiner Zeit.
Den Anzug nicht zum Spaziergang in der freien Natur und nicht in der Wachsjacke & Breeches zum Termin!

Ach ja, gut dass es mir noch einfällt, unter einem Sakko trägt man grundsätzlich eine Anzugweste, auch Gillet genannt,
und nur wenn Sie bei Ihrem Gesprächspartner den Eindruck eines Biedermannes, eines eingefleischten Englandfans
oder eines sparsamen, umweltbewußten Menschen, der seine Heizung auch tagsüber absenkt, hervorrufen möchten,
auch einen Pullover und auch nur wenn es sich um eine Kombination handelt.
Wenn Ihnen leicht friert dann empfiehlt sich warme Unterwäsche, zur Not auch mit langen Ärmeln und ein Long John,
warme Kniestrümpfe aus Merinowolle und für draussen ein Mantel zum Überwerfen.
Dann kommt Ihre schöne Krawatte auch voll zur Geltung und verschwindet nicht nach wenigen Zentimetern
unter der Decke - sieht so einfach schicker aus!

Long John: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d7/LongJohns-20050126.jpg

urban
31.08.13, 10:10
Intermezzo:
Es gibt unter dem Titel Gentleman zig Bücher, ein paar davon habe ich sogar hier vorgestellt, aber sie erinnern mich
an den x-ten Aufguss von Filterkaffee und scheinen nur dieses Wort im Titel zu tragen, um sich besser verkaufen zu lassen.
Und mal ganz ehrlich:
Wer interessiert sich noch ernsthaft dafür?
Es sind doch eh immer nur dieselben Brands, viel seltener echte Marken, die darin beworben werden,
immer wieder die antiken colorierten Zeichnungen aus der guten alten Zeit, der Prince of Wales darf auch in keinem Fall fehlen...
Und wer trägt hierzulande regelmäßig einen Morning Cut?
Oder gar einen Tuxedo?
Ist das alles nicht etwas weit hergeholt wenn man sich anschaut wie die meisten Leute herumlaufen?
Das ist ein Unterschied wie Tag & Nacht, oder?

Deshalb halte ich es für wesentlich dienlicher, und auch sinnvoller, ein Forum der alltäglich getragenen Kleidung zu widmen
und praktische Hinweise wie z.B. Qualitäts-, Verarbeitung und Trageeigenschaften zu geben, da damit sehr viele Leser
und -innen etwas anfangen können, was ja festliche Kleidung nicht ausschließt sondern ebenfalls umfasst.
Und das Design sollte dabei auch nicht zu kurz kommen.

Bei all dem liegt der Schwerpunkt auf der Qualität der jeweiligen Produkte und gerade nicht auf den Namen allseits
bekannter Brands und Luxusgüter sondern auf den echten Marken, die für ein bestimmtes Produkt stehen und
sich einen Namen gemacht haben.
Damit kann jeder etwas anfangen, oder sollte es zumindest können - wenn noch nicht, dann ist Einlesen und
Fotos studieren angesagt, genau hinschauen was den Unterschied ausmacht.

Welcher Kleidungsstil jemand gefällt - ob elegant mit Fernziel Maßanzug oder eher etwas salopper - steht jedermann frei,
wirkliche Könner zeichnen sich dadurch aus, dass sie von einem Moment zum anderen vom Anzug zu Freizeitkleidung
wechseln können, und dabei nicht etwas Zusammengestoppeltes tragen, sondern konsequent ihren Stil beibehalten und
damit gut ausschauen.
Dies setzt natürlich Geschmack voraus, ein sicheres Händchen bei der Auswahl und ein geschultes Auge.

Das genaue Gegenteil verkörpern die Männer, die zu einem teuren Maßschneider gehen und sich austaffieren
oder Damen, die sich von einer Personal Shopperin durchstylen lassen.
Das hat mit Können recht wenig zu tun - mit Geld sehr viel, und mit persönlichem Stil, als Ausdruck seiner Person,
seines Charakters und aktueller Laune oder Stimmung rein gar nichts,
und andererseits wiederum doch!
Maskerade wäre wohl eher zutreffend - sieht man recht häufig zwecks Selbstvermarktung von "Stars" und "Szenegrößen",
den A- bis X-Promis in der Yellow Press.
Dass es sich dabei nur um reines "Product Placement" handelt, raffen die meisten Leute gar nicht!

Dann doch lieber das Thema gute Kleidung, authentisch, in der Mann und Frau sich wiederfinden und wohlfühlen:
das Faible, das so manche(r) hat. :pardon:


P.S.
Ich bewundere im Stillen die Damen und Herren, bei denen man schon beim Anblick ansehen kann welche Persönlichkeit
sie haben, ob authentisch oder aufgesetztes Benehmen, egal ob sie jetzt gerade eine Arbeitsmontur oder sonst etwas tragen;
die Art und Weise wie und was kombiniert wurde verrät mir sehr viel über die Person: war ja auch mal mein Job mir schnell
ein Vor-Urteil zu bilden bevor sie sich verbal zu erkennen geben.:wink:

urban
31.08.13, 11:43
Wo liegt zum Beispiel der Unterschied ob jemand sich jetzt eher zu schwerem 25 oz-Corduroyhosen, der Herbst steht vor der Tür,
hingezogen fühlt oder zu 25 oz-Denim?
Tweedhosen trägt oder etwas eleganter Flanell oder in einer schweren Merinoqualität?
Solange er nicht die schwarze Bomberjacke aus Ballonseide mit grünen Tweedhosen oder umgekehrt kombiniert, und
der Stilrichtung treu bleibt, ist doch alles in Ordnung - sprich: sieht schon mal grundsätzlich gut aus.

Die Kleidung sollte natürlich auch mit dem Träger harmonieren - ein leicht beleibter Herr im höheren Alter würde natürlich
in Denim eine, na ich sage jetzt mal, eine etwas ungewohnte Figur machen - Damen haben damit bekanntermaßen weniger
ein Problem.
Ein junger Mann in der Großstadt mit einer Kordhose und einem schweren Tweedsportsakko könnte sich der Aufmerksamkeit
der Passanten auch sicher sein.

Das äußere Erscheinungsbild muss also stimmig sein - die Farben, Strukturen usw. müssen zueinander passen,
ob Ton in Ton oder kontrastierend, dann bitte in einander entsprechender Helligkeit, ebenso wie "das optische Gewicht":
dicker 8- ply Pullover ./. Sommerchino oder 21 oz. Tweed ./. Hemd aus 200er oder 300er Baumwolle.
In jedem Fall müssen die Farben ihrer Trägerin oder dem Mann (zu Gesicht) stehen - das herauszufinden ist recht
einfach vor einem Spiegel und eventuell einer Beraterin, die Auge für so etwas hat und etwas kritische Distanz wahrt.

Wie würde es aussehen wenn ein Mann eine Hose aus schwerem Stoff, egal ob Kord oder Denim, trägt und darunter weiße
oder bunte Söckchen hervorblinzeln und die Füße in ganz leichten Schuhen, na sagen wir mal Car-Driver-Shoes stecken?
Ein dezenter grauer Anzug unten mit rosa Söckchen und ungepflegten hellbraunen Chelsea Boots seinen Abschluß findet?
Oder ein Herr mit schwerer Statur ein Paar lange, spitze, leichte Schuhe trägt - passt das zusammen?

Zugegeben - das sind jetzt extreme Beispiele, nur was begegnet einem nicht jeden Tag so alles?

Oder Damen, eingezwängt in Jeans mit einem Stempel auf dem rechten Schinken - ja, genau wie der vom Fleischbeschauer,
nur größer und besser sichtbar - einem Logo über dem linken Busen auf der Jacke und als Highlight tragen sie dann
ein Schachbrett mit sich rum, wohl in der Hoffnung, dass die dazu passenden Figuren sie umschwärmen,
oder doch schon als Trophäe, weil sie ihren schon matt gesetzt haben?

Vom tagtäglichen Grauen auf Straßen, Wegen, Plätzen, Ladengeschäften und Büros könnte man vieles berichten - nur
warum fragte mich ein junger Südafrikaner, der zu Besuch war, ganz spontan in Metz:
"Why do the french girls look much more better than the german one's?" obwohl seine 'deutsche' Schwester daneben saß?
Ich hab versucht es ihm zu erklären:
Die Französinnen legen viel mehr Wert auf ihr Äußeres, ihr Make Up und ihre Kleidung und verstehen es sehr gut
sich typgerecht zu kleiden und zu stylen, und verwenden auch viel Zeit darauf gut auszusehen.

Entschuldigung: Draußen singt ein Chor und ich verliere laufend den Faden.:confusion:

urban
01.09.13, 08:28
Das "sich gut Anziehen" hat zuerst einmal nicht mit viel Geld zu tun:
Ich bewundere im französischen Outlet immer die jungen Damen mit wieviel Akribie und vor allen Dingen Ausdauer sie den einen Laden
durchstöbern und wie oft sie die Umkleidekabinen aufsuchen, um für möglichst kleines Geld möglichst gut auszusehen.

Männer und Anprobieren - warum auch immer, es ist vielen ein ganz großes Greuel!
Dabei könnten sie sehr viel bewegen statt im vorgeschrittenen Alter mit Turnschuhen den Nachwuchs zum Shoppen in
die Stadt zu begleiten, natürlich in Jeans und über den Rest schweige ich jetzt mal.... For ever young?

Lesen Sie dazu auch bitte mal: Weiße Socken in silvae http://loomings-jay.blogspot.de/2013/08/weie-socken.html

Ein lustiges Thema, das mir spontan einfällt, man könnte es auch Assoziation nennen, wenn ich an weiße Socken erinnert
werde, sind die auffälligen Logos auf Kragen, Brust, Gürtel, abgeleitet von der alten Tradition seine Hemden mit einem
Monogram besticken zu lassen.
Aber bitte - warum zum Teufel ein Monogramm in Riesenlettern auf ihrer Gürtelschließe? Sind wir hier im Wilden Westen?
Zur leichteren Identifizierung nach einem Shoot Down?
Und welcher Clan hat so zahlreiche Nachkommen gezeugt, dass so viele Namen mit einem "H" anfangen?
Oder sind das eigentlich nur zwei Großbuchstaben vom "I" wie Ida, Idi..,
bei denen sich die Serife in der Mitte im Laufe der Zeit zu einem massiven Querbalken verschmolzen haben?
Oder steht's am Ende doch für Hermes, den Boten, und ist das Erkennungszeichen für alle Botengänger?
Nur welche Botschaft wollen sie noch überbringen in der heutigen, schnelllebigen Zeit?
Oder wieso gibt es so viele Namen mit dem Kürzel "LV" oder stehen diese beiden Versalen gar nicht erst für einen Namen?
So ein Kürzel ähnlich wie in Frankreich auf den Autos der Fahranfängern: Lernt's Vielleicht noch?
Oder hat jemand eine Idee für was die beiden Buchstaben noch stehen könnten?
Betrachted man sich die Häufigkeit deutscher Familiennamen, dann müssten die Gürtel eigentlich oft ein "M" oder "S" wie Müller,
Meier, Schulze zeigen.
Oder sind das gar nicht die eigenen Monogramme der Logoträger? Nur wenn schon nicht die proprietären - warum tragen sie sie dann
voller Stolz? Was wollen sie damit den anderen mitteilen?
Ein bisschen seltsam ist das schon - glauben die etwa, diese Buchstaben wären schön, oder sind sie nur teuer?
Für das Geld, was die Anschaffung solcher Gürtel mit fremden Namen verschlingt, kann Frau, auch Mann, sich auch
einen Gürtel nach Maß und eigenen Wünschen machen lassen - aber apropos "eigene Wünsche" - sind die vielleicht des Rätsels
Lösung: jedermann zu zeigen, dass....? In Ebay die Auktion gewonnen hat? Oder in Urlaub war?
Oder dass man sich hinter fremden Namen verstecken will? Oder sich mit fremden Federn schmücken will?
Aber so schön sind diese auch wiederum nicht - sondern ganz im Gegenteil: sehr viel Geld für wenig Wert!
Aber die Hersteller bedanken sich für die Anteilname und das Sponsoring ihrer Bilanzen - in dem Punkt bin ich mir ganz sicher.

Nur frage bitte niemand die Besitzerin eines fremden Monogramms ob sie die Berufe des Feintäschners oder Sattler kennt.

Eins verstehe ich aber nicht - warum wird nicht das eigene Namenskürzel gut sichtbar getragen? Oder ausgeschrieben wie
das Namensschildchen auf der Jacke - das böte zumindet den Vorteil, dass einen jeder direkt mit Namen ansprechen könnte.
Oder kämen ihnen das etwa nicht gelegen - wäre ihnen nicht zupass?
Also irgendwie anonym bleiben und doch wiederum nicht?

Oder doch nur um jedem zu präsentieren, dass man sich den Luxus leisten kann, viel Geld für irgendwelchen Tand auszugeben?
So haben halt eben "Luxus" und "preiswert" einen deutlichen Bedeutungs- und Sinneswandel durchgemacht - ist halt eben
eine Folgeerscheinung wenn man der Elternsprache nicht mehr in vollem Umfang mächtig ist und sich Lehnwörtern bedient.

Früher, da wurden die Sandwich-Men ja noch für ihre Arbeit bezahlt - heute geben die Leute sehr viel Geld dafür aus
für irgendwelche Firmen Werbung laufen zu dürfen - alles hat halt eben seien Preis - auch das Auffallen,
könnt ja immerhin sein, dass man entdeckt wird.:confusion:
Aber eine Frage bleibt immer noch - für was sollen die Monogramme auf Brust und Rücken eigentlich stehen?
Zu welchem Zweck?

urban
01.09.13, 10:06
Männer haben es bei der Kleidung ja recht einfach - sie tragen Uniform oder kleiden sich in ihrer freien Zeit nach Gusto.
Frauen machen sich's einfach und tragen neuerdings immer und überall Jeans - sie wollen auch mal die Hosen anhaben.

Wie Sie glauben das etwa nicht?
Noch haben Sie die Gelegenheit sich im Sonnenschein in ein Straßencafé zu hocken und meine These zu überprüfen.

Uniform bedeutet nicht mehr und nicht weniger als uni-form gekleidet, in einer Form, also irgendwie gleich,
gleichartig oder zumindest doch sehr ähnlich.
Das können Trachtenträger und -innen sein, Ärzte & Krankenschwestern, Soldaten oder Polizisten,
früher die Grünen - heute die Blauen.
Aber auch "Businessmen" in ihren Anzügen, sind Uniformträger, denn auch sie ähneln einander sehr stark.
Setzen Sie sich mal in Frankfurt am späten Nachmittag in der Nähe der Alten Oper in ein Straßencafé und
warten ab bis sie kommen, die Banker und die anderen Businessmen, allesamt Profis und deshalb auch
alle uni-form gewandet in Anzüge in den verschiedenen Grautönen von hell bis dunkel,
und darunter tragen sie die obligaten schwarzen Schnürschuhe.
Wenn dann mal einer vorbeikommt in braunen oder blauen Schuhen, beigen, blauen oder roten Mantel, dann
haben Sie eine der ganz seltenen Ausnahmen in Anblick bekommen, die es aber nur ganz vereinzelt
ebenfalls in FFM gibt: einen Gentleman, und mit ganz viel Glück entpuppt er sich bei genauem Hinsehen
auch als Dandy, wenn seine Kleidung absolut perfekt abgestimmt ist.
Grüner Anzug und/oder Mantel: Da hat sich entweder ein Waidmann bei der Pirsch verlaufen, oder aber
wenn er sogar echten englischen Tweed trägt, dann könnte es auch ein Connaisseur sein.

urban
01.09.13, 12:34
Zu und über die Optik von Kleidung könnte ich sehr viel schreiben - das Internet ist aber voll davon, warum also noch mehr zumüllen?
Ob sich jetzt jemand nur für Anzüge und damit putativ für die einzig stilvolle Kleidung interessiert, liegt in der individuellen Freiheit.
Für mich ist Kleidung aber mehr, sowohl der erste Schritt hin zu Kultur als auch das Ausdrücken der eigenen Stimmung, Laune,
oder wie auch immer man das bezeichnen mag, und auch der eigenen Fähigkeiten sich je nach Sinn und Zweck anzuziehen
und gerade nicht immer und überall im selben Erscheinungsbild, auch Look genannt.
Den Anzug im Termin, die grüne Kleidung zur Jagd und zum Motorradfahren Denim und Lederkluft.

Nur bin ich gerade ernsthaft am Überlegen wie man Tipps & Hinweise für schöne, harmonische Herrenbekleidung und
wertige formulieren kann, denn Alter und Statur spielen dabei bekanntlich die größte Rolle,
und wie das Ganze anstellen ohne die typischen Leerformeln zu benutzen?

Ich mach' mir mal ein paar Gedanken....:beach:

urban
04.09.13, 22:04
Die Wandlung eines Mannes umgesetzt von Ines Caleiro mit ihrer Schuhserie GUAVA MEN:

http://www.bestofbest-mode.com/showthread.php/960-GUAVA-by-Ines-Caleiro-sehr-ausgefallene-Damenschuhe-und-auch-für-Herren?p=3076&viewfull=1#post3076

urban
05.10.13, 10:24
Ein Grund warum ich niemals den Stilberater machen möchte ist ganz einfach der, dass man pauschale Regeln für Kleidung
und Ausstattung aufstellen kann, denn dafür sind die Menschen nun mal viel zu verschieden, nicht nur von ihrer Statur her.
Und Kleidung ist nun einmal die individuelle Möglichkeit sich je nach Lust und Laune, Anlaß oder Ausdruckswillen usw. zu präsentieren und
mit anderen Menschen zu kommunizieren, ihnen mitzuteilen wie man gerade gelaunt ist und was man gerade im Sinn hat.

Die sture Befolgung von Regeln führt zur Uniformität, was in bestimmtem gesellschaftlichen Umfeld kombiniert mit nichtssagendem,
weil unverbindlichem, Smaltalk durchaus 'angebracht' ist - die Menschen zu bloßen sehr ähnlichen Figuren auf einem Feld vereint.
Dem persönlichen Ausdruck des Einzelnen sind dabei sehr enge Grenzen gesetzt bzw. Möglichkeiten gegeben.
Wem es so also Spaß macht?

Mir macht es aber mehr Spaß Ihnen die bunte Welt des Modedesigns verbunden mit etwas Wissen um Material und Qualität vorzustellen,
damit Sie als Leser und Betrachter frei nach ihrem Gusto auswählen können - daher beschränke ich mich auch nicht auf ein paar wenige 'preiswerte' Marken oder bete (Luxus-) Brands herunter wie es sonstwo passiert, sondern stelle auch sehr gerne junge Designer
und vollkommen unbekannte Hersteller und/oder Manufakturen vor.
Praktisch betrachtet eine Horizonterweiterung - Gefallen finden, sich interessieren und kaufen kann man nur Artikel,
die man kennt.
Wer aber bereits mit dem zufrieden ist, was er kennt oder hat, nun - dem kann ich nicht weiterhelfen, denn er will es ja nicht.

Es ist halt eben eine Frage der persönlichen Einstellung ob man sich die Mühe macht irgendwo auf dieser Welt ein Einzelstück
aufzutreiben oder sich mit Massenware, die es an jeder Eckezu kaufen gibt, zufrieden ist.
Den Einen macht es Freude sich zu kleiden - für andere ist es nur eine lästige Pflicht sich in Schale zu werfen und beschäftigen
sich lieber mit anderen Dingen - was soll's?
Jeder hat ein Hobby oder ein Faible für dies oder das - jeder wie es ihm gefällt!:wink:

urban
08.01.14, 23:48
Apropos "jeder wie es ihm gefällt" - das ist nicht so ganz ohne.

Ein Beispiel mag dies vielleicht zu beschreiben:
Jemand ist auf eine Familienfeier, na sagen wir eine Kommunionsfeier von Bekannten eingeladen worden und erscheint dort
mit Jeans, Turnschuhen, Hemd über der Hose und Bomberjacke - kurz: dem Anlaß weniger angemessen und
recht despektierlich dem Gastgeber, dem Einladenden, gegenüber, den er damit blamiert.
Dies wird nicht unbedingt zur Hoch- und Wertschätzung des Jeansträgers beitragen, und das nennt man dann ein Eigentor.

Mr. Blindbuy
09.01.14, 23:22
Apropos "jeder wie es ihm gefällt" - das ist nicht so ganz ohne.

Ein Beispiel mag dies vielleicht zu beschreiben:
Jemand ist auf eine Familienfeier, na sagen wir eine Kommunionsfeier von Bekannten eingeladen worden und erscheint dort
mit Jeans, Turnschuhen, Hemd über der Hose und Bomberjacke - kurz: dem Anlaß weniger angemessen und
recht despektierlich dem Gastgeber, dem Einladenden, gegenüber, den er damit blamiert.
Dies wird nicht unbedingt zur Hoch- und Wertschätzung des Jeansträgers beitragen, und das nennt man dann ein Eigentor.

Stimmt schon, andererseits möchte ich eh nur von Leuten zur Hochzeit/Kommunion (...) eingeladen werden, die sich darüber freundlich amüsieren können, wenn jemand/ich so erscheint.

urban
10.01.14, 09:01
Ja stimmt - ich hätte ein anderes Beispiel nehmen können, so eins mit "Sandals and Socks" im Urlaub - ist aber auch ein weites Feld.

Heute geht übrigens die Pitti zu Ende und das Netz wird geflutet mit Fotos der Besucher, die man leicht unterscheiden kann,
für die Einen ist es ein Laufsteg und für die Anderen ein Geschäft. :congratulate:

http://www.thesartorialist.com/

urban
10.01.14, 10:26
Es wäre natürlich sehr interessant einige Pitti-Outfits zu debattieren - einmal wie sie im Kontext der Pitti auf die Betrachter wirken
und wie sie zu anderen Gelegenheiten, Anläßen oder Lokalitäten wirken würden oder könnten.

Auf der Pitti werben die auffällig gekleideten Herren ja bekanntlich für ihre Firma oder ihre Person - je nachdem wofür sie stehen - und
engagieren Fotografen, um in's rechte Bild gerückt zu werden: Zufall gibt's nicht und Publicity will gesteuert werden.
'Die alten Hasen' treten mit einem hohen Wiedererkennungswert auf - ich denke dabei gerade an einen Herrn mit roten Schuhen + Socken.
Dann gibt es noch die Pitti-Ikonen mit denen sich jeder einmal fotografieren lassen möchte,
weil's gut ist für's eigene Geschäft ist und die Pitti heißt schließlich nicht umsonst PITTI IMMAGINE UOMO.

Die Aussteller, die eigentlichen Professionellen, werden recht selten fotografiert - insofern könnte eine solche Betrachtung oder Debatte,
ganz interessant werden, denn beide Gruppen gehören irgendwie zusammen, vermitteln aber verschiedene Botschaften,
die Einen möchten Händler gewinnen und verkaufen - die Anderen, die Besucher, sind entweder Händler, Handelsvertreter oder neugierig.

Mr. Blindbuy
11.01.14, 00:39
Sicher viel Schrilles dabei, ich find's aber witzig zum angucken und oft findet man auch an den schrägsten Aufmachungen etwas gutes, und wenn's nur ein Detail oder eine originelle Farbkombi ist. Kenn das ganze aber nur aus dem Netz. Warst Du schon mal da?

urban
11.01.14, 09:28
Einmal hatte ich das Glück und die Zeit einen Zwischenstopp auf der Pitti einzulegen, aber die meisten Leute sind nicht sonderlich auffallend
angezogen, sehr gut sehr wohl, also geschmack- und stilvoll - Bella Italia eben!
Mir fiel nur ein männliches Paar auf, das etwas auffallend - der kleinere Herr trug u.a. Zylinder - gemustert war.
Man darf nicht vergessen, dass die Pitti Immagine eigentlich eine Ordermesse für Händler ist, und Fotografieren, zumindest in und im Bereich
der Messestände (in den Gebäuden) ist eigentlich verboten, wird aber den Käufern gestattet, um den Überblick über ihre Bestellungen zu behalten.

Sehr interessant und allemal ist die Pitti einen Besuch wert!

pazi
11.01.14, 11:28
Ja stimmt - ich hätte ein anderes Beispiel nehmen können, so eins mit "Sandals and Socks" im Urlaub - ist aber auch ein weites Feld.

Also gerne kann jemand Socken und Sandalen anziehen. Das ist jedem selbst überlassen, besser versucht man sich nicht zu echauffieren, stattdessen bei sich und vorallem fröhlich bleiben :Good!:
Es gibt aber Bereiche in denen man meiner Meinung die eigene Kleidung bzw. die eigene Außenwirkung überlagert wird von höherwertigen Anforderungen. Vorallem in Bereichen in denen man als Repräsentant z.B. einer Firma auftritt.

Mr. Blindbuy
11.01.14, 23:46
Also gerne kann jemand Socken und Sandalen anziehen. Das ist jedem selbst überlassen, besser versucht man sich nicht zu echauffieren, stattdessen bei sich und vorallem fröhlich bleiben :Good!:
Es gibt aber Bereiche in denen man meiner Meinung die eigene Kleidung bzw. die eigene Außenwirkung überlagert wird von höherwertigen Anforderungen. Vorallem in Bereichen in denen man als Repräsentant z.B. einer Firma auftritt.
Na klar, aber man wird in so einem Job auch nicht lange bleiben, wenn man sich den gängigen Kleidungsnormen verschliesst.

urban
13.01.14, 21:04
Wir sollten uns vom dem stilgerechten Kleiden im Job - Businessman - verabschieden, denn sonst sind wir gleich bei der Sichtweise,
dass die stilvolle Kleidung eines Herrn nur der Anzug mit Hemd, Krawatte und rahmengenähten Schuhen sein kann,
und diese sehr simple Betrachtungs- und Herangehensweise möchte ich doch lieber Anfängern überlassen.

Die Klassische Herrenbekleidung umfasst ein sehr großes Repertoire und kann auf viele Kleidungsstücke zurückgreifen,
die Kunst besteht nur daran sie geschickt kombinieren zu können und anlaßbezogen zu tragen - das mag durchaus
bei einem Firmenrepräsentanten der Anzug, ausgerichtet nach der Corporate Identity, sein.

Ist man aber selbständig tätig, dann sollte man schon etwas variabler sein:
Einen Behördenbesuch als Antragsteller hätte ich niemals in einem Anzug gemacht - sondern in einer Kombination,
denn das Risiko den Neid zu erwecken (Beamte und das Gelübte der ewigen Armut) war mir schlicht zu groß,
ich trug sogar gerne Themenkrawatten, die immer für einen flotten Spruch taugten - OK, nicht unbedingt beim ersten Treffen.
Mit dieser Kombination wäre ich natürlich ungern zu einem Notar- oder Banktermin erschienen.

Bei all seinen Auftritten sollte ein gewisser Stil, eine Eigenart des Trägers zu erkennen sein, wie gut gepflegte Schuhe
ein zur Hose passender Gürtel, Hemd, Krawatte und Sakko aufeinander abgestimmt - durchaus mit gewissem Spleen
wie die Motivkrawatten oder sehr ausgefallene, elegante.
Und ja - man sieht der Kleidung schon an aus welcher Preisklasse sie stammt - da sollte man niemals den geschulten
Blick seines Gegenüber unterschätzen, ob er oder sie es bewußt oder unbewußt tut, aber taxiert wird Mann immer.

Nöri
24.03.14, 20:04
Hi,

wer einmal auf einer Messe war oder selbst dort gearbeitet hat, weiß dass Kleidung einen sehr wichtigen Bestandteil bildet. Denn natürlich liegt der Fokus zwar auf dem Produkt, aber dass drum herum ist eben auch entscheidend und für eine gute Präsentation sollte demnach gesorgt sein. Die passende Promotionbekleidung findet man z.B. bei http://www.sergeant-pepper.com/2412/promotionkleidung/, einem Berliner Corporate Fashion Label, dass z. B. auch einem Messeauftritt die passende Farbe verleiht und mit modischen Styles und individuellen Design punktet.

urban
11.02.15, 10:11
Der Stil eines Herrn wird im Wesentlichen von seinen Schuhen, Strümpfen, Gürtel und seiner Oberbekleidung geprägt.

Ein Mann, der dabei irgendwelche Regeln wie ein Biedermann befolgt oder irgendwelche Modetrends à la sprezzatura mitmacht oder sogar Werbekampagnen folgt,
der wird es nicht leicht haben seinen persönlichen (Kleidungs-) Stil zu finden.

Ein solcher Fauxpas ist zum Beispiel der farbgleiche Gürtel zu den Schuhen:
irgendeine graue Hose, Farbton ohne Bedeutung, und darauf einen schwarzer Gürtel in Schuhfarbe - der Mann wird dadurch optisch in eine obere und eine untere Hälfte geteilt.
Das soll gut aussehen?
Die Krönung des schlechten Geschmacks wäre ein hellbrauner Gürtel am oberen Ende der grauen Hose, ein blauer, möglichst in demselben Ton wie der Stoff, ginge dagegen schon.

Bleiben wir bei dem Beispiel graue Hose:
Natürlich kann man darunter Schuhe in einem Dunkelblau tragen, ebenso wie andere dunklere Farben, immer ein wenig dunkler als das Grau der Hose - in keinem Fall heller.

Solche und ähnliche Ratschläge könnte ich noch mehr hier aufschreiben quasi als Gebrauchsanleitung, und genau das möchte ich nicht,
denn Sie wollen sich doch wie ein Herr kleiden und nicht wie dessen Lakai, oder?

Probieren Sie doch einfach aus was zueinander passt, Ihnen persönlich gefällt - sollten dazu dann Ringelsöckchen, Gürtel mit auffälligen Schließen oder
andere "moderne" oder forentypische Ideen einfallen, so werden Sie recht schnell an Ihrem Erfolg merken wie gut es Ihnen steht.
Der leicht verklärte Blick Ihres Gegenübers wenn seine, noch schlimmer: ihre, Augen an den Söckchen oder Schuhen hängenbleiben...Satz mit x!

urban
12.02.15, 10:03
Zu Kamis Hemdenkragenfrage ist mir noch die beiden umgangssprachlichen Begriffe: "sich zugeknöpft geben" und "hemdärmelig" eingefallen.
Es gibt sicher noch weitere Redewendungen, die vom Kleidungsstil auf die Person und ihr Verhalten schließen lassen - ich möchte nur die Diskussion darüber anstoßen,
was diese Ausdrücke bedeuten und wie Mann sie bei seiner Kleidung berücksichtigen kann, sollte oder möchte.

Kleidung heißt hier Stil, wie ein Mann sich gibt, kleidet, ist, zumindest auf den ersten Blick hin wirkt.
Das soll bei geschäftlichen und gesellschaftlichen Ereignissen/Treffen gar nicht mal so ganz ohne Bedeutung sein...:wink:
Natürlich spielt das Gesicht und die Körpersprache da auch mit hinein, aber Kleidung und Accessoires können schon sehr viel über die Person verraten;
'positiv' oder 'negativ' möchte ich das jetzt nicht bezeichnen, eher so als Charakterstudie: der erste Eindruck zählt!

Nur mal so als Anregung darüber nachzudenken bevor Mann sich (ver-) kleidet.

Ach ja, und ehe ich's vergesse, Kleidung soll Spaß machen, Mann sollte sich freuen heute diese Krawatte umzubinden, weil er gut drauf ist!

Daher halte ich auch nichts von starren Regeln - rules are made to break them! :diablo: Halt eben gekonnt!

urban
12.07.19, 14:18
Apropos Stil:
Wer hat den Männern bloß klar gemacht, dass sie bei formellen Anläßen Hosenträger tragen müssten,
so als für jeden Betrachter auf den ersten Blick hin erkennbaren Ausdruck von einem stilsicheren Auftritt oder Kleidungs-Stil?

Ich find's clownesk!
Am Anfang stand die gut sitzende Hose vom Schneider, die gegen das Abrutschen mittels verdeckter Seitenzüge gesichert war.
Nur sehr beleibte Männer trugen Hosenträger auf Hosen mit großem Bauchumfang.

Heute, dank cleverer Händler, die als Mode- und Stilgurus angesehen werden, die selbst Schlipse als Penisröhrchen tragen und
überdimensionierte Gummigurte damit sie ihren Hosen nicht verlieren, ist auf einmal alles Antiquierte das zentrale Teil des I-Gent-Look-Styles,
sieht wohl sehr lustig aus und war früher so nur in der Manege zu sehen, aber immerhin:
Es bringt Umsatz und viele Möchtegern äffen es gedankenlos (digitumb) einfach nach!

Warum einfach wenn's auch kompliziert geht?
Es wäre ja auch ein riesiges Problem sich einen Anzug mit einer gut sitzenden Hose anzuschaffen, mit den verdeckten Seitenzügen,
so wie mein Vater sie noch trug, statt die dicken fetten Hosenträger der beleibten Großväter.
Diese unförmigen Teile harmonieren auch nicht wirklich mit einer Weste, auch Gillet genannt, geschweige denn eignen sie sich für einen stilvollen Auftritt,
erst recht nicht kombiniert mit bunten Schlipsen statt einem White Tie zum feierlich-festlichen Anlaß.

Aber wo kämen wir denn schließlich auch hin wenn die box-pusher nicht all ihren I-Gent-Tand bei ihren Fans & AZUBIS absetzen könnten? :shok: