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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Muss es denn wirklich immer das Beste vom Besten sein?



urban
03.05.13, 21:05
Nun ja, eigentlich schon - oder auch nicht!

Abgesehen davon, dass das Beste auch immer eine Frage der Definition ist, wie man in dem Buch von Haas, Schönburg und Thorer nachlesen kann. Allein schon die Begründung und die Erlebnisse der drei Autoren bei ihren Recherchen zum Buch wenn sie, wie so oft, auf verschiedene Meinungen und Standpunkte der Spezialisten trafen, ist schon sehr lesenswert und aufschlussreich.

Aber nur wer das Beste vom Besten auch tatsächlich kennt, der kann auch alle anderen einordnen!
Wer dagegen restlos davon überzeugt ist, dass seine Schnäppchen bereits das Nonplusultra sind,
der hat offensichtlich ein großes Problem mit dem Tellerrand.
Früher war auch STATE OF THE ART ein gerne gebräuchlicher Ausdruck dafür, woran sich alle anderen messen lassen musten,
oder High-End die einsame Spitzengruppe der Hersteller z.B. im Hifi-Bereich.
Und da fällt mir spontan noch "Low-Budget" ein für durchaus brauchbares Material zum erschwinglichen Preis.
Was nun aktuell bei HIFI State of the Art ist, darüber kann man sich seine eigene Meinung durch das Studieren der Fachzeitschriften im Kiosk oder durch Besuche bei entsprechenden Studios und Probehören herausfinden.
Oder man liest sich in Internet-Fach-Foren ein und versucht die jeweiligen Beiträge der einzelnen Member zu filtern, nach Fachkompetenz oder sonstigen Intensionen der Beiträge.
So oder ähnlich funktioniert das in allen Bereichen wie Sport, Autos oder anderen Hobbys.

Nur kenne ich ganz wenige Foren, bei denen man über Kleidung, Schuhen und Accessoires etwas nachlesen kann,
um für sich selbst herauszufinden was einem als STATE OF THE ART gelten kann.
Wohl kenne ich einige sehr wenige Foren, wo man auf die echten Freaks treffen kann und erfährt auch was nun wirklich die Spreu vom Weizen trennt, aber leider beschränken diese sich oft nur auf ein kleines Segment wie z.B. Denim, Lederjacken oder Maßschneiderei.
Und man muss beim Lesen immer auch auf den Mainstream des jeweiligen Forums achten.
Da kann es Hersteller und Händler geben, die gut und andere, die in dem Forum weniger gut angeschrieben sind.

In der FL ist z.B. der Jackenmacher Stuart C. wegen seiner Art des Umgangs mit "Kunden" nicht besonders gut gelitten;
ich komme mit ihm recht gut aus, versuche aber auch erst gar nicht mit ihm seine Preise zu verhandeln.
Dafür ist AERO dort umso besser angesehen, da billiger.
Jemand der beide Firmen gut kennt, riet mir aber zu Stuarts Arbeit - wohl teurer aber auch perfekt gemacht,
und so nehme ich lange Telefonate, Diskussionen und andere Überraschungen sehr gerne in Kauf,
um halt eben die beste Lederjacke von allen zu bekommen.
Und gang ehrlich:
Stuart würde mich wohl auch als leicht "seltsam" bezeichnen wenn ihn denn jemand danach fragen würde.:cool:

Nun aber wieder zurück zum eigentlichen Thema.
Es ist unglaublich interessant nach dem Besten vom Besten zu suchen, und ohne Insidertipps weiterzukommen
ist so gut wie unmöglich!

Wenn man dann endlich das begehrte Gut in den Händen hält, dann ist das schon so etwas wie eine Jagdtrophäe,
nach all den Mühen, und erfüllt einen natürlich schon mit Besitzerstolz.
So diente ich mich im Laufe der Jahre beim Thema Unterwäsche von Schiesser über Mey, Hanro und Zimmerli hoch zu Oscalito, zugegeben nicht gerade billig aber einsame Spitzenklasse, oder um dem Ausdruck treu zu bleiben:
STATE OF THE ART !
Nun kenne ich also aus eigener Erfahrung das Beste vom Besten und weiß was den Unterschied zur Mid-Range-
und der low-budget-Wäsche ausmacht.:wink:

Und so verhält es sich auch bei Stricksachen, Schuhen usw. - man muss zuerst einmal wissen, welche Spitzenqualität
man eigentlich und überhaupt für Geld kaufen kann, um anschließend die Freiheit zu haben hier und dort kleine Abstriche
zu machen, damit das Begehr auch ins eigene Budget passt.
Wenn allerdings jemand glaubt, dass er für recht kleines Geld schon HIGH END-Produkte kaufen kann - vollkommen
gleich um was es sich dabei handelt, der irrt gewaltig.
Wenn aber jemand nach dem Kauf eines Low-Budget-Items den Mut hat anderen Leuten etwas von Spitzenklassequalität
zu erzählen, kann ich nur noch kopfschüttelnd schmunzeln.

Ob sich nun jemand das Beste vom Besten auch tatsächlich leistet, hängt von seinen Prioritäten und seiner Börse ab,
aber kennen sollte man es schon - alleine schon, um sich bestens und auch frei (von Marken) entscheiden zu können.:Good!:

Marken-Fans brauchen eigentlich nur den neuesten Katalog und ein paar Clauqeure,
Luxus-Fans viele Neider und nur etwas Zeit zum Einkaufen,
viel davon vergeuden dagegen die ewigen Jäger des günstigsten Preises & des PLV's,
denn sie werden wohl nie wirklich fündig - wenn der Preis regiert wird die Qualität unterdrückt!:help:

urban
04.05.13, 10:36
Ein Beispiel:
Als ich meinen PC neu aufbaute habe ich bei der CPU und der Graka nur die 2. Garde eingebaut aber ein HW-Raid von LSI mit 4 speziellen Festplatten von WD.
Das letzte Quäntchen Leistung bei CPU und Graka war mir den hohen Aufpreis einfach nicht wert - im Gegenzug war mir aber
die Datensicherheit sehr wichtig.
Der Tipp zum Monitorkauf stammt übrigens aus dem Forum PRAD.de

Meinen Dank an die Spezialisten von Hardwareluxx und PRAD!

Hätte ich die Freiheit zu wissen und zu entscheiden was am schnellsten bzw. besten ist nicht gehabt, dann hätte ich wahrscheinlich
irgendwo einen fertig montierten 08/15-PC bestellt, der meinen Ansprüchen nicht genügt hätte.

urban
26.05.13, 12:09
Das Statement der Daslu-Kundin aus der Buchvorstellung Deluxe: How Luxury Lost Its Luster von Dana Thomas
"Daslu clients don't need to buy logo entry-level handags or to wear labels or logos.
We buy from luxury brands, but not ordinary products.
Special items. There's always something special.
You can see what is mass and what is special.
Luxury is not how much you can buy.
Luxury is the knowlege of how to do it right, how to take the time to understand and choose well.
Luxury is to buy the right thing."

Die Autorin Dana Thomas betrachtet in ihrem Buch die Welt der Mode aus der Perspektive des Luxus;
wenn man so will: von oben.
In diesem Forum stelle ich die Kunsthandwerker und Meisterinnen vor, die diese exquisiten Produkte herstellen;
wenn man so will, von unten, von der Basis her betrachtet.

Es sind aber dieselben Macher und die gleichen Sachen - leicht zu erkennen an den bisher vorgestellten Manufakturen
aus Frankreich und Italien, in Frankreich ausgezeichnet und gewürdigt vom EPV, und in Italien ausgezeichnet von den
französischen Auftraggebern wie z.B. Christian Louboutin, der dort seine Damenschuhe machen lässt.
Aber nicht nur CL, sondern auch so manch anderes internationales Luxusbrand lässt dort unter seinem Namen fertigen.

Der größte Unterschied der zwei Perspektiven liegt dabei im Preis, den Kunden und Kundinnen dafür zu zahlen haben;
die Qualität ist dieselbe.
Das Design wird sich grundsätzlich, und je nach Produkt, unterscheiden, denn irgendwie muss es ja eingepreist
werden, oder wovon sollten der Designer und seine Mitarbeiter leben?

Der zweite wesentliche Punkt ist die Umgebung, in der die Kunden einkaufen - die Haute-Volée kauft ganz privat
ein im Separee der Luxusboutique bei Espresso, Champagner und Fingerfood, abgeschirmt von Bodyguards.
Viele Sachen, die hier vorgestellt werden, kann man sogar als Paket frei Haus geliefert bekommen,
sofern man nicht die Zeit und Muße hat quer durch Europa zu reisen, um sie einzukaufen.

Und wie sagte die Dame noch mal gleich?
"Luxury is the knowlege of how to do it right, how to take the time to understand and choose well."
That's why this forum is called:


4026

P.S. Nein, ich will die Firmen, die für berühmte Brands wie z.B. Louboutin produzieren, nicht preisgeben, denn dann wäre ich bei den Insidern "verbrannt" und die Türen fielen zu - davon hätte niemand etwas.

urban
16.06.13, 08:59
Im Grund genommen geht es mir eigentlich nur um mehr Transparenz.

Diese setzt voraus, dass der (Kauf-) Interessent um die unterschiedlichen Materialien Bescheid weiß und diese einordnen kann.
Dabei gehe ich davon aus, dass jeder/jede imstande ist z.B. krumme Nähte, sich durchdrückende Spitzenkappen bei Schuhen,
und andere Verarbeitungsmängel mit seinen/ihren eigenen Augen zu sehen.

Einen Zweck haben sie nur wenn der Kunde tatsächlich das beste für sein Geld haben will , was aber voraussetzt,
dass er auch genau weiß was er kaufen möchte - gute Qualität gepaart mit Design.

Wenn jemand aber mit Bezeichnungen wie "100 % Baumwolle", "100 % Cashmere" oder "rahmengenäht" bereits zufrieden ist
oder nur marken-/brandorientiert bzw. mit selbst gesetzten Preislimits zum Einkaufen geht,
dann macht das Lesen der Beiträge natürlich keinerlei Sinn.

Transparenz also vor allen Dingen deshalb, weil der Kunde in der Lage sein sollte selbst vor Ort ein Paar Schuhe,
ein Kleidungsstück oder Accessoire zu bewerten und
weil ich persönlich der Meinung bin, dass immer mehr Leute nach echter Qualität in jeder Hinsicht suchen
und auch bereit sind diese zu bezahlen.

Es wäre mir ein Leichtes irgendwelche Modemarken herunterzubeten oder Ihnen irgendeinen Schund mit
vielen bunten Fotos unterzujubeln und als das Nonplusultra anzupreisen...

Transparenz heißt natürlich auch echte Manufakturen vorzustellen, die in Deutschland so gut wie unbekannt sind;
die Problematik, dass es deren Sachen nicht an jeder Ecke zu kaufen gibt, ist mir wohl bekannt,
aber andererseits ist das Interesse an einer Veranstaltung wie z.B. Secrets of Umbria sehr, sehr gering.

Ich kann mich natürlich auch in vielen Dingen irren...:sorry:

P.S. Das Limit beträgt 2 Jahre.

urban
23.06.13, 19:31
Ich kann mich natürlich auch in vielen Dingen irren...:sorry:

Oder ich drücke mich einfach zu kompliziert aus.:big_boss:

Es reicht nicht aus nur die Marken zu kennen, denn sie produzieren selbst unterschiedliche Linien in verschieden Qualitäten,
und unterscheiden sehr wohl zwischen Einzelhandels- und Outletcenter-Qualität, oder sie lassen herstellen.

=> Als Käufer hätte man einen kleinenr Vorteil wenn man:

das Kerngeschäft einer Marke/Brands/Labels kennt, denn das beherrscht die Firma gut oder sehr gut
sich ein klein wenig mit dem Material, Wolle bei Strick und Stoffen und mit Leder bei allen Lederwaren und Schuhen, auskennen
Marken können von heute auf morgen ihre Ausführung ändern - dies findet man sehr häufig bei Schuhen, von außen bleiben
sie gleich, nur das Innenleben hat sich u.U. gravierend geändert [das kann man auch von außen kontrollieren!]
Fotos im Internet 'blind' zu vertrauen ist weniger ratsam - man denke nur an Photoshop...
aufmerksam hinschauen, um die Qualität der Ausführung zu erkennen und einstufen zu können
aber auf keinen Fall irgendwelchen Hypes in Modezeitschriften, Werbeanzeigen, Foren und Bloggs folgen, die nicht
durch eine(n) selbst nachvollziehbar und verständlich sind.
das Internet kann viel vermitteln, aber garantiert weder Gerüche noch das haptische Erlebnis beim Anprobieren



Beispiele:
John Smedley produziert aus Sea Island Cotton - dieser kommt aus den USA und gehört zu den Extra Langstapeligen Fasern (ELS), der Strick ist sehr fein und sehr weich.
SPOERRY 1866 strickt aber aus WEST INDIAN Sea Island Cotton (WISIC) - dieser kommt von Jamaica und Barbados, wird von Hand geerntet und entkernt, ist wesentlich langfaseriger, bis 52/55 mm, und noch viel feiner/dünner:
Das Nonplusultra bei Feinstrick und (Hemden-) Stoffen, und ich kenne Strick von beiden Firmen, trug & trage ihn.
Deshalb sind alle Teile mit einem Holgramm mit Seriennummer ausgestattet.

Della Ciana Cashmere kenne ich aus persönlicher Erfahrung und habe deshalb die Firma hier vorgestellt;
nun hat sie es immerhin in das Buch GENTLEMAN'S STYLE geschafft und steht dort einträchtig neben Brunello Cucinelli.
Mein persönlicher Tipp:
Haben Sie ein Auge auf CRUCIANI CASHMERE nebst den etablierten wie PIACENZA CASHMERE, LUIGI COLOMBO
und anderen, die ich hier vorgestellt habe wie beispielsweise TASSELLI.
Bei Hemdenstoffen sollte Mann ein Augenmerk auf SÖKTAS haben.
Bei Schuhen halten ich mich derzeit etwas bedeckt.:wink:

Es ist natürlich viel, viel einfacher sich eine GQ/Vogue am Kiosk zu kaufen und die Namen bekannter Hersteller herunterzubeten
- Brand Babbler -
ohne überhaupt zu ahnen wofür diese Marken denn tatsächlich stehen. Solchen Unterhaltungen zuzuhören ist schon :2 laughers:

P.S. Unter Damen ein sehr beliebter Zeitvertreib zwecks Kontaktanbahnung, und als ein paar Tropfen Wasser an die VUITTON kamen stand die ganze Terrasse auf dem Kopf und der Kellner lief vor lauter Scham rot an. Ich bekam davon aber nur den Anfang mit, da ich vor lauter Lachen über die kreischenden H... und ihre verzweifelten Rettungsversuche mit Hilfe trockener Baumwolltücher, um Gottes Willen kein ordinäres Geschirrtuch (!), unter'm Tisch lag. Aber immerhin mindestens 3! VUITTONS auf 10 Tische - nur hatte ich leider keine vorzuzeigen.

urban
29.06.13, 12:00
BB - ein Link dazu: http://strategyaudit.wordpress.com/2012/10/17/brand-babbling/