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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dieses, sell & jenes - Bekenntnisse eines Märchenonkels



urban
09.04.13, 14:39
Ein Thread über Unterhaltsames aus dem Alltag.

Vor lauter lauter weiß ich aber gar nicht so recht wo und wie ich anfangen soll.
Ich habe in den letzten Tagen so vieles erlebt, gelesen und erzählt bekommen und dabei so oft geschmunzelt,
dass ich schon gar nicht mehr weiß, welches eigentlich beste Joke war.
Einmal war es der Maßanzug, der eingetragen werden muss, ein anderes Mal ein seltenes Tier, so eine Kreuzung
zwischen Zebra und Esel, dessen gutes Ansehen heftig verteidigt wurde, vielleicht aber auch die Geschichte über
die handgenähten Schuhe zu einem wirklich sagenhaften Ladenpreis, der weit unter dem liegt,
was die Schuhmacher, die ich kenne, aufrufen?
Ganz ehrlich, ich kann's nicht mehr so genau sagen, was mich am besten unterhalten hat, denn vieles,
was ich recht gut zu wissen glaubte, stellte sich plötzlich als falsch heraus.
Und dann habe ich ja auch noch ein Einkaufszentrum besucht. Dort war es aber bei weitem nicht so interessant,
alles in allem ging's dort eher ruhig zu - das schlechte Wetter!
Die Ladeninhaber dort haben wirklich einen schweren Stand, kaum Besucher und wenig Umsatz.
Aber nicht nur die.
Dann habe ich noch gehört, dass die Chinesen sich anschicken jedermann die perfekten Maßschuhe frei Haus zu liefern:
Das funktioniert ganz einfach:
Der Kunde stellt sich in 3 verschiedenen Positionen vor seine Webcam und legt eine DVD neben seine Füße.
Aus diesen Maßen errechnen die Chinesen dann mit Hilfe eines speziellen Programms die Fußmaße und die korrekten Leisten
und geben die Schuhe danach in die Produktion.
Aufgrund der großen Einkaufsmengen an Leder, sonstigem Material, der vollautomatischen Prozesssteuerung - nur die Schuhe
werden noch von Hand genäht - und der niedrigen Lohnkosten zusammen mit der Renmimbi-Abwertung können die Schuhe in
der EU für 199.- € zzgl. Versandkosten angeboten werden. Eichenlohesohlen kosten aber 15.- € Aufpreis.
Soweit sind wir schon.

Was gab's sonst noch Erzählenswertes?
Eigentlich recht viel, andererseits das übliche Fabulieren, also nichts wirklich aus dem üblichen Tinnef herausragendes.

urban
09.04.13, 15:08
Doch - da ist doch noch etwas.
Gestern habe ich mich mit meinem Freund darüber unterhalten, ob das Abklappern des Internets, das Studieren von Schnäppchenführern
und der Besuch der Outletcentern eigentlich noch etwas mit Genuß zu tun hat oder ob das nicht bloß vergeudete Zeit ist,
da doch jeder zuhause seine Schränke voll hat.
Mein Kumpel ist übrigens bekennender Outletshopper.
Oder ob es nicht mehr Spass macht einfach spontan einen Laden zu betreten wenn man im Vorbeigehen etwas interessantes im Schaufenster
gesehen hat.

urban
10.04.13, 09:40
Manufakturen - ein aktuell geradezu inflationär gebrauchter Begriff bei Kleidung so als wären alle Autofabriken jetzt Manufakturen.
Hört sich aber in jedem Fall gut an und bringt Umsatz - ein bisschen komisch liest es sich aber schon wenn von einer eigenen
Manufaktur schreibt, diese aber unter einem ganz anderen Namen in den Pagine Gialle (Telefonbuch) steht, aber die Kunden wollen
es ja so.
Schuhmania - Zwischenstufe bei Aficionados, sie dauert so lange an bis sie bemerken, dass viele Schuhe auch viel Zeit beim Putzen verschlingen und dass es noch weit bessere gibt, was dann zur Auflösung der eigenen Sammlung und zur Umschichtung führt.
Schuhsammler - ist Mann oder wird Mann nicht, jeder hat ein Hobby, sehr damenaffin: viele Staubfänger, die so gut wie nie getragen werden

pazi
10.04.13, 10:43
Manchmal hat man beim Abklappern des Internets oder beim Schmökern von Schnäppchenführern (vermutlich, ich besitze keinen) eine Vorfreude. Zum Beispiel, wenn Sie eine neue Marke vorstellen und ich scrolle über die Bilder. Falls ich nun daran interressiert bin, schaue ich mir die Homepage des Herstellers, falls vorhanden, an. Dann denk ich mir eventuel "das wär ein schönes Weihnachtsgeschenk" und klapper das Internet ab nach mehr Produktaufnahmen und Geschäften, die diese Marke führen. Das bereitet mir dann zu einem gewissen Grad Freude und ist damit keine vergeudete Zeit.
Jedoch, im großen und ganzen bin ich auch der Meinung, dass man zu viel Zeit in der Theorie verschwendet, die man besser mit der Praxis des Anprobierens, Testens, Fühlens, Tragens und vorallem Genießens verbringen sollte. Kleidung hat sich selbst über ihren eigentlichen Selbstzweck schon längst erhoben. Als ihr Benutzer sollte man diesen Weg mitgehen und nicht die Spuren betrachten.

In der Theorie schon vorstellbar, dass man einen Schuh herstellen kann, dessen Maße mittels Bildaufnahme bestimmt wurden. Ich würde sogar so weit gehen, dass man wissenschaftlich festlegen kann, wann genau ein Schuh passt. Aber dann müsste man dem Individuum von Beginn an seines Lebens an diese Norm gewöhnen. So könnte man auch vermeiden, dass das Individuum selbst ein Empfinden entwickelt, was den passt oder nicht. Wie eine bestimmte Größe an Mutter auf eine Schraube passt, sollte dann auch der Schuh zum Fuß passen...ja und falls nicht, dann mit Schmackes den "Schraubenschlüssel" anpacken :rolleyes:

urban
11.04.13, 10:35
Beim Thema "passen" streiten sich bekanntlich die Geister.
Passt ein Schuh dann, wenn der Fuß hineinpasst ohne dass sich viel Luft zwischen Fuß und Schaft befindet oder gar zu eng ist und drückt,
oder dann, wenn auch das Fußgewölbe unterstützt wird?
In beiden Fällen also dann wenn bestenfalls der Ist-Zustand des Fußes konserviert wird oder
wenn der Schuh so konstruiert ist, dass er die vorgenannten Bedingungen erfüllt und eventuelle Fuß-Fehlstellungen korrigiert?
Das wäre dann der optimale Maßschuh von einem wahren Könner, der auch über umfassende orthopädische Kenntnisse verfügen muss, gefertigt.

Die Zeitvergeudung ist wahrlich nicht die eigene Recherche über gute Kleidung sondern die zeitfressende Recherche nach dem besten Preis,
ggf. einer Bestellung im Ausland inklusive Zollbesuch usw., um dann doch letzten Endes recht oft ein suboptimales Produkt in den Händen zu halten.
Das habe ich alles schon ausprobiert - mal hatte ich Glück und mal Pech - aber es ging in jedem Fall viel Zeit dafür drauf,
und Nerven habe ich auch einige gelassen, vom Ärger ganz zu schweigen.
Ob es sich gelohnt hat?
Na ja, viele Umwege hätte ich mir ersparen können, den allermeisten Aufwand auch, also nein!
Heutzutage ist es mir sogar zu viel Arbeit Outlets und Shopping-Villages abzuklappern und kaufe nur noch in ganz wenigen
Fabrikläden ein, die nahe an meiner Reiseroute liegen und A-Ware in entsprechend großer Auswahl anbieten.
Gelernt habe ich dabei noch so einiges mehr und auch jede Menge Erfahrungen gesammelt.
Via Internet kann man viele Sachen kaufen, aber keine, bei denen es auf die bestmögliche Passform ankommt
wie z.B. Hemden.
In Ebay habe ich auch einiges gekauft - irgendwann aber Ebay nur noch zur Suche nach Fachhändlern benutzt.
Am besten fuhr ich immer mit Käufen direkt bei jeweiligen Händler: ganz altmodisch habe ich dann per Telefon bestellt.

Die beiden wichtigsten Lehren, die ich gezogen habe:
Es hält sich bestenfalls die Waage - viel Zeit mit Preissuchen oder dem günstigsten Anbieter zu verplempern.
Das Auffinden/Tragen guter Produkte dient dem eigenen Wohlbefinden und der Zufriedenheit ohne Rücksicht darauf,
was andere darüber denken, die ihr Selbstwertgefühl über Marken/Brands/Label oder Preis bzw. PLV beziehen.
Ich trage auch am liebsten Sachen, die (noch) keiner kennt - Hauptsache ich fühle mich darin wohl.

urban
20.04.13, 11:46
Ich würde mir wünschen, dass die Leute etwas mehr Qualitäts- und Preisbewußtsein entwickeln und
dabei mehr Wert auf Qualität statt Quantität legen würden.

Ich unterhielt mich vor kurzem mit zwei Damen, wir sprachen über den Einkauf in einem bekannten Lebensmitteleinzelhandelsgeschäft
und in einem Supermarkt.
Eine erzählte dabei, dass sie im Geschäft davon ausgeht mehr zu bezahlen, deshalb viel bewußter einzukaufen statt alles im Supermarkt
leichtfertig in den Korb zu werfen, also insgesamt weniger und dafür aber bessere Sachen.
Unterm Strich hätte sie also weniger, dafür aber qualitativ und geschmacklich gute Artikel eingekauft, und auch an der Kasse weniger zu zahlen.

Ein paar Minuten später unterhielten wir uns über die aktuellen Einkäufe der beiden, Accessoires, Kleidung und Schuhe.
Sie erzählten mir, dass sie Geschäfte mit gehobenem Angebot vermissen würden, speziell was Damenschuhe angeht,
da gerade welche günstig und auf die Schnelle gekauft hatten.
Sie waren wirklich 'günstig' - ich bekam sie gezeigt und machte zuerst einmal gute Miene.

Was für Lebensmittel gilt, das gilt auch für Kleidung und Schuhe!
Frau muss nur bereit sein einen angemessenen Preis dafür zu zahlen und gerade nicht den Schrank vollzukaufen, sondern dafür weniger und hochwertigere Produkte!
Da wir uns in unserem Dialekt unterhielten, durfte ich so frei sein und die beiden darauf aufmerksam zu machen,
dass wenn man nur 'günstig' einkauft, man auch so auf die Leute wirkt und - wie sagte meine Oma immer zu mir
wenn ich mal wieder nur widerwillig die 'Sonntagsmontur' anziehen musste:
Wie Du kommst gegangen, so wirst Du auch empfangen! 3843


Sonntagsmontur: la monture - die Ausrüstung, Ausstaffierung, also die Sonntagskleidung
Meine Großmutter sprach wohl den Lothringer Dialekt, ihre Weisheiten aber immer in Hochdeutsch.
Kleider machen Leute!

urban
22.04.13, 09:29
Nun könnte ich natürlich die beiden Geschichten aus dem Brotladen erzählen, wie eine Frau versuchte dort ein 14 Tage altes Brot
gegen Erstattung des Kaufpreises zurückzugeben, das sie in einem anderen Geschäft gekauft hatte, das ebenfalls von dieser
Bäckerei beliefert wird.
Ich traute meinen Ohren nicht mehr!
Hatte aber richtig gehört.
Oder von den Preisverhandlungen in der Bäckerei, dem Bistro usw.

Heute ist aber Montag und ich muss mich sputen.3898